Middelhoff, Kühne

Die gefallenen Retter

Klaus-Michael Kühne ließ sich als Retter von Hapag-Lloyd feiern, Thomas Middelhoff bei Arcandor. Nun kommt es für die Helden dicke.

von Klaus Hildebrandt, 15.07.2009, 09:42 Uhr

Hanseatischer als ein Reeder kann man nicht sein. Wir Hamburger haben ein ganz eigenes Verhältnis zu unserem Hafen und den Schiffen, und ich muss deshalb an dieser Stelle unbedingt anfügen, dass ich meine Diplomarbeit selbstverständlich über die Handelsschifffahrt geschrieben habe. Als vergangenes Jahr der Verkauf der TUI-Tochter Hapag-Lloyd nach Singapur drohte, sprangen die Stadt Hamburg und der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne in die Bresche. Kühne, dem trotz seiner Erfolge als Logistikunternehmer der hanseatische Makel des Schweizer Steuerflüchtlings anhaftete, schien mit seiner Heimat versöhnt. Das Bild, wie er als Retter von Hapag-Lloyd die Arme hochreißt, ist tief im Gedächtnis der Hamburger gespeichert. Doch nun kommt es dicke für den Retter: Erst verunsicherte er mit seinen öffentlichen Sanierungsappellen die Kunden von Hapag-Lloyd, dann forderte er unabgestimmt mit den anderen Gesellschaftern Staatshilfe und dann erschien er nicht zur entscheidenden Gesellschafterversammlung, auf der TUI und die anderen Aktionäre sich zu einer Finanzspritze für die Traditionsreederei bekannten. Die Folge: Kühnes Ruf hat stark gelitten, das hier im Norden starke "Hamburger Abendblatt" widmete ihm eine fast einseitige Breitseite. Auf sogar vier Seiten, und zwar im einflussreichen "Spiegel", kommt Thomas Middelhoff. Als er 2005 Vorstandschef von Karstadt-Quelle wurde, rühmte er sich, den Handelskonzern mit seiner Finanzakrobatik – etwa den Verkauf der Immobilien – vor der Pleite gerettet zu haben. Unvergessen ist, mit welcher Eloquenz und Wortgewalt er auf dem fvw Kongress im September 2008 die Dynamik der Reisebranche im Allgemeinen und die Erfolge von Thomas Cook im Besonderen lobte, währenddessen gleichzeitig der Aktienkurs nach Gerüchten über Zahlungsprobleme bei Karstadt in den Keller rauschte. Nun ist Arcandor insolvent und Middelhoff wegen seiner privaten Geschäfte mit dem Immobilien-Unternehmer Josef Esch unter Beschuss. Middelhoff war an Esch-Fonds beteiligt, die Warenhhäuser angeblich zu überhöhten Preisen an Karstadt vermieteten. Der "Spiegel" breitet umfangreiche Recherche-Ergebnisse aus, nach denen Middelhoff nie ernsthaft versucht habe, Millionenbeträge für Karstadt von Esch zurückzufordern. Middelhoff bestreitet die Vorwürfe. Aber in der Öffentlichkeit bleibt nach diesem Spiegel-Verriss ohnehin nur hängen, dass der Ex-Arcandor-Boss irgendwie in dubiose Geschäfte verwickelt sei und Esch seiner Tochter sogar noch einen blauen Golf kaufte. Ob zu Recht oder zu Unrecht am Pranger: Kühne und Middelhoff sind auf ihre ganz eigene Art schillernde Persönlichkeiten, die sich im Glanz ihrer Rettungstaten sonnten. Da schlägt das Pendel dann umso stärker zurück, wenn sich die Dinge anders entwickeln. Andererseits: Was wäre die Wirtschaft ohne Menschen wie Middelhoff? Auf jeden Fall grauer und langweiliger.

Kommentare

von G. Wissen, 16.07.09, 09:07
Böses Foul! Middelhoff noch den Status einer "schillernden Persönlichkeit" zuzuordnen. Da geht es um Menschen, Arbeitsplätze, private Schicksale. Und nur damit die Presse was zu schreiben hat, brauchen wir Manager wie Middelhoff? Wohl kaum... "Grau und langweilig" - das wären gesunde Alternativen zu zuletzt gesehenen schillernden und bund bemalten Finanz- und Marktverhältnissen. (Goldman & Sachs hat übrigens die Farbeimer schon wieder in den Händen). Es scheint fast so, dass über die richtig guten Persönlichkeiten wenig bis überhaupt nicht berichtet wird, und das wird seinen Grund haben. Denn die Artikel wären vielleicht grau und langweilig? Also Klaus, wenn Du irgendwann irgendetwas "besenrein" übergeben bekommst, Augen auf, es könnte auf den ersten Blick schillern...

von Zwischenrufer, 16.07.09, 13:23
Nichts gegen provokante Thesen, aber Kühne und Middelhoff in die Nähe zueinander zu bringen, geht doch schon deutlich weiter als "mit einem Augenzwinkern" zu bloggen. Natürlich ist niemand vor Fehlentscheidungen und dem Scheitern sicher, mit Folgen für die Mitarbeiter. Jedoch ist Kühne ein Unternehmer, der etwas (auch sein Vermögen) in seine Firmen hineinsteckt. Middelhoff ist nichts weiter als ein Angesteller, der aus "seinen" Firmen nur etwas herausholt.

von Andreas Schulte, 16.07.09, 17:49
Stimme dem "Zwischenrufer" zu. Kühne ist ein Unternehmer, der sich auch finaziell in seinen Unternehmen engagiert. Middelhoff dagegen ist ein eloquenter Rattenfänger, ein Blender, dessen berufliche Erfolgsbilanz in Gänze eher negativ sein dürfte.

von Sven Maletzki, 17.07.09, 09:45
"Unvergessen ist, mit welcher Eloquenz und Wortgewalt er auf dem fvw Kongress im September 2008 die Dynamik der Reisebranche im Allgemeinen und die Erfolge von Thomas Cook im Besonderen lobte, währenddessen gleichzeitig der Aktienkurs nach Gerüchten über Zahlungsprobleme bei Karstadt in den Keller rauschte." Waren Sie, Herr Hildebrandt, es nicht selbst, der dem werten Herrn Middelhoff auf dem besagten Kongress die Plattform für diese Eloquenz quasi auf dem Silbertablett präsentiert habaen? Ich habe dieses "Interview" noch gut in Erinnerung und kann mich nicht daran erinnern, dass Sie nur ansatzweise die schon damals offensichtlichen Schwachsinnigkeiten hinterfragt hätten. Dazu gab es bereits im Nachgang des Kongress einen entsprechenden Beitrag auf unserem Portal. Stattdessen wurde Middelhoff anschließend (unter anderem von der fvw) zum Manager des Jahres gekürt. Deshalb finde ich persönlich Ihren Blog-Eintrag schon etwas grenzwertig...

von Klaus, 17.07.09, 09:56
@Sven Maletzki: Ich erinnere mich auch noch gut an den Vortrag von Herrn Middelhoff auf dem fvw Kongress. Dass der Aktienkurs von Arcandor während des Vortrags von Herrn Middelhoff zu sinken begann, war zwar skuril, aber zu dem Zeitpunkt weder mir noch dem Publikum gegenwärtig, sonst hätte es Fragen dazu gegeben. Das kam erst hoch, als Middelhoff schon von der Bühne und aus dem Saal war. Darüber haben wir dann auch in der fvw-Ausgabe danach umfangreich berichtet. Middelhoff ist allerdings nicht zum Manager des Jahres gewählt worden. Von der fvw schon gar nicht, denn wir veranstalten eine derartige Wahl gar nicht. Bei der Wahl des Travel Industry Clubs siegte 2008 Wolfgang Mayrhuber.

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