Metasearch

Der Reiz des Affiliate

Weltmarktführer und ein Winzling in Deutschland – so konnte es für Kayak nicht weiter gehen. Warum die Amerikaner so großen Appetit auf Metasearch haben.

von Dirk Rogl, 06.05.2010, 16:18 Uhr

"Join them or beat them" – nach diesem Prinzip mischt Kayak das Metasearch-Geschäft auf. Vor zwei Jahren schluckte das von vier Investoren getragene Unternehen in den USA seinen schärfsten Mitbewerber Sidestep. Rund 200 Mill. US-Dollar soll Kayak die Übernahme damals Wert gewesen sein. Seitdem laufen in den USA beide Marken parallel. Und obwohl Kayak es tunlichst vermeidet, Zahlen zu nennen, spricht ihnen niemand die Weltmarktführerschaft im pulsierenden Metasearch-Markt ab.

Nach einem ähnlichen Muster ist Kayak jetzt in Deutschland vorgegangen. Swoodoo dürfte günstiger zu haben gewesen sein als Sidestep, aber ein Millionen-Deal ist die Übernahme allemal. Swoodoo war in der web-basierten Flugsuche der klare Marktführer in Deutschland. Tickets im Wert von rund 25 Mill. Euro pro Monat sollen nach fvw-Informationen zuletzt über das System vermittelt worden sein. Allerdings auch nur vermittelt – denn wie die neue Mutter Kayak ist Swoodoo eben nur ein Preisvergleichssystem, kein Reisebüro.

Leicht zu verstehen sind solche Millionen-Deals nicht, aber sie machen schon Sinn, zumindest aus US-Perspektive. Denn gerade in Amerika zahlen Airlines und die wenigen großen Online-Reiseportale im Markt hohe Affiliate-Provisionen für die Dienste von Kayak & Co. Das gilt bedingt auch in Europa. Trotz Nullprovision im Agenturvertrieb gewähren Airlines und Portale im web-basierten Affiliate-Geschäft attraktive Provisionen. Der Grund liegt auf der Hand: Es ist zum Teil billiger als klassisches Suchmaschinenmarketing. Und das E-Commerce ohne teures Online-Marketing nicht funktioniert, hat sich auch bis ins strenge Controlling herumgesprochen.

Swoodoo soll trotz hoher Investionen in Technik zuletzt rentabel gearbeitet haben. Und im Verbund mit Weltmarktführer Kayak ist das Münchner Unternehmen nun auch für deutsche Online-Touristiker ein Verhandlungspartner, an dem man nur schwer vorbeikommt. Nebenbei dürfte es ein paar wichtige technische Synergien geben. In den USA arbeitet Kayak eng mit dem von Google erworbenen Tarifdatenspezialisten von ITA Software zusammen. Da macht es schon Sinn, sich die alternative Swoodoo-Technik genau anzuschauen. Welche das ist? Auch das ist streng geheim. Eine individuelle Mischung aus Screen Scraping, direkten Schnittstellen zu Airline-Systemen und dem nicht ganz billigen Tarifdateneinkauf etwa über die Systeme Amadeus Masterprice und Hitchhiker Extreme Pricer dürften den Erfolg gebracht haben.

In Zukunft ist Metasearch weltweit eine ziemlich amerikanische Angelegenheit. Denn neben Kayak sind es Yahoo und Microsoft-Bing, die im globalen Markt den Ton angeben. Auf den großen Mitbewerber Cheapflights aus Großbritannien und die deutschen Herausforderer wie Billigflieger.de und Idealo kommt da eine besondere Herausforderung zu – insbesondere dann, wenn auch Google das attraktive Metasearch-Geschäft für sich entdeckt. Der heutige Deal stärkt diese Spekulation.

Kommentare

von Thomas Schulze, 06.05.10, 19:21
Da kann man den swoodoo Jungs nur gratulieren, das ist schon der zweite Deal im Metasearch dieses Jahr nachdem die People Search von 123people von den Französischen Page Yaunes übernommen wurde. Gibt hier Austria und Deutschland den Ton an?

von Florian, 06.05.10, 20:44
Guter Artikel, allerdings stimmt es nicht, dass US-Carrier Metasuchen für deren Ticketvermittlung großzügig vergüten - American Airlines zum Beispiel stellt gerne seine XML API zur Verfügung, vergütet aber keine Ticketverkäufe. Zudem verbieten AA, dass die Metasuchen ihre User statt zu aa.com zu einem OTA wie Priceline oder Orbitz schicken. Andere Carrier in dem sich konsolidierenden Markt bezahlen lächerliche Provisionen - es geht also nur über ein massives Volulmen, und das hatte Kayak ja nie in Europa erreicht.

von Dirk Rogl, 07.05.10, 09:16
@Florian: Guter Punkt. Auch in Europa haben sich ja viele Airlines aus öffentlichen Affiliate-Programmen a la Zanox zurückgezogen. Die Musik spielt in der Tat in bilateralen Verhandlungen.

von G. Wissen, 07.05.10, 12:53
Am Flug wird nur nichts mehr verdient. Demnach ist immer die Mischkalkulation entscheidend, zumindest für einen OTA. Kauft der Kunde bei Flugbuchung noch einen Hotelaufendhalt rechnet es sich unter Umständen. Der Flug allein ist ja "nur noch" der Köder, den die zahlreichen Sites auswerfen um traffic zu generieren. Konsolidierungen bleiben da nicht aus. Swoodoo hat in der Vergangenheit einen guten Job gemacht, und einige aus der oberen Etage können sich nun evtl. einen eigenen Jet zulegen...;-)

von daniel vogel, 15.02.11, 10:43
weiss jmd was ein partner kayak durchschnittlich für einen click oder lead zahlt?

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