Öger, Russland

Öger mit Fellmütze

Alexej Mordaschow ist Großaktionär bei der TUI, und jetzt will sich Alexander Lebedew (Aeroflot, Blue Wings) mit zunächst 76 Prozent an Öger beteiligen und für das Engagement "einige zig Millionen Euro" springen lassen.

von Michael Krane, 22.07.2008, 08:40 Uhr

So steht´s in russischen Medien. Noch gebe es lediglich Verhandlungen, heißt es bei Öger. Was so viel heißt wie: Stimmt der Preis, trägt man bei Öger künftig Fellmützen. Was dafür spricht: Einige Millionen Euro erleichtern die weitere Lebensplanung. Das gilt für Vural Öger und seine Tochter Nina gleichermaßen. Aber was will Lebedew mit Öger? Mit einem Veranstalter, der in guten Jahren sehr gutes Geld verdient, aber in einem gesättigten Markt aktiv ist. Russlands Reiselust verspricht da weitaus besseres Wachstum. Will Lebedew von Öger siegen lernen? Dafür ist der deutsche und russische Reisemarkt zu verschieden. Russlands Touristik lebt vom Kurzfristgeschäft. Kataloge sind eher Bilderbücher als Infoteile. Und russische Gäste buchen direkt beim Veranstalter, während Öger auf den Reisebüro-Vertrieb getrimmt ist. Allerdings: Öger ist in der Türkei eine Macht mit besten Verbindungen zu Hoteliers und den politischen Entscheidern. Die Keimzelle für eine russische Marke Ögerschow.

Kommentare

von Detlef Meyer, 22.07.08, 10:34
Ich habe gerade auf meinem Blog Roundtrip (www.eastservices.de/wordpress)zum gleichen Thema geschrieben. Als Einleitung: Herr Krane, stimmungsmässig sind Sie mit der Überschrift 100% richtig. Im Jahr 2000 saß ich bei einem Freund in Moskau beim Tee in der Küche, als seine Frau mit dem neuesten Reisekatalog hereinkam. Dieser Katalog war primär der Verkaufskatalog eines grossen türkischen Pelz- und Lederbekleidungsproduzenten. Flug ab Moskau, Unterbringung und Vollverpflegung waren umsonst, wenn schon vorab Bestellungen aus dem Katalog getätigt wurden. Wer die Begeisterung russischer Frauen für Pelze kennt kann sich vorstellen, daß die Flieger rappelvoll waren. Also “Fellmütze” als Bild - gut getroffen. Zum Deal: Nach russischen Quellen ist der Deal vorbehaltlich der Antimonopolbehörden, die bis zum Herbst entschieden haben sollen, perfekt. Lebedev übernimmt erstmal 76% der Anteile an der Öger Tours GmbH. Der Vertrag ist in London unterzeichnet worden. Lebedev erhält ein Vorkaufsrecht für die restlichen 24% innerhalb der nächsten 2 Jahre. Über die genaue Verkaufssumme wurde nichts verlautbart. Lebedev selbst sprach von einem Volumen von mehreren 10 Millionen Euro. Die Marke Öger bleibt wie bisher in Deutschland und der Türkei bestehen. Im Gegensatz zu Mordaschow, der seine Beteiligung an der TUI immer als Investment deklariert, will Lebedev direkt in den russischen Reisemarkt eintreten. Dazu wird die Firma Öger - NRK als Reiseveranstalter gegründet werden. Schon in der nächsten Saison will man über 100 Mill. Euro Umsatz machen. Die russischen Touristiker erwarten, daß damit insbesondere den bisher den russischen Markt dominierenden türkischen Veranstaltern Konkurrenz erwächst und diese deutlich Marktanteile verlieren werden. Hinzu kommt, daß Lebedev selbst Anteile an den Airlines Bluewings (D) - 48% und Redwings (RU) -100% hält. Damit zu den letzten Absätzen der FVW. Die sind am Thema vorbei. Die Frage ist nicht, was will Lebedev mit Öger, sondern was will Öger mit Lebedev. Richtig, der deutsche Markt ist gesättigt und bringt keine sicheren Zuwachsraten. Der russische schon. Der startet gerade erst durch! Und ein türkisches Management, ein Herr Öger, können sich in wenigen Wochen an die Gegebenheiten des russichen Marktes anpassen. Der Grossteil russischer Großveranstalter hat Geburtshilfe aus der Türkei erhalten. Besuchen Sie mal eine russische Tourismusmesse. Ich habe da mit fast soviel Türken wie Russen verhandelt, und das noch 2008. Ein russlanderfahrenes Management zusammenzustellen ist also kein Problem. Und das der russische Kunde direkt beim Veranstalter bucht liegt auch eher daran, daß alle Veranstalter eigene Büros betreiben und(fast) alle Büros selbst veranstaltet haben. Diese Situation hat sich erst in den letzten 2 Jahren durch rigorose Maßnahmen seitens der Regierung (Insolvenzschutz, Veranstaltergarantiesummen) geändert. Dieses Jahr erinnerte mich die Messe in Moskau an “alte Zeiten”. Jeder große Veranstalter hatte einen Mitarbeiter abgestellt, der nur damit beschäftigt war Agenturverträge zu signieren und zu siegeln (in Russland noch komplizierter als bei uns). Die Agenten standen Schlange. Zur politischen Seite des Deals: Sicher laufen diese Gespräche schon länger, aber daß der Abschluß jetzt erfolgt, halte ich für keinen Zufall. Vor einer Woche ist der österreichisch-türkisch finanzierte russische Großveranstalter Detur über Nacht in Konkurs gegangen. Mit all den auch uns bekannten Auswirkungen auf Urlauber vor Ort und mit schon gebuchtem Urlaub. Die Berichterstattung in den russischen Medien war breit angelegt. Ministerpräsident Putin erliess daraufhin Ende der letzten Woche Forderungen um den Veranstaltermarkt in Russland sicherer für den russischen Verbraucher zu gestalten (alle Politiker sind Populisten). Schreibe ich gesondert drüber. Aber bekanntermaßen gehört zu Putins Standardmethoden der Einsatz der russischen Oligarchie um anstehende Probleme unbürokratisch und schnell zu lösen. Da passt dann der ÖGER-NRK-Deal wie die Faust aufs Auge. Es ist vielleicht hart, aber wir werden damit leben müssen, auch die deutschen “Reiseweltmeister” sind nicht unersetzlich.

von barthel.eu, 22.07.08, 13:50
Also der einzige Gedanke, der mir dazu kommt ist: "Ausverkauf der deutschen Konzerne". Auch Gazprom fällt mir da ein. -- Erinnerungswürdig: Russland galt nach Glasnost als "stehend pleite" und erst gestern gab's ein Bericht zu Gazproms undurchsichtigem Verhalten. Ach ja, wenn's langweilig wird, auch die Chinesen brauchen unsere Hilfe bei Erdbeben ... Beim Oderbruch haben die uns ... haben die uns geholfen? Immerhin haben sich die Ausgaben für Auslandshilfe in den letzten fünf Jahren um über 140% erhöht (wir reden von "fehlenden" Milliarden). -- Das nennt sich dann wohl "große Politik"...

von Arielle, 22.07.08, 14:27
Ein Russe kauft den Türkei-Veranstalter eines deutschen EU-Abgeordneten. Das nenn ich multikulti meine Herren! Was den britischen Chefs bei Cook und TUI gelingt - nämlich deutsche und britische Urlauber in Spanien auseinander zu halten - das werden die neuen Öger-Eigentümern mit den russischen und deutschen Touristen in der Türkei auch schaffen.

von Siegfried Egyptien, 29.07.08, 15:50
Die Einflussnahme von Russen auf deutsche Reiseveranstalter gab es schon in den 1980er. Damals hiess der Veranstalter "Hansa Tourist" und der Russe Wladimir Putin. Heute gibt es kein HT mehr, und die neuen Russen kommen aus dem Umfeld von W.P. Damals saugte sich Putin ein kleines Stückchen Einflussnahme auf ein kleines Stückchen Erde heraus, was er damals und heute nicht kaufen konnte. Auch zwischendurch reichten weder Devisenvorrat und die Kreditwürdigkeit der russischen Föderation, um einzukaufen. Heute läßt er seine reichen Mitbürger die "Arbeit" machen. Also: Das war bisher erst der Anfang: Es werden noch mehr Russen in Tourismus aus Deutschland investieren.

von Hans meier, 30.10.08, 04:25
Was ist mit OGERDEW, sind die Russen drin oder war doch Alles nur orieantalisch-hamburgisches Geschwaetz.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten