ITB

Die ITB-Bilanz: Euphorie ohne Grenzen?

Die Fachbesucher-ITB im Zeichen des Aufschwungs geht zu Ende: Was nehmen Sie von der weltgrößten Touristikmesse mit nach Hause?

von Klaus Hildebrandt, 11.03.2011, 15:45 Uhr

Für mich war es die 18. ITB - und totzdem eine der aufregendsten. Mit vier Ausgaben des fvw Daily, der offiziellen Tageszeitung der Messe, sowie unseren Internet-News hielten wir die deutschen und internationalen Fachbesucher auf dem Laufenden. Über 400 Termine hat unsere Redaktion in Berlin wahrgenommen - die vielen informellen Gespräche auf den Fluren und bei den Abendpartys kommen hinzu.

Und wie sieht die Bilanz aus? Ägypten und Tunesien waren erwartungsgemäß ein großes Thema. Veranstalter und Reisebüros hoffen auf ein Comeback. Doch hinter vorgehaltener Hand hieß es öfter, die Rückgänge seien noch größer und die Neubuchungen noch schwächer als offiziell kommuniziert. Aber beide Länder haben sich in Berlin mit guten neuen Tourismusminstern hervorragend präsentiert und konnten so zusätzliche Sympathiepunkte sammeln.

Interessant auch das Comeback der Klassiker. Spanien, Portugal, Italien und Griechenland profitieren dabei längst nicht nur von den Umbuchungen wegen der Nordafrika-Krise. Ebenso überrascht die starke Entwicklung des deutschen Urlaubs- und Geschäftsreisemarkts viele Destinationen sehr positiv. In den vergangenen Jahren war in Berlin oft zu hören, das Marketing müsse ja vor allem auf aufstrebende Länder wie Russland, China oder Indien konzentriert werden, bei Deutschland gebe es ja keine Wachstumsphantasie. Aber nun fährt die deutsche Konjunkturlokomotive auch in der Reisebranche ganz vorneweg. Davon profitiert auch das Reiseland Deutschland. Der Muff früherer Jahre ist auch aus den Messeständen der deutschen Regionen längst verschwunden.

Nach den starken Buchungsmonaten Januar und Februar (das GfK-Reisebüro-Panel meldet ein stolzes Sommerplus von 17 Prozent) waren allerdings die letzten beiden Wochen deutlich schwächer, hieß es übereinstimmend bei Veranstaltern in Berlin. Doch Grund zur Panik besteht wohl nicht, weil auch die Karnevalstage den Buchungsfluss unterbrachen. Allerdings ist es wohl einfach so, dass gerade viele Familien ihren Sommerurlaub bereits unter Dach und Fach haben und das hohe Plus schon allein deshalb abschmelzen wird.

Und sonst? Der geplante Datenstandard für Veranstalterreisen sorgte hinter den Kulissen für viel Diskussionen. Die Hallen waren voll, die Fachbesucher hetzten im Halbstundentakt von Termin zu Termin, auf den unzähligen Empfängen und Partys war die Stimmung beinahe schon euphorisch.

Und wie fanden Sie die ITB? Was hat Ihnen gefallen, was nicht - und sind Sie für Ihr eigenes Geschäft genauso positiv gestimmt wie die zum Berufsoptimismus verurteilten Tourismuswerber in Berlin?

Kommentare

von Peter Rode, 11.03.11, 16:15
Meine ITB Bilanz. Keine Euphorie sondern das 1. Mal seit 30 Jahren nicht dabei gewesen. Nichts verpasst!.ca 1000.--€ gespart! Und die guten Gespräche die wir sonst auf der ITB hatten werden jetzt halt am Telefon gemacht(Flat Rate) oder ruft mich an. Wir Reisebüros müssen halt auch sparen wie unsere großen Partner. Für mich habe ich entschieden bei der ITB anzufangen.

von Mario Bönicke, 12.03.11, 07:37
Meine Bilanz: Gute Gesprächstermine mit Leistungsträgern und Kunden, dazu ein paar gute, aber auch mehrere unbefriedigende Gespräche an den Messeständen. Plus einige Anregungen und neue Erkenntnisse aus den besuchten Fachprogrammen und Vorträgen und dann wie immer: Viele Kollegen getroffen und das eigene Netzwerk ganz ohne Facebook und Co. wieder einmal persönlich aufgefrischt. Für uns waren das drei gute, effiziente Tage obwohl ich den Eindruck hatte, dass die Gänge in diesem Jahr etwas leerer waren.

von barthel.eu, 12.03.11, 11:17
Natürlich eine persönliche und zwangsläufig unvollständige Rückschau ;-) Die 22. ITB - eine einzige viel vor ein paar Jahren aus wegen verknackstem Fuß. Die erste, wo ich mal nichts verkaufen wollte, sondern mich nur um meine "Vernetzung" kümmerte, Kontaktpflege. Sicher daher von meiner Seite entspannter als sonst. Dabei aber auch viel unerwartet gelernt, sowohl menschlich, wie fachlich positive Überraschungen :-D Ich kann mich aber nicht erinnern, wann die Stimmung das letzte Mal derart positiv war. Die Bestreikung der S-Bahn hat viele ITB-Besucher verärgert, da hat die GDL dem Unternehmen Bahn sehr geschadet. "Unzumutbar" für Kunden, Notwendigkeit statt dessen Busse zu nehmen... Aber der aktuelle Tsunami hat sicherlich uns alle geschockt. Leider viel zu wenig ein Thema: Nordafrika und vor allem Libyen... Hier wieder mal deutsches Beamtenmikado unserer Politiker! Insgesamt trifft es eine Schlagzeile der Berliner Zeitung von 1989: "Mehr Kontakte als Kontrakte". Vertragsarbeit ist im Vorfeld oder Nachgang der ITB. Hier trifft sich die Branche. Dies auch der "Fehler" bspw. der Lufthansa. Nicht da zu sein geht einfach nicht für die angebliche Nummer 1, dann stiehlt ihr halt die Air Berlin die Schau. Mann muss ja nicht groß da sein, aber gesehen werden! HRS gefiel mir diesbezüglich, genauso wie Skyteam. Oneworld gab einen Empfang, nur Lufthansa hat es nicht nötig? Und zu den beiden vorigen Kommentaren: Nur e-Mail, Facebook, Skype & Co. reichen nicht, manchmal muss man sich auch wieder persönlich sehen.

von Burckhard, 13.03.11, 12:16
Die 36. ITB. Eine Mischung aus offline Kontaktpflege, interessanten Vorträgen - wobei die Kapazitäten im Auditorium (leider) teilweise schlecht geplant waren - und neuen Ideen, Erkenntnissen, Angebotsformen. Drei Tage sind genug, dann stehen Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis. Jetzt fehlen nur noch die Zahlen der ITB-Macher, die uns sagen wieviel Millionen oder Milliarden Umsätze - ist sowieso nicht nachprüfbar - akquiriert wurden und dass die Fachbesucherzahlen wieder einmal angewachsen sind..... Die ITB wird wohl einige der wenigen Tourismusmessen sein, die langfristig überleben werden, schon deshalb, weil man sich bei den offline Kontakten einfach besser "beschnuppern" kann und der soziale Aspekt hier nach wie vor einen hohen Stellenwert hat. Dann bis zum nächsten Jahr.

von Andreas Schuerrle, 14.03.11, 11:41
Für mich war es die 17. ITB - und auf jeden Fall eine der erfolgreichsten. Was dieses Jahr neu war und was ich mir schon in den Ordner zur Messevorbereitung für die nächste ITB geschrieben habe: Russisch sprechendes Standpersonal. Für uns in der 6.1 war das eine der wichtigsten Botschaften der 45. ITB.

von Ute Hopfengärtner, 14.03.11, 15:29
Meine 21. ITB und auf einem hohen Niveau: sehr viele gute Mediengespräche, drei prall gefüllte Tage mit Terminen zum networken, kennenlernen und austauschen und unsere Wilde & Partner Medienlounge hat sich mittlerweile als fixer Bestandteil etabliert.

von Martin Pundt, 15.03.11, 17:29
Wie in den letzten Jahren auch waren wir beim asr als "Anschließer" zu Gast. Auch auf diesem Weg nochmal unseren herzlichen Dank an Stephan Busch, Gabi Baumgarten und das tolle Team, das uns und unsere Gesprächspartner drei Tage supergut betreut hat. Wir haben wieder einmal beim asr eine ideale Möglichkeit gefunden, hier mehrere hundert Gespräche mit unseren Produkt-, Vertriebs- und Marketingpartnern zu führen - nicht durch Facebook und Co. zu ersetzen. Unsere "Zahlen" stimmen und auch wir könnten Rekordmeldungen versenden über die vor Ort unterschriebenen Verträge sowie die per Handschlag besiegelten Konditionen (schön, dass es auch das noch gibt, bei meiner mittlerweile 27. ITB). Dennoch; Sicher keine Euphorie ohne Grenzen. Neben der Katastrophe in Japan kam mir vor allem das Thema Nordafrika zu kurz - insbesondere die Frage, welche Verantwortung wir Touristiker tragen. Haben wir zu sehr weggeschaut, so lange es uns gut ging dabei? Dass Ägypten eine Diktatur war, haben wir doch alle gewusst.... Das andere Thema, das die Euphorie bremst, ist die in Berlin sehr oft und sehr deutlich artikulierte Sorge des Vertriebs über 2012. Viele unserer Vertriebspartner äußerten sich erschrocken über die seltsame Konditionenpolitik z.B. im Kreuzfahrtenbereich, was ja auch schon in den News zu lesen war (sei auf diesem Weg gegrüßt, Ekki - Kopf hoch!). Andere Leistungsträger sollen schon jetzt angedeutet haben, auch für 2012 von 20% Wachstum auszugehen und ihre Provisionsstaffeln entsprechend zu strukturieren. Der Warnruf des Vertriebs in dieser Frage war nicht zu überhören - und er erscheint mir berechtigt. Wir werden alle im Sommer 2011 von den Nachholeffekten profitieren - aktuell liegen wir z.B. 36% im Plus - aber wir Leistungsträger sollten schon den kommenden Winter wieder vorsichtiger planen und nicht etwa unsere Vertriebspartner mit überhöhten Erwartungen unter Druck setzen. Damit wäre letztlich niemandem gedient.

von R.-G. Ludwig, 16.03.11, 10:23
Euphorie - das war letzte Woche! Die Grenzen werden seit Montag aufgezeigt: Es herrscht bereits jetzt eine grosse Verunsicherung der Menschen: Ersteinmal abwarten. Wo zieht die (mögliche) "radiaktive Wolke" hin, welche Länder könnten betroffen sein. Wir haben schon Anfragen von besorgten USA, Australien und Thailand Reisenden erhalten und selbst von Griechenland Reisenden "Wer weiss, was die da auf den Tisch bringen - Pilze und Thunfisch aus Japan vielleicht" (O-Ton). Auch eine evtl. erneute Krise der Finanzmärkte, eine neue Wirtschaftskrise, eine mögliche steigende Inflation, getrieben von steigenden Strompreisen nach der Abschaltung von AKWs usw. , werden wieder zu einer Zurückhaltung der Verbraucher/Reisenden führen. Es herrscht schon jetzt eine grosse Unsicherheit, die noch zunehmen wird! Menschen die jetzt Jodtabletten und Strahlungsmesser kaufen, werden keine Auslandsreisen buchen! Schon bald wird wieder die Rede von einem Trend zum "Cooconing" die Rede sein und ich bin mir sicher, dass die VA bereits seit letztem Freitag einen Buchungsrückgang, gegenüber der Vorwoche verzeichnen können. Schon jetzt sollten die VA gegensteuern: Runter mit den Anzahlungen, reduzierte Anzahlungen, kostenlos Stornos bis z.B. 60 Tage vor Reiseantritt.

von R.-G. Ludwig, 16.03.11, 11:06
Sollte heissen: "Schon bald wird wieder von einem Trend zum "Cooconing" die Rede sein und ich bin mir sicher, dass die VA bereits seit letztem Montag einen Buchungsrückgang gegenüber der Vorwoche verzeichnen können.

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