Kreuzfahrt

Die große Kreuzfahrt-Inszenierung

Die Kreuzfahrt-Branche feiert sich gekonnt in Hamburg. Ach, gäbe es so etwas doch auch in anderen Teilen der Touristik.

von Klaus Hildebrandt, 04.08.2014, 13:59 Uhr

Genau hat die Besucher der Hamburger Cruise Days niemand gezählt. Aber als ich am Samstag abend eine halbe Stunde warten musste, um überhaupt zum Bahngleis im überfüllten Bahnhof Landungsbrücken vordringen zu können, konnte ich mir lebhaft vorstellen, dass die vom Veranstalter genannten Zahl von 600.000 Besuchern während der drei Tage stimmt. Von einer "PR-Veranstaltung für die Kreuzfahrt" war in einer Hamburger Zeitung etwas spitz die Rede. Genau das trifft es: Welches Segment der Reisebranche schafft es, so viele Menschen für sich einzunehmen?

Gerne klagt die Touristik, sie habe nicht die Marketing-Millionen anderer Branchen, ob Auto oder Telekom. Und gewiss: Die Besucher sehen die Cruise Days nicht in erster Linie als Leistungsschau der Branche, sondern als Vergnügung mit Musikbühnen, Rioja-Verkostungen und Bierständen. Aber die Auslaufparade im blau illuminierten Hafen war auch für Hamburger, die das Elbufer von so manchem Hafengeburtstag oder Schiffsanlauf her kennen, beeindruckend.

Die Kreuzfahrt-Veranstalter haben den großen Vorteil eines anfassbares Produkts, das Sehnsüchte weckt und immer noch riesige Menschenmengen in den Hafen lockt. Man erinnere sich nur an die Anläufe der Queen Mary 2, mit der vor zehn Jahren der Hochsee-Boom in Hamburg begann, oder an die Taufen von Aida, MSC, Hapag-Lloyd oder zuletzt der Mein Schiff 3. Da fällt es den anderen Veranstaltern schon schwerer, auf den Busch zu klopfen. Ihr Produkt – meistens ein Hotel an einem fernen Strand oder das Erlebnis einer Studien- oder Aktivreise – ist schwerer und eigentlich nur mit Bildern und Worten zu präsentieren. Man kann sich ja nur schwer vorstellen, dass 600.000 Menschen zu einer Parade von TUI, Neckermann, ITS, Alltours und FTI kommen würden.

Aber eins zeigt die Marketing-Maschinerie der Kreuzfahrt-Anbieter: Es kommt darauf an, das Produkt zu inszenieren und greifbar zu machen. Deshalb sind übrigens auch Reisemessen im Internet-Zeitalter immer noch gefragt. Nur mit abverkaufsorientiertem Suchmaschinen-Marketing lässt sich die Begeisterung, die am Wochenende in Hamburg spürbar war, nicht erzeugen.

Kommentare

von Hans-Peter, 04.08.14, 20:33
Um solche Inzenierungen durchführen zu können, müßten die Veranstalter sich zu einem fairem und partnerschaftlichen Umgang mit den Reisebüros bekennen und auch auskömmliche Provisionen bezahlen!! Denn die Kunden sind nicht bereit Beratungsgelder oder Servicegebühren zu bezahlen!!!

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