iPad

Dreimal werden wir noch wach

Die Fieberkurve steigt. Noch drei Tage bis zum Verkaufbeginn des iPads in Deutschland. Kurz vor dem Start am Freitag legen Kritiker und Unterstützer noch einmal nach.

von Arndt Aschenbeck, 25.05.2010, 15:50 Uhr

So flatterte heute Morgen das Ergebnis einer neuen W3B-Studie von Fittkau & Maaß in mein virtuelles Postfach. Immerhin acht Prozent der Befragten wollen sich das Couch-Spielzeug in den kommenden sechs Monaten zulegen. Interessant zum Vergleich: Die Anschaffung einer neuen Digitalkamera bzw. eines Smartphones im nächsten Halbjahr planen je ca. neun Prozent der Nutzer.

Wenig überraschend, dass die deutliche Mehrheit (86%) der Kaufinteressenten das iPad vor allem zum Surfen im Netz nutzen will. Drei Viertel geben an, dass sie damit Nachrichten bzw. Tageszeitungen lesen wollen. Die Studie schließt mit dem Fazit: „Schon vor der Markteinführung ist das iPad der Inbegriff für eine neue Art des Informationsgenusses geworden.“

Radio Eriwan würde diese Aussage mit „im Prinzip ja“ kommentieren. Denn nicht alle sind so optimistisch, was Apples neues Wunderspielzeug angeht. In einem sehr lesenswerten Artikel seziert FAZ-Journalist Michael Spehr das iPad nach zweimonatigem Testgebrauch und räumt dabei mit einigen Mythen auf. Sein Fazit ist äußerst ernüchternd: „Die Hardware ist faszinierend, aber die Systemkonzeption wirft viele kritische Fragen auf.“

Spehr meint damit, dass das iPad wie ein großes iPhone nur ohne Telefonfunktion konzipiert sei. Er sehe keinen Sinn darin, „ein Smartphone-System nahezu unverändert auf Tablett-Maße aufzupusten“. Viele Dinge, die beispielsweise auf Netbooks selbstverständlich seien, funktionierten auf dem iPad nicht oder nur sehr umständlich. Allen voran das Multitasking. Spehrs niederschmetterndes Fazit: „Das iPad ist eine Maschine für den passiven Konsumenten – oder für die seltenen Sonntage des unverbindlichen Dahinsurfens im Netz.“

Damit bewegt sich Spehr aber voll auf der Linie der W3B-Studie. Vielleicht reicht es den iPad-Nutzern ja schon, mit einem stylischen und haptisch äußerst angenehmen Gerät im Netz zu surfen. Vielleicht wollen sie gar nicht damit arbeiten oder E-Mails mit Anhang verschicken – was angeblich mit dem Zaubertablet nicht möglich sei.

Eine noch pfiffigere Verwendung hat sich Aida einfallen lassen. Die Reederei kündigte an, ihre stärksten Vertriebspartner nach und nach mit einem iPad auszurüsten. Auf denen läuft dann eine Aida-App, die gegenüber der vom iPhone wohl noch ein wenig ergänzt wurde. So können etwa alle Aida-Routen und -Häfen können mit einem Fingerstreich auf einer animierten Weltkarte entdeckt und Hintergründe abgerufen werden. Zusätzlich werden die aktuellen Positionen der derzeit sieben Aida Schiffe auf einer Google Map angezeigt. Und wie auf dem iPhone gibt es 360-Grad-Rundgänge über das gesamte Schiff. Wenn da keine Urlaubsfreude schon im Reisebüro aufkommt, weiß ich es auch nicht.

Das gibt doch Hoffnung, nicht nur für das iPad, sondern auch für die Touristik. Endlich mal wieder ist ein Travel-Unternehmen ganz vorne mit dabei, wenn es um eine Innovation geht. Und beweist damit, dass man das iPad nicht vorschnell abschreiben sollte. Oder was denken Sie?

Kommentare

von Sylvie, 25.05.10, 17:25
Hut ab vor Aida Cruises, die waren schnell (aber TUI Cruises kommt bestimmt auch bald, wie damals mit der App). Wo sind eigentlich die anderen Veranstalter? Wann kommt der Katalog fürs I-Pad, in dem ich nicht nur blättern, sondern jede Menge Zusatzinfos finde? Und wer braucht dann als Reisebüro noch den viel zu teuren Wundertisch von Traveltainment/Microsoft?

von Jürgen, 25.05.10, 17:31
... ein neues Erlebnis bietet, Filme anzusehen ... Wirklich? Auch im Flash-Format? Da bin ich richtig gespannt

von Arndt Aschenbeck, 25.05.10, 17:51
@Sylvie: Die Frage nach dem Traveltainment-Tisch ist eine sehr berechtigte. Ich habe sie mir auch schon gestellt. Aus Sicht der Reisebüros scheint mir die Sache ziemlich klar: das iPad ist günstiger (800 Euro gegenüber ca. 9.000 bis 12.000 Euro für den Traveltainment-Tisch). Interessant wird jedoch sein, welche Inhalte noch in Zukunft für das iPad angeboten werden. Ziehen andere Veranstalter nach? Werden die Kataloge wirklich multimedial? Und bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Traveltainment arbeitet schon an einer App oder sonstigen Lösung für das iPad ...

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 25.05.10, 18:06
@Jürgen bei den meißten Filmen, wird Flash nur für das Streaming benötigt, die Daten liegen aber in MPEG 4 vor, so haben viele Videoportale für iPhone und iPad alternative Streaming ohne Flash schon ermöglicht! Da MPEG 4 direkt auf dem iPhone und iPad verarbeitet werden kann, wird Flash dafür nicht benötigt! http://de.wikipedia.org/wiki/H.264

von Timo Iserlohe, Aktives Reisebüro Netzwerk eG, 25.05.10, 18:15
Als ich vor einigen Jahren den Microsoft Surface das erstemal im Netz und auf der Cebit gesehen habe war ich *hellaufbegeistert*, leider scheint hier Microsoft - wie bei vielen Dingen - am Trend vorbei gesegelt, statt hart am Wind zu bleiben. Das Dingen ist einfach nicht nutzbar, viel zu oft erkennt es die Finger nicht und die Erkennung und Integration von Handys und sg. Visitenkartenerkennung sind trotz verfügbarer Technik eine nur mäßig umgesetzte Spielerei. Unabhängig davon ist der Preis für so einen Tisch im Reisebüro nicht tragbar. Ein 32 Zoll Touchscreen ist deutlich günstiger! http://en.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Surface

von Oliver Drägert, 28.05.10, 15:43
Jetzt gibt es auch ein Video der AIDA iPad App. Die ersten Reisebüros haben bereits iPads mit der App. http://www.youtube.com/watch?v=qB-mSzTnLSg

von Rainer Melhausen, 03.06.10, 16:32
Wir haben nun seit 4 Tagen das AIDA iPad im Einsatz. Ein Hingucker im Verkaufsgespräch, Routenpläne, Deckspläne, Kabinen- und Schiffsrundgänge uvm. auf Knopfdruck. Zumindest AIDA Neukunden bzw. Interessenten kann man damit schön begeistern... Und unsere Flugreise Kunden sprechen uns teilweise darauf an, wenn das iPad als digitaler Bilderrahlem auf dem Counter steht. Was will man mehr...

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