Marktforschung

Welcome to the old economy

Niemand liefert tiefgreifendere Reports über den touristischen E-Commerce ab als Phocuswright. Jetzt begeben sich die US-Forscher offenbar auf brüchiges Eis.

von Dirk Rogl, 16.07.2009, 16:48 Uhr

Kollegenschelte ist nicht unbedingt Stil des Hauses. Bevor ich ausnahmsweise damit beginne, hier erst einmal mein durchaus aufrichtiger Respekt: Niemand sonst auf der Welt versteht es so gut, Trends im touristischen E-Commerce frühzeitig zu erkennen, professionell aufzubereiten und sich damit weltweit Gehör zu verschaffen wie Phocuswright. Wohlbemerkt: Das gilt für den E-Commerce. Eine Studie über aktuelle Marktdaten kostet hier schnell einmal einen vierstelligen Dollar-Betrag, der Eintritt zu einer Konferenz ebenso. Mit nur 699 Dollar ist die neueste Studie "The US Packaged Travel Landscape" also ein echtes Schnäppchen - und das offenbar aus gutem Grund. Nach mehr als zehnjähriger Feldforschung im E-Commerce betreten die US-Forscher nun Neuland und untersuchen das klassische Veranstalter-Geschäft in den USA. Bereits die

liefert jede Menge Fakten: Das Veranstalter-Geschäft in den USA sei eher klein (18 Mrd. US-Dollar) und zunehmend bestimmt von den Online-Reisebüros und ihrer Dynamic-Packaging-Angebote (aber eben nicht nur). So richtig spannend wird es, wenn die Phocuswright-Forscher den US-Markt vergleichen und zwar "in Relation zu Europas größtem Markt." Und der liegt - falsch geraten - in Großbritannien. Stolze 30 Mrd. US Dollar hätten die Veranstalter dort umgesetzt, erklärt Phocuswright. Das überraschte nicht nur mich, sondern auch den britischen Reiseverband Abta. Der rechnet traditionell zwar nur die Umsätze seiner Mitglieder, geht aber davon aus, dass diese rund 90 Prozent des Marktes repräsentieren. Die Abta kommt für 2008 auf einen Gesamtumsatz von 13 Mrd. Pfund (rund 15 Mrd. Euro). Für den hiesigen Markt wiederum erlauben wir uns in aller Bescheidenheit den Hinweis auf das hauseigene fvw-Dossier "Deutsche Veranstalter", das den 61 größten Reiseanbietern im Land einen Umsatz von 17,2 Mrd. Euro in 2008 attestiert. Um ehrlich zu sein: So ganz genau wissen wir nicht, wie viel Umsatz auf die hunderte von Kleinveranstalter, Spezialisten und Busreiseveranstalter entfällt, die in unserem Dossier nicht gelistet sind. Der DRV geht von einem Gesamtvolumen von 21,4 Mrd. Euro aus. Das mag stimmen, auch wenn die Transparenz in kleineren Marktsegmenten naturgemäß immer mehr abnimmt und zu Schätzungen animiert. Die Zahl des DRV gibt es übrigens ebenso kostenfrei wie die fvw-Dossiers für unsere Abonnenten. Und wer die Studie zum Veranstaltermarkt nicht griffbereit hat, kann sie

für bescheidene 50 Euro nachordern. Zu teuer? Selten war ich hier selbstbewusster: wohl kaum. Die Befragung der Veranstalter ist für meine Kollegen Klaus Hildebrandt, Birgit Quandt und Sabine Beitz alljährlich eine enorme Arbeit, die Auswertung ebenfalls. Und das Ergebnis ist zumindest transparent, vielleicht sogar genauer als so manche gut gemeinte Schätzung. PS: Selbstverständlich habe ich Phocuswright gefragt, woher die Daten für den britischen Markt stammen. Sobald eine Antwort vorliegt, werden wir sie nachreichen. NACHTRAG 16. 7. 2009: Phocuswright hat inzwischen mitgeteilt, woher die Daten kommen. Aus dem hauseigenen European Online Travel Overview Fourth Edition.

Kommentare

von Herbert, 16.07.09, 23:17
Diese Studie, bzw. dieser blog erinnert mich an die nette Geschichte mit dem Schäfer, seiner Schafherde und dem Unternehmensberater, den niemand gerufen hatte, trotzdem erscheint, glaubt, etwas ganz Neues herauszufinden (die Zahl der Schafe in der Herde), das aber Insidern (dem Schäfer) längst viel besser bekannt ist und der sich schließlich bis auf die Knochen blamiert, weil er nicht einmal einen Hund von einem Schaf unterscheiden konnte (ich nehme an, die Story ist bekannt). Da lobe ich mir die schlichte fvw-Erhebung und deren professionelle Analyse: da kann sich schließlich niemand beschweren, denn das Zahlenmaterial wird von der Branche selbst geliefert, und deshalb wird es wohl niemand - aus gutem Grund!!! - in Frage stellen wollen. Vielleicht auch nur deshalb, weil "man" ein schlechtes Gewissen haben könnte.

von Wolfgang Hoffmann, 22.07.09, 12:22
tzeee! Und alles ist Makulatur, weil noch nicht eingerechnet worden ist, dass bei TOC Sonnenschirmchen & Liegen neuerdings im Voraus gebucht werden können. Wie will man denn da vernünftig orakeln, wer, für wieviel, wann, wohin...?

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