Lufthansa

Die Schüler-Experten der Lufthansa

Jette, Paulina, Henrik, Oskar, Felix und Leo heißen die 16- und 17-jährigen Schüler des Hamburger Christianeums, die die Strategie des neuen Lufthansa-Chefs Carsten Spohr untersucht haben. Im Rahmen eines Projekts von Boston Consulting und unterstützt von einem Oracle-Manager haben sie dabei einen dramatischen, inhaltlichen Turnaround vollzogen.

von Georg Jegminat, 22.01.2015, 17:22 Uhr

Die Ausgangsthese der Schüler lautete: Lufthansa zieht sich aus dem Low-Cost-Geschäft zurück und wird zu einem lupenreinen Premium-Carrier. Damit würde Lufthansa dem Beispiel von British Airways folgen, die als Verteidigung gegen Ryanair und Easyjet ihre Low Cost Airline Go aufbaute, sie dann aber verkaufte. Die Pilotenvereinigung Cockpit hätte die These der Schüler vermutlich mit größtem Wohlwollen unterstützt – aber nur zu Beginn der Untersuchung.

Das Projekt fand im Rahmen von "business@school" statt. Dabei begleiten Boston Consulting und ein externer Manager Schüler bei der Untersuchung von Geschäftsmodellen großer und kleiner Unternehmen.

Die Hamburger Gymnasiasten änderten im Laufe der Untersuchung ihre Ausgangsthese, obwohl sie mit bekannten Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. "Die größte Herausforderung war, dass Germanwings keine Zahlen veröffentlicht, diese jedoch für die Überpüfung unserer These unverzichtbar sind. Also mussten wir gründlich recherchieren und letztendlich schätzen", berichtet Team-Sprecher Henrik Steffens. Diese Einschätzung zur Geheimniskrämerei kann jeder Airline-Beobachter nur bestätigen. Trotzdem kamen die Schüler zu dem Schluss, dass Lufthansa eigene Low Cost Airlines benötige, weil die LH-Gruppe andernfalls zu leicht durch Wettbewerber angreifbar würde.

Unzweifelhaft gehörte Lufthansa in den vergangenen Jahren nicht zu den Treibern im europäischen Billigflug. Germanwings gibt es nur, um den Heimatmarkt zu verteidigen. Der Kontinentalverkehr entwickelte sich damals sogar zum notleidenen Geschäftsfeld. Vielleicht hätte Lufthansa schon damals auf den unverstellten Blick von Schülern zurückgreifen sollen. Schließlich gehört die größte deutsche Airline nicht gerade zu den Unternehmen, die auf Know-how von außen zurückgreift. Die Manager kommen aus dem eigenen Haus. Ausländer wie der Texaner Fred Reid und der Franzose Thierry Antinori waren Exoten im LH-Vorstand.

Die Schüler kamen jedenfalls sehr rasch, schneller als das damalige LH-Management, zu dem Schluss: Lufthansa benötigt eigene Low Cost Airlines. Das Lob von Simone Menne, Finanzvorstand der Lufthansa-Konzerns, nach der Schülerpräsentation ist eindeutig. Sie sei vom Biss der Schüler beeindruckt: "Ihre mutige Idee mit einer kontroversen Hypothese zum Low-Cost-Geschäft zu beginnen, die Schlussfolgerungen und Ihr Engagement sind wirklich beeindruckend und richtungsweisend." Klingt so, als kämen die Lehrer um die Bestnote für ihre Schüler nicht herum.

Kommentare

von Skeptiker, 24.01.15, 12:51
>> Die Manager kommen aus dem eigenen Haus Das ist einer der Gründe für den beständigen Erfolg der Lufthansa und die Tatsache, dass sie heute eine der erfolgreichsten Airlines der Welt ist, wenn nicht die dauerhaft erfolgreichste nicht-staatliche klassische Airline überhaupt, trotz aller Fehleinschätzungen und Unterlassungen, die auch der LH passieren, etwa in der Gestaltung ihres Verhältnisses zum Cockpitpersonal oder im Umgang mit dem schnell wachsenden Billigflugmarkt. Andere machen da mehr und schlimmere Fehler. Wenn ein börsennotiertes Unternehmen ohne Großaktionär überhaupt so wie ein Familienunternehmen - stets allseits gelobte Vorbilder für gutes, nachhaltiges Management - geführt werden kann, dann tut die gute alte Tante Lu genau das. >> externes "Know-How" Wie man die Mitarbeiter von Großberatungen á la McClumsey, Accidenture oder Basston für sonderlich kompetent in der Unternehmensführung (außer der Führung ihres eigenen) halten kann, habe ich bis heute nicht verstanden. Vielleicht kann es mir hier jemand mal erklären, worauf dieser Mythos beruht.

von Jens Schnügger, 26.01.15, 16:54
Das ist leicht zu beantworten: Sarkasmus an/ Wir haben gelernt: Nur was teuer ist, ist gut. -> Bei den Stundensätzen müssen die also gut sein. ...Von Wissen oder Können steht in dem Satz ja nichts. /Sarkasmus aus

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