ITB

Social Media - so profitieren Firmen

Das "Trio Touristico" auf dem Blogger-Summit der ITB: Ist Twitter die Zunkunft? Wie können Touristikunternehmen die sozialen Medien nutzen, wer soll das in der Firma machen - und lohnt sich das?

von Klaus Hildebrandt, 11.03.2009, 17:02 Uhr

Zusammen mit vier anderen Bloggern, darunter der in UK bekannte Blogger Kevin May von Travolution und Martin Schober von der Österreich Werbung aus Wien, hatte mich Phocuswrigt als Diskussionsteilnehmer zum Blogger Summit auf der ITB eingeladen - als Vertreter der "traditional media", wie es in der Anmoderation von Stephen Joyce von der kanadischen IT-Schmiede Rezgo hieß. Doch die Grenzen zwischen traditionell und neu, zwischen old und very new economy verwischen längst. Schon in diesem Jahr präsentierte sich der Blogger Summit ganz anders als im Vorjahr: War es 2008 eine noch stark von Studenten und Freizeitbloggern geprägte Diskussionsrunde, saßen heute viele Marketing- und Vertriebsleute von Destinationen, Hotels und Online-Reisebüros im Saal. Die Frage war auch nicht mehr, ob Unternehmen das Web 2.0 nutzen sollen, sondern wie. Jeder Diskussionteilnehmer wurde um Eingangsthesen gebeten. Hier meine: !. Es gibt noch einen großen Graben zwischen den Leistungsträgern und Veranstaltern auf der einen Seite und der Web 2.0-Community im Tourismus auf der anderen Seite. Wenn Unternehmen mit ihren Zielgruppen von morgen kommunizieren wollen, müssen sie heute mitmischen, und neue Trends wie Twitter oder Facebook-Applikationen ausprobieren. Dieser Wandel muss von oben im Unternehmen kommen, auch wenn die konkrete Umsetzung bei Web 2.0-Spezialisten liegen kann. 2. Deutschland als größter Tourismusmarkt Europas ist in Sachen Blogging und Communities noch gegenüber der Entwicklung in den USA und UK zurück, aber auch hier werden sich die Trends durchsetzen, wie man am starken Zulauf bei Netzwerken wie Wer-kennt-wen, Facebook oder StudiVZ sieht. Auch Twitter wächst gewaltig in Deutschland (weswegen nun ja auch die fvw "zwitschert"). 3. Firmen müssen im Web 2.0 eine "just dot it" Philosophie entwickeln. Einfach mal ausprobieren, schließlich kosten einige Dinge nicht die Welt. Das Patentrezept gibt es nicht. Aber Unternehmen mit einer starken und sympathischen Marke, treuen Kunden und einzigartigen Inhalten haben bessere Chancen. Sprich für spitze Marken wie Aida, Robinson, Studienreisespezialisten oder einzelne Hotels ist die Kundenbindung via Web 2.0 sicher leichter als für große Konzerne wie Lufthansa, TUI oder Accor. 4. Journalisten sind vielleicht bessere Blogger als Hobbyblogger. Journalisten dürfen nicht überheblich sein, viele Leser und Fachleute wissen besser Bescheid und betreiben ihre Blogs mit großem Enthusiasmus. Aber Journalisten haben nun mal das Schreiben und auch das Gegenchecken von Infomationen gelernt. Die größten deutschen Blogs werden von Journalisten wie Robert Basic oder Stefan Niggemeyer geschrieben. (Es ist mir vollkommen klar, dass viele Blogger dieser These widersprechen. Per Twitter kamen schon während der Debatte die ersten Contras, auch nach Ende der Diskussion wurde ich darauf angesprochen. Aber so soll es sein.) Mein Fazit: Die Web 2.0-Szene professionalisiert sich. Aber sie muss aufpassen, dass sie nicht im luftleeren Raum stattfindet. Für die allermeisten Fachbesucher auf der ITB, die derzeit hart verhandeln und die Krise zu meistern versuchen, sind die Debatten in den Social-Media-Zirkeln so weit entfernt wie kulturelle Fragen in der östlichen Mongolei oder Diskussionen um Wasservorkommen auf dem Mars. Das bestätigt das Voting der Zuhörer, die die Relevanz der Thesen der vier Blogger auf dem Podium bewerten konnten: Die Organisatoren des Blogger Summit hatten erwartet, dass Thesen zu Twitter, mobilen Anwendungen oder der Nutzung von sozialen Netzwerken zur Kundenbindung top gerankt werden. Stattdessen erhielt meine These, wonach der Web 2.0-Wandel von den Führungsetagen angenommen und auch ein Stück weit vorgelebt und organisiert werden muss, die meisten Stimmen. Wahrscheinlich fanden sich die meisten der etwa 200 ITB-Fachbesucher beim internationalen Blogger Summit darin wieder. Also dann: Viel Spaß im Web 2.0 - und ich freue mich auf Ihre Anregungen und Erfahrungen.

Kommentare

von Jörg Lenz - AUSTRALIEN-INFO.DE, 14.03.09, 14:42
Was hat Web 2.0 mit Ausprägungen wir Tripadvisor, Xing, Blogs und insbesondere Twitter also mit Krisen-Management zu tun? Verdammt viel. Konkretes, tagesaktuelles Beispiel gefällig? AUSTRALIEN-INFO.DE hat im Februar 2009 unter der Kennung „australieninfo“ einen eigenen Twitter-Service gestartet. Seitdem möchten wir unter Beweis stellen, dass wir auch über diesen Kanal Ihnen "News To Use" anbieten können. Dabei startete dieser Service völlig ungeplant als Mittel der Krisenkommunikation aufgrund der Buschbrände in Victoria. Und just an diesem Wochenende ist er wieder zu diesem Zweck im Einsatz aufgrund der Ölpest an den Stränden vor Brisbane und an der Sunshine Coast. So hat beispielsweise die Region von Noosa bis hinauf Fraser Island damit zu kämpfen, dass dort Tourismusunternehmen Stornierungen erhalten aber die Region gar nicht von der Ölpest betroffen ist. Eine echte Kommunikationsaufgabe hier die relevanten Fakten möglichst zügig zu den entscheidenden Multiplikatoren zu bringen. Für all jene sein, die laufend aktuell über ein bestimmtes Zielgebiet (in unserem Falle Australien) informiert sein müssen oder wollen - beispielsweise weil sie auch in einem Reisebüro oder bei einem Reiseveranstalter arbeiten und Reisen dorthin vermitteln sind diese Fakten enorm wichtig - auch als Kompetenz-Nachweis gegenüber ihren Kunden. Ich stimme Ihnen vollständig zu, dass in den Führungsetagen die Denke Einzug halten muss wonach immer mehr Kommunikation nach dem Prinzip der „perpetual beta“ funktionieren wird. Unternehmen und Personen werden sich daran gewöhnen müssen, dass die Zeit der Verlautbarungen abläuft. Kontinuierliche Kommunikationsbereitschaft, der Wille zur Vernetzung, darauf wird es immer mehr ankommen. Da spielt wohl auch ein gutes Stück Angst mit, man könne sich durch twittern lächerlich machen. Das Gegenteil ist der Fall: Über „News To Use“ lassen sich Sympathiepunkte sammeln und über Fellowers bei Twitter oder anderen Social Networks neue, wertvolle Kontakte. Unsere These: Es wird auch bei Blogs und Twitter sich ähnlich entwickeln wie mit anderen Kommunikationskanälen, zum Beispiel der mittlerweile schon etwa 15 Jahre alten Form der „E-Mail-Newsletter“: Wer wirklich etwas zu sagen und mitzuteilen hat etabliert sich. Twitter-Kanäle ohne Nutzwert oder Unterhaltungsfaktor werden austrocknen und zu Datenleichen im Internet.

von Jan-Boyke Seemann, 23.03.09, 09:10
Das Web 2.0 ist für die Touristik ein Muss. Ja. Aber muss man alles mitmachen, nur um dabei zu sein? Nicht unbedingt. Die richtige Mischung aus aufwands- und kostenintensivem "Informieren" und tatsächlich auch Umsätze generierendem Verhalten ist wohl die Zauberformel. Es muss sich auch jedes Unternehmen darüber im Klaren sein, WAS sie im Web erreichen wollen? Opionionleaderschaft? Umsätze? Reichweiten? Talk of Town? Es gibt sicherlich viele gute Ansätze, sich die Vielfalt der Möglichkeiten nutzbar zu machen. Auch und gerade übrigens mit Audio- und enhanced-Podcasts...

von Daniel, 16.05.09, 03:01
Schöner Artikel. Schöne Thesen. Wenn auch provokant. Auf der ITB ist nicht soviel rübergekommen, als ich in den Vorträgen saß. Natürlich kann man ihre Thesen noch ziemlich aufbohren, aber es freut mich, dass selbst ein aus dem Printbereich entstammendes Medium wie die FVW sich langsam an das Web2.0 heranwagt und sogar den Besuch unseres Tourismuscamps in der FVW Printausgabe so ausführlich und lobend geschildert hat. Es bleibt spannend, welche Veränderungen wir hier noch erleben, aber es riecht zwei.null Grüße aus Teneriffa vom Ideacamp.info

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten