Lufthansa, Air France, Bahn

Was bleibt vom Aufschwung hängen?

Neulich die Gewinnwarnung von Thomas Cook, heute schlechte Quartalszahlen von Air France-KLM und eine durchwachsene Halbjahresbilanz von Lufthansa und der Bahn. Bleibt vom Aufschwung und steigenden Kundenzahlen nichts in den Kassen hängen?

von Klaus Hildebrandt, 28.07.2011, 14:38 Uhr

Zum Jahreswechsel sah alles gut aus. Dann kamen die Unruhen in Nordafrika, die Katastrophe in Japan, eine Aschewolke, die gar keine war, und die Euro-Krise vor allem in Griechenland. Auf der anderen Seite läuft die deutsche Wirtschaft immer noch rund, die Zahl der Geschäftsreisen steigt rund um den Globus und auch das Touristikgeschäft präsentiert sich zumindest in Deutschland und in einigen anderen Ländern für den Sommer in guter Verfassung.

Doch trotz steigender Passagierzahlen und Umsätze sprechen die Nachrichten des heutigen Tages eine andere Sprache: Ein mäßiges Quartal von Air France-KLM, weniger Umsatz und Ergebnis im Fernverkehr der Deutschen Bahn trotz steigender Passagierzahlen und ein nur dank der Tochter Swiss und eines starken Cargo- und Cateringgeschäfts ausgeglichenes operatives Ergebnis der Lufthansa im ersten Halbjahr.

TUI und Thomas Cook berichten in der zweiten August-Woche wieder über ihr wirschaftliches Wohl und Wehe, aber neulich schockte Thomas Cook mit einer Gewinnwarnung schon mal die Börse. Der Ertragsrückgang hat übrigens nichts mit der (schon lange bekannten) neuen Struktur des Reisebüro-Außendienstes in Deutschland zu tun, wie die "Rheinische Post" heute der Reisebüro-Aktivistin und Cook-Intimfeindin Marija Linnhoff abgekauft hat, sondern mit der sattsam bekannten Lage in Nordafrika und hausgemachten Problemen auf dem britischen Markt.

Fakt ist, dass die hohen Kerosinkosten und die Krisen des Frühjahrs die Erträge in der Reisebranche schon fast wieder aufzehren. Allerdings darf man trudelnde Börsenkurse (wie heute bei den Airlines) auch nicht überbewerten: Am Jahresende wird bei Lufthansa immer noch ein erklecklicher Gewinn übrig bleiben und auch bei Thomas Cook heißt eine Gewinnwarnung nicht, dass gar kein Gewinn mehr anfällt, sondern dass dieser nur niedriger sein wird als zunächst erwartet.

TUI-Travel-Chef Peter Long bekannte vor einigen Wochen mit der Gelassenheit eines erfahrenen Tour Operators, dass Krisen nun mal zum Geschäft gehören. Wenn es in einem Jahr mal keine gebe, dann verdiene man eben gleich viele Millionen mehr. Mit Blick auf die heute veröffentlichten Ergebnisse möchte man hinzufügen: In der zweiten Jahreshälfte darf es auch ruhig mal ohne Krisen abgeben.

Wie die Branche insgesamt ihre Ertragslage verbessern kann, und wer in der ganzen Wertschöpfungskette eigentlich wieviel verdient oder verdienen sollte, darum geht es auch in der Eröffnungssession des fvw Kongresses am 13. September mit Managern wie Manny Fontenla-Novoa (Thomas Cook), Norbert Fiebig (Rewe) oder TUI-Finanzvorstand Horst Baier.

Kommentare

von Martin Pundt, 28.07.11, 16:41
Traditionell verdienen die Konzerne - insbesondere die in UK börsennotierten - nach meiner Kenntnis ihr Geld vor allem im Quartal von Juli bis September. Die wirklich wichtigen Ergebnisse liegen also noch vor uns. Es drängt sich mir aber der Eindruck auf, dass gerade die Großveranstalter derzeit sehr stark auf den Ertrag achten, um eben dieses Sommerquartal zu sichern. Der Anteil von kurzfristigen Umbuchungen für die von uns angebotenen Nebenleistungen rund um den Flugurlaub liegt um das Mehrfache höher als im Vorjahr. Die Ursache: Unsere Reisebüropartner melden uns täglich eine Vielzahl von Flugzeiten- und -streckenänderungen; das deutet auf erhebliche Konsolidierungen hin. Auch im klassischen Linienflugverkehr sieht es ähnlich aus, zumindest in der punktuellen Momentaufnahme: So ist der Flugplan am 3.8. zwischen München und Hamburg arg ausgedünnt und macht aus einem netten Ein-Stunden-Termin eine Tagesreise. Lufthansa und Air Berlin haben offensichtlich wenig Lust, nur heiße Luft durch die Gegend zu fliegen - sondern gehen voll auf Wirtschaftlichkeit. Das lässt durchaus noch auf ein ertragreiches Jahr hoffen. Ansonsten ist Peter Long nur zuzustimmen: Krisen sollten wir alle fest einkalkulieren. Egal, ob diese Krisen durch Naturereignisse (z.B. Vulkane oder Erdbeben) oder durch Menschen (z.B. ägyptische Demonstranten oder deutsche Verkehrsminister) ausgelöst werden: Irgendeine Krise kommt immer - das darf inzwischen wohl als sicher gelten.

von Robert, 28.07.11, 20:55
Würden die Angestellten im Reisebüro die bisher vielleicht 1000,- Euro netto hatten, plötzlich bloß noch 500,- Euro netto bekommen – ginge ein Aufschrei und Protest durch die Medienlandschaft in Deutschland. Das aber Thomas Cook bis 145000,- Euro Umsatz nur noch 7 % Provision zahlt interessiert überhaupt niemanden. Die Frage ist nicht warum sondern wie lange lassen sich die langjährigen Vertriebspartner das noch gefallen !

von barthel.eu, 28.07.11, 21:42
Die Medien berichteten ja wiederholt darüber, dass der Aufschwung in den Unternehmen zwar angekommen sei, aber nicht bei den Mitarbeitern. Diese sind aber die, welche die Produkte ja konsumieren sollen. Wenn ich lese, dass die Ärmsten am meisten Einbußen zu verzeichnen hatten und bis in die mittleren Gehaltsschichten im Verhältnis weniger Netto in der Tasche ist, darf ich mich nicht wundern, wenn diese Masse nicht gerade freudig Geld ausgibt. 'Geiz ist Geil' ist ja oft keine Entscheidung, sondern zwingende Notwendigkeit. Dann wird's halt der billigere Urlaub, der Euro und Cent wird umgedreht und durchkalkuliert. Wenn dann noch die hohe Politik die falschen Signale setzt (Luftverkehrssteuer) und Probleme aussitzt, die Zahl der in Leiharbeit beschäftigten zunimmt, die oft weniger verdienen und dabei mehr Angst um ihre Zukunft haben, dann sind dies alles falsche Signale, die uns in den Umsätzen treffen. Vor 20 Jahren habe ich bei einer Fluggesellschaft gearbeitet, die bei vollen Flügen (Atlantikverkehr) Verluste machte. Steigende Passagierzahlen sind nicht die Antwort, wenn der Ertrag nicht stimmt. Der uralte Witz (ich hab mal in meiner grimmigen Jugend Großhandel gelernt): "Du kaufst die Eier für 20 cent, verkaufst sie für 18, das kann doch nicht gut gehen!" Antwort: "Doch, die Masse macht's..."

von Horst, 31.07.11, 22:51
Würde die Frage anders stellen: warum schaffen es Thomas Cook und Co nicht, den Aufschwung zu nutzen? Aktien im Keller, Immobilienverkauf für old fresh money, Vertrieb einkürzen und am MA sparen. Noch richtig aufgestellt für die kommenden Herausforderungen? Den eCommerce verschlafen oder planlos umstrukturiert, die Angebote wie noch zu Muttis Zeiten. Mal sehen, was so passieren wird...

von Reiner Iserlohe, 02.08.11, 16:21
Evtl. sollten die Marketingmanager und Zahlenjongleure beo TOC darüber nachdenken, ob es nicht sinnvoller ist ab dem ersten Euro Umsatz 10% Provison zu zahlen, so wie Ameropa es jetzt macht. Ich könnte mir vorstellen, das es viele kleinere Reisebüros geben würde, die dann gerne die Kataloge wieder aus dem Keller nach vorne stellen. Es liegt ja nicht am Produkt, das der Verkauf nicht so läuft wie sie es denn gerne hätten, es liegt einfach daran, das alle die kleineren Vermittler und die die nicht gebunden sind und nicht zuletzt die die das Programm neu aufnehmen könnten, eben nicht bis 145t für 7 % arbeiten wollen und können. Es ist mir klar, das TOC das scheinbar nicht will, das Bestreben geht wohl in erster Linie a. zum gebundenen Vertrieb und b. in die Vergrößerung des Onlineumsatzes. Wollen wir doch hoffen, das es dann zum Überleben reicht, wäre dann doch schade um den Veranstalter.

von Marija Linnhoff, 17.08.11, 12:24
Mit einem Lächeln und auch ein wenig Stolz nehme ich, eine kleine Reisebüroinhaberin aus der westfälischen Provinz, zur Kenntnis, dass ich von der Fachpresse zur "Intimfeindin" von TC gemacht werde. Kaum zu glauben !

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