Kayak

Lukrative Litfaßsäulen

Ein Geschäftsmodell, zwei Geschichten: Homeaway feiert einen furiosen Start an der New Yorker Börse. Der TUI-Ableger Cheqqer verschwindet von der Bildfläche. Warum beides Sinn macht.

von Dirk Rogl, 30.06.2011, 09:22 Uhr

Über Nacht ist der Wert des Ferienhaus-Portals Homeaway um eine Millarde Dollar gestiegen. Bei seinem Debüt an der New Yorker Technologie-Börse Nasdaq stiegen die Aktien von 27 auf zwischenzeitlich gut 42 US-Dollar. Das ist eine Menge Holz für ein Unternehmen, das bislang primär dadurch Schlagzeilen machte, dass sich der Internet-Riese Google eine kleine Minderheits-Beteiligung sicherte.

Streng genommen ist Homeaway nicht mehr als eine digitale Litfaßsäule. Das Portal bietet selbst keine eigenen Ferienhäuser an, vermittelt diese nicht einmal im eigenen Namen. Übernachtungs-Anbieter sichern sich auf den Homeaway-Portalen schlichtweg Anzeigenfläche und bezahlen dafür erfolgsunabhängig. Das freilich macht Homeaway derartigt gut, dass sich im digitaln Katalog 560.000 Häuser aus 145 Ländern befinden. Diese Zahl und die Kapital-Beteiligung Googles beflügeln die Phantasie der Anleger offenbar derartig, dass sie gestern auf weitere Kurssprünge setzten.

Es ist sicher ein Zufall, dass der Börsengang von Homeaway nur einen Tag nach dem Ende des TUI-Projekts Cheqqer erfolgte. Bislang war der Veranstalter mächtig stolz auf seinen potenziellen Holidaycheck-Herausforderer. Binnen kurzer Zeit hatte Cheqqer es in den Niederlanden und später auch in Spanien geschafft, insgesamt mehr als 1,5 Mill. Bewertungen einzusammeln. Und angeblich war Cheqqer profitabel, obwohl hier keine Reisen verkauft wurden. Cheqqer finanzierte sich, ähnlich wie Homeaway, nur über Affiliate-Programme und Display-Anzeigen von konzerneigenen aber auch externen Reise-Anbietern.

jetzt beendet TUI das Projekt, und das, obwohl auch in Deutschland etwa via Tuifly.de bereits fleißig Bewertungen gesammelt worden sind. Die Bewertungen werden in die Reise-Portale des TUI-Konzerns integriert, vorerst in Holland und Spanien, später wohl auch in anderen europäischen Kernmärkten. Das bringe zusätzlichen Traffic und Buchungen, hoffen die TUI-Strategen.

Die Rechnung könnte aufgehen. Dass ein angebliches profitabel Medien-Portal in diesen Boom-Zeiten seinen Betrieb einstellt, passt trotzdem nicht ins Bild. Das Media-Business ist auch in der Touristik auf dem Vormarsch. Schließlich verspricht es satte Gewinne ohne größere Risiken. Nach dem Börsengang von Homeaway werden weitere Anbieter den Sprung an die Kapital-Märkte wagen. Die Meta-Suchmaschine Kayak und der Expedia-Ableger Tripadvisor sind beste Beispiele. Einen gravierenden Unterschied zu Cheqqer hat das Trio freilich: Homeaway, Kayak und Tripadvisor verfügen über eine weltweit funktionierende Marke. Deren Aufbau hätte für TUI ein teures Millionen-Grab werden können.

Kommentare

von B.Hellmuth, 26.07.11, 11:41
Ich fühle mich manchmal in die Zeit um 2000 zurück versetzt, wenn ich darüber lese wie Unternehmen "ohne Werte" mit Millionen gefördert werden oder an die Börse gehen und schwupps doppelt so viel Wert sind. Eines zeigt die Chepper-Geschichte doch: Auch Geld verbrennen hat irgendwann ein Ende. Natürlich haben Unternehmen wie Homeaway Ihre Daseinsberechtigung, bieten Sie doch für dem User einen Service, aber Unternehmenssysteme dieser Art sind über kurz oder lang austauschbar. Was (Internet-)Unternehmen mit einem Börsengang machen ist nichts weiter als ein Exit auf sehr hohem (wirtschaftlichen) Niveau. Wer die utopischen Zahlen in den letzten Jahren mal schwarz auf weiß möchte geht auf www.mashable.com und sucht nach "Funding". Da die Anleger und Investoren aber zur Zeit für "Internetaffine Firmen" wieder mal das Geld locker haben wird das wohl noch einige Zeit so weiter gehen. B.Hellmuth www.aogroups.com

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