Lebedev

Das Blue-Wings-Drama

Für die Mitarbeiter ist das Grounding von Blue Wings eine Katastrophe. Aber braucht der Markt die Airline wirklich?

von Klaus Hildebrandt, 13.01.2010, 15:16 Uhr

Mein Kollege Georg Jegminat beschreibt in seinem Bericht auf fvw.de anschaulich die verschiedenen Akte des Dramas um Blue Wings. Alles begann, als mit Ausbruch der Finanzkrise 2008 die geplante Übernahme von Blue-Wings-Hauptkunde Öger Tours durch den schillernden russischen Oligarchen Alexander Lebedev platzte.

Seitdem tut sich Blue Wings schwer. Obwohl Lebedev kein Oligarch klassischen Stils ist (er übt im gerade noch vom Kreml tolerierbaren Maß regelmäßig Kritik am System Putin) und mit Aeroflot und anderen Bank- und Firmenbeteiligungen als Geschäftsmann eine feste Größe, schwebte über seiner Beteiligung Blue Wings immer das Damoklesschwert eines plötzlichen Rückziehers des kaum einzuschätzenden Russen.

Nicht gerade die Voraussetzung für die Einbuchung fester Veranstalterkontingente für Ferienzeiten. Wer möcht schon Gefahr laufen, "Bild"-Schlagzeilen vom Schlage "Russischer Milliardär verdirbt deutschen Familien den sauer verdienten Urlaub" im Zusammenhang mit seinem Namen lesen?

Obwohl die großen deutschen Ferienflieger ihre Flotten konsolidiert haben, wird auch ohne Blue Wings für den Sommer 2010 genügend Kapazität bereitstehen. Deutsche Airlines wie Hamburg International und Germania springen in die Bresche, Zielgebietscarrier wie Coral Blue oder Air Via bedienen stärker den deutschen Markt. Einige Experten schätzen, dass es im Sommer gar eine Überkapazität geben könnte, die für eine Million zusätzliche Passagiere reicht.

Den Blue-Wings-Mitarbeitern nützt das wenig. Und Ex-KGB-Spion Lebedev, der statt Öger Tours lieber die Londoner Tageszeitung Evening Standard kaufte, wird wohl froh sein, wenn er aus seinem deutschen Abenteuer einigermaßen glimpflich herauskommt.

Vor der Finanzkrise wurde sein Vermögen zwar auf 3,5 Mrd. Dollar geschätzt – aber den sicher nicht ganz so kümmerlichen Restbestand will er sicher nicht auf dem deutschen Flugmarkt verbrennen. Es würde ja schon reichen, wenn er aus der Portokasse wenigstens die ausstehenden Gehälter bei Blue Wings begleicht.

Kommentare

von Dietmar, 13.01.10, 18:41
Der Verlust der Fluglizenz hat zwei Seiten: Natürlich hat der Flugmarkt Überkapazitäten. Es ist daher normal, dass der schwächste Anbieter ausscheidet. Wenn aber sofort neue Anbieter wie Coral Blue oder Air Via auf den Markt kommen, wird das Problem Überkapazitäten nur von Blue Wings auf die neuen Anbieter verlagert. Ich finde es schade, dass Blue Wings wohl endgültig vom Markt verschwindet. Ich bin gerne mit ihnen geflogen. Zwei Sitzreihen weniger im Flugzeug bedeuteten angenehmen Sitzabstand. Auch Essen und Personal waren ein wenig über dem allgemeinen Standard bei Türkei-Flügen. Wohl deshalb hat Öger seine Kunden mit LTU und Blue Wings fliegen lassen. Es gibt viele Kunden, die diesen Service auch honorieren.

von Klaus, 18.01.10, 18:23
Lebedev will nun Geld bereit stellen. Vielleicht bekommt Blue Wings noch mal eine Chance.

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