ITA Software

Ein teurer Deal, selbst für Google

Selbst für Google ist der Kauf von ITA Software ein großer Deal. Doch die Übernahme hat auch Schwachstellen und Google offenbart eine überraschend amerikanische Sichtweise. Was der IT-Gigant jetzt tun muss (und wohl auch wird).

von Dirk Rogl, 02.07.2010, 09:07 Uhr

Google investiert also 700 Mill. US-Dollar, um eben selbst kein Online-Reisebüro zu werden und brav die Kunden von ITA weiter zu bedienen. Alle Fakten zu der wohl spektakulärsten Übernahme in der Travel Technology finden Sie hier. Und die Erklärung, weshalb Google selbst kein Online-Reisebüro werden kann und darf, gibt es hier. Bleibt eine Frage: Weshalb tut Google sich das an?

Experten sind sich einig: Kein Unternehmen verfügt derzeit in den USA über eine bessere Suchabfrage für Flugtarife als ITA Software. Und kein Unternehmen ist mit seiner mächtigen Tarifdatenbank in den USA ein größerer Herausforderer für die GDS als eben ITA. Aber genau hier beginnt die extrem amerikanische Sichtweise Googles. Der offizielle Google-Blog zur ITA-Übernahme beginnt mit folgenden denkwürdigen Worten: "Fast die Hälfte der Flugtickets werden heute online verkauft. Aber für viele ist die Suche nach dem besten Preis ein frustierendes Erlebnis." Das ist falsch! Und genau das ist für Google das...

Fazit: Google und ITA sind perfekte Partner. Aber der Spagat zwischem neutralen Medienpartner und exklusivem Traveltech-Anbieter ist enorm. Der Deal ist also alles andere als ein Selbstläufer, oder?

Kommentare

von waki, 02.07.10, 10:20
Blauäugig wer denket, google wird selbst nichts verkaufen. Wenn das Geschäft sich nicht so rentiert wie gewünscht, ist ein Strategiewechsel mehr als wahrscheinlich. Den Spagat zwischen wegbrechenden Adwords-Kunden und eigenem Flugverkauf wird auf jeden Fall ein enormes Risiko für Google

von Detlev H., 02.07.10, 12:44
Fein beobachtet. Es ist erstaunlich, wie sehr bei solchen Investments offenbar einer einzigen Datenquelle vertraut wird. Der Markt Online Travel gehört erst einmal gründlich definiert, bevor die Zahlen generiert werden. Ich glaube nicht, daß Google es schafft, den von der"global travel industry research authority (Selbstdarstellung des von Google gern zitierten Studienlieferanten) skizzierten Markt vollständig zu knacken.

von Michael Buller, 02.07.10, 14:20
Wenn nicht selbst Anbieter.....dann Metasearcher....was aber trotzdem bedeutet ins Reisegeschäft einzusteigen oder aktiver mit zu mischen! Ob es gefällt oder nicht.....so ist es nun mal und eine Industrie wird auch damit umgehen können.

von Alexander von Koslowski, 02.07.10, 15:02
Herzlichen Glückwunsch Google, eine schöne Anschaffung. Herr Rogl, ich gebe Ihnen Recht, es geht im Prinzip um den unorganisierten Flugverkehr ausserhalb von Travel Management Companies. Aber das ist ja auch schon ein großes Geschäftsfeld. Aber was wird sich denn verändern?? Google wird mit Hilfe von ITA wesentlich intelligentere Antwort, als den bloßen Verweis auf Travelsites zu geben. Fragen und Antworten werden relevanter und transparenter.. Diese Relevanz wird teurer und wird Geschäft verlagern. Betroffen sind GDSs, OTAs, Metasearcher, Reisebüros und natürlich der Supplier, die Airline. Der Kunde wird auf jeden Fall davon profitieren, da das Einkauferlebnis sich wahrscheinlich verbessern wird. Da Google keinen Artenschutz in der Distributionskette kennt, werden die GDS sich sehr gut überlegen, wie nachhaltig sie im B to B Geschäft ihre Existenz sichern wollen. Auf jeden Fall gewinnen wird die Einsicht, wie wichtig ein gutes CRM ist. Den Kunden dauerhaft an seine Marke zu binden war noch nie so wertvoll wie heute und morgen.Denn sehr oft kann man sich den Kunden für das billigste Ticket zwischen 2 Punkten nicht über den Preisvergleich oder Google einkaufen. Ich gebe Herrn Rogl Recht, es wird zunächst Auswirkungen auf den US Markt haben. Aus gutem Grund ist ITA nicht nennenswert in Europa vertreten, da die Fragmentisierung und geringe Größe der einzelnen Märkte in Europa sehr aufwendig und teuer zu bearbeiten ist. Alle amerikanischen GDS können davon ein Lied singen. Hier ist Amadeus einer der Hauptlieferanten für eine Flug- und Tarifsuche. Dennoch werden sich meiner Meinung nach, auch in Europa die Spielregeln langfristig ändern. Wird Google sein Geschäftsmodell ändern? Meiner Meinung nach Nein, aber sie werden wichtiger und der Markt, und da spielt Google eine große Rolle,wird entscheiden, welchen Pfad der Kunde zu seinem Flug einschlägt. Bitte denken Sie auch daran, dass ähnliches mit dem Hotels passieren wird. Hier sind die Supplier fragmentierter, aber die Eintrittsbarieren für den von Google vermittelten Direktvertrieb auch geringer. Das ist meine unbedeutende Meinung, aber ich freue mich auf die nächsten Jahre. Es wird spannend. Alexander von Koslowski

von travelspezi, 02.07.10, 18:00
Wer rechnet bitte einmal nach, wie viele Arbeitsplätze und damit Steuereinnahmen durch den direkten Buchungsweg im Netz verloren gehen ? Sind wir allein in Deutschland im Dienstleistungs- und Fachhandel schon bei über 10 Millionen angekommen ? Und dabei bringt der Wettbewerb es mit sich, dass keiner mehr etwas verdient oder glaubt wer, mit unter 5 € pro Ticketaufschlag kann jemand noch Geld verdienen ? Was passiert, wenn selbst bei Hotelreservierungen oder PKW-Mieten nur noch Mini-Renditen möglich sind ? Die Globalisierung macht alle ärmer.

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