ITA Software

Feuer frei auf Google

Die Gegner des Google-ITA-Deals werfen die Propaganda-Maschine an. Statt lediglich Statements auf Bilanz-Pressekonferenzen fallen zu lassen, gibt es jetzt eine eigene Webseite – mit starkem Tobak.

von Arndt Aschenbeck, 26.10.2010, 15:18 Uhr

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Und die Grafik auf der Seite Fairsearch.org spricht in der Tat für sich: Man sieht, wie ein Flugzeug wie eine Marionette an den Seilen von Google hängt. Die Botschaft ist eindeutig: Kommt der Deal mit ITA zustande, steigt Google endgültig zum alleinigen Strippenzieher der Online-Reisesuche auf.

Das will ein Konsortium aus Expedia, Kayak, Sabre und Farelogix mit allen Mitteln verhindern. Und deshalb malt es auf der Webseite ein wahres Horrorgemälde, sollte die ITA-Übernahme genehmigt werden. Unverhohlen schreiben Expedia und Co von möglichen Manipulationen und befürchteten Benachteiligungen der Wettbewerber, wenn Google seine Vormachtstellung in Sachen Suche auch auf den Reisemarkt ausdehnt.

Und sie unterlegen das Ganze mit einigen Zahlen: Google kontrolliere 72 Prozent des Suchmarktes und 77 Prozent des Suchmaschinen-Werbemarktes in den USA. In Europa sei die Vormachtstellung von Google sogar noch größer, in einigen Ländern halte die Suchmaschine einen Anteil von bis zu 95 Prozent. Eine weitere interessante Zahl: Nach Schätzungen von Goldman Sachs geniert Google etwa zehn Prozent seiner Online-Werbeeinnahmen durch Reiseportale.

Auch über ITA liefert die Seite beeindruckende Zahlen. So laufen nach Angaben des Konsortiums 65 Prozent aller Ticket-Direktverkäufe über ITA. Sechs der zehn größten US-Carrier und die größten Metasuchmaschinen zählen zu den Kunden des Softwareunternehmen.

Fast noch interessanter als die nackten Zahlen sind allerdings die Zitate aus einem Papier, für das die Seiten-Betreiber ziemlich tief gegraben haben müssen. Denn das Schriftstück haben die beiden Google-Erfinder Brin und Page noch zu Studentenzeiten – vor der Gründung von Google - verfasst. Darin schreiben sie, dass sie davon ausgehen, dass eine Suchmaschine, die ihr Geld mit Werbung verdiene, schon aus einer inneren Logik heraus zugunsten der werbenden Unternehmen und nicht im Interesse der Konsumenten agieren müsse.

Und dann geben die beiden auch noch einen Hinweis darauf, wie das zu bewerkstelligen ist: „Eine Suchmaschine könnte einen kleinen Faktor zu den Suchergebnissen der Firmen hinzufügen, denen sie freundlich gesonnen ist - und diesen bei den Wettbewerbern wieder abziehen. Diese Art von Voreingenommenheit könnte nur sehr schwer nachgewiesen werden, aber einen signifikanten Effekt auf den Markt haben.“ Ein Schelm, wer jetzt denkt, dass diese Überlegungen bei Google wirklich wirksam geworden sein könnten.

Was hat die US-Portale dazu bewegt, derart massiv gegen Google Stellung zu beziehen? Finden Sie die Vorwürfe berechtigt? Oder ist das für Sie reine Taktik der Wettbewerber? Und schließlich: Wird sich die US-Wettbewerbsbehörde Ihrer Meinung nach von der Seite beeinflussen lassen?

Kommentare

von Roland Delion, 26.10.10, 15:39
Vielen Dank für den Hinweis. Die Marktmacht von Google kann schon erdrückend wirken - ja sogar Angst machend. Die Macher der Seite scheinen auf jedenfall berechtigterweise Angst vor Google zu haben. Bei der Programmierung der Webseite wurde darauf geachtet, dass die Robots von Suchmaschinen draußen bleiben - Google die Seite also gar nicht erst entdeckt. Mir scheint es allerdings angebrachter, sich auf die Marktsituation - so unfair sie erscheinen mag - einzustellen und positive Singale zu setzen.

von NSOW, 26.10.10, 21:17
Gehe ich richtig in der Annahme, dass "eine Suchmaschine, die ihr Geld mit Werbung verdiene, schon aus einer inneren Logik heraus zugunsten der werbenden Unternehmen und nicht im Interesse der Konsumenten agieren müsse", folglich den werbenden Unternehmen verpflichtet ist? Das hieße doch, dass Expedia und Co. nur einfach genug werben müssen, um sich Google freundlich gesinnt zu erkaufen, oder? Apropos, wer sich heute so sorglos freut, dass man mit einem Facebook Account 1.200 Kreuzfahrtkunden gewinnen könne und so freiwillig oder nicht die PR-Werbetrommel für FB rührt, muss sich nicht wundern, wenn die zunehmende Marktmacht in den Händen dieses Unternehmens früher oder später ebenso schamlos missbraucht und gegen die Benutzer gerichtet wird wie das bei Google zu beobachten ist. Datenschutz und Achtung der Privatsphäre sind wohl für beide Unternehmen Fremdwörter. Siehe diverse Interviews mit Mark Zuckerberg zum Thema und Spiegel Online "Google klärt Mitarbeiter auf, was Privatspäre bedeutet" von heute, 26.10.10 http://bit.ly/b7H1ev

von Uwe Frers, 27.10.10, 09:29
Die Initiative ist gut gemacht und wichtig, um für das Thema innerhalb der Branche zu sensibilisieren. Vergessen sollten wir allerdings nicht, warum Google diese quasimonopolistische Marktmacht aufbauen konnte: Durch großartige Leistung. Und genau an der Stelle sollten wir uns in der Branche anläßlich der aktuellen Diskussion wiederum an die eigene Nase fassen. Zwei Themen müssten auf den To Do Listen der Onlinetouristiker ganz oben stehen: Suchqualität verbessern und Kundenbindung schaffen. Denn während Google quartalsweise neue Features launcht, sehen die Suchmasken der Pauschalindustrie seit mehreren Jahren fast unverändert aus. Wer einmal versucht hat, mit einem Baby und zwei Kindern online zu buchen, weiß, was ich meine. Und die Abhängigkeit von Googles AdWords resultiert doch nur aus der Tatsache, dass unsere Branche jedes Jahr aufs Neue Kunden einkauft, die sie bereits im vergangenen Jahr bedient hat. Die Sensibilisierung hinsichtlich Googles Mechanismen ist gerechtfertigt, aber die touristische Onlinebranche muss auf der anderen Seite endlich so einfach und gut werden wie Google.

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