Mehdorn

Sturheit siegt

Hartmut Mehdorn ist zurück im Staatsdienst. Der umstrittene Ex-Bahn- und Ex-Air-Berlin-Chef soll bei den Berliner Flughäfen retten, was zu retten ist. Und das ist eben keine Bankrott-Erklärung für die den BER, sondern die letzte Chance für beide Parteien.

von Dirk Rogl, 08.03.2013, 11:57 Uhr

Ein 70-jähriger Top-Manager, der weder die Deutsche Bahn an die Börse gebracht noch Air Berlin abschließend saniert hat, wird neuer Geschäftsführer der Berliner Flughäfen. Die Personalie Mehdorn polarisiert. Kurzfristig betrachtet ist sie das nächste PR-Desaster des Airport-Betreibers, dessen Pannenflughafen BER längst zum bundesweiten Skandal aufgestiegen ist. Die "Bild" hat es ausgegraben, der Bundesverkehrsminister Ramsauer hat es bestätigt, Deutschland lacht und schimpft, der Airport-Betreiber hechelt hinterher.

Keine Frage: Die Not muss gewaltig sein, wenn man in dieser Situation einen durchaus umstrittenen Manager aus dem wohl-verdienten Ruhestand holt. Diese Not ist freilich bestens bekannt. Der Bau des Hauptstadtflughafen BER ist der wohl größte Flop in der deutschen Luftfahrt und die damit zusammen hängen operativen Probleme insbesondere in Berlin-Tegel essentiell. Beides muss gelöst werden, und zwar schnell.

Die Gemengelage ist außergewöhnlich, und sie spricht sehr wohl für den Ex-Bahn-Chef als neuen Flughafen-Chef. Mit seiner Sturheit könnte er am BER die Wende bringen, obwohl er bei der Deutschen Bahn just daran gescheitert ist. Ohne erkennbare Rücksicht auf die Öffentlichkeit trimmte Mehdorn den Bahnkonzern zu maximalen Profit und zur Börsenfähigkeit. Keine Frage: das starre Festhalten des Ex-Bahn-Chefs an einem integrierten Konzern mit Netz, die zahlreichen Effizienzprogramme und der Umbau der einstigen Staatsbahn zum globalen Verkehrsdienstleister haben mächtig genervt, dem DB-Konzern selbst hat diese Haltung aber nachhaltig gestärkt.

Es gibt wenige Manager, die mit so viel Energie, Ungeduld und eben Sturheit Projekte vorantreiben und sich dabei von wechselhaften externen Einflüssen nicht treiben lassen. Genau diese Einflüsse sind nun gefragt auf dem Pulverfass BER. Hinzu kommt: Mehdorn kennt die Branche. Anders als externe Krisenmanager kennt er bestens die Anforderungen von Airlines und der Touristikbranche. Das ist gewiss kein Nachteil für die Reiseindustrie.

Hartmut Mehdorn als Flughafen-Chef ist eindeutig das geringste Übel und auch die letzte Chance – sowohl für den Flughafenbetreiber als auch für Mehdorn selbst. Wenn es ihm gelingt, den neuen Hauptstadtflughafen schnellst möglich und ohne weitere Kostenexplosionen zu eröffnen, fährt er doch noch den Ruhm ein, den der ehrgeizige Manager schon immer gern geerntet hätte.

Kommentare

von Lars Heinemann, 08.03.13, 14:06
Es wird aber interessant zu sehen, wie Mehdorn als BER-Chef mit der Millionen Klage an den Airport von Air Berlin umgeht, die er noch als Air Berlin Chef eingereicht hat. Wobei können wir uns alle den Ausgang nicht schon vorstellen?

von Horst, 08.03.13, 16:44
Da empfehle ich: http://www.titanic-magazin.de/newsticker.html Der Witz zum Selbermachen: Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn wird neuer BER-Geschäftsführer. Die Fertigstellung des Flughafens wird sich...

von Skeptiker, 08.03.13, 16:51
Ob er selbst bleibenden Ruhm sucht oder vielleicht nur arbeits- oder geltungssüchtig ist, weiß ich nicht. Reine Interimslösung. Sein Auftrag wird sein, ein paar harte Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen (weitere Verschiebungen, noch mehr Budget, ein paar Auftragnehmer rauswerfen, Verzicht auf Spiränzchen, Konzentration auf Wichtiges, Erhöhung der Kapazität anhand der Verkehrserwartungen für die ersten paar Jahre). Sobald das alles eingetütet ist, geht er wieder. Zu verlieren hat er doch eh nichts. Wäre aber interessant zu wissen, womit man ihn gelockt hat.

von Nils, 17.03.13, 13:09
Wie groß muss die Verzweifelung in Berlin sein, wenn man Jemanden ins Boot holt, der zwar durchaus Großbetriebe geführt hat, jedoch mit äußerst zweifelhaftem Erfolg. Eine airline zu ruinieren, eine Bahngesellschaft zu sarnieren indem man Preise erhöht, Provisionen senkt und die Belegschaft beutelt? Meiner Meinung nach haben die Entscheider beim Flughafen-Drama wieder nicht richtig gehandelt. Es gibt genug Flughäfen in BR Deutschland die einen erfolgreichen Flugbetrieb vorweisen können (also, zumindest können dort Maschinen abgefertigt werden). Diese airports muss wohl Jemand gebaut haben und ich frage mich, ob bei dieser Personalie das Können oder das Kennen ausschlaggebend gewesen ist? Meine Meinung ist zwar irrelevant und unbedeutend, aber ich denke das Drama BER wird zu einem Serienstar.

von Big, 16.05.13, 11:10
Weil wir grad beim Thema sind: Flughafen Berlin Tegel - was haltet Ihr davon? Seid Ihr für zwei Flughäfen in der Bundeshauptstadt? Für den Erhalt und Weiterbetrieb des Flughafen Tegel als Hauptstadtflughafen - unterzeichnen Sie BITTE diese Online Petition. Hier der Link für den Weiterbetrieb des Flughafens Berlin Tegel mit wichtigen Informationen dazu. (aus Facebook) Bitte anklicken, ausfüllen und den dann zugesendeten Bestätigungslink wieder abschicken (geht auch anonym!): http://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-flughafen-tegel-als-hauptstadtflughafen Bitte laden Sie alle Ihre Freunde ein, bitte möglichst schnell auch diese Online-Petition zu unterschreiben: es bleiben mit Stand heute nur noch 55 Tage JEDE Unterschrift von einer separaten e-Mail-Adresse und Anschrift zählt!! Der gesamte Norden würde das Fehlen des Flughafens Tegel schmerzlich spüren. Ebenso würden die dort angesiedelten Unternehmen unnütz längere Fahrtzeiten und -kosten nach Schönefeld finanzieren müssen. Desweiteren ist der neu konzipierte Flughafen BER nicht nur schlechter zu erreichen, sondern schon jetzt kapazitätsmäßig "unterbelichtet", wenn man sich das gestiegene und weiter steigende Passagieraufkommen durchrechnet. BER wird allein nicht ausreichen und braucht zur "Lastenverteilung", ob ökologisch oder wirtschaftlich, weiterhin TXL! Modernisiert Tegel, bevor der gesamte Abfertigungs- und Flugbetrieb zusammenbricht!" Hochachtung vor dem, was der Flughafen Tegel derzeit leistet: dort wird jetzt ein Großteil der zusätzlich geplanten Flüge, die eigentlich ab dem Großflughafen BER fliegen sollten, abgefertigt, eine logistische Höchstleistung! Diese Petition soll die Nicht-Schließung des Flughafen Tegel erreichen. WICHTIG: Bitte klicken Sie dann den an Sie gesendeten Bestätigungslink an. Dieser dient zur Kontrolle, dass Ihre E-Mail-Adresse nicht von Fremden mißbraucht wurde. http://www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-flughafen-tegel-als-hauptstadtflughafen

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