Medien

Wo die Internet-Könige investieren

Heute erscheint das neue fvw Magazin. Warum Print Zukunft hat – und einige Analogien zur Reisebranche.

von Klaus Hildebrandt, 18.10.2013, 14:05 Uhr

1. Keine Frage, gedruckte Medien haben es nicht leicht. Das gilt besonders für Tageszeitungen, für die im Internet-Mutterland USA allemal. Seit einigen Monaten tut sich aber bemerkenswertes: Erst kaufte die Anleger-Legende und Tech-Investor Warren Buffett auf einen Schlag 63 Zeitungen, dann erwarb Amazon-Chef Jeff Bezos die berühmte "Washington Post" und jetzt will Ebay-Mitgründer Pierre Omydar mit einer ersten Kapitalspritze von stolzen 250 Mill. Dollar zusammen mit dem berühmten "Guardian"-Reporter Glenn Grennwald, der die NSA-Affäre um Edward Snowdon maßgeblich mit aufdeckte, ein neues Medienunternehmen aufbauen. Wenn selbst kühl rechnende Internet-Ikonen so viel in Medien investieren, kann die Branche nicht ganz unsexy sein.

2. Und warum ist das so? Weil sie sich wandelt, ebenso wie die Reisebranche. Dort gibt es allen Unkenrufen zum Trotz immer noch Kataloge und Reisemagazine. Und die Reisebüros halten sich besser, als viele Untergangspropheten vorhergesagt haben. Hier lautet das Stichwort Multichannel. Bei uns Medienleuten ebenso. Heute meldet ein Mediendienst, dass die "Bild" Print- und Online-Redaktion zusammenlegt. Bei der fvw gibt es das schon seit 1997, jeder Redakteur schreibt für das Magazin, aber auch natürlich für fvw.de. Wir waren damals nicht nur zu klein für eine separate Online-Redaktion, sondern wir haben in der Redaktion Experten für die einzelnen Fachgebiete der Branche. Diesen Vorsprung nutzen wir für viele exklusive Geschichten nicht nur im Magazin, sondern auch auf fvw.de.

3. Print hat Zukunft, wenn dort andere Dinge passieren als das tägliche News-Rauschen im Netz. Ein gutes Beispiel ist für mich die aktuelle Titelgeschichte der fvw vom Freitag: Jede Woche gibt es neue Aufreger im Hotelvertrieb. Da sperren mal die Regensburger Häuser die Portale, da wettert Eugen Block über die angebliche Raffgier von HRS, Booking & Co, da kommen jede Menge neue Schnäppchen-, Glückshotel-, Lastminute- und Auktionsportale für Hotels auf den Markt. Wer blickt da noch durch? In der neuen fvw analysiert meine Kollegin Sabine Pracht den Markt und kam nach vielen Gesprächen zu dem Schluss: Es macht wenig Sinn, wenn die Hoteliers immer nur auf die Portale eindreschen, aber selber weder Strategie noch Know-how für einen eigenen effizienten Online-Vertrieb haben.

4. Selbst junge Menschen lesen keineswegs nur Online oder auf dem Smartphone, zeigen viele Studien. Für junge Menschen sind die Medien, ob TV, Radio, Internet oder gedruckte Magazine, einfach nebeneinander da und – anders als für meine Generation – weder neu noch alt. Übrigens: Wenn Sie lieber auf dem Tablet als auf Papier lesen, das fvw Magazin gibt es natürlich auch als E-Paper. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit der neuen fvw!

Kommentare

von peter pfänder, 18.10.13, 15:13
Sic!

von Jürgen Barthel, 18.10.13, 16:15
Punkt 3 trifft einen wunden Punkt der Branche. Es sind sicherlich nicht nur die Hotels, die fehlende Strategie (oder/)und fehlendes Know-How mit Aktionismus zu kaschieren versuchen und über andere schimpfen. Wer nur glaubt, der "Preis" sei das Alleinstellungsmerkmal wird Probleme haben. Selbst die "Discounter" Aldi und Lidl ändern ihr Geschäftsmodell und auch Easyjet findet GDS "sexy", so lange das Geschäftsmodell Ertrag abwirft, neudeutsch "Business Case". Zum sonstigen Kernthema: Ich denke, einige Abonnenten würden sich freuen, wenn die "Druck- und Versandkosten" auf die umgelegt würden, die noch Wert auf die gedruckte Ausgabe legen ;-) Aber selbst zum gleichen Preis würde ich dann aus Umweltgesichtspunkten die Printausgabe abbestellen.

von Ronald Schmid, 19.10.13, 18:59
Lieber Herr Hildebrandt, Ihre Euphorie kann ich nicht recht teilen Wenn einzelne oder große Unternehmen eine Zeitung kaufen, dann doch nicht weil Sie an den wirtschaftlichen Erfolg glauben, sondern weil sie die Meinung beeinflussen, besser noch: steuern wollen. Berlusconi hat's in Italien doch vorgemacht. Für mich eine solche Meldung der Weg zum Garaus für die Meinungsfreiheit!. Ich hoffe für Sie, Ihre Redaktion und die interessierten Leser, dass die FVW nicht von der TUI ,Lufthansa oder anderen gekauft wird!!! Das wäre für mich kein Grund zum Frohlocken.

von Sabine Pracht, 19.10.13, 19:05
Print ist sogar bei der Werbung um Hotelkunden wieder stärker gefragt, wie heute auf dem Hotelcamp der HSMA in Bendorf zu hören war. Bei der Masse an Online-Werbung, E-Mail und Newslettern, die heutzutage an Kunden verschickt werden, heben sich Hotels mit Print-Broschûren und Hotelkatalogen wieder ab. "Mit einem klassischen Mailing hatten wir irre Rücklaufquoten", berichtet eine Hotelcamp-Teilnehmerin. Und wenig überraschend: Auch die Macht der Portale und der Preiskampf in der Hotellerie wird hier heftig diskutiert. Eine Lösung aber scheint nicht in Sicht. "Die Ratenparität ist bald Geschichte, Kinder", mahnt HSMA-Chef. Er ermuntert seine Mitglieder, bei der Preisgestaltung mutiger zu sein und sich am Modell der Airlines zu orientieren: Das letzte Bett zu saftigen Preisen zu verkaufen.

von Skeptiker, 21.10.13, 12:43
Netter Zufall, dass ein FAZ-Kommentar heute morgen in dieselbe Kerbe schlägt wie Klaus Hildebrandt. Der Aufhänger war, dass die gedruckte FAZ in einer Gegend mal ausverkauft war, weil da ein Kongress stattfand und die Teilnehmer wohl auf ihre Zeitung nicht verzichten wollten. Wenn ich mich recht entsinne, war die Überschrift "Ausverkauft" (auf der Website bei denen finde ich nie was wieder) - wenn das so stimmt, wäre es ungewollt doppeldeutig, wenn man Ronald Schmids Argument danebenlegt. Um das Printwesen als ganzes muss man sich aktuell wahrscheinlich wirklich keine Gedanken machen, wenn man sich mal die Zeitschriftenregale in den Supermärkten oder am Flughafen anschaut. Immer noch mehr Titel, als ob das Internet nur ein Gerücht wäre, meist natürlich sehr "Special Interest", aber auch an Fernseh-, Frauen- und Populärtechnikzeitschriften usw. fehlt's ja nicht. Aber um den sog. Qualitätsjournalismus mache ich mir sehr ernsthafte Sorgen - vielleicht nicht bei der fvw und auch nicht bei diversen anderen Fachpublikationen, aber sonst muss man sich glaube ich wirklich fürchten, weil das mit der Qualität immer weniger wird. Und zwar egal ob online oder gedruckt.

von Alexander, 21.10.13, 14:01
Professioneller Journalismus gut recherchiert, mit fundierten Kommentaren ist nicht eine Frage der Hardware. Jetzt wird erkannt, dass das Internet die Welt nicht auf den Kopf stellt und es keine Informationsbedürfnisse mehr gibt. Die Musikindustrie hat es vorgemacht, durch den Wegfall der Schallplatten und CDs gibt es weiterhin Komponisten, Arrangeure und Interpreten. Das Medium hat damit nichts zu tun. Aber es gibt Veränderungen. Der Redaktionsschluss ist ein Relikt, die Monetarisierung ändert sich und vor allem die Geschwindigkeit und Reichweite. Die Drucker und Setzer trifft es härter, sowie bei der Platten die Produzenten der Vinylscheiben. Die Ware Information und fundierter Qualitätsjournalismus wird es weiterhin geben. Wer heute in diese Zeitungen investiert, holt sich nicht die Druckerei sondern die Redaktionen, Archive und die Erfahrungen. Vielleicht gibt das den Redakteuren auch wieder ein zukunftssicheres Berufsbild. In der Reise ist es ähnlich, natürlich gibt es einen Katalog, aber Reisen wurden immer schon über Medien verkauft. Verbal im Reisebüro und am Telefon, gedruckt im Katalog und dargestellt im Internet. Immer derjenige war erfolgreich, der diese Medien zu seiner Zeit am besten beherrschte. Aber hier fallen auch die Aufteilungen in Sommer- und Winterkatalog weg, produziert wird ganzjährig und dargestellt werden die Hotels weiterhin über Medien. Man kann kein Flug oder Hotel anprobieren, es muss beschrieben und bebildert werden. Und dies von professionellen Mitarbeitern, welches Medium sie auch immer benutzen. Aber die Produktion, die Reichweite und die Monetarisierung ändern sich , darauf müssen sich alle einstellen und dürfen nicht dem Medium verwachsen sein. Alex

von Skeptiker, 21.10.13, 20:34
Erratum Der FAZ-Kommentar stand auf der Titelseite und heißt "Immer wertvoller", nicht "Ausverkauft". Hier der Link: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/internet-immer-wertvoller-12627886.html

von Regina Martins, 24.10.13, 10:28
Printmedien sterben einfach aus. Wenn man sich nur anschaut, wie rasant sich das Smartphone seit 2008 etabliert hat. Heute wäre ein Leben ohne mobile Technik undenkbar. Es war eine logische Schlussfolgerung, dass digitale Medien der Zug zum Umsteigen wurden und jetzt langsam auch als dieser erkannt werden. Für uns „Normalos“ gibt es leider nicht solche Investitionsvolumen, da wir einfach nicht das Geld für ein aufsteigendes Business haben. Wir müssen uns mit einfachen Investitionen wie <a href="http://infinia-capital.de/">dieser</a> begnügen, die in unserem Möglichkeitsbereich liegen. Schon seltsam, dass die Allgemeinheit den Trend früher entdeckt als die großen Firmen~

von Jürgen Barthel, 24.10.13, 12:49
Im Nachgang... Nun ging ja auch die Huffington Post Deutschland online, deren Geschäftsmodell und Umgang mit den "Journalisten" ja - wie ich meine zu Recht - kritisiert wird. U.a. hier: http://t.co/OIUuDyJvqW (DJV) Journalismus gibt es nicht umsonst. Der ein oder andere Blogger - sofern er Erfolg hat - sucht sich ja auch Einnahmequellen. Auch Liebhaberei mag es geben und gab es schon immer, jetzt aber eben ggf. mit mehr "Öffentlichkeit". Die FVW ist nicht "umsonst". Und auch nicht umsonst so geschätzt. Aber ich habe ja trotz Hinweis auf Punkt 3 diesen auch konterkariert: Viele Leser "brauchen" Print nicht mehr, das e-Paper reicht. Und selbst das wäre unnötig, diese erweiterten Berichte könnte man auch im Userbereich individuell veröffentlichen - denn 80% einer Ausgabe sind für mich "rauschen", 10% von "akademischem Interesse", der Rest "Mehrwert"... Mir reicht die "Newsübersicht" meist aus, analog wäre eine "Reportagen"-Übersicht sicherlich interessant. Mit Stichwortsuche selbstverständlich... Und und und :-D Aber Ihr macht das gut und der Preis stimmt für mich, ich bin bereit, diesen für das, was ich bekomme zu bezahlen. "Mehrwert" eben.

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