Lufthansa

Wenn der Mangel zum Standard wird

Mir ist es ziemlich egal, ob das Streik-Chaos am Himmel heute nur groß oder doch gigantisch wird. Viel wichtiger: Wie kriegen wir den Trend zur Reisevermeidung langfristig in den Griff.

von Dirk Rogl, 22.02.2010, 10:55 Uhr

Es ist eine nüchterne Pressemitteilung, die mich diese Zeilen schreiben lässt. British Telecom öffnet in dieser Woche seine Video-Konferenzräume kostenfrei, um streikgeplagten Geschäftsreisenden doch noch ein effizientes Meeting zu ermöglichen. Das ist großzügig. Wenngleich die Briten ihre Technik gerade mal in vier deutschen Städten aufgebaut haben, dürfte der ein oder andere Streikgeschädigte doch ein dauerhafter Fan von Videokonferenzen und British Telecom werden.

Hierzu meinen aufrichtigen Glückwunsch nach UK. Wir alle wissen ja, dass Videokonferenzen eine sinnvolle Alternative zur Geschäftsreise sind. Zurzeit gibt es kaum einen Corporate-Kongress, auf dem nicht Travel Manager voller Stolz die monetären Segnungen moderner Kommunikationstechnologie vorstellen.

Und tatsächlich, gerade in dieser Woche gibt es skandalös wenige Alternativen zur Videokonferenz. Während Lufthansas Piloten ihren Arbeitgeber gerade in den betriebstechnischen Super-GAU manövrieren, verkündet Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Interview mit der Bild-Zeitung geradezu devot, dass die Engpässe bei der ICE-Flotte wohl noch über Jahre anhalten werden. Das erhöht nicht gerade die Vorfreude auf die nächste Bahnreise.

Und wie kommen wir raus aus der Misere? Erst einmal, indem die Beteiligten möglichst schnell ihre Hausaufgaben machen. DB-Chef Grube braucht einen verbindlichen Krisenplan, der seine Flotte vom ICE bis zur S-Bahn schnell wieder in einen verlässlichen Betrieb bringt. Und LH-Boss Mayrhuber und seine Gegner aus dem Cockpit müssen ganz schnell zurück an den Verhandlungstisch.

Und wenn all diese Hausaufgaben erledigt haben, dann geht die Arbeit erst richtig los. Der Kunde muss lernen, dass der persönliche Dialog auf einer leibhaftigen Geschäftsreise im Zweifelsfall doch wertiger sein kann als eine Videokonferenz. Und dass die Engpässe auf deutschen Schienen und Flughäfen in diesem Winter eine einmalige Verkettung unglücklicher Umstände waren und nicht zur Regel werden. Diese Überzeugungsarbeit geht alle an, die in der Reiseindustrie ihr Geld verdienen.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 24.02.10, 12:44
"Wie kriegen wir den Trend zur Reisevermeidung langfristig in den Griff" ...-Reisevermeidung-... herzlichen Glückwunsch. Das musste ich aber sechsmal lesen, damit ich glauben konnte, was da steht. Ich sehe mich auf der ITB stehen und man drückt mir die Sonderausgabe der Chip-Online in die Finger, große Schlagzeile: <<< Äh! was wollt Ihr hier? Seid Ihr Nomanden? Bleibt gefälligst Zuhause! Das Bisschen Info über die Touristik, das könnt Ihr Euch skypen! >>>

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