Medien

E-Mail für Chefs - wozu?

Warum TUI-Travel-Chef Peter Long einen computerfreien Schreibtisch hat, Web-Inhalte etwas kosten müssen und wofür Twitter gut ist.

von Klaus Hildebrandt, 13.10.2009, 15:09 Uhr

So richtig haben die drei Themen nix miteinander zu tun. Aber der Reihe nach:

1. Wir Journalisten sind Web-Junkies. Internet-Recherche, Social Networks, Twitter. Wer keinen PC auf dem Schreibtisch hat, kann im Journalismus nicht arbeiten und gilt in der Reisebranche als Bauchtouristiker von Vorgestern. Da ist es ganz erfrischend, dass der oberste TUI-Touristiker Peter Long in einem Interview freimütig bekannte, mit seinen engsten Mitarbeitern nicht per Mail zu kommunizieren. Im Büro hat er auch keinen Computer stehen, nur zu Hause nutzt er einen Apple-Laptop. Warum, so meint Long sinngemäß, soll ein hochbezahlter Manager das machen, was auch seine Assistentin erledigen kann, nämlich ständig Mails checken. Also, mailen Sie noch oder lassen Sie schon mailen?

2. Das denglische Wort "unique content" kennen Online-Reisebüros durch die Suchmaschinen-Optimierung. Für uns Medienleute ist das ebenfalls sehr wichtig. Da die Anzeigeneinnahmen überall einbrechen (nicht nur in der Touristik-Fachpresse sondern auch bei Spiegel & Co) überlegen immer mehr Verlage, ihre News im Internet nicht mehr kostenlos anzubieten. Schließlich ist das ein mit hohem Aufwand erzeugter Content.

Als wir von der fvw damit schon vor über zehn Jahren anfingen, hielten uns nicht wenige für verrückt. Doch die Gratis-Kultur im Internet wandelt sich. Und ein erheblicher Teil der fvw-Leser abonniert auch den geschlossenen Bereich unserer Website mit, weil es diese News in dieser Tiefe eben sonst nirgends gibt – und das Print-Magazin eher die Hintergründe liefert. Einen guten Überblick über die aktuelle Debatte in Medienkreisen gibt ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger – der noch offen zugänglich ist.

3. Twitter wird nicht nur für die Reisebranche bedeutender, sondern ist ein wichtiger Link-Generator auch für Medien-Websites, wie der "Netzökonom" Holger Schmidt in der FAZ beschreibt. Auch für fvw.de ist Twitter mittlerweile ein nicht zu unterschätzender Traffic-Bringer. Und wem Twitter zu lang ist: Nach Macroblogging kommt jetzt Nanoblogging mit nur 14 Zeichen. Das ist doch zu schaffen, gell?

Was die drei Themen miteinander zu tun haben? Immer noch nix. Aber ich finde es interessant, dass viele Fragen, die in der Reisebranche diskutiert werden mindestens ebenso relevant für mein eigenes Gewerbe, den Journalismus, sind. Oder ist es andersherum?

Kommentare

von Andreas Schulte, 13.10.09, 15:52
zumindest bei Punkt 2. divergieren die Welten des Tourmismus und die Welten derer, die über den Tourismus berichten doch ganz erheblich. Die Tourismus Fachpresse lässt sich den Content im Internet bezahlen. Die Toursitiker hingegen, hauen ihren Content nach wie vor für lau raus. Und wenn das nicht reicht, dann gibt's, wie beim billigen Jakob, noch was obendrauf, ne ordentliche Rückvergütung oder den super-super Schnäppchen-Preis. Noch besser sind die vermeintlichen Obertouristiker, da reicht nicht umsonst, nein, die verkaufen sich sogar schon gegenseitig. Man stelle sich das mal in den Fachmedien vor - FVW-News wirbt für die TA-News. Die wiederum werben für TO ......

von Wolfgang Hoffmann, 13.10.09, 18:16
Aha. Peter Long als Bauchtouristiker und Homeagent. Demnächste kriege ich Tantiemen für meine Forumsbeiträge. Und Twittern demnächst auch für Legastheniker... Schöne Restwoche!

von Michael Buller, 14.10.09, 17:44
Also einen Arbeitsplatz ohne PC?....Den Engländern liebstes Kind den Blackberry hat er wohl nicht erwähnt ;-)

von Sylvia K., 20.10.09, 10:44
Hier passiert ja gar nichts mehr! Hab ich was verpasst? Winterpause oder so? Hoffe es gibt bald neuen Stoff! Gruss Sylvia

von Wolfgang Hoffmann, 21.10.09, 10:23
Vielleicht lähmt die Malusphobie die Branche. Was allerdings die Schockstarre bei den Redakteuren verursacht hat, darüber lässt sich nur spekulieren. Mutmaßlich arbeitet man an einer etwas heftigeren Story..., wer weiß?

von Wolfgang Hoffmann, 21.10.09, 11:43
ah! Endlich wissen wir, warum hier Ebbe ist: Baustelle! Ein penetrantes Popup von TAP wurde installiert, was nicht weggeht, was sich nicht umgehen lässt, was den Blog sperrt, was man anklicken muss, um zum Blog zu kommen. Gut gemacht, fvw! Man muss uns zum Konsum zwingen, so ist das richtig!

von Klaus, 21.10.09, 13:00
@Sylvia K.: Schön, dass Sie uns vermissen. Dirk bloggt schon wieder los, aber es gab einen ganz einfachen Grund für meine Person: Ich war in Herbstferien. @Wolfgang Hoffmann: Ein bißchen Geld müssen wir auch verdienen. Aber der Banner bleibt nur sehr kurze Zeit auf dem fvw-Blog. Durch Scrollen kann man alle Beiträge erreichen. In Malusstarre sind wir nicht, ganz im Gegenteil: In der nächsten fvw am Freitag haben wir ein großes Interview mit der TUI-Spitze mit überraschenden Aussagen. Schauen Sie mal rein!

von Wolfgang Hoffmann, 22.10.09, 12:20
@Klaus, natürlich schau ich rein. Allerdings interessiert mich das TUI Interview nur, wenn darin deutlich zum Ausdruck kommt, was das hier soll: "Inhalt der Zielvereinbarung ist, dass sich die begünstigten Reisebüros im Geschäftsjahr 2009/2010 besser als TUI insgesamt entwickelt". Immerhin ist es den Shareholdern doch völlig egal, wie die TUI ihre Ausschüttungen im nächsten Jahr zusammenkriegen. Da ist denen doch jegliches Reisebüro in Deutschland egal, dass für 2 Jahre Malus nachentrichten muss und dadurch erst recht in Schwierigkeiten gerät.

von deLeser, 22.10.09, 21:15
" ... Zielvereinbarung ist, dass sich die begünstigten Reisebüros im Geschäftsjahr 2009/2010 besser als TUI insgesamt entwickelt ..." Zitatende. @Hoffmann Das sollte doch nicht schwer sein, besser als die TUI insgesamt zu performen. Wer mit Malus und ähnlichen Instrumenten arbeitet, muss sich über die Folgen nicht wundern.

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