Insolvenz

Spanair: Was jetzt alles passieren muss

Das hätte nicht passieren dürfen: Das bemerkenswert spontane Aus von Spanair wirft Fragen auf, die Verbraucherschützer und die EU-Kommission genüsslich ausschlachten werden. Die Luftfahrt, allen voran die Star Alliance und der Spanair-Gesellschafter SAS, sind gut beraten, schnell Lösungen zu finden.

von Dirk Rogl, 30.01.2012, 13:24 Uhr

Von Pan Am bis Sky Europe, von TWA bis Hamburg International – die Liste spektulärer Airline-Insolvenzen ist lang. Jeder Niedergang einer Fluggesellschaft hat ihre eigenen Regeln. Doch ein paar Dinge sind gleich: Die meisten Insolvenzen sind im Vorfeld absehbar. Das war im Falle Spanairs leider ganz anders. Gewiss, dass der Carrier seit dem dramatischen Absturz von Madrid im Sommer 2009 und dem Ausstieg von SAS als Mehrheits-Gesellschafter nicht auf Rosen gebettet war, ist hinreichend bekannt. Dass die Airlines am Wochenende aber ohne Vorwarnung ihren Flugbetrieb einstellt, ist ein ziemlich einmaliger Vorgang.

Noch immer ist unklar, ob und wann die Airline das Insolvenzverfahren eröffnet. Dass sie ohne diesen Schritt überhaupt den Betrieb eingestellt hat ist – höflich gesagt – bemerkenswert. Der Carrier, der sich mehrheitlich im Besitz des spanischen Investment-Fonds Iniciatives Empresarials Aeronautiques befindet, hatte im Markt einen großen Vertrauensvorschuss. Schließlich ist Spanair Mitglied des weltweit führenden Luftfahrt-Bündnisses Star Alliance. Und obwohl die Ex-Mutter SAS nur noch einen 10,9-prozentigen Minderheitsanteil an der Fluglinie hält, so ist sie doch eng vernetzt mit ihrer Ex-Tochter.

Für die Star Alliance und ihre renommierten Mitglieder ist das Ende von Spanair ein Super-GAU. Noch immer gibt es keine gesicherten Informationen, wie das Bündnis mit der Situation umgeht. Auf der Star-Alliance-Homepage blinkt nach wie vor das Spanair-Logo. Ganz anders sieht es auf Spanair.com aus. In knappen Zeilen verweist die Airline in ihrem aktuellen Statement darauf, dass nicht einmal bei Code-Share-Flügen mit Star-Alliance-Partner die Beförderung von Spanair-Passagieren garantiert ist.

Dies freilich wird in den meisten Fällen so sein. Spanair-Kunden können mit hoher Kulanz rechnen. Und de fakto ist die Quasi-Pleite ein eher innerspanisches Problem. Von den 22.000 gestrandeten Passagieren am Wochenende sollen dem Vernehmen nach nur wenige hundert auf internationalen Strecken unterwegs gewesen sein. Kulanz wird es auch seitens der Luftfahrt-Organisation Iata geben, die zurzeit mit Spanair über einen Modus für die Rückerstattung bereits gebuchter Tickets verhandelt.

Vieles spricht dafür, dass die Iata hier eine Art Rettungsschirm aufspannt und sich die Kosten für die Refunds bestmöglich von Spanair zurückholt. Letzteres mag unter Umständen ein mühsamer Prozess werden, der den betroffenen Kunden dann aber erspart bleibt. Wenig erspart bleibt den Reisebüros, denen Spanair die Rückerstattung von bar bezahlten Tickets überlassen möchte. Es dürfte nicht lange dauern, bis der Vertrieb erklärt, dass er diese Arbeit allenfalls aus Kulanzgründen macht und dazu nicht verpflichtet wäre.

Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis Spanair erklärt, wieso man ohne Insolvenz einfach den Flugbetrieb einstellt. Und vermutlich wird die Europäische Kommission recht zeitnah erklären, dass man die Vorbereitungen für einen Insolvenzschutz von Flugtickets analog zum Pauschalreise-Recht nun zügig vorantreiben wird. Mit entsprechenden Forderungen von Verbraucherschutz-Organisationen ist erfahrungsgemäß binnen kürzester Zeit zu rechnen. Spätestens damit hätte Spanair der gebeutelten und bis dato äußerst zuverlässig arbeitenden europäischen Luftfahrt einen echten Bärendienst erwiesen. Der Ausfall von Spanair ist ein Systemfehler, der so nicht hätte passieren dürfen.

Kommentare

von term paper writers, 02.02.12, 21:02
In my opinion it's really quite strange and not very good and profitable situation to cope with!

von resumes, 05.02.12, 22:14
That's a really great idea of the article! Thanks for sharing it very much

von Pitter, 09.02.12, 13:45
http://www.mallorcazeitung.es/lokales/2012/02/02/ryanair-chef-oleary-provoziert-spanair-mitarbeiter/22669.html wielange hofieren wir solche Menschen mit unseren Subventionen auch auf deutschen Flughäfen? Es wird Zeit, dass hier eine stärkere Kontrolle der Subventionspolitik stattfindet, und wenn sie weitergehen soll, da nur aus eigenen Kasse der Flughäfen, die wiederum auch nur ohne ebensolche überlebensfähig sein müssen.

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