Konjunktur

Good news oder bad news?

Schwarz gefärbte Negativmeldungen gehen langsam auf die Nerven. Positiv geschminkte Negativmeldungen leider auch.

von Dirk Rogl, 07.01.2009, 11:14 Uhr

Wer sich bei den Prognosen für das neue Jahr allein auf Pressemitteilungen verlässt, der hat es schwer. Erfreulicherweise ebbten zum Jahreswechsel die dunklen Nachrichten aus der Finanzwelt etwas ab. Und bis vor einigen Tagen herrschte in den Mailboxen unserer Redaktion absoluter Winterschlaf. Im neuen Jahr sind in den PR-Abteilungen offenbar wieder die Optimisten am Werk. Das ist gut so. Denn erstens entwickelt sich bislang das Reisegeschäft offenbar stabiler als andere Branchen. Und zweitens gehört dem Überhang an Negativmeldungen aus dem Dezember endlich ein Ende bereitet. So freuen wir uns im jungen Jahr über die jüngsten Verkehrszahlen von Air Berlin oder des Airline-Verbands Iata, der – anders als manche Prognose - zumindest für Europa keine erdrutschartigen Einbrüche verkündete. Allerdings ist aktuell nicht jede Jubel-Meldung ein nachhaltiger Quell der Freude. So meldet etwa Holidaycheck, dass seine User laut eigener Umfrage nicht auf Urlaub verzichten wollen. Oder etwa doch? Im Kleingedruckten heißt es, dass elf Prozent der Befragten in 2009 eben keine Reise planen. Das ist ganz schön viel für eine Site, die auf Urlaubsplanung spezialisiert ist. Und dann ist da Qatar Airways, die sich per aktueller Pressemitteilung über die geglückte Finanzierung von drei Boeing B-777 freut. Es ist zweifelsfrei eine gute Sache, dass die kriselnde Finanzwirtschaft Geld in die Luftfahrt steckt. Dass zwei der drei nun finanzierten Boeings bereits fliegen und die Airline ingesamt knapp 180 Jets bestellt hat, macht hingegen weniger Mut. Optimisten und Pessimisten ringen in diesen Tagen heftig miteinander – nicht nur bei der Interpretation dieser beiden Meldungen. Auch die Branchenvertreter pendeln im persönlichen Gespräch zwischen beiden Positionen. Welchen Trend wir daraus ableiten, lesen Sie in der Titelgeschichte von fvw 1/09 am Freitag, 9. Januar.

Kommentare

von Dietmar, 07.01.09, 18:04
Beim Lesen mancher Pressemeldungen fällt mir nur ein: "Hätten sie doch bloss geschwiegen ..."

von Wolfgang Hoffmann, 08.01.09, 10:42
man kann über Holidaycheck denken was man will, aber der PR und dem Marketing von denen muss man Respekt zollen. So manche dilettantische Werbeidee aus unserer Ur-Branche sollte sich daran ein Beispiel nehmen. Im übrigen, immer daran denken, der Wurm muss dem Fisch schmecken, weder dem Angler, noch den umstehenden Kollegen. 2009 lernen wir das aber alle sehr schnell. Wetten?!

von Klaus, 08.01.09, 17:27
Ich bin heute morgen auf dem Weg zur Arbeit (bei minus 4 Grad) an einer Litfasssäule an einer Hamburger Hauptstraße vorbeigefahren mit drei Motiven: "Freuen Sie sich auf Ihren Urlaub" von Air Berlin, "Mein Schiff" von TUI Cruises und Wellnessträume im Arosa Resort Travemünde. Bei soviel Urlaubsvorfreude wurde mir gleich zwei Grad wärmer in meinem kalten Auto. Hoffentlich geht's den Kunden genauso.

von Wolfgang Hoffmann, 14.01.09, 14:14
@klaus, echt gut beschrieben! Genauso muss man auch sein eigenes Marketing abklopfen, ans einen Empfindungen messen, sich mal neben sich selbst stellen und sich fragen, was würde ich mir als Kunde von mir selbst wünschen. Als Beispiel für pragmatisches aber falsches Handeln: Der Anfang eines Jahres ist auch immer der Zeitpunkt, wo die Inventur einem gebietet, Kosten einzusparen. Vor allem scheint es angesichts der Kassandrarufe über den Niedergang der Deutschen Wirtschaft geboten, überall den Rotstift anzusetzen. Aber ist es sinnvoll gegenüber dem Markt? Ist es nicht vielmehr genau der richtige Zeitpunkt, die Chance ansich, jetzt richtig Gas zu geben, aktiver raus in den Markt zu gehen-, noch effektiver sich und sein Reisebüro in Erinnerung zu rufen-, bei seinen Stammkunden, bei den noch nicht Kunden im unmittlebaren Umfeld? Ein bewährter "Lackmustest" ist es, sich bezüglich einer anderen, ähnlich gelagerten Branche selbst zu fragen, wie man reagieren würde, wenn diese, jetzt zur Zeit an einen herantreten würde. Wird man sauer über die Belästigung, folgt man wohlwollend den Vorstellungen oder freut man sich sogar? Ich habe da fasst schon eine vorgefertigte Meinung ;-)

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