Marktplätze

Zu viel Angebot für zu wenig Nachfrage

So schön könnte E-Commerce sein: Der Kunde schreibt seine Urlaubswünsche nieder, die Reisebüros umwerben diese Ausschreibung mit maßgeschneiderten Angeboten. Wäre das Angebot im World Wide Web nicht ohnehin schon unendlich groß und die Urlaubsprofis in den Reisebüros nicht so präsent, könnte das Geschäftsmodell vielleicht aufgehen.

von Dirk Rogl, 15.01.2013, 09:05 Uhr

Zwei auf den ersten Blick großartige Geschäftsideen drängen mit schöner Regelmäßigkeit in die Online Touristik. Einerseits sind es die Reverse Auctions. Der Kunde nennt den Preis für eine Leistung, das Portal prüft das Angebot und sorgt selbst für die Buchung. In frühen Jahren hat sich so der Weltmarktführer Priceline einen Namen gemacht. Richtig groß geworden ist er allerdings erst, als er dieses Geschäftsmodell über den Haufen geworfen hat und den Hotelmarkt mit dem breit gefächerten Angebot seiner Hotelportale Booking.com und Adoga.com aufmischt. Andere, die es versucht haben (Tallyman, Ihrpreis, Vadingo, Hotelsnapper) sind längst wieder von der Bildfläche verschwunden oder haben ihr Geschäftssystem umgekrempelt.

Ähnlich sieht es aus mit dem verwandten Modell der Reise-Marktplätze. Hier nennt der Kunde nicht nur den Preis für eine fest definierte Reiseleistung. Per Freitexteingabe kann er seinen Wunschurlaub beschreiben. Die Anbieter dürfen diesen Marktplatz anzapfen und, gegen Gebühr, dem Kunden Angebote machen. So funktioniert das schließlich auch im Reisebüro. Warum also sollte es nicht auch im E-Commerce funktionieren? Diese Frage stellen sich offenbar immer wieder Start-Ups, die in schöner Regelmäßigkeit just dieses Geschäftsmodell etablieren wollen. Ein paar Antworten:

Kommentare

von Christoph Salzig, 15.01.13, 11:04
Interessant an dieser Analyse ist aus meiner Sicht, dass mal wieder "nur" die Perspektive der Anbieter ins Visier genommen wird. Sollte es aber nicht längst so sein, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt? Und: Solche Plattformen liefern den Reisewilligen doch die Möglichkeit, ihre Wünsche zu definieren - gerade so, wie sie es auch im Reisebüro machen. Der Trend geht zu Individualreisen - die Zahlen der letzten Jahre belegen dies. Warum sollten Plattformen da nicht eine Chance haben, die genau auf diese Entwicklung einzahlen? Nur weil es den Anbietern nicht passt? Das Argument finde ich unter dem Strich zu schwach....

von Wolfgang Hoffmann, 15.01.13, 12:14
der Onlinemarkt lässt 2 Komponenten vermissen, die beim Produkt Urlaub/Reisen unabdingbar sind, die der Verbraucher dachte, dass er darauf verzichten könne, wo der Verbraucher nach eigenen erlebten Enttäuschungen, den Enttäuschungen von Freunden und Verwandten und der Berichterstattung in den Medien wieder zurückfindet zur 1. zwischenmenschlichen, wenn möglich face-to-face Beratung, Abwicklung und Support. Und 2. der nachvollziehbaren Kompetenz bei Planung und Durchführung von Reise und Urlaub. Deshalb wird ein Relounche der stationären Reisebüros nicht alleine vn den Stationären ausgehen, sondern vom Verbraucher gefordert werden. Und somit wird Urlaubbuchen 2.0 etwas sein, was in der Verantwortung der Stationären liegt, was von denen ausgeht und was vom Verbraucher angenommen wird. Die Handelsherren, die sich seit Jahren verzweifelt abstrampeln, möglichst viel Geld mit dem virtuellen Eigenvertrieb zu verbrennen, werden es mit Wohlwollen registrieren. Mal schauen, ob wir sie mitnehmen ;-)

von Carsten Wolf, 15.01.13, 13:01
Anders als in den Vorkommentaren denke ich, dass die Reisesuchenden im Internet immer kompetenter werden, sich selbst ein Bild von Zielgebieten und daraus folgend Hotel- und Reiseangebioten zu machen. Auch im Web zählt Vertrauen, allerdings nur im Zweifelsfall in eine Marke, in der Regel in Bewertungen und Erfahrungen anderer user. Beim Marktplatz wie beim stationären Reisebüro ergibt sich ein Problem: Es liegt auf der Hand, dass Vermittler nicht kompetent in allen Zielgebieten sein können, aber gelernt haben, dies zu imaginieren. Nicht wenige haben die Erfahrung gemacht, nicht angemessen beraten worden zu sein - zusätzlich wird selbst manchem Laien klar, dass ihm nicht angeboten wird, was ideal für ihn als Kunde ist, sondern das, was mit Malus und Boni und Umsatzgrenzen den höchsten Ertrag für den Vermittler bringt. Der Trend im web geht also eher zu vielfältigen Informationsmöglichkeiten gepaart mit einfachen Buchungsmöglichkeiten bei Vertrauens-Anbietern als zum Warten auf das gut gemeionte Angebot eines mir unbekannten "Reiseberaters" - zumindest meiner Einschätzung nach

von Wolfgang Hoffmann, 15.01.13, 15:53
...und irgendwo in der Mitte liegt die Wahrheit. Und die Stationären werden alles ihnen zur Verfügung stehende unternehmen, damit sich diese Mitte zu ihren Gunsten verschiebt. ;-)

von Torsten, 17.01.13, 13:44
Vorweg: Ich finde, alle haben irgendwie Recht - aber eben auch nur irgendwie... Ich bin Torsten Ostmeier, Gründer und Geschäftsführer von kwizzme und kann das eine oder andere wahrscheinlich noch ein wenig besser beurteilen;-) Es gibt einige Gründe dafür, warum bisherige Ansätze und Geschäftsmodelle gescheitert sind. Nur wird Ansatz, diese (gescheiterten) Businessmodelle zu skizzieren, um dann kwizzme.com damit zu vergleichen, unserem Vorhaben nicht gerecht. Wir sind anders und wir sind es, weil wir beispielsweise gar nicht das Ziel haben, bestehende Geschäfts- und Vertriebsmodelle zu verdrängen oder ihnen Konkurrenz zu sein. Viel mehr haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Bedarf einzusammeln. Was momentan in der Version 1.0 "nur" wie eine Plattform daherkommt, birgt in Wahrheit noch viel mehr. Wir werden den Bedarf künftig dort einsammeln, wo er entsteht. Mehr wird noch nicht verraten. Wichtig ist mir aber vor allem die Grundidee noch einmal herauszustellen: kwizzme.com ist komplett kostenlos und erwartet "nur" im Erfolgsfall eine Provision - vom Anbieter (von wem sonst?). Natürlich arbeiten wir in Form von Kooperationen auch mit Anbietern und Veranstaltern zusammen. Aber nicht exklusiv. Wir sind komplett unabhängig - sowohl den Content betreffend als auch finanziell. Und ja, es geht darum, dass die persönliche Beratung eine unglaubliche große Rolle spielt. Wer sich näher mit kwizzme.com beschäftigt, merkt schnell, dass es hier nicht primär darum geht, Umsätze und Buchungen zu generieren. kwizzme.com ist eine Art Dating- und Matchingplattform. Der eine hat einen mehr oder weniger konkreten (Reise-)Wunsch und der andere lebt davon, solche Reisewünsche zu erfüllen. Die Kwizzes auf kwizzme.com liefern Antworten auf Fragen, die sowieso gestellt werden. Nur eben schon vorab. Wer mehr wissen will, kontaktiert mich einfach und wir steigen gern tiefer in die Idee von kwizzme ein.

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