Lufthansa

Intransparente Preistransparenz

Es ist vorbildlich, mit welcher Akribie Lufthansa ihre Flut an Steuern und Gebühren im Internet auflistet. Aber: verdient das ein TÜV-Siegel?

von Dirk Rogl, 19.09.2008, 14:38 Uhr

Keine Frage: Wenn Lufthansa ein 99-Euro-Ticket bewirbt, dann ist das auf Lufthansa.com auch für 99 Euro buchbar – dank anpassungsfähiger Nettopreise häufig sogar für beispielsweise nur 98,43 Euro. Aber Vorsicht: Dieses Angebot gilt nur im Falle des von vielen Kunden wenig geschätzten Lastschriftverfahrens. Und: hinter den 99 Euro verstecken sich häufig eine Flut von Steuern und Gebühren. Den Prüfern des TÜV Rheinland war das egal. Sie haben Lufthansa.com für die "transparente Preisgestaltung" ausgezeichnet. Dieser Begriff scheint ziemlich dehnbar. Was bitte ist eigentlich Preistransparenz? 80 Prüfkriterien habe man analysiert, heißt es beim TÜV. Welche genau, bleibt bislang ziemlich intransparent. Denn der Kriterienkatalog des TÜV ist – anders als die bis zu zehn Positionen umfassende Zuschlagsliste der Lufthansa – im Internet noch nicht abrufbar. Kunden stoßen übrigens auch bei Lufthansa.com an intransparente Grenzen, wenn sie bei US-Flügen Sinn und Zweck einer Aphis-Benutzer-Gebühr und einer Passagier Service Charge International klären möchten. Nach meiner (bislang vom TÜV nicht zertifizierten) Meinung stören solche Punkte ebenso die gefühlte Preistransparenz wie die je nach Zahlungsweg variable Ticket Service Charge, die Lufthansa nur im Kleingedruckten erklärt. Bleibt noch die Frage, welchen Sinn das neue TÜV-Siegel mittelfristig macht. Spätestens ab 2009 sind alle Airlines zur Nennung von Endpreisen gesetzlich verpflichtet. Auch wir von der fvw unterschreiben: Lufthansa.com gehört in diesem Punkt zu den Vorreitern. Dieses Zitat, liebe Lufthanseaten, dürfen Sie übrigens anders als das TÜV-Siegel im Bedarfsfall völlig unentgeltlich verwenden.

Kommentare

von Dietmar, 20.09.08, 17:11
Die Preisübersicht bei Lufthansa und z.B. Turkish Airlines finde ich in Ordnung. In der Preismatrix wird der wirkliche Endpreis genannt. Ganz anders z.B. die gemeinsame Tochterfirma von LH und THY, die Sunexpress: Es wird ein Preis von z.B. EUR 55,00 angezeigt - dann kommen aber noch EUR 54,00 für Kerosin, Sicherheit und Service dazu - und der Preis ist mit EUR 109,00 doppelt so. Noch härter ist Air Berlin: Die machen es wie Sunexpress und schlagen dann plötzlich noch weitere EUR 10,00 Buchungsgebühren obendrauf, verschämt mit zwei ** "gekennzeichnet". Liebe Chefs von Sunexpress, Air Berlin, Condor usw: Nehmt Euch ein Beispiel an Euren Mutterfirmen und nennt immer den Endpreis. Eure jetzigePreisgestaltung ist eher in einer Nachtbar üblich - aber nicht bei seriösen Firmen. Man kauft ja auch nicht einen Liter Milch für 40 Cent plus 10 Cent Verpackung plus 20 Cent Fettzuschlag plus 7 Cent für die Kühlung plus 5 Cent für das Kassieren an der Kasse.

von Roger, 22.09.08, 10:09
Zu Ihrem Satz: --------------------------- Aber Vorsicht: Dieses Angebot gilt nur im Falle des von vielen Kunden wenig geschätzten Lastschriftverfahrens ---------------------------- Das stimmt so ja leider nicht. Aktuelle Studien belegen das Gegenteil. Das Lastschriftverfahren gilt neben der offene Rechnung als beliebtestes Zahlungsmittel. siehe z.B. http://www.ecommerce-leitfaden.de/erfolgsfaktor-payment.html

von Dirk Rogl, 22.09.08, 10:21
Dann halte ich mal gegen. Pago Report 2008: "Im deutschen E-Commerce steht die Dominanz der Elektronischen Lastschrift als führende Zahlart vor dem Ende. Die Kreditkarte gewinnt zunehmend an Bedeutung. Bereits über 36 Prozent aller Online-Geschäfte bezahlen deutsche Konsumenten inzwischen per Kreditkarte, die an der Vorherrschaft der Lastschrift kratzt." Wollen wir uns darauf einigen: Nicht jeder nutzt gern die Lastschrift im Internet?

von richelieu, 22.09.08, 18:34
So ganz transparent sin die Preisgestaltungen auch der Großen Airlines nicht. Ein Aspekt kommt nämlich noch zu kurz: Doie mesiten Airlines weisen "Steuern" und "Gebühren" aus,die bei geauer Betrachtung gar keine sind und eigentlich in den "Kern-Flugpreis" eingerechnet werden müssen. Auf diese Weise werden die Tarif schlank gemacht. Das ist m.E. nicht zulässig und auch das werden die Airlines in Kürze ändern müssen.

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