Konjunktur

Die Sicherheitsapostel

Müssen die Urlauber Veranstalterpleiten fürchten? In Großbritannien schlagen die Wellen schon hoch.

von Klaus Hildebrandt, 13.01.2009, 09:55 Uhr

Die TUI-Veranstalter Thomson und First Choice weisen in ihren nun angelaufenen Januar-Kampagnen für den Sommer 2009 offensiv darauf hin, dass sie eine Absicherung nach der britischen Lizensierung für Flugreiseveranstalter (ATOL) haben, dem Pendant zur deutschen Kundengeldabsicherung. Sie nutzen damit die Angst von Kunden, angesichts der Wirtschafts- und Buchungsflaute könnten Veranstalter in Schwierigkeiten geraten. Schließlich war der drittgrößte Anbieter, die XL Leisure Group, im Herbst 2008 spektakulär Pleite gegangen, weitere kleinere Veranstalter folgten. Im Fokus stehen nun auch Online-Portale. Das Start-up Travel Republic, der Shooting-Star der vergangenen Monate, wurde öffentlich kritisiert, weil die ATOL-Deckung fehle. Travel Republic musste nun nachbessern und erklären, dass keine Pauschalreisen, sondern nur Einzelleistungen verkauft würden, berichtet das britische Magazin

. Etwas merkwürdige Argumentation für ein Portal, das sich auf der Eye-for-Travel Konferenz 2008 in London noch als der Revolutionär des Dynamic Packaging auf der Insel feiern ließ. Und das sind doch Pauschalreisen, zumindest nach deutscher Juristerei. Aber das britische Bonding-Modell ist anders und auch komplizierter als die deutsche Kundengeldabsicherung. Die Veranstalter müssen vorab Sicherheiten für ihre geplanten Flugpassagiere hinterlegen. Ich hoffe, dass die deutsche Kundengeldabsicherung, die in den vergangenen Jahren keine größeren Pleiten verkraften musste, in diesem Jahr nicht gefordert wird. Und ich hoffe, dass TUI & Co den deutschen Urlauber nicht mir der Nase darauf stoßen, dass sie ja insolvenzversichert sind. Klingt selbst in unsicheren Zeiten wie diesen irgendwie nicht vertrauenseinflößend.

Kommentare

von barthel.eu, 13.01.09, 10:35
Dazu passt sehr schön Platz 1 unter "Meist kommentiert" dieses Blogs: "Und ist der Ruf erst ruiniert..." -- Mein Ausbilder wies mich bereits vor über 20 Jahren darauf hin, dass man nie schlecht über seine eigene Zunft redet. Sixt hat gezeigt, dass man mit Witz so etwas doch für die eigene Werbung nutzen kann, aber es war und ist eine Gratwanderung. Die Mogelkomm ist als Beispiel wie sowas nach hinten losgehen kann heute noch in vielen Köpfen. -- Eine befreundete Beraterin aus U.K. fragte per e-Mail an, ob TUI "unsicher" sei. Jetzt weiss ich wie es zu dieser Frage kam...

von Stefan Werner, 13.01.09, 10:39
Ich finde das gar nicht so abwegig, dass die Veranstalter mit ihrer Kundengeldabsicherung werben. Gibt doch im Internet ganz viele Anbieter von Fewos etc., wo keiner weiß, ob das Geld wirklich sicher ist (und es auch keine Kunden-Bonitätsbewertung der Anbieter gibt wie bei Ebay). Es wird doch immer viel über die Vorteile der Pauschalreise fabuliert - in einem Jahr wie diesen könnte Sicherheit ein Verkaufsargument sein.

von Burkhard Specht, 14.01.09, 13:59
Nicht nachvollziehbar ist, dass es immer noch genug Veranstalter gibt, insbesondere im Web, die sich überhaupt nicht um §651 k BGB, kümmern. Da diese aber meist recht klein und unbedeutend sind, scheint es niemanden zu kümmern, weder von den Verbänden, den Wettbewerbszentralen noch den Medien. Der Sicherungsschein bietet einerseits eine Sicherheit für den Kunden, ist aber für den Veranstalter, der nicht den "blinden Vertrauensbonus eines Großveranstalters" genießen kann, ebenfalls ein Vorteil - er kann seinem Kunden die finanzielle Sicherheit bieten. Und das ist gut so.

von Michael Buller, 15.01.09, 12:02
Die VIR Mitglieder haben das in Ihre 12 Punkte Selbstverpflichtung bereits bei der Gründung aufgenommen (und darüber hinaus einiges mehr). http://www.v-i-r.de/der-verband-vir-sicherheitsgarantie.html Dh. die VIR Mitglieder haben eine Insolvenzversicherung. Also Bitte nicht wieder die ganze Online Industrie für einige schwarze Schafe verhaften (Das Problem wird es sicherlich auch im offline Vertrieb genauso geben) Gruß Buller

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