Manager

Die Stunde der Haudegen

Die Zeiten werden härter – da sind erfahrene Kämpen wie Peter Long und Joachim Hunold gefragt.

von Klaus Hildebrandt, 27.11.2008, 14:57 Uhr

Heute war ich gleich in zwei verschiedenen Telefonkonferenzen zugeschaltet: TUI Travel und Air Berlin berichteten über den Geschäftsverlauf (siehe Berichte auf fvw.de). Die Journalisten fragten natürlich viel, wie sich denn die Rezession auswirke, wie die Firmen für 2009 planen. Die Chefs Long und Hunold wirkten da wie Felsen in der Brandung. Klar, beide konnten über gute Zahlen berichten (Air Berlin ist heute mit dem besten Quartal der Firmengeschichte sogar Überflieger an der Börse). Und klar ist auch, dass börsennotierte Unternehmen die Zukunft immer möglichst optimistisch sehen müssen. Aber beeindruckend war doch die Gelassenheit beider Top-Manager. "Ich bin seit über 25 Jahren im Veranstaltergeschäft", sagte Long ganz ruhig mit seiner sonoren Stimme, "und habe mehrere Krisen erlebt, vom 11. September bis hin zu zwei Rezessionen". Zusammen mit dem großen Know-how seines Management-Teams könne ihn da auch die Aussicht auf 2009 nicht schocken. Hunold durfte heute die Früchte seines Effizienzsteigerungsprogramms ernten und sagte mit dem Brustton der Überzeugung: "Wir sind für die kommende Wirtschaftskrise gerüstet." Diese Eindrücke führen mich zu der Frage: Brauchen wir in härteren Zeiten erfahrene Steuerleute, die in stürmischen Zeiten Kurs halten? Ist der Jugendwahn im Management vorbei, zählen Erfahrung, Menschenkenntnis und auch Bauchgefühl mehr als die Fähigkeit, smarte Power-Point-Präsentationen zu halten und das neueste Handy bedienen zu können?

Kommentare

von Andreas Schulte, 27.11.08, 15:30
Hätte man diese Frage dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer gestellt, hätte der wahrscheinlich geantwortet: „Gesunder Menschenverstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber kein Grad von Bildung den gesunden Menschenverstand“.

von barthel.eu, 27.11.08, 16:48
Wäre ja zu schön, wenn auch mal wieder die Erfahrung der Haudegen einen Wert hätte und diese nicht nur als "teuer" verstanden würden. Dann kommt vielleicht auch der Begriff "langfristige Geschäftsbeziehung" wieder in Mode? Billig "verkaufen" kann jeder, auch das Internet.

von Wolfgang Hoffmann, 27.11.08, 17:14
nö. Beides wird benötigt. Das Dilemma ist allerdings, dass die unterschiedlichen Generationen weder im Privaten, noch im Beruflichen zusammen sind.

von Domenica Steinbacher, 29.11.08, 13:31
Tja, es wäre wirklich schön, wenn der sog. Jugendwahn ein Ende hätte. Denn dann würde ich endlich auch wieder einen Job finden und nicht nach 2Jahren und mit 49Jahren HartzIV beantragen müssen - und das, nachdem ich seit 25Jahren in der Touristik gearbeitet habe :-((( UND der Witz ist, ich kann sogar smarte Power-Präsentationen halten und das neueste Handy bedienen :-)))

von Michael Gebhardt, 30.11.08, 12:13
Als Marketingagentur im Tourismus, die den Marktauftritt von ausländischen Tourismusorganisationen und Leistungsträgern in Deutschland begleiten, können wir auch in punkto Krise eine gewisse Gelassenheit bei unseren Partnern in puncto "Krise" feststellen. Es ist ja auch eine Frage der Marktsegmente, in denen und mit denen ich arbeite. Umschichtungen werden da schon stattfinden. Zu Lasten der "Mittelklasse und der Familien an erster Stelle, schätze ich. Vielleicht sehen wir als Deutsche aber auch immer die dunklen Wolken zuerst aufziehen. Nun, das nächste Quartal wird es zeigen... Ich persönlich bin (auch) ein Verfechter der stärkeren Nutzung von Berufs- und Lebenserfahrung im Management. Von einem ausgewogenen Mix von "Jung und Alt". Ich stelle mal de These auf, das sich viele Manager scheuen, ältere auf der gleichen Führungsebene oder darunter an ihrer Seite zu haben. Unterstellt: einfach aus dem Gefühl heraus, Jüngere einfacher fachlich und menschlich "dominieren " zu können und eventuellen Fragestellungen zu getroffenen Entscheidungen aus dem Weg zu gehen. Dabei ist es, meiner Meinung nach, gerade das Mix aus (jungen) Ideen und Erfahrung (z.B. was schon alles nichtfunktionierte), aus dem erfolgreiche Rezepte komponiert werden. Allerdings muß ich von mir als Führungskraft schon überzeugt sein und in mir ruhen, authentisch sein, um ein solches System erfolgreich zu leben. Dazu gehört Respekt, Toleranz und eben auch Führungsstärke. Und ja, hiermit breche ich eine Lanze für eine bessere Akzeptanz der "alten Haudegen" bei den jüngeren Entscheidungsträgern! Zu passenden Marktpreisen, versteht sich ;-)

von Wolfgang Hoffmann, 04.12.08, 12:48
Als örtlich ansässiges, stationäres Reisebüro in Sachen Tourismus, die die Reise- und Urlaubswünsche von in- und ausländischen Verbrauchern und sonstigen Menschen in Deutschland begleiten, können wir hingegen in puncto Krise nicht den Bodensatz eines Rests von einer gewissen Gelassenheit bei uns feststellen. Ganz im Gegenteil!

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