Konjunktur

Noch kein Grund zur Euphorie

Die Börse boomt, die Konjunktur kommt in Schwung, die Buchungen legen zu, die Hotelpreise steigen. Stimmt das so?

von Dirk Rogl, 08.10.2009, 16:24 Uhr

Klaus Hildebrandt sammelt sie in diesem Blog mit viel Akrebie, die good News der Woche. Heute flattern sie frei Haus in den Redaktionsbriefkasten. 1. Laut Hotel.de ist der Preisverfall in der deutschen Hotellerie weitgehend gestoppt. 2. Google-Chef Eric Schmidt sieht ein Ende der Werbekrise und stellt wieder neues Personal ein. 3. Die Börsenkurse steigen auch heute wieder, beflügelt von überraschend guten Unternehmenszahlen aus den USA. Und wie sieht es in der Touristik aus? Mit Spannung warten wir auf die neuen Trendzahlen von GfK, Tats und Dr. Fried & Partner für den September. Wenn unsere Sensoren nicht falsch gepolt sind, hat es im vergangenen Monat tatsächlich eine erfreuliche Belebung bei den Buchungen gegeben. Ist also schlagartig wieder alles prima? Das wäre leider zu blauäugig. Hotel.de misst leider lediglich einen Rückgang des Abschwungs bei den Hotelpreisen. Dort, wo Geschäftsreisende dominieren, rasen die Übernachtungsraten weiter in den Keller. Eine Belebung des so wichtigen Corporate-Geschäfts ist bislang leider kaum in Sicht. Google-Chef Schmidt kann leichten Herzens von einem Ende der Werbekrise sprechen. Denn anders als andere Branchen hat der erfolgsverwöhnte Internet-Gigant zwar zuletzt so etwas wie Stagnation erlebt, keinesfalls aber einen Rückgang seines Geschäfts. Die Börsenkurse sind bekanntlich enormen Schwankungen unterworfen. Bullen und Bären werden sich auf dem Parkett gewiss noch einen heißen Kampf liefern. Für die Performance in der Reiseindustrie ist dies leider zweitrangig. Wie es in Touristik und Business Travel weiter geht, bleibt schwer abschätzbar. Die extrem gute Nachfrage für die Herbstferien darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Buchungen für den Winter nur schleppend angelaufen sind. Und das Geschäft im Sommer 2010 wird zu einem guten Teil von einer Komponente abhängig sein, die zurzeit überhaupt nicht abschätzbar ist: nämlich die weitere Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Freuen wir uns also über die guten Nachrichten des Tages. Grund zur Euphorie sind sie wahrlich nicht. In zwei Wochen, wenn die Veranstalter ihre Sommerprogramme und damit ihre Erwartungen für 2010 vorgestellt haben, und in fvw 22/10 die nächste Trendseite erscheint, wissen wir mehr. Was glauben Sie, hat die Reisebranche die Talsohle bereits durchschritten? Oder hinkt unsere Branche wie so häufig in der Vergangenheit dem Konjunkturzyklus um ein Jahr hinterher, in diesem Fall mit bitteren Folgen? Dann blieben uns zur Erheiterung ja immerhin noch die "good news" von Klaus.

Kommentare

von Herbert, 08.10.09, 17:59
Ich hatte schon immer den Verdacht, dass die Reisebranche (wenn man mal CDU-Mann Klaus Laepple außen vor lässt) von FDP-Wählern dominiert wird, denn die euphorischen Hoffnungen kann ja nur jemand haben, der den irrelistischen Wahlkampfparolen von Westerwelle & Co. aufgesessen ist: den wohlfeilen Wunschvorstellungen "Steuersenkung durch Wirtschaftsaufschwung". Der nach Möllemann-selig bedeutendste lebende Politiker dieses Landes muß es ja wissen. Offenbar waren viel zu wenige auf dem fvw-Kongress und haben der Analyse von Herrn Notheis gelauscht mit seinem Fazit: "Auf - ohne Schwung - vielleicht". Was von den FDP-Parolen wirklich umgesetzt wird oder werden kann, steht in den Koalitionsverhandlungs-Sternen. Man darf also gespannt sein, wie der Boden der Tatsachen dann aussehen wird - nicht nur auf dem Papier, sondern in der Realität.

von Wolfgang Hoffmann, 09.10.09, 13:17
"Rückschlag für Konjunktur Deutsche Exporte gehen überraschend zurück Mit diesen schlechten Zahlen hatte kaum jemand gerechnet: Die deutschen Exporte sind im August nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 1,8 Prozent zurückgegangen. Es ist das erste Minus nach drei Anstiegen in Folge." - Aus: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,654103,00.html - trotzdem, schönes Wochenende!

von Wolfgang Hoffmann, 13.10.09, 11:20
Und damit so richtig Schiffschaukelgefühl aufkommt: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,654764,00.html... vielleicht holt Kassandra ja gerade nur mal kurz Luft. Manchmal habe ich das Gefühl, Wirtschaftsnachrichten werden jetzt auch auf dem Parkett gehandelt!

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