Mobile Commerce

Apple, Google oder DB – wer macht das Rennen?

Die Deutsche Bahn hat nicht viel zu tun mit Google und Apple. Aber eins eint: der Wille, eine führende Rolle in der Mobilitätsplanung zu übernehmen. Einer wird gewinnen. Zwei werden verlieren. Haben andere überhaupt noch eine Chance?

von Dirk Rogl, 08.10.2010, 11:15 Uhr

Die Bahn will zur wichtigsten Anlaufstelle für Mobilität in Deutschland werden, sagt DB-Vorstand Ulrich Homburg im fvw-Interview. Der Bahner schielt auf einen Markt, der sich gerade erst rasant enwickelt: die Reiseplanung und -buchung über mobile Endgeräte. Mobile Commerce wird die Reiseindustrie massiv beeinflussen. Es wird kaum mehr als einen Sieger hervorbringen und viele Verlierer. Denn die Erfahrung zeigt, dass im E-Commerce stets ein Marktführer pro Segment den Ton angibt.

Wer also wird die führende Mobilitätsplattform, die Reisende mit Location Based Service intelligent auf Züge, Straßen und Flugzeuge sowie in das passende Hotel verteilt? Wer liefert auf Knopfdruck Alternativen, wenn auf der Autobahn Stau oder am Flughafen Chaos ist? Das ist bekanntlich die Aufgabe eines Reisebüros. Doch die Rollen verteilen sich gerade neu. Und ein paar Herausforderer einer Zunft, die durchaus Zukunft hat, sind erwähnenswert.

Die Deutsche Bahn will tatsächlich mehr als Bahntickets anbieten. Das E-Ticketing-System "Touch & Travel" ist der Schlüssel zum Erfolg. Es macht das Handy zur Fahrkarte – und bei Bedarf auch zum Flugticket oder zum Mietwagenschlüssel. Die schnelle Near-Field-Communication macht die Buchung im klassischen Sinne überflüssig.

Einen ähnlichen Weg geht Apple, das vor zwei Jahren das Patent für iTravel angemeldet hat. Es basiert ebenfalls auf NFC und soll das schnelle Einchecken von Fluggästen über die kurzwellige RFID-Identifikation ermöglichen. Das klingt sehr technisch, ist aber für die Reisenden genial einfach (wenn es denn korrekt funktioniert). Sind ihre Daten erst einmal registriert, gibt es keine Barrieren mehr für spontanes Reisen. Nur der Preis muss ermittelt und korrekt abgerechnet werden. Das ist heute eine weitere Domäne der Reisebüros.

Dritter im Bunde der Herausforderer ist schließlich Google, der mit seinem Betriebssystem Android um die Lufthoheit in der mobilen Communication ringt. Auch ohne Android sind Google Maps & Co unverzichtbare Applikationen, die eine zentrale Rolle als mobile Reisebegleiter spielen wollen. Google will zwar nachdrücklich kein Mittler werden, sieht sich aber schon als zentrale Plattform für Mobilität. Darauf deutet auch der Kauf von ITA Software hin.

Fazit: In einem Zukunftsmarkt werden jetzt die Claims abgesteckt. Google und Apple sind sicher dabei. Die Deutsche Bahn auch. Wer sonst in der Reiseindustrie verfügt über genügend Ausdauer und Kreativität? Der ADAC hat bereits seinen Hut in den Ring geworfen, Konzerne wie Thomas Cook, TUI und Lufthansa sind sicher dabei. Oder etwa nicht? Vielleicht ist die führende Position im M-Commerce doch kein großes Ding, weil die Mehrheit der Buchungen auch langfristig über die etablierten Kanäle erfolgt und nicht etwa via Smartphone?

Kommentare

von Sven, 08.10.10, 15:53
Ach? Mein Android Handy und die Rail Navigator App können "Touch & Travel" und auch noch eine Near Field-Communication? Was macht die App denn da genau? Ich nutze den Rail Navigator bislang nur als Fahrplanauskunft. Das macht er dann auch sehr gut, muss man zugeben.

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