ITB

Wird die Touristikpresse überflüssig?

Die Frage stammt nicht von mir. Auf der ITB wird diskutiert, ob Blogs und Soziale Netzwerke die Presse ablösen. Und wie die Reiseunternehmen und Destinationen überhaupt noch die Urlauber erreichen.

von Klaus Hildebrandt, 02.02.2010, 15:31 Uhr

"Verlieren die klassischen Medien ihre Bedeutung als Nachrichtenlieferanten? Wie informieren sich die Reisenden? Wie ist es um die Zukunft der Reisejournalisten bestellt?" Diese Fragen stehen in einer Einladung zum ersten Mediengipfel, der am 12. März im Rahmen des ITB-Kongresses stattfindet.

Keine Frage, Netzwerke wie Facebook, Bewertungsportale, Reise-Communities und unzählige Reiseblogs verändern das Informationsverhalten von Urlaubern. Folge: "Eine verunsicherte Reiseindustrie fragt sich: Wie erreichen wir die Konsumenten?", meint ITB-Direktor Martin Buck von der Messe Berlin. Ich bin gespannt auf die Veranstaltung, auf der Journalisten, online-affine Touristiker und PR-Leute diskutieren. Denn die Fragen stellen sich ja auch für uns Fachjournalisten, wie PR-Mann Thomas Wilde, der auch für die ITB aktiv ist, mir gegenüber heute richtig anmerkte. Aber: Ich halte auch nichts von den ewigen Grabgesängen, die gerade wir Medien gerne über uns selbst anstimmen. Es gebe schon eine "masochistische Lust am Untergang" bei Journalisten, meinte neulich Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Interview.

Springer zeigt selbst mit einer interaktiven "Bild" (die im Internet zu Spiegel Online aufgeschlossen hat) wie es geht. Und es gibt Print-Titel wie "Die Zeit", die aktuell gut zulegen, weil sie ihren Lesern die Welt erklären. Aber es stimmt schon: Für jeden Inhalt gibt es den richtigen Kanal. Für Nutzerbewertungen und schnelle Infos ist das Internet klasse – aber richtig Lust auf Urlaub macht da doch eher eine gut geschriebene und bebilderte Reisereportage, die ich gemütlich auf der Couch lese. Für die Fachpresse und besonders die fvw als 14-tägiges Magazin gilt das gleiche: Die täglichen schnellen Infos finden Sie im Netz – sei es das x-te Hotel in der Karibik, die Quartalszahlen der Unternehmen oder die neuesten Flugverbindungen. Hintergründe, Einordnung und auch Lesevergnügen gibt's im Magazin.

Und ein Vorurteil kann ich ehrlich gesagt nicht mehr hören: Dass wir "klassische" Medien (das hört sich ja auch immer schon so nach Bach und Beethoven an) nichts mit den neuen Medien anzufangen wüssten und sie als Gefahr sähen. Meine Kollegen und ich werden nicht dafür bezahlt, tote Bäume zu bedrucken, sondern für das Aufbereiten von Informationen für das jeweils richtige Medium. Viele bekannte (und glaubwürdige) Medienmarken sind im Internet inzwischen gut unterwegs. Wir können uns nicht mit Spiegel & Co messen, aber immerhin haben wir bei der fvw jetzt auch schon den zweiten Blog am Laufen, und unsere TravelTalk-Community nimmt mit über 10.000 registrierten Expedienten auch Fahrt auf. Mir persönlich macht das Bloggen genauso viel Spaß wie das Schreiben einer großen Geschichte für die fvw. Ich bin gespannt, wie die Diskussion auf der ITB verläuft. Wenn Sie nicht bei der Diskussion dabei sind, Sie werden es erfahren: Bei uns auf der Website, über die Twitterer der fvw oder im fvw ITB Daily, der Tageszeitung auf der Messe.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 02.02.10, 16:51
<<<"Eine verunsicherte Reiseindustrie fragt sich: Wie erreichen wir die Konsumenten?", meint ITB-Direktor Martin Buck von der Messe Berlin.>>> Vielleicht sollte die verunsicherte Reiseindustrie endlich mal registrieren, dass der Verbraucher noch verunsicherter ist, als wir. Da ist der Ansatzpunkt! Und immerhin haben wir immer einen innovativen Denkvorsprung, der den fluchtbereiten Verbraucher stoppt, zu uns zurücklenkt. Aber ich befürchte dass bei diesen offiziellen Diskussionsforen lediglich ein paar provisorische Optimusmuspflaster über einen klaffenden Defätismus geklebt werden. Waldespfeifen as usual, aber keine Ratsschläge, die man sich nicht längst selbst gegeben hat. Da laufe ich lieber wieder verhuscht durch die Messehallen, seh zu, was ich an Brauchbarem ergattern kann und ärgere ansonsten die Großen der Branche im Vorbeigehen mit respektlosen Bemerkungen ;-))))

von Kreuzfahrtinspektor, 02.02.10, 17:00
Genauso wie bisher Radio, TV, Druckmedien oder Online bedient wurden, genauso wird das auch in Zukunft sein – nur das sich die Verhältnisse verschieben, und die Kanäle sich selbst auch ändern/weiterentwickeln. Ob die "Touristikpresse" nun online, gedruckt, auf dem iPad, als Blog, Magazin oder als Buch erscheint ist ja vollkommen egal; manches macht Online Sinn, anderes wieder nicht. Der Urlauber nutzt alle, Teile oder vielleicht auch nur ein bestimmtes Medium. Wenn viele im Internet Ihre Reise planen, Reisebüromitarbeiter sich informieren wollen, macht es Sinn auch dort zu werben, derjenige der das nicht tut, muss auch nicht dort abgeholt werden. Richtig ist das es viele Druckmedien – innerhalb der Touristik und auch ausserhalb – gab, die nicht überlebt haben, eben weil sie sich nicht geöffnet und dem geänderten Leserverhalten angepasst haben. Ein Hochglanzmagazin über Kreuzfahrten wirkt widerrum nur und gerade gedruckt. Kurzfristige, oder auch diskussionsfähige Neuigkeiten machen sich bestens in Blogs. Will man unbedingt bei Twitter dabei sei, nur weil das viele tun, veröffentlicht dann aber zwei Meldungen im Monat, macht das wenig Sinn. Jeder sollte das tun was er am besten kann, dort publizieren wo es am sinnvollsten ist, und weder das eine, noch das andere grundsätzlich ausschliessen nur weil es vermeintlich "alt/klassisch" ist, oder "modern/gerade in".

von Dietmar, 02.02.10, 23:02
Gedruckte Zeitschrift und Angebote im Internet ergänzen sich. Das Internet dient zum ersten kurzen Überblick - anschliessend geht es mit der gedruckten Zeitung weiter in die Tiefe. Viele Sachen braucht man ausgedruckt, aber wer will schon jede Internetseite per Farbdrucker ausdrucken? Die FVW hat meiner Ansicht genau richtig gehandelt und diesen Doppel-Weg gewählt.

von G. Wissen, 03.02.10, 09:33
Wichtig zu beachten ist m. E., dass in der ganzen Diskussion die internen Strukturen dahingehend angepasst werden müssen. Gerade die großen Touristik-Unternehmen mit ihren ProfitCenter-Strukturen verhindern hausgemacht eine Gesamtmarktbetrachtung - aber nur so könnten sich alle Kanäle (Offline- und Online) synergetisch weiterentwickeln. Solange jeder Kanal für sich selbst um den Kunden buhlt, bleibt viel zu viel auf der Strecke. "Cross-medial" ist das SchiSchi-Wort dafür... Das ist ohne Gesamtstrategie aber nicht umsetzbar. Und so ziehen alle, die diese Klaviatur beherrschen und den Grundsatz "egal welcher Kanal, Hauptsache er bucht bei mir" verfolgen auch an allen anderen Playern vorbei.

von Wolfgang Hoffmann, 03.02.10, 10:34
Bei der Kundenzeitschrift der QTA ist es ganz offensichtlich, wie wenig Printmedien noch gefeatured werden. Der Verbraucher will sie, aber dem Reisebüro ist es zu lästig und angeblich zu altbacken, und die Veranstalter verpennen die Inserierungsmöglichkeiten. Dabei gilt hier der Spruch "gestern gesehen, heute gebucht" am deutlichsten. Der flüchtige Eindruck in den elektronischen Medien ist nicht nachhaltig genug, um Stammkunden zu gewinnen. Ein Notebook nimmt man nicht mit aufs Klo. Und es ist eine legende, dass in allen Toiletten bald ein Plasma-TV hängt, wo Tag und Nacht sonnenklar.tv läuft. In den Marketingabteilungen der Unternehmen sitzen zu unerfahrene junge Leute, die sich beweihräuchern, wenn unmittelbar nach der Werbeansprache der Response einsetzt. Wenn man sein Profitcenter glänzen lassen will, dann geht das ja auch nur so. Aber der nicht unmittelbar messbare nachhaltige Werbeerfolg ist der wertvollere, weil die Werbebotschaft verarbeitet wurde. Und nur so schafft man zufriedene Kunden und letztlich Stammkunden. Das vergessen die Handelsherren, - wir im vertrieb wissen aber um diese Zusammenhänge, wir brauchen auch zufriedene Kunden & Stammkunden. Deshalb werden die VAs auch bald wieder zurück in die Papierform der Werbung kommen - sie sollten es tun, bevor die Hotelketten und Destinationen auf den Trichter kommen, denn diesen Vorsprung würden die Hersteller von Pauschalreisen nie wieder aufholen können.

von G. Wissen, 03.02.10, 12:22
"...In den Marketingabteilungen der Unternehmen sitzen zu unerfahrene junge Leute, die sich beweihräuchern, wenn unmittelbar nach der Werbeansprache der Response einsetzt...". = nicht wirklich richtig. In guten Marketingabteilungen werden ganze Historien verfolgt, wie, wo wann und warum der user den Weg zur Buchung gefunden hat. Ausgeblendet bei den "Alten" wird jedoch die gesellschaftliche Veränderung (die nicht so elementar ist wie immer erwartet, ich war auch noch nie mit dem Notebook auf dem Klo...;-), allerdings kann kein Unternehmen/Reisebüro Hotels und/oder Reisen verkaufen, die auf x-Bewertungsportalen schlecht bewertet sind - das kauft keiner mehr (ab). Hier stößt man allerdings auf eine Beratungsresistenz, die den Anschein erweckt, als verschließt man absichtlich die Augen (wenn ich Dich nicht sehen kann, siehst Du mich auch nicht). Und apropos Nachhaltigkeit: ein großes deutsches Internetunternehmen, dass u. a. auch Reiseportale betreibt geht massiv den Weg in TV! Das ist Markenaufbau pur, oder glaubt einer daran dass nach Ausstrahlung sofort alle Rechner angehen und gebucht wird...?

von Wolfgang Hoffmann, 03.02.10, 15:06
Das Wesen eines Unternehmens mit Profitcentern ist es ja gerade, dass sich jeder Manager dieselben einbildet, das Marketing selbst übernehmen zu können. Das muss er/sie auch, weil Erfolge kufri relevant sind. Es gibt eine Marketingabteilung, aber eher im Sinne der Markenagentur, die dann auch die einzelenen profitcenter überwacht, ob die sich am Imagebild des Gesamtunternehmens halten. Das zum Thema Verfolgung von Historien oder Gesamtstrategie eines Erlöserzielungsprozess. Sehr viele Unternehmen gleichen einer Silvesterrakete. Der Start geht noch gemeinsam ab. Man fliegt auch zusammen nach oben. Aber dann lässt der Kopf alles los und jeder hat ab nun gefälligst alleine zu leuchten. Das tun sie ja dann auch eine Zeit lang, zum Vergnügen der Zuschauer. Dass die Entscheidungsprozesse innerhalb Familien einer gewissen Dynamik unterworfen sind, die z.B. von den Angeboten der elektronischen Medien ausgenutzt werden, das ist Fakt. Die Abstimmung, was und wann gebucht wird, findet Zuhause wesentlich spontaner statt, als im Reisebüro. Um so wichtiger ist es für den stationären Vertrieb ebenfalls beim Verbraucher Zuhause anwesend zu sein. Ein Printmendium, z.B. eine Kundenzeitschrift kann das realisieren. Sind die Angebote attraktiver, als das, was die elektr. Medien anbieten, sind die Chancen groß, dass der Verbraucher mit dem Angebot auf dem Papier auch wirklich ins Reisebüro geht. Sind es me-too Produkte, wird eher multimedial gebucht. Gleichwohl wird diese Art der autonomen Buchung immer auch die Gefahr bergen, dass nach der Buchung Enttäuschungen aufkommen. Mängel werden bei dieser Form des Einkaufs eher hoch gewertet, als bei der Buchung in einem Reisebüro, wo im Vorfeld auf eventuelle Mängel hingewiesen wird. Jedenfalls von guten Verkäufern. Auch ist es ein großer Unterschied, ob eine beschreibung des Produkts im Print als Beweis vorliegt, oder ob man sich eventuell gar nicht mehr daran erinnern kann, wie das denn im Internet beschrieben gewesen ist oder, wie Dagobert es im Fernsehen erzählt hatte. Das Printmedium ist nicht Fossil, ist keine gedruckte Beilage für die digitalen Medien, ein gedrucktes Produkt ist von sich aus schon funktionell und bedarf keiner anderer Medien. TV und Internet kommt ohne traditionelle Medien als Grundlagen aber nicht aus.

von Mafalda28, 03.02.10, 16:51
Jede Information braucht Ihren eigenen Kanal. Ich stimme damit überein, dass kurzfristige Informationen sich von Hintergrundwissen unterscheiden und damit auch die Art der Informationsaufnahme. Aus meiner Erfahrung müssen die Informationen so aufbereitet sein, dass es dem einzelnen Konsumenten bzw. Reisewilligen möglich ist, sich nach seinem Interessenhorizont auf einer glaubwürdigen Medienplattform zu informieren. Das schließt selbstverständlich alle Möglichkeiten (Print, online, etc.) mit ein. Meiner Meinung nach muss noch stärker die Informationserwartung/ -bedarf des Einzelnen berücksichtigt werden: Handelt es sich um einen Manager, der knappe Branchennews benötigt, oder einen Reiseverkäufer, der vor allem wissen muss, wem er was verkaufen kann - oder handelt es sich um den Reisewilligen, der wissen möchte, wo er wie am günstigsten hinkommt und wo er zuverlässig buchen kann.... die Reisemedien müssen diese Informationen entsprechend aufbereiten, damit sind sie absolut notwendig. FVW macht es gut z.B. mit den E-Learning-Schulungen für Reiseverkäufer. Manchmal frage ich mich aber, welcher Reiseverkäufer die alle machen kann und dabei noch arbeitet ?

von Jens Petersen, 03.02.10, 17:02
Übrigens, wer sich für die Veranstaltung, über die hier diskutiert wird, gerne anmelden möchte, der ist herzlich willkommen. Es können allerdings nur Personen dabei sein, die ein Ticket für den ITB-Kongress haben: http://www.presseportal.de/otsEinladung/event/a8b56f24c2 "ITB-Mediengipfel 2010: Wie wir uns in Zukunft informieren - Machen Blogs, Facebook & Co die Touristikpresse überflüssig?"

von Sven Maletzki, 03.02.10, 19:50
Wie hier bereits mehrfach geschrieben wurde, ist der Kanal "Online" mit all seinen Ausprägungen lediglich ein weiterer Kanal für die Informationsweitergabe und es wird für jeden persönlich dort unterschiedliche Prioritäten. Ich denke allerdings, dass die Fragestellung etwas ganz anderes klären soll: "Welcher Information vertraue ich als Leser?" Und hier ist hauptsächlich gemeint, welcher Quelle man mehr vertraut. Da ist auf der einen Seite der Journalismus, der am Ende des Tages mit der Informationsweitergabe (und Werbung) Geld verdienen muss. Und da sind auf der anderen Seite viele Menschen, die kostenlos ihre persönlichen Erfahrungen mitteilen. Auch bei dieser "Vertrauensfrage" muss jeder für sich die Entscheidung treffen. Meiner Meinung nach ist tatsächlich in dieser Frage eine leichte Verschiebung von dem Journalismus hin zur Meinung der Masse zu erkennen. Denn eines ist nicht zu bestreiten: wer mit Informationsweitergabe sein Geld verdienen will, hat nicht nur Einnahmen durch den Verkauf der Publikation, sondern auch durch Einnahmen für Werbung. Hier kann ein Konflikt entstehen. Denn man will den Werbenden nicht durch negative Informationsweitergabe vergraulen. Die einfache Meinungsäußerung von einzelnen Menschen hat diesbezüglich keinen Konfliktpunkt.

von Michael Buller, 03.02.10, 22:05
Aus leidlicher Erfahrung: Die Qualitäts wird´s ausmachen! Gute Recherchen und eine lange Vertrauensbasis wird den Unterschied machen!

von Bernd Schray, 03.02.10, 22:20
Herr Buller bringts auf den Punkt. Qualität ist das Zauberwort, warum gute (Touristik)-Presse nicht aussterben wird. Zwischen einer Hotelbewertung und einem gut recherchierten Artikel liegen einfach Welten. Wenn ich mich bei einer Meinungsäußerung durch Schreibfehler und stilistische Missgriffe durchquälen muss, werde ich schnell müde und verliere die Geduld, länger dabei zu bleiben. Ein guter Artikel macht jedoch Lust auf den Inhalt.

von Klaus, 04.02.10, 09:12
@Mafalda28: "Manchmal frage ich mich aber, welcher Reiseverkäufer die alle machen kann und dabei noch arbeitet ?" Gute Frage. Aber unsere Erfahrung zeigt, dass unsere redaktionellen E-Learnings, ob nun Fit for Cruises, Fit for the Cities, Fit for Clubs oder auch die zahlreichen Angebote im Auftrag von Leistungsträgern (z.B. Spanien, Tunesien, Iberostar) nach wie vor sehr gut angenommen werden. Mir sagen Expedienten immer wieder, dass sie leider nicht mehr die Zeit wie früher für Info-Reisen haben (was ein eigenes Thema ist) und deshalb unsere E-Learnings sehr schätzen @Sven Maletzki und Bernd Schray: Alles richtig. Aber auch Anzeigenkunden wollen kein kritikloses Magazin (weil das dann keiner liest), es ist auch immer eine Frage der Tonalität und wie man mit den Menschen in unserer Branche umgeht. Stimme auch der These zu, dass User Generated Content und die Weisheit der Massen längst nicht immer objektiver ist: Auch in Foren und Blogs verfolgen Autoren eigene Interessen und in Portalen werden zum Beispiel Hotelbewertungen gefälscht.

von Walter Krombach, 04.02.10, 13:32
Print-Medien haben Zukunft, nicht alle, aber gut gemachte und das bestimmt noch für die aktuelle, vielleicht auch noch die nächste Generation - also ein Zeitraum, für den es sich noch lohnt zu investieren, z. B. in Qualität. So legt z. B. nicht nur Die Zeit, sondern auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu. Das gilt übrigens nach meiner Überzeugung auch für Veranstalter-Kalaoge, die vielleicht in ihrer Auflage sinken mögen, die aber noch lange, vielleicht auch nie völlig verzichtbar sind. Und wie bereits mehrfach betont: Auch gut gemachte Fachzeitschriften wie die FVW haben Zukunft. Allerdings wünschte ich mir neben der wichtigen sachlichen Berichterstattung noch mehr kritisch recherchierte Beiträge, die durchaus auch Branchepolitik beeinflussen könnten - vielleicht nicht ganz so brutal wie manchmal der einstige Touristik-Report,aber schon auch in diese Richtung gehend. Das hatte ich Klaus schon mal empfohlen. Und die Anzeigenkunden sollten es vertragen können. Frau Pilar könnt's ja richten, oder?

von Male @ fern-reise.net, 05.02.10, 15:59
Das Internet kann nicht überall dabei sein! Zum Beispiel wenn man jetzt am Whirpool liegt, wer nimmt da schon einen Laptop mit? Ein Magazin tut es da schon eher, deshalb wird das Internet einen grossteil der Leser abnehmen, aber es werden nach wie vor immer noch Zeitungen und Magazine gekauft. Vor allem Klatschblätter

von knmedia, 08.02.10, 16:50
Leider zeigt die Diskussion, dass weite Teile der Tourismusindudustrie die Chancen, die das Internet bietet, noch gar nicht begriffen habe. Stattdessen begibt man sich in die Abhängigkeit großer Reise- und Bewertungsportale. Oder um den Faden aus der Diskussion noch einmal aufzunehmen: Sie glauben gar nicht, wie viele Leser ihren Laptop mit auf's Klo nehmen ;-)

von Wolfgang Hoffmann, 08.02.10, 19:37
sehr ungesund, sein Laptop aufs Klo mitzunehmen. Das ist nicht artgerecht, das ganze. Zwei mental völlig unterschiedliche haptische Erfahrungen werden da kollidieren. Ich sehe schon traumatisierte User in Selbsthilfegruppen töpfern, in Stuhlkreisen ihre Erfahrungen ausheulen, wie sie völlig in Durcheinander gekommen sind. Jedenfalls war es bei meinen Großeltern noch so, dass die Zeitung zerschnitten wurde und auf dem Plumpsklo an einen Nagel gehangen hat. Zumindest findet der Spruch: Das ist doch für'n A****, eine Entsprechung für diejenigen Angebote, die sich überhaupt nicht mehr für den traditionellen Vertrieb eigenen. Die rustikale Zuführung gewisser Nachrichten mittels Laptop ist kein befriedigendes Erlebnis mehr, sondern eine Riesensauerei. Aber in jedem Fall fängt et so richtig an mit Karneval bei uns im Rheinland. Und das ist immer eine gute Nachricht, ob mental, digital oder... Helau & Alaaf

von Bernd Seidl, 08.02.10, 20:58
Der Hochglanzprospekt gemütlich auf der Couch, wie oben jemand meint, hat wohl wirklich ausgedient. Auch wenn immer noch viele meinen, dass ein Katalog einfach sein muss... - Man muss einfach die Chance nutzen umzudenken. Das moderne Reisebüro sieht einfach eher wie ein Internetcafé aus - manche machen es ja bereits vor - wer die feinsten Displays, die einladenste Atmosphäre hat und vorallem die "saubersten" Daten - gut aufbereitet vorweisen kann, gewinnt. Das Reisebüro wird zum Wegweiser im Datendschungel. Und um den Journalisten müssen wir uns auch keine Sorgen machen. Muss ja nicht immer Papier sein... ;-)

von Klaus, 09.02.10, 16:55
Habe gerade passendes Zitat zur Debatte gesehen: "Journalisten werden auch im Online-Zeitalter noch gebraucht, weil auch Gemeinschaften Leitwölfe brauchen." Journalismus-Forscherin Geneva Overholser macht im Interview mit Focus.de Hoffnung. http://tinyurl.com/ydl5py7

von Sven Maletzki, 09.02.10, 17:23
Um die Ausgangsfrage zu beantworten: Nein, die Touristikpresse wird nicht überflüssig. Es verändert sich nur die Welt und damit auch der Journalismus. Gerade dieser Blog zeigt ja schon, wie die fvw sich wandelt. Hier kann nun zu einem Thema ein Dialog mit den Redakteuren aufgenommen werden. Das finde ich mit die bedeutsamste Errungenschaft durch elektronische Publizierungen im Web. So kann man auch einmal sein abweichende Meinung zum geschriebenen Wort der Redaktion kund tun. Selbstverständlich gehört auch eine Koexistenz der Web-Nachrichten, die nicht journalistisch aufbereitet sind, dazu. Und wie immer gilt: Qualität überzeugt früher oder später - im Netz und auf Papier.

von Wolfgang Hoffmann, 11.02.10, 16:07
mich ärgert dieser Kotau vor dem Journalismus im Allgemeinen ;-) Deshalb möchte ich einen anderen Zungenschlag reinbringen: Nein, im Zeitalter der konsequenten Digitalisierung und Verkryptisierung von Nachrichten wird auch der Journalist aus Fleisch & Blut überflüssig. Maschinen denken viel schneller, Humanoide geben den Anschein, dass zumindest zwei Beine unten rausgucken, Cyborgs werden sogar keine eingebaute Tastatur mehr haben. Nachrichten gehen per Schnittstelle direkt in den Rezipienten. Dass man für derartige Holodecks der Meinungsbildung auch keine Honorare mehr bezahlen muss, dass da nichts mehr Urheberschutz genießt, das versteht sich von selbst. So, jetzt schalte ich mein Tamagotchi aus und gehe Altweiber feiern!

von Martin Schleinhege, 12.02.10, 12:57
Wenn mit der Ausgangsfrage "Touristik-Informationen" gemeint sind: Ja, braucht man sicher. Insofern: Lang lebe FVW! Die Frage berührt die künftige Rolle des Journalismus, der Kosten, des Vertrauens, der Technik. - Brauchen wir Journalisten, die gegen Googles individualsierte Computernachrichten antreten? Ja, wenn sie Nachrichten professionell prüfen, einordnen und bewerten - Und was ist mit den Nachrichten-Blogs in den USA? Die sind meist nur lokal erfolgreich - also eine auf Geo-Tagging basierende FVW mit Regional- und Lokalteil? - Es wird leider keine Laptops geben, die sich wie Papier anfühlen, aber vielleicht klappts auf dem stillen Örtchen oder am Pool mit dem iPad - Internet verursacht kaum Vetriebskosten, ist schnell, und Google News sind kostenlos. Das sind drei Argumente, gegen die sich die Papierfans (wie ich) erstmal durchsetzen müssen - vertraue ich Google oder der FVW? Na, ist doch klar! Beste Grüße in die Redaktion!

von Jürgen, 13.02.10, 13:51
Hallo Klaus (und FVW-Team). Die Frage vergleicht Äpfel mit Birnen. Während ich hier sehr wohl das Budget für Printmedien verstärkt in Onlinestrategie verschiebe(n muss), betrifft dies "nur" die sogenannten Massen-, bzw. "Me too"-Medien. Das Abonnement der FVW stand und steht nicht zur Disposition. Stellt die FVW doch regelmäßig auch einen Kompass in einer unübersichtlichen Informationsflut dar. Gleichzeitig mit den wichtigsten Neuigkeiten (auch online per Newsletter oder Meinungen per Blog) meines Fachbereichs gibt mir gerade die Printausgabe auch den Blick über den eigenen Tellerrand in andere Bereiche unserer Branche. Das ist der Wert einer FVW, der auch so schnell nicht reproduzierbar ist. -- Was man sich fragen muss, ist wie in jeder Branche: "Was ist mein Alleinstellungsmerkmal", womit generiere ich für meine "User" (Leser) Mehrwert? Die FVW generiert Mehrwert. Leider ist es bis auf wenige Ausnahmen, den alternativen Publikationen nicht gelungen, sich ein eigenes, vergleichbar starkes Image zu erarbeiten. Qualität ist teurer - rechnet sich aber offenbar ja langfristig. -- Welchen Mehrwert hat aber eine Tageszeitung gegenüber neuen Medien, die mich über unterschiedlichste Kanäle informiert - selbst TV ist dank Podcast und modernen Telefonen/Endgeräten eine Alternative. Tagesschau, wann ich sie sehen will löst die Tageszeitung "wann ich sie lesen will" ab. Aber eine Komplexe Branche wie die Tourismusindustrie ist (noch!) nicht fähig, die Informationen ausschließlich multimedial zu bündeln. Und ich bin mir sicher: Wenn das der Fall ist, werden wir auch von der FVW mit entsprechenden Berichten versorgt! Bis dahin bietet mir aber die FVW einen Mehrwert. Also: Vergleich Äpfel mit Birnen.

von robert dorka, 15.02.10, 17:00
"Jedenfalls war es bei meinen Großeltern noch so, dass die Zeitung zerschnitten wurde und auf dem Plumpsklo an einen Nagel gehangen hat" Lieber Wolfgang, deine Großeltern haben "rohen Fisch auf kaltem Reis mit Algen( Rainald Grebe)" auch in den Müll getan und trotzdem hat heute jedes zweite zertifizierte 3 Sterne Unternehmen eine Sushi Bar. Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Gruß Robert

von Wolfgang Hoffmann, 17.02.10, 09:48
Lieber Robert, ich darf mich glücklich schätzen, dass sich gewisse Verhaltensregeln und Essgewohnheiten auf mich vererbt haben. Gleichwohl wäre ich sehr erstaunt, wenn mein Fischhändler den Aschermittwochmatjes in ein Notebook einwickeln würde und nicht in die Tageszeitung vom Dienstag.

von Jörg von Reiseveranstalter, 03.01.11, 11:32
Was ich glaube ist, dass die Printpresse deutlich zurückgehen wird aber nicht sich ganz auflöst. Ich würde mir z.B. nie auf einem iPad einen Artikel durchlesen wo ich Geld für bezahle. Erstens will ich mir nicht ein Gerät anschaffen und zweitens ist es vor allem auch sicherer wenn man sich eine Zeitung kauft. Denn wer will schon mit seinem High End Gerät dauernd in der U Bahn protzen. Und wenn es kaputtgeht, was dann? Meine Zeitung kann ich knittern und sie ist trotzdem lesbar. Es wird sich also die Waage halten.

von Herbert, 03.01.11, 11:53
@Jörg: Diese Einstellung bezogen auf Ipod mag ja kurzfristig noch gelten - und sie ist sicher lobenswert, aber wird sie Bestand haben (können) angesichts der rasanten technischen Entwicklung um uns herum? So ähnlich wurde auch mal bei der Einführung des Internet argumentiert. Und was ist heute? Schämt sich heute noch jemand, Handy oder Smartphones in öffentlichen Verkehrsmitteln im Dauereinsatz zu nutzen. Protz war da vorgestern!

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