Kreuzfahrt

Katastrophe oder Schönheitsfehler?

Traumhafte Wachstumsraten trotz massiver Umsatzeinbrüche: Das gibt es nur auf hoher See. Wer im Kreuzfahrtmarkt zurzeit den Überblick behalten möchte, der muss zwei völlig konträre Bilder übereinander legen. Auch erfolgsverwöhnte Seereise-Anbieter sollten einen Moment innehalten.

von Dirk Rogl, 08.03.2012, 17:07 Uhr

Was wäre bloß gewesen, wenn die Costa Concordia eben nicht seit knapp zwei Monaten für spektakuläre Bilder, menschliche Tragödien und offene Fragen sorgen würde. Die Marktforscher der GfK können das ziemlich gut vorhersagen. Dann hätte der deutsche Kreuzfahrtmarkt voraussichtlich sensationelle 45 Prozent mehr eingenommen als im Vorjahr. So zumindest sah es aus an jenem Tag, als Kapitän Schettino vom rechten Kurs abkam. An jenem Tag dürften rund 70 Prozent der Cruise-Umsätze im laufenden Touristikjahr im Kasten gewesen sein.

Doch nun ist die Lage gänzlich anders. Seit der Havarie brechen die maritimen Umsätze laut GfK-Marktforscher deutlich ein, zum Teil um bis zu 52 Prozent gegenüber der jeweiligen Vorjahreswoche. Aktuell liegt das Umsatzplus der Seetouristik in Deutschland noch 33 Prozent über Vorjahr. Selbst das ist sensationell gut. Keine Frage: Das maritime Touristikjahr wird schon leidlich gut enden.

Die Frage ist nur: Wann hat die Umsatzdelle, die in den GfK-Grafiken schon die Anmutung eines massiven Einbruchs hat, endlich ein Ende? Bislang war wenig bekannt von den aktuellen Umsatznöten der Seereisen-Anbieter. Nach außen herrscht allgemeine Zufriedenheit, auf Jahresbasis gesehen nicht ganz unberechtigt. So gesehen gibt es ja auch keinen Grund zur Klage. Und so mag die aktuelle Situation für die boomende Cruise-Industrie durchaus lehrreich sein. Landauf landab polieren die Reedereien ihre zumindest teilweise angespannten Beziehungen zum Vertrieb. Allein das kann kein Schaden sein.

Mehr noch: Die aktuelle Delle ist gewiss nicht allein den Costa-Schiffen geschuldet. Sie liegt wohl auch daran, dass viele Kreuzfahrt-Anbieter aktuell beim Marketing deutlich zurückhalten. Die Lust auf maritime Urlaubserlebnisse dürfte relativ leicht zu wecken sein. Spannend wird es, wenn die Cruise-Werber wieder auf volle Fahrt gehen. Dann lohnt es sich, noch einmal genau in die Umsatzstatistiken der Marktforscher zu schauen.

Kommentare

von Bernd Brümmer, 09.03.12, 11:05
Momentan wohl eher ein "Schönheitsfehler", aber auf welcher Basis ? Bei COSTA die große "Umsatzbeule", bei den anderen Anbietern eine Delle oder auch nur eine Schramme ? Wer seine Hausaufgaben im Vertrieb, Marketing und Kundenpflege auch weiterhin ordentlich macht - wird im maritimen Bereich seinen persönlichen Erfolg haben und behalten. Und wenn die Reisebüros ihre "Noch-Nicht-Schiffsverkäufer" jetzt endlich einmal professionell für diesen Bereich schulen lassen würden, wäre der momentane Schönheitsfehler schon bald kein Makel mehr, sondern der Anfang weiterer maritimer Erfolgsmeldungen !!

von Martin Pundt, 09.03.12, 14:10
"Schönheitsfehler", ganz klar. Zum einen: Nach einer kurzen Buchungsflaute ziehen bei uns die Buchungen für Hotels und Parkplätze an Kreuzfahrthäfen seit Monatsanfang wieder ganz massiv an. Da diese Leistungen aber i.d.R.nur in Verbindung mit der Kreuzfahrt gebucht werden, sehen wir die "Delle" schon als Geschichte an. Zum anderen: Die "Halbwertszeit" für katastrophenbedingte Buchungsrückgänge hat sich in den letzten Jahren immer weiter reduziert; der Kunde vergisst schneller. Warum sollte das bei Unglücken auf See anders sein als bei Flugzeugabstürzen, Busunfällen oder Terroranschlägen?

von Serena, 16.04.12, 11:32
Hi, guter Artikel - danke dafür! Ich beschäftige mich häufiger mit dem Thema und vergleiche gerne unterschiedliche Preise. Diese <a href="http://www.1000kreuzfahrten.de/topangebote"> Kreuzfahrtangebote </a> finde ich gar nicht schlecht. Was meinst Du? LG

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