Iphone

Was Steve Jobs gern noch erlebt hätte

Das neue iPhone ist keine Sensation, ein Feature aber schon: Die Sprachsoftware Siri versteht den Menschen. Wetten, dass sie bald genauso gut Reisen verkauft wie die jetzt schon die neue Freitextsuche von Weg.de? Ein Blick nach vorn, kein Nachruf auf Steve Jobs.

von Dirk Rogl, 06.10.2011, 08:55 Uhr

Kein neues iPhone 5, und dann noch der viel zu frühe Tod von Apple-Gründer Steve Jobs. Für die Fans des IT-Riesen kommt es in dieser Woche knüppelhart. Den Nachruf auf den großartigen Techno-Visionär lesen Sie auf anderen Portalen. Hier geht es primär um Siri, das wohl wichtigste neue Feature im neuen iPhone 4S.

Siri ist die neue Spracherkennung in Apples ebenfalls neuem Betriebssystem iOS 5.0. Siri arbeitet semantisch. Sie versucht, den Menschen zu verstehen und aus seiner Spracheingabe logische Zusammenhänge zu konstruieren. Ein Beispiel von Apple: "Sag meiner Frau, dass ich später komme". Wer diesen Befehl in sein iPhone diktiert, löst damit eine Textnachricht an den Lebenspartner aus. Das wiederum setzt voraus, dass Siri diesen erkannt und lokalisiert hat.

Siri greift schon heute auf wichtige Apps wie der Mailbox, den Kalender (iCal) und dem Wetterbericht zu, außerdem auf globale Wissensdatenbanken wie Wolfram Alpha und Wikipedia. Es wäre geradezu paradox, wenn Siri nicht auch auf Reisen ein treuer Helfer wird. Fragen wie "Wie komme ich am schnellsten nach.xy" oder "Wann geht mein Flieger" sind Herausforderungen, denen sich der IT-Riese zeitnah stellen wird. Die intelligente Verknüpfung von Siri mit Routenplanern, GDS und Tarifdatenbanken ist Apple-intern sicher bereits mehr als eine Vision. Sie wird kommen.

Es ist vermutlich auch nur eine Frage der Zeit, bis Apple sein iTravel ausrollt. Die Patente dafür liegen in der Schublade. Einen wichtigen Baustein für intelligente Reiseprodukte, den NFC-Chip zur Erkennung eines Reisenden und der sicheren Bezahlung, hat sich Apple allerdings auch im neuen iPhone 4S erspart. Dabei hat NFC das Zeug, die Buchung im klassischen Sinne überflüssig zu machen und auf das Smartphone zu übertragen. Viele Leistungsträger warten händeringend auf solche Systeme, weil sie darauf eigene Features für ihren Direktvertrieb aufbauen wollen. Auch hier hat Apple mit seinem iPhone 4S merklich an Innovationskraft verloren. Der fehlende NFC-Chip ist für mich die größte Enttäuschung am neuen iPhone 4S.

Bleibt Siri: Für mich ist das eines der absoluten Top-Features des Jahres. Dass die verbale Bedeutungslehre auch im Reisevertrieb funktionieren kann, beweist seit geraumer Zeit der Portalbetreiber Comvel mit dessem Internet-Reisebüro Weg.de. Bislang nur auf einer Beta-Seite, in Kürze aber wohl flächendeckend, empfängt Weg.de seine potenziellen Kunden statt mit einer klassischen Internet Booking Engine mit einem Suchschlitz für Freitextsuche.

Comvel-Chef Timo Beyer schwört bereits heute auf die dahinter liegende intelligente Texterkennung Fact-Finder von Omikron (siehe fvw 20/11 am morgigen Freitag). Er erhofft sich eine deutlich bessere Conversion Rate auf seinem Portal. Weil über die Eingabe individueller Texte mehr Wünsche abgedeckt werden können als über eine starre Buchungsstrecke, soll das Verhältnis von Abfragen zu Buchungen deutlich besser werden.

Keine Frage: Die Semantik von Weg.de stößt manchmal noch an Grenzen. Nicht für jede Texteingabe findet sie die besten Angebote. Aber die Software ist lernfähig und sie wird immer besser. Bislang zapft Fact-Finder in der Toursitik lediglich die Datenbank von Traveltainment an. Weitere Angebote sollen in Kürze folgen.

Und so wird es auch Siri gehen. Bevor die Techno-Blogger ihre Nachrufe über Steve Jobs schrieben, entlockten sie Siri gestern manch peinliche Antwort. Und einige faszinierende Konter. "Was ist der SInn des Lebens", diktierte einer in sein iPhone. "Fragen wie diese zu beantworten", antwortete Siri. Das ist clever. Siri wird auch in der Reiseplanung überraschen. Mit welchen strategischen Partnern und über welche Datenbanken müssen die Nachfolger von Steve Jobs entscheiden. iTravel gehört zu jenen Visionen, die der Apple-Gründer nur am Reißbrett erlebt hat. Ob das gut oder schlecht ist für die Reiseindustrie sollten wir an einem anderen Tage diskutieren. Heute schließen wir uns artig an: Rest In Peace, Steve Jobs.

Kommentare

von Barthel.eu, 06.10.11, 10:31
Nachdem auch das iPhone3 vom 3GS gefolgt wurde, ist ein Sprung 4 zu 4S nicht falsch. Bei Einführung des iPad2 wurde ja ein 4x erwartet. Nur war das Marketing hier fehlerhaft, die Erwartung wurde nicht gebremst. Nach Steve Jobs' Ausstieg hätte 'der Neue' mit einem Paukenschlag kommen sollen. Das war letztlich trotz aller Evolution eben keine Innovation. Siri muss sich noch beweisen. An der Komplexität des Themas Reise sind schon einige gescheitert. Ich hatte ebenfalls NFC erwartet, nun besteht die Gefahr, dass auch da andere Apple überholen. Apple könnte Microsoft nun Links liegen lassen, aber dafür muss Apple eben der "cutting Edge" bleiben. Immer bedenken: Wir stehen am Anfang dieser Entwicklungen, nicht am Ende. Einleitung war IBM, Kapitel 1 Microsoft, 2 AOL und Internet, 3 Google, 4 Apple, und was kommt jetzt? IBM ist überall - nur beim Konsumenten nicht (mehr). Lydia, Yahoo, Netscape, AOL, ... die Liste ist lang. Wollen wir Steve Jobs wünschen, dass sein hart erarbeitetes Lebenswerk überlebt. Jürgen (auf einem iPad2 schreibend)

von Barthel.eu, 06.10.11, 10:34
Lydia? Kenne keine Lydia. Das sollte Lycos sein. Manchmal ist diese Autokorrektur nervig, das iPad halt auch nicht perfekt. Nur eben das Beste, was derzeit zu haben ist...

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