Katalogpreise

Flexible Preise -flexible Politik?

Veranstalter dürften nun Katalogpreise während der Saison neu berechnen. Ein Durchbruch oder kommt jetzt das totale Chaos?

von Klaus Hildebrandt, 05.11.2008, 16:00 Uhr

Der Berg kreißte und gebar eine Maus: Jahrelang machten der DRV und die großen Veranstalter Druck in Berlin. Sie wollen wie die noch jungen virtuellen Veranstalter ihre Pauschalreisepreise nicht nur senken, sondern auch erhöhen dürfen. Nun hat das Bundesjustizministerium entschieden. Doch was DRV und der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken, als Erfolg feiern, ist aus meiner Sicht ein ziemlich fauler und praxisferner Kompromiss. Denn der Veranstalter darf nur draufschlagen, wenn er im Laufe einer Saison Kontingente bei Airlines oder Hotels zukaufen will und diese in der Zwischenzeit teurer geworden sind. Von der Flexibilität des Dynamic Packaging – das TUI, Neckermann & Co übrigens ja auch selbst betreiben – und den Regelungen in anderen europäischen Ländern wie Großbritannien ist das weit entfernt. Aber Verbraucherschutz ist nun mal ein hohes Gut in Deutschland, deren Lobby mächtig – und wenn es um die heilige Urlaubsreise geht, legt sich kein Politiker gerne mit den Kundenschützern an. Oder sehe ich das viel zu negativ? Ist die neue Regelung besser als ihr Ruf und immerhin ein Achtungserfolg für die Branchenlobbyisten? Auf die Meinung der Praktiker von Veranstaltern und Reisebüros bin ich gespannt.

Kommentare

von Oliver Zahn, 05.11.08, 20:28
Es gehört in der Tat "viel Humor" dazu, dies heute als Erfolg feiern zu wollen (sofern dies überhaupt der Fall ist). Als schwer wiegend sehe ich vor allem den ungünstigen Zeitpunkt, vor allem vor dem Hintergrund folgender Information des DRV: Möchten (!) Sie diese neue Rechtslage nutzen, müssen (!) Sie an prominenter Stelle im Katalog, z.B. im Hinweis- oder Preisteil, drucktechnisch hervorgehoben einen "Preisänderungsvorbehalt vor Vertragsschluss" aufnehmen. Eine Aufnahme dieser Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist nicht ausreichend. Mit anderen Worten: funktionabel ist die Neuregelung im Jahr 1, wenn überhaupt, nur für (Katalogreisen-) Veranstalter, die mehrere Preisteile auflegen. Zum Nachteil derjenigen, die gerade eben die Gesamtauflage für die gesamte Saison 2009 gedruckt haben ....

von Heidrun Jahn, 06.11.08, 08:51
Auch ich würde das auf keinen Fall als "erfolg" feiern...wohl befürchte ich das größte Chaos, was auf uns Reisebueros zukommt.Sind es doch wir, die den Kunden eine Preiserhöhung dann mal wieder erklären sollen .Der Veranstalter ist "fein raus " und schiebt den "schwarzen Peter " des Erklärungsbedarfes erneut an das Reisebuero ab.Und all das unter der Massgabe : sinkende Provisionen für immer mehr Arbeit !!!!

von barthel.eu, 06.11.08, 17:09
Auch wenn man den künftigen U.S.-Präsidenten ob der unglaublichen Erwartungshaltung eigentlich nur bedauern kann, so steht zu hoffen, dass wir erneut Amerika kopieren und lernen, dass es mutiger Veränderung bedarf um nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern auch in unserer Branche das Steuer herumzureissen. "Change will come" verspricht Obama. Stimmt. Die Frage ist nur, ob wir diese Veränderung steuern...

von Klaus, 06.11.08, 17:47
Die neue Regelung scheint in der Öffentlichkeit Verwirrung zu stiften. DRV-Präsident Klaus Laepple stellte heute noch mal klar, dass der Katalogpreis gelte. "Nur in einem einzigen Fall, nämlich dann, wenn die im Katalog angebotene Reise ausverkauft ist und Hotel, Transfer oder Flug nachgekauft werden müssen, darf der Reiseveranstalter den Preis neu ermitteln“, so Laepple. Das wird jetzt eine Detektivarbeit für Verbraucherschützer: Wie erkennt man, ob eine Reise nicht aus festen Kontingenten sondern aus nachgekauften Kapazitäten besteht? Ein Fall für James Bond.

von Prinzenberg, 13.11.08, 11:31
"Erfolg", die Herren am gruenen Tisch haben wirklich in der heutigen Zeit keine Reise direkt an den Kunden verkauft, naemlich ein Angebot zu machen und dem Kunden wenigstens ein paar Stunden Zeit zum Nachdenken geben, das ist nicht mehr drin, denn die Preise aendern sich minuetlich (nicht erst ab naechstem Jahr).So in der letzten Zeit mehrmals passiert; als Reisebuero kann man kein Angebot mit feststehendem Preis machen, es heisst nur noch hopp oder top, nehmen oder es bleiben lassen, denn in einer Stunde sieht alles ganz anders aus. Und wir muessen es wieder erklaeren.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten