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Warnschuss für Linktauscher und Reiseblogger

Im Kampf gegen Link-Spam greift Google zur verbalen Keule. Linktausch und Blog-Marketing verstoßen gegen die Richtlinien, betont Google. Die SEO-Szene muss sich warm anziehen. Und nicht nur die.

von Dirk Rogl, 11.02.2014, 11:38 Uhr

Googles Suchindex ist ein gut gehütetes Geheimnis. Niemand kennt ihn. Doch eine ganz Branche arbeitet fieberhaft daran, in den Suchergebnissen besser sichtbar zu sein. Ein Indexfaktor galt bislang als in Stein gemeißelt: Die prominente und vielfältige Verlinkung der eigenen Web-Seite mit anderen relevanten Online-Angeboten.

So war das, bis Matt Cutts, Leiter des Webspam-Teams und oberstes Sprachrohr in die Welt der Search Engine Optimizer, im Januar die verbale Keule auspackte. Statt nur über den automatischen Index gehe man nun auch mittels manueller Überprüfungen gegen Web-Spammer vor. Auch in Deutschland, wie Cutts betonte. Und damit die SEO-Avantgarde keine Übersetzungsfehler macht, schrieb Google gleich auch in deutscher Sprache, was man künftig alles nicht mag.

Die Liste ist lang. Und obwohl – anders als in USA (Expedia.com) und in Frankreich (Buzzea) – offenbar noch keine Strafmaßnahmen gegen einzelne Link-Betreiber in Deutschland (exklusiv auf fvw.de) sichtbar sind, ist die SEO-Szene in heller Aufregung. Um es kurz zu machen: Im Prinzip kann jeder registrierte Backlink, der auf die eigene Web-Seite führt, das Page Ranking nicht wie erhofft positiv sondern massiv negativ beeinflussen. Mehr noch: auch ausgehende Links auf andere Seiten, bislang die natürliche Gegenleistung beim üppig etablierten Link-Tausch, können zu Konsequenzen führen.

Mit Ausnahme von geschlossen Seiten wie etwa das Premium-Angebot von fvw.de, die bei Google ohnehin durch den Suchindex fallen, gibt es im Web gar nicht so viele Beispiele für einen garantiert organischen und allein auf der journalistischen Qualität ausgerichteten Link-Aufbau. Und genau das ist nun das Dilemma. Denn Google deutet nur an, was zu einer Abstrafung führen könnte. Ob und wie der Suchgigant ein „spammiges Unterfangen“ von einem qualitativ relevanten Link unterscheiden will und kann, bleibt unausgesprochen.

Nehmen wir mal ein konkretes Beispiel. Dieser Link auf kommerzielle Angebote von Ebay ist flüchtig betrachtet ein klares Beispiel für Link-Spam. Denn er verweist auf ein kommerzielles Angebot, so wie es auch im Online-Reisevertrieb immer wieder vorkommt. Und genau das ist nun gefährlich.

In diesem Fall ist der Link aber höchst relevant. Denn er zeigt die aktuellen Angebote auf Ebay zum käuflichen Erwerb von Backlinks. Wer etwas sucht, findet dort auch die Möglichkeit, für nur einen Euro einen beliebigen werblichen Text auf einem Reise-Portal zu veröffentlichen, inklusive dem (bislang) für das SEO-Ranking so wertvollen Backlink auf die eigene Homepage.

Mit exakt diesem Geschäft haben sich auch tausende von Reiseblogger Reputation und Relevanz im Online Marketing erarbeitet. Und damit nicht gleich der Aufschrei kommt: Natürlich gilt das nicht für alle. Viele in der Blogger-Szene widersprechen ganz aktiv der Verlockung des kommerziellen Linktauschs. Werbliche Texte hingegen bietet der ein oder andere durchaus an, auch wenn diese "Advertorials" optimalerweise als solche gekennzeichnet sind. Aber wo genau ist die Grenze zum „spammigen Unterfangen“?

Ist es bereits der Link zum Hotel oder zur Destination, in die ein Reiseblogger eingeladen war? Oder ist es zumindest der Link zum buchbaren Angebot auf Reiseveranstalter.de oder Airline.com? Und wie steht es um Blogs, die nicht auf der eigenen Homepage veröffentlicht werden, sondern auf der Homepage des Kunden? Aus Sicht von Google sind solche Gästeblogs spätestens dann Spam, wenn sie Backlinks zum Anbieter enthalten.

Vermutlich gilt es den Begriff „Blogger“ im Sinne Googles etwas weiträumiger zu sehen. Google, ohnehin stets branchenübergreifend denkend, meint hier gewiss nicht den kosmpoliten Destinations-Experten, der mit Hingabe und Kompetenz von seiner Reise berichtet. Es könnte aber auch Experten etwa auf Reisebüro- und Veranstalter-Portalen meinen. Vielleicht sogar Urlaubsbewertungen von Kunden. Sprich, all das, was viele Reise-Portale in der Vergangenheit groß gemacht hat. Allein der Verzicht auf Links zum Angebot schützt nun sicher vor einer Abstrafung bei Google.

Die gute Nachricht: All die genannten Praktiken sind so etabliert in der Online-Touristik, dass Google sie niemals voll umfänglich abstrafen kann – und dies bislang ganz offenbar auch nicht getan hat. Dass der Monopolist aber Andeutungen macht, dies tun zu wollen, ist mehr als bemerkenswert. Ich rate zu erhöhter Wachsamkeit. Aber auch zu einer Portion Gelassenheit.

Kommentare

von Peter Althaus, 11.02.14, 12:30
Für uns als Reiseblogger ist das Verhalten von Google durchaus ambivalent zu betrachten. Einerseits sollten wir alle ein Interesse daran haben, dass durch unsere Aktivitäten die Seiten von Linkeinkäufern nicht unbedingt die best-gerankten im Netz werden. Das schon allein, damit unsere eigenen Seiten möglichst weit oben in den Suchergebnissen erscheinen und dementsprechend auch gefunden werden - von potentiellen Lesern. Die andere Seite ist jedoch, dass das Linkselling eine der besten Einnahmemöglichkeiten für Reiseblogger ist. Damit finanzieren wir Reisen und unsere technische Ausstattung, zahlen unsere Miete und "leben" davon. Damit können wir am Ende auch relevanten Content liefern. Sicherlich gibt es dafür auch andere Wege. Aber die "Kooperationen" sind eben doch ein Weg, der uns finanziell Freiheit geben kann, um das zu tun, was auch Google gern von uns möchte: Bloggen und guten Content erstellen. Insofern sind viele in der Szene durchaus verunsichert, da es an klaren Handlungsanweisungen und Beispielen vonseiten Google mangelt. da kann Matt Cutts so viele Reden schwingen wie er möchte. Ich selbst versuche die Regeln zu beachten, aber selbst bei 100 SEO-Spezialisten gibt es dazu 500 Meinungen. Am Ende kann man nur abwarten, bis doch etwas passiert.

von Monika Fuchs, 11.02.14, 13:07
Zitat: "Allein der Verzicht auf Links zum Angebot schützt nun sicher vor einer Abstrafung bei Google." Dieser Aussage kann ich nicht zustimmen, denn das stimmt nicht mit dem überein, was Google in seinen Webmaster Richtlinien verlangt. Google geht es darum, seinen Page Rank spambereinigt weiter zu geben, um seine Suchergebnisse interessant zu gestalten. Google will sinnfreie und inhaltsleere Posts loswerden, die von SEO-Agenturen und großen Unternehmen in Auftrag gegeben wurden, um die eigenen Seiten in den Suchergebnissen nach vorne zu bringen. Ein Unterfangen, das meiner Ansicht nach durchaus unterstützenswert ist. No-Follow-Links auf Angebote sind ausdrücklich - und das sagt auch Google - immer noch möglich, da diese keinen Page Rank an die verlinkten Seiten weiter geben. Das bedeutet für Blogger und Webportale, dass sie, wenn sie Links zu Angeboten mit dem Vermerk "rel=nofollow" versehen, damit immer noch Einnahmen über Affiliatelinks erzielen können. Allein die Empfängerseite des Links gewinnt dadurch nicht mehr an Page Rank, und der Wettbewerb um die höchsten Positionen in den Suchmaschinenergebnissen wird dadurch über die Qualität des Inhalts der Seite gesteuert. Große Seiten wie Expedia und andere werden dadurch in ihrem Ranking abgewertet, kleine Seiten wie die von Reisebloggern können so besser im Wettbewerb um die besten Plätze mithalten - wenn es ihnen gelingt, qualitativ hochwertige Inhalte zu liefern.

von Dominik, 11.02.14, 13:15
Der Google Suchindex ist nicht bekannt? Ich kenne ihn. Was du meinst, ist der Algorithmus zur Bestimmung der Reihenfolge, in der die Seiten gelistet werden :-)

von Dirk Rogl, 11.02.14, 14:05
@Monika Fuchs D´accord. Aber sind No-Follow-Links für Sie und Ihre Partner tatsächlich eine gute Alternative? @Dominik Du kennst den Google-Suchindex? Nicht schlecht. Da hast Du dem World Wide Web etwas voraus. Denen hier auch: http://en.wikipedia.org/wiki/PageRank (Für alle, die es ganz genau wissen wollen. Im Prinzip herrscht vermutlich Einigkeit. Gemeint ist der aus dem Google-Suchindex per Algorithmus bestimmte Pagerank.)

von Monika Fuchs, 11.02.14, 14:21
@Dirk Rogl Nun, für mich als Reiseblogger ändert sich dadurch nicht viel, außer dass ich vielleicht den einen oder anderen älteren Link in No-Follow ändern muss. Für Affiliate Partner dagegen schon, denn sie erhalten über Affiliatelinks in Zukunft sicher nicht mehr so viel "Link Juice" wie bisher. Ihre Position in den Suchmaschinen wird so wieder auf ein gerechteres Maß zurück geschraubt. Ich denke, dass guter Content auf diese Weise vielleicht wirklich zu einem echten Maß aller Dinge werden kann. Allerdings, und da muß ich Ihnen Recht geben, ist nicht klar, was Google als "guten Content" definiert.

von Angelika Schwaf, 11.02.14, 14:33
Gut so! Verlinkungen auf Teufel komm raus und SEO-Quatsch haben mit Hummingbird hoffentlich bald endlich keine Chance mehr! Guter Content ist laut Google übrigens ein inhaltsvoller Text, der hilfreich und nützlich für den Leser ist! Schön, wenn da so mal endlich aufgeräumt wird. Ich hoffe, ich verschwende so dann weniger Zeit mit Blabla Texten, egal ob von Blogger oder Unternehmensseiten.

von Torsten Dierks, 11.02.14, 14:50
@Monika Fuchs hat vollkommen recht. Das Problem was ich sehe ist eher, dass die WYSIWYG-Editoren in den Blog- oder CMS Programmen alle überarbeitet werden müssten, damit auch jeder User einen nofollow Link ohne HTML Kenntnisse setzen kann. Wenn jeder einen Link ohne nofollow setzt, wird auch der PageRank vererbt und davor will sich Google nur schützen. Letztendlich hilft es der Qualität der Suchergebnisse, auch wenn es für die SEOs jetzt eine neue Herausforderung gibt.

von Oliver, 11.02.14, 20:20
Ich frage mich, ob nicht genau das Gegenteil des Geplanten passieren wird: Aus Angst vor Abstrafungen werden Blogger grundsätzlich jeden Link auf nofollow setzen, ausser denjenigen, für den sie Geld erhalten haben.

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