ITB

Die PR-Katastrophen zur ITB

Die ITB steht bevor, die PR-Agenturen und Tourismuswerber ballern aus allen Rohren. Hier ein paar Tipps, wie Sie mit Ihrer Botschaft garantiert nicht vorkommen.

von Klaus Hildebrandt, 24.02.2012, 14:45 Uhr

Der Terminkalender der fvw-Redaktion zur ITB wird auch in diesem Jahr wieder rund 450 Termine umfassen, von der Pressekonferenz über das Einzelinterview bis hin zum Vortrag auf dem ITB Kongress. Wir hatten gerade Redaktionkonferenz, und dort berichteten die Kollegen über skurile Dinge. Nachfolgend also ein paar Ratschläge, wie Sie es lieber nicht machen sollten. Alle Punkte sind wahr, ich habe nur die Namen weggelassen.

1. Laden Sie ganz kurzfristig ein: Journalisten gelten ja als chaotisch, langfristige Terminplanung verwirrt nur. Also am besten erst wenige Tage vor der Messe zur Pressekonferenz einladen – die Terminpläne sind ja eh leer.

2. Veranstalten Sie Ihr Event abseits der Messe: Vermeiden Sie die gut erreichbaren ICC-Räume und Hallen, suchen Sie sich ein abgelegenes Hotel und umschreiben die Location dann mit blumigen Ausdrücken wie "romantisch gelegen abseits des Messetrubels". Die gelangweilten Journalisten freuen sich auf den Verkehrsstau und werden es Ihnen danken.

3. Jagen Sie Ihre Praktikantinnen los: Dutzende Einladungen prasseln täglich auf uns ein, viele erreichen mehrere Redakteure gleichzeitig. Unsere Redaktionsassistentin Sabine Beitz arbeitet ganze Berge zentral ab. Aber kann man sich darauf verlassen? Also ermuntern Sie Ihre Praktikantinnen, telefonisch bei jedem Einzelnen nachzufassen: "Haben Sie unsere Pressemitteilung auch wirklich erhalten?"

4. Verwechseln Sie Zeit und Raum: Ein Land sandte uns neulich ein "Save the date" für eine große ITB-Veranstaltung – nur ohne Datum. Noch besser war die Anfrage, ob wir nicht den Keynote-Speaker des "ITB-Kongresses in Köln" interviewen wollten. Oder war die Verwechslung von ITB und fvw Kongress als Kompliment für uns gedacht?

5. Seien Sie ausdauernd: Eine Agentur lädt im Fremdenverkehrsamtsauftrag zu einer vierstündigen Pressekonferenz. Allerdings ohne Mittagessen – dafür ist bei einem so straffen Zeitplan keine Zeit.

6. Ballern Sie uns mit Zahlen zu: Journalisten lieben Fakten, Fakten, Fakten. Und warum kurz fassen, wenn es auch ausführlich geht? Also lassen Sie Ihren Minister oder Fremdenverkehrsamtschef auf Ihrer Veranstaltung ausführlich und auf vielen Charts durch Einreisestatistiken, Deviseneinnahmen und Marktforschungsdaten führen. Das gibt der Pressekonferenz Tiefgang, und all die Zahlenkolonnen wären ja wirklich zu schade, um nur in der Pressemappe zu landen.

7. Seien Sie ehrlich: Im vergangenen Jahr versetzte der Tourismusminister eines Landes eine Kollegin – er musste seine Frau zum Shopping in Berlin begleiten und tat das auch so kund. Das ist doch viel aufrichtiger, als Notlügen ("Obama hat gerade angerufen", "Putin will mich heute noch sehen", "bei uns zu Hause putscht gerade das Militär") zu erfinden.

Ich hoffe, diese Tipps helfen Ihnen bei der medialen ITB-Vorbereitung. Und am meisten würde ich mich natürlich über weitere Ratschläge oder Retourkutschen von PR-Profis freuen!

Kommentare

von Andreas Schulte, 24.02.12, 16:04
Ja, ja, Ihr armen Mädels und Jungs der Medienbranche - Ihr habt es auch nicht einfach, keine Frage. Deshalb wünsche ich allen viel Geduld mit den Infoquellen und eine schöne Zeit in Berlin.

von Dietmar Pedersen, 24.02.12, 16:45
Kaum zu glauben - und dann sind es oft PR-Agenturen, die so einen Unsinn machen. Als Auftraggeber würde ich die in die Wüste schicken.

von Pascal Brückmann, 24.02.12, 17:31
Manchmal sollte man aber auch die Auftraggeber gleich mit in die Wüste jagen. Mein Highlight. Agentur nervt ohne Ende, will unbedingt Termin mit Tourismusminister vermitteln. Ok, warum nicht. Dann stellt sich heraus. Tourismusminister hat nur um 16 Uhr Zeit, aber nicht auf der Messe, sondern in der Botschaft irgendwo in Berlin. Mehrfache Rückfragen, ob nicht doch ein Treffen auf der Messe möglich sei führen nicht zum gewünschten Erfolg. Also fast eine Stunde im Taxi wg Stau, abgehetzt um 16 Uhr an der Botschaft. Dort die Info: "Nein, der Minister ist nicht da. Und so schnell kommt er jetzt auch nicht." Warum? "Er ist noch auf der Messe". Dankeschön! PS: Einmal im Jahr muss ITB trotzdem sein :-)

von Heidi Diehl, 27.02.12, 09:16
Alle Jahre wieder das Gleiche: Täglich rufen wenigstend drei bis vier Praktikantinnen mit hoher fiepsender Stimme im Auftrag der PR-Agentur XY im Auftrag des Fremdenverkehrsinstituts Z an und fragen die Reiseredakteurin der Zeitung, ob sie vielleicht auch in diesem Jahr auf der ITB sein werde. Und wenn das zufällig der Fall sein sollte, ob sie nicht ein dringendes Bedürfnis habe, an einer Präsentation oder PK teilzunehmen, bei der sie schier Unglaubliches erfahren wird. Hinterher gebe es auch Schnittchen und Cocktails und mit einem bisschen Glück könne die Redakteurin sogar eine Reise nach Hinterposemuckel gewinnen. Selbstverständlich erwartet das fiepsende Stimmchen am anderen Ende der Leitung, dass Reiseredakteurin sofort erfreut zusagt. Und ja, wenn es denn unbedingt erwünscht sei, schicke man auch gern noch eine Einladung per Mail hinterher. Was freut sich Reiseredakteurin über die nette Erinnerung an eine Messe, die sie ansonsten garantiert vergessen hätte - natürlich auch über Schnittchen und Cocktails. Vor allem aber tun ihr die Praktikantinnen leid, die so einen Schwachsinn im Auftrag ihrer "Ausbilder" loslassen (müssen)!

von Hein Vogel, 27.02.12, 10:05
Ich habe es auch "gern", wenn in der E-Mail-Betreffzeile lediglich steht: Aktuelle Pressemitteilung. 1. Gehe ich davon aus, dass eine PM immer aktuell ist, sonst würde sie keinen Sinn machen. 2. Ist es lästig, erst den Anhang aufklappen zu müssen, um festzustellen, dass mich der Inhalt nicht interessiert. Bei rund 50 Mail pro Tag raubt das wertvolle Zeit.

von Jürgen Barthel, 28.02.12, 10:11
Reisen sind Emotionen. Ich habe letztlich bei einer Konferenz ebenfalls einen tollen Vortrag eines Tourismusministers bekommen. Der einzige Grund, sein Land anzufliegen seien die Statistiken und günstigen Flughafengebühren. Warum Touristen oder gar zahlungskräftige Geschäftsreisende gerade dorthin fliegen sollten, war ihm leider trotz Rückfrage nicht zu entlocken. Das Treffen stand unter der Überschrift "Sonnige Möglichkeiten in ...". Was man bekam waren Zahlenwüsten. Das sind so die Termine, die sich als "verlorene Zeit" entpuppen...

von ems, 10.04.12, 10:47
Ich teile Ihre Sicht.

von WAT, 09.08.13, 12:47
Da stimme ich aus zu..

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