Mallorca

Sorge um den Ballermann

Die Playa de Palma ist das Sinnbild des deutschen Pauschalurlaubs. Sie soll grundlegend verschönert werden. Doch eine Präsentation vor deutschen Journalisten warf viele Fragen auf.

von Klaus Hildebrandt, 29.10.2010, 11:27 Uhr

An der berühmten Playa de Palma, und damit gewissermaßen in der Höhle des Löwen der deutschen Pauschaltouristik, stellte Thomas Cook deutschen Journalisten diese Woche die Sommerprogramme vor. Margarita Nájera, Vorsitzende des Konsortiums zu Verschönerung der Playa de Palma, nutzte die Gelegenheit, die seit Jahren diskutierten Pläne zur Modernisierung des berühmtesten Strandabschnitts von Mallorca vorzustellen. Dass sich die in die Jahre gekommene Region weiterentwickeln muss, darüber besteht kein Zweifel. Und gerade am vorderen Abschnitt ist schon eine Menge passiert, der Boulevard am Meer lädt zum Bummeln ein und auch einige Hotels wie das stylish umgewandelte Iberostar Royal Cupido erstrahlen im neuen Look.

Trister sieht es dagegen im weiteren Verlauf in Arenal aus. In der Nebensaison, wenn viele Geschäfte geschlossen haben, um so mehr. Mit viel Getöse hat Ministerpräsident Francesc Antich hier gerade persönlich den Abriss eine leerstehenden Hotels aus den 60-er Jahren mit dem Start eines Baggers in Angriff genommen. Doch gleich darauf hat er das gesamte Projekt gestoppt, weil Anwohner gegen den lange geplanten Abriss von Wohnungen protestieren.

Stuttgart21 lässt grüßen. Obwohl auch an der Playa de Palma seit Jahren geplant wurde, regt sich jetzt Protest. Die Playa-Planer haben selbst Schuld daran: Die Radikalität ihres Vorhabens erschreckt die Tourismusbranche. Hoteliers protestieren dagegen, dass die Zahl der derzeit gut 40.000 Hotelbetten fast halbiert werden soll und Hoteliers notfalls auch ohne große Entschädigung enteignet werden sollen. Auch bei mir hinterließ die sehr enthusiastische Präsentation von Frau Nájera einige Fragezeichen. Auf den Plänen sieht alles toll aus: Die Playa de Palma wird grüner, kunstsinniger und klimaneutral. Und statt zwei-Sterne-Schuppen sollen Wellness-Hotels entstehen. Sogar fünf-Sterne-Häuser sind geplant für eine dann zahlungskräftigere Klientel.

So schick die Vision ist, sie mutet leider auch etwas spaßfrei an. Die Playa de Palma ist nun mal eine große Bade- und Partymeile, die dauernden RTL-2-Berichte vom Ballermann doch sind längst durch. Es käme in meiner Heimatstadt Hamburg ja auch kein Mensch auf den Gedanken, ausgerechnet auf der Reeperbahn Wellness-Tempel und Öko-Projekte zu planen. Schon auf dem fvw-Workshop im Sommer in Palma warnten die Reisebüros: "Schafft bloß nicht den Ballermann ab!" Balnearios, Bierkönig und Mega-Park sind nun mal die Anziehungspunkte für junge Leute, Fußball- und Kegelclubs. Für Familien, Golfer, Radfahrer, Wanderer und Segler gibt es jede Menge andere schöne Flecken auf der Insel. Außerdem bringen die Playa-de-Palma-Gäste viel Flug-, Hotel- und Gastronomie-Umsatz – und kommen oft auch nach dem Vereinsausflug mit ihren Partnern oder Familien wieder.

Wie immer wird das Heil wohl in einem Kompromiss liegen: Die Umgestaltung wird länger dauern und vermutlich weniger radikal ausfallen als in den Plänen des Konsortiums. Das muss kein Nachteil sein. Schöner und zeitgemäßer wird's auf jeden Fall. Selbst wenn nur ein Teil der Pläne umgesetzt wird, wäre dieser Teil Mallorcas immer noch ein Vorbild für andere, in die Jahre gekommene Touristenzonen in Spanien. Oder, wie wünschen Sie (und Ihre Kunden) sich künftig die Keimzelle des deutschen Flugurlaubs?

Kommentare

von Christa Hebestreit, 01.11.10, 10:10
Hier stand auch der Wunsch vor der Einsicht in die Realität. Man staunt immer wieder, welche Destinaton künftig nur noch 5-Sterne-Kunden haben will. Dabei ist das ein kleines Kunden-Segment, das sowieso seine Lieblingsziele hat. Die liegen auch auf Mallorca, aber sicherlich nicht an der Playa de Palma. Meine Ballermann-Kundin staunte, wie schön es jetzt schon an der Playa ist. Hat zum Wohnen dann aber doch Arenal vorgezogen (vermutlich wegen der günstigeren Preise). never change a winning system ... too much.

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