Kreditkartengebühr

Endlich richtig Kasse machen

Die nicht ganz überraschende Einführung einer Kreditkartengebühr durch die Lufthansa offenbart auch eins: Den Reisebüros, online wie offline, fehlt es häufig an einem zeitgemäßen Kassenhäuschen.

von Dirk Rogl, 05.08.2011, 16:43 Uhr

Nun ist sie also im Anmarsch, die Optional Payment Charge der Lufthansa. Wie die neue Kreditkartengebühr genau funktioniert, steht auf fvw.de. Was das für Folgen für Firmenkunden und Reisebüros hat, analysieren wir in der nächsten fvw. Und was die ganze Sache soll, kann sich jeder denken. Lufthansa entledigt sich eines Kostenblocks, der aktuell der wohl größte im Vertriebs-Etat sein dürfte. Für das Kreditkarten-Disagio zahlt künftig der Kunde.

Da war absehbar. Das ist auch in anderen Segmenten der Touristik so. Dass die Optional Service Charge ähnliche Wellen Schlagen kann wie einst die Vorzugspreisgebühr gegen die GDS liegt an der technisch völligen inhomogenen Zahlungstechnologie im Flugvertrieb. Solange eine Kreditkarte eingesetzt wird, funktionieren die Dinge zumeist reibungslos. Darauf bauen Reportings und die Abrechnungen der Firmenkunden darauf. Und darauf verlassen sich auch die Reisebüros im Leisure-Geschäft. Kein anderes Zahlungsmittel erscheint sicherer gegen Ausfälle. Und das ist enorm wichtig in einem Geschäft, in dem das Flugticket häufig unmittelbar ausgestellt werden muss.

Der Mangel an Zahlungsoptionen ist jedoch eklatant. Viele große Internet-Reisebüros bieten ihren Kunden aktuell ausschließlich die Kreditkarte als Zahlungsmittel. Wenn sich daran nichts ändert, können sich die Online-Mittler die zumeist teure Listung in Preisvergleichssystemen vom 2. November an schlichtweg sparen. Denn Lufthansa.com wird billiger sein. Dort gibt es, ohne Aufpreis, den Bankeinzug. So etwas können Mittler ihren Kunden auch anbieten. Wer es komfortabel und risikoarm tun möchte, braucht dazu allerdings professionelle Hilfe.

Die Liste der Anbieter von Sofortüberweisungs-Systemen ist lang. Die Anbieter umgarnen längst auch den Reisevertrieb. Wenn sich die Kreditkartengebühr durchsetzt, dürfte die Nachfrage nach ihren Diensten drastisch zunehmen. Sieben Jahre nach Einführung der Nullprovision in Deutschland und damit auch des Flugticketverkaufs in eigener Verantwortung der Reisebüros wird es höchste Zeit für die Agenten, sich ein zeitgemäßes Kassenhäuschen zu bauen. Der Lohn ist, dass man für gute (Zahlungs-)Dienste künftig wohl auch gutes Geld verlangen darf.

Kommentare

von Markus Luthe, 05.08.11, 19:08
Die hinter den Kreditkartengesellschaften stehenden Banken haben diese Desavouierung der Kreditkarte selbst zu verantworten, indem sie seit Jahrzehnten die Gebühren ("Interchange Fee") nicht am Markt bestimmen lassen, sondern im Wege der Absprache untereinander marktfern festlegen. International ist die EU-Kommission hier wiederholt mit Erfolg vorgegangen. National ist eine gemeinsame Wettbewerbsbeschwerde des Hotelverbandes und der Einzelhandelsverbände seit Jahren beim Bundeskartellamt mit noch offenem Ausgang anhängig. Es verwundert nicht, dass die Airlines diese Kosten dem Verbraucher überwälzen und sicherlich kostengünstigere Varianten für den Zahlungsverkehr favorisieren werden. Kurz- und mittelfristig werden sicherlich auch aus Reihen der Hotellerie Nachahmer folgen und z.B. auf Instrumente der Sofortüberweisung setzen. Auch die immer rigorosere AGB-Politik der Kreditkartenherausgeber legt einen solchen Schritt nahe.

von barthel.eu, 07.08.11, 14:47
Zwei Gedanken zu diesem Thema: 1. Es gibt immer noch viele Deutsche, die NICHT über eine Kreditkarte verfügen, sofern man Maestro nicht dazu zählt, was zwar international als Zahlungsmittel Klasse funktioniert, aber selten in den Kreditkartentypen auftaucht... 2. Prozesskostenanalyse - gerade das angesprochene Reporting macht doch die Nutzung der Kreditkarte derzeit "alternativlos". Es ist doch so, dass die GDS als immer noch wichtigster Buchungskanal im (Firmen-)Reisebüro zwar eine Zusatzdatenerfassung für die Kreditkarte, nicht aber für "traditionelle" Zahlungsarten anbieten. Auch seitens der IBE ist mir hier ad hoc kein Anbieter bekannt, der das im Programm hat - aber da bin ich nicht up-to-date. Problem: Diese "Transparenz" schadet der Airline, dem Reisebüro, dem Kunden, aber keine Lösungen in Sicht, dieser Fehlentwicklung entgegen zu wirken. Kein Reisender will diese Details. Der will wissen: Was kostet der Sitz A nach B und was ist zu beachten (mehr/weniger Gepäck, Stops und Umsteiger). Vergleich Autokauf: Der Paketpreis ist bekannt. Sonderwünsche kosten extra. Es gibt aber auch "Spezialpakete". Problem 2: Die GDS begreifen nicht, dass diese Vergleichbarkeit der Produkte ein Alleinstellungsmerkmal (USP) war ('war', nicht 'ist'). Diese USPs werden zunehmend unterlaufen. Die GDS müssen mal definieren, was sie eigentlich sind, welche Alleinstellungsmerkmale sie für welche Kundengruppe haben und wie diese sich auf ihre Daseinsberechtigung auswirken. Verlieren sie weiter, kann das Reisebüro auch über eine "Reisebüro-IBE" mit Direktanbindung am GDS vorbei buchen. Immer mehr Ketten und Systemanbieter arbeiten daran...

von Heiner, 07.08.11, 15:37
Wir hatten mit unserem Reisebüro auch mal einen Kreditkartenvertrag (Laufzeit 1995-2005). Bei uns stand damals in den AGBs des Vertrages, den wir unterzeichnet hatten, dass wir bei unseren Kreditkartenkunden kein Disagio o.ä. berechnen dürfen. CC-Kunden durften finanziell von uns nicht schlechter gestellt werden als Bar-Kunden. Gilt diese Klausel heute nicht mehr? Können Airlines und Veranstalter die AGBs in den Verträgen ignorieren?

von Horst, 08.08.11, 11:54
Gefühlt sind die Online-Mittler und Flug-Preisvergleicher, werbend mit lustigen Handpuppen und raumfüllenden Ex-Fußballmanagern, bei der Suche nach dem günstigsten Flug immer öfter nicht hilfreich. Das ist ja auch nicht die Idee eines Aggregatoren, er möchte ja max. Umsatz/Profit machen. Der Interessent (und ich auch) gehen immer wieder verstärkt zu den Top-Anbietern (Lufthansa, Air Berlin, etc. - nicht ryanair!!! ;-) direkt, um die Preise zu erkunden. Auf den Sites erhalte ich Angebote, die ich so auf den Vergleichern nie zu sehen bekomme. Wenn jetzt durch alternative Zahlungswege die Angebote noch besser werden, freue ich mich für die Veranstalter/"Produzenten" der Ware Flug. Dort sollen sie auch gekauft werden, und nicht beim Vermittlergeschäft, dass nicht so prickelnd ist wie viele Verbraucher glauben...

von Dietmar Pedersen, 08.08.11, 23:15
Warum soll ich als Kunde bei einer Kreditkarte EUR 10,00 Gebühren zahlen, wenn es per Lastschrift auch mit EUR 0,25 geht? Die EUR 9,75 Aufpreis hat doch schon immer der Kunde bezahlt. Egal, ob EUR 110,00 Endpreis oder mit EUR 100,00 Preis + EUR 10,00 Kreditkartengebühr. Wenn es jetzt extra berechnet wird, werden manche Leute endlich mal wach und schmeissen den Kreditkartenfirmen/Banken das Geld nicht mehr einfach in den Rachen.

von bin ich der Feind meines Geldes?, 09.08.11, 11:44
vor Jahren hat Lufthansa mir eine Kreditkarte vermittelt;erst VISA später wurde Mastercard daraus. Jahresbeitrag EUR 95,-. Einziger nennenwswerter Vorteil gegen-über anderen Karten ist derzeit noch " kein Meilenverfall ". Nun soll ich also für Tickets der Gesllschaft eine Gebühr bezahlen, die diese Karte ausgibt. Woanders würde man dies als " rip off " bezeichnen. Meine Konsequenz ist Rückgabe der Lufthansa-Kreditkarte und Inanspruchnahme einer wesentlich billigeren Kreditkarte ( mit denselben Versicherungsleistungen ) meiner Hausbank. Peu á peu wegsteuern vom " Meilensammelverhalten " scheint hier von den Lufthansa-Entscheidern in erwünscht, denn es kann ja wohl nicht sein, daß ich einerseits mit 1 Meile pro Euro Umsatz belohnt werde, aber andererseits mit einer zusätzlichen Gebühr gerade für die Wahl dieses Zahlungsmittels " bestraft " werde.

von Thorsten Lehmann, 09.08.11, 22:17
Man wird einfach das Gefühl nicht los, dass es gerade im touristischen Vertrieb darum geht, eine gewisse Intransparenz zu schaffen. Früher, das war noch vor wenigen Monaten, war bei allen Anbietern alles drin. Die Leistungen waren vergleichbar und damit auch der Preis. Jetzt sieht man erst mal einen Preis. Der ist aber günstig. Klasse. Und dann kommt doch das böse Erwachen in Form der Kreditkarten-Gebühr in nicht so ganz nachvollziehbarer Höhe. Unglaublich eigentlich, dass MasterCard und VisaCard das alles so ohne Action anschauen. So greifen demnächst Kunden, verständlicherweise, wieder zur guten alten Lastschrift und zur DebitCard. Die Kreditkartenunternehmen schauen einfach zu, wie Ihr Zahlungsmittel an Bedeutung verliert. Und andere Branchen machen es auch gleich nach. Neulich wollte ein Möbelhaus in München 4% Gebühr bei CC - Zahlung von mir. Ich musste gleich 3 x nachfragen. Ich dachte, ich habe mich 2 x verhört. Da tut sich doch der Verdacht auf, dass mit dieser Gebühr sogar noch ein klitzekleinesmini Zusatzgeschäft gemacht wird. Und in der Therme Erding bei München kostet die CC-Zahlung beim Eintritt übrigens lustige 3% Gebühren. Ja geht's denn eigentlich noch? Ich glaube, ich will meine Jahresgebühr von den Kreditkartenunternehmen zurück. Viele Restaurants akzeptieren schon gar keine Kreditkarten mehr und ich warte nun darauf, dass Tankstellen demnächst auch noch chic 3% vom Tankumsatz als CC-Gebühr dem Kunden weiterbelasten. Jaaaa, dafür wird der Sprit auch um 2% günstiger. Grrrrrr.... Ich bin der Meinung: wenn ein Händler die Zahlungsart CC akzeptiert, soll auch das Disagio übernehmen und nicht dem Kunden mal schnell weiterbelasten, und schon gar nicht die Gebühr auf das Reisebüro abwälzen.

von Sascha Nau, 11.08.11, 12:33
Also verstehen kann ich die plötzliche Aufregung nicht wirklich. Wir zahlen schon immer die Kreditkarten-Gebühren mit - bei jedem Einkauf ob online oder offline. Wie das aber von einem Technologie Unternehmen in Sachen Business Logik noch abgebildet werden soll ist mir schleierhaft. Da gibt es immer mehr Zahlungs-Alternativen, anfangs noch kosten-neutral, und wir dürfen fleißig entwickeln - und uns zahlt hier keiner einen Aufschlag...Hier drauf rechnen, dort runter rechnen - wohl dem, der damals in der Schule gut aufgepasst hat, wie Prozentrechnung geht...Paypal, Direktüberweisung, 3D Security, Master, Visa, Lastschrift....ich stell dann mal meinen Monitor hochkant, damit ich alle Zahlungsalternativen sehen kann.

von T.Koschig, 17.08.11, 15:38
Es ist schon lustig und amüsant wie hier mit dem Thema Kreditkartengebühr umhergewedelt wird. Die leidige Gebühr wird auch die - zumindest fluglastigen- Reisebüros treffen. Und zwar in der Form , dass eine Abrechnung über die Firmenkreditkarte des RSB nicht mehr ohne Zusatzkosten möglich sein wird. Diese Form der Liquiditätsschaffung bei langsam zahlenden Firmen z.B. war bisher ein echter Gewinn . Jetzt heißt es also den Firmen in Punkto Tahlungsmoral noch mehr auf die Füsse treten.

von John, 12.10.11, 13:42
Die Kreditkartengebühr der LH + Co. ist schon eine Impertinenz. Lufthansa begründet diese Gebühr damit, dass sie die steigenden Kreditkartenkosten wie bei anderen Fluggesellschaften (Ryanair etc.) nicht mehr tragen will / kann sondern diese jetzt vom Kunden getragen werden müssen. Unternehmen werden somit laut dem Verband Deutsches Reisemanagement ca. 2% höhere Kosten tragen müssen. Diese Kostenbegründung ist gerade bei Geschäftsreisen recht merkwürdig, denn die Lufthansa wickelt mit ihrer eigenen Kreditkarte ( genannt UATP Karte) ca. 70% aller Geschäftsreisen in Deutschland ab und hat dieses UATP Produkt auch bei der LH Gruppe im Einsatz. Dieses Kartenprogramm betreibt sie seit jahrzehnte und verdient dabeiordentlich Geld damit - nicht Kosten sondern verdient! Sie hat ihre Tochtergesellschaft AirPlus seit 1989 damit beauftragt die Abwicklung vorzunehmen. Diese Gesellschaft erwirtschaftet pro Jahr mehr als genung um regelmäßig der LH als Muttergesellschaft einen Millionenbetrag zu überweisen. Dieser "Verdienst" setzt sich aus einer Kreditkartengebühr für alle anderen Fluggeschaften, dessen Flugscheine mit einer LH UATP Kreditkarte bezahlt wurde und dem cash management den sie betreiben kann bis diese Gelder von der Fremdfluggesellschaft eingefordert werden. Die Gebühr für andere Fluggesellschaften beträgt 1,65% das cash management ist aufgrund der komplizierten Abwicklung der Foderungen noch wesentlich ertragreicher.Für die eigene Flüge bzw. für Flüge der LH Gruppe fallen keine Kreditkartenkosten an, also ist die Beghründung das man so hohe Kreditkatenkosten hat, Mumpitz! Die Begründung, dass die Kreditkartengebühren erhebliche Zusatzkosten bei der LH verursachen, trifft heute somit ganz bestimmt nicht für die Geschäftsreisen zu. Ab November will die LH diese unverschämte Gebühr einführen und wird- damit sie nicht für ihre eigene UATP Kreditkarte einen unlauteren Vorteil schafft - alle Kreditkarten einbeziehen. Sie wird somit auch bei Einsatz ihrer UATP Kreditkarte die Firmenkunden mit dieser Gebühr belasten und dies obwohl sie bereits mit diesem Instrument Millionen verdient - nicht Kosten hat, sondern verdient. Man nennt das Abzocken! Das hat schon ein Geschmäckle - für wie dumm hält die Lufthansa eigentlich ihre Kunden?

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