Lufthansa

Die Agenda für Christoph Franz

Christoph Franz tritt die Nachfolge von Wolfgang Mayrhuber an. Was bedeutet das für die Lufthansa und die Branche?

von Klaus Hildebrandt, 22.09.2010, 15:08 Uhr

Franz, der seine Lufthansa-Karriere im Sanierungsteam des heutigen Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Weber begann, später Bahn-Vorstand und Swiss-Chef war, wurde heute vom Aufsichtsrat zum Nachfolger des nach sieben Jahren scheidenden Wolfgang Mayrhuber (63) ernannt. Diese Entscheidung war erwartet worden, auch in den News auf fvw.de hatten wir darüber berichtet.

Franz rückt im Januar 2011 an die Spitze. Er kommt eigentlich zu einem guten Zeitpunkt: Mit seinem in der Krise gestarteten Sparprogramm Climb 2011 geht er die zu hohen Kosten an. Jetzt springt in der Luftfahrt die Nachfrage wieder an, davon profitiert auch der Kranich. Der trotz seiner 50 Jahre manchmal jungenhaft wirkende Franz, der wie Mayrhuber im persönlichen Gespräch ein angenehm allürenfreier Manager ist, kann nun den Konzern weiterentwickeln.

Schon in der Vergangenheit hat er, vorzugsweise im eigenen Magazin "Lufthanseat", die Mitarbeiter wachgerüttelt. So machte er im vergangenen Jahr auf die stark gesunkenen Marktanteile im innerdeutschen Verkehr und den hohen Abstand zu den Kosten von Konkurrenten wie Air Berlin aufmerksam – auch wenn seine Äußerungen, Lufthansa müsse Elemente des Billigflugs integrieren, wohl selbst bei Weber nicht gut ankamen.

Auch jetzt scheut er sich nicht, die Probleme anzusprechen: "Unsere Organisation ist manchmal so komplex, dass wir den Wind des Wettbewerbs nicht mehr spüren." Dem Wind des Wettbewerbs wird vor allem der künftige Passage-Vorstand Carsten Spohr (43) ausgesetzt. Der erfolgreiche bisherige Fracht-Chef soll die bislang nie erreichte Zielmarke einer Marge von acht Prozent erreichen.

In der deutschen Reisebranche und in der Öffentlichkeit ist Franz bislang kaum aufgetreten, von einem Vortrag auf dem letztjährigen BTW-Gipfel mal abgesehen. Auch andere Lufthanseaten machen sich auf Branchenveranstaltungen, von der ITB bis zu Verbandstagungen, zunehmend rar. Nach außen hin gestaltete bislang Mayrhuber die große Politik, von der Aschewolke über die Konkurrenz der arabischen Golf-Carrier bis hin zur Luftverkehrssteuer bezog er deutlich Stellung. Vielleicht wird Mayrhuber ja künftig sogar Cheflobbyist eines vereinigten Verbandes für Fluggesellschaften und Flughäfen. Nach dem Steuer-Desaster ist eine starke Interessenvertretung nötiger denn je.

Wenn Franz 2011 übernimmt, muss er nicht nur die große Linie vorgeben, sondern auch die Lufthansa, die weltweit immer noch das Aushängeschild des deutschen Luftverkehrs ist, in der Öffentlichkeit vertreten. Dabei sollte er auch diejenigen im Blick haben, die seine Tickets verkaufen. Und das sind trotz des forcierten Direktvertriebs immer noch zu einem guten Teil die (Geschäfts-)Reisebüros.

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