NSA

Keine Terrorabwehr ohne Reisendenprofile

Bislang war es nur fundierte Spekulation, jetzt mehren sich die Indizien: Der US-Geheimdienst NSA wird auch Reisedaten angezapft haben. Das berichten US-Medien mit Bezug auf geheime Dokumente. fvw-Leser wissen bereits seit der letzten Ausgabe: alles andere wäre auch verwunderlich.

von Dirk Rogl, 10.09.2013, 09:10 Uhr

Sechs Seiten haben wir in der aktuellen fvw 18/13 der Frage gewidmet, was der steigende Datenhunger von Geheimdiensten für Folgen für den Reisevertrieb hat. Firmenkunden bestehen nunmehr auch bei der Reisebuchung auf europäische Server und rüsten sich gegen drohende Wirtschaftspionage. Amerikanische Airlines, Reisebüros und Reservierungssysteme wiederum überarbeiten ihre Datenschutzbestimmungen und beschäftigen sich mit Safe Harbor, jenem Abkommen, der einen angeblichen sicheren Datenfluss mit europäischen Kunden ermöglichen soll.

Der Verdacht liegt nahe: Das US-Spähprogramm Prism reicht auch in die Touristik hinein. Kaum etwas ist spannendener im Namen der Terrorabwehr, als Bewegungsprofile von Verdächtigen zu erstellen und die im Buchungsprozess einlaufenden sensiblen Daten zur Person, zur Religion oder auch zur Verpflegung an Bord gleich mit auszulesen. Und überhaupt: ohne Flugzeuge wären die Vorkommnisse vom 11. September naturgemäß nicht möglich gewesen. Natürlich wollen die staatlichen Terrorkämpfe in den USA wissen, was in ihnen vorgeht.

Jetzt erhärtet sich der Verdacht. Die New York Times hat in Kooperation mit dem Guardian und der News-Plattform Pro-Republica neue Dokumente über die Machenschaften der NSA veröffentlicht. Vom Jahre 2006 an habe sich die Behörde Zugriff zu auf die Kommunikation dreier ausländischer Airlines und eines "Travel Reservation Systems" genommen, heißt es in dem Bericht. Gemeint sein dürften wohl Airline-Reservierungssysteme und ein globales Vertriebssystem (GDS). Angaben zu den angezapften Partnern und zur genauen Herkunft dieser Angaben werden in dem Bericht nicht gemacht.

Nach fvw-Recherchen haben US-Geheimdienste ohnehin Zugriff auf GDS-Daten. Für das US-Einreiseprogramm Esta dürfen sich die Agenten diese Daten seit jüngerer direkt aus den Systemen ziehen. Zuvor standen die Airlines in der Pflicht, die Daten fristgerecht an die Behörden zu liefern. Nun wurde ihnen diese Arbeit von staatlicher Seite abgenommen. Und in der "Privacy Policy" vieler US-Unternehmen steht stets der gleiche Satz. Für Ermittlungen dürfe man Daten auch an US-Behörden weiter geben. Auch der Datenhunger der privaten Wirtschaft ist enorm. Airlines lassen sich das Reisevolumen ihrer Top-Kunden anhand anonymisierter Reports auflisten.

Sehr stark in der Erstellung solcher Statistiken st ein Unternehmen mit einem wenig ruhmreichen Namen: Die Prism Group, seit 2012 eine Tochter des GDS Sabre. "Wir haben nichts mit dem NSA-Programm zu tun", beteuert CEO Michael Whitesage in der aktuellen fvw. Das wiederum behaupten alle Unternehmen. Und zwar nicht nur in der Touristik. Wie gut die Geheimdienste auch ohne Wissen der Unternehmensspitze Daten anzapfen können, haben sie ja schon bei Google und Facebook bewiesen.

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