Imagekampagne

Der KGV kümmert sich

Die Reisebüro-Imagekampagnen des DRV waren – freundlich formuliert – ein Tropfen auf den heißen Stein. Nun versucht es der DRV mit noch weniger Geld, dafür mit Spontanität und guten Argumenten. Der richtige Weg?

von Dirk Rogl, 18.08.2010, 14:28 Uhr

Als der "Kümmerer" vor knapp vier Jahren das Licht der Welt erblickte, gab es bedauerlicherweise noch keinen fvw-Blog. Es wäre wohl ein gefundes Fressen für unsere Kommentatoren gewesen. Denn das Leitmotiv der ersten Imagekampagne der Reisebüros generierte zumindest gefühlt deutlich mehr Häme als loyale Neukundschaft am Counter.

Hübsche Wortschöpfungen wie "Kümmerer", "Pro Reisebüro" und "Hier werden Sie geholfen" sind Geschichte. Gleiches gilt für die gebetsmühlenartigen Aufrufe der DRV-Spitze, die markenneutrale Kampagne finanziell zu unterstützen. Auch sie haben wenig gefruchtet. Umso erstaunlicher ist eine kompakte Meldung des DRV vom heutigen Tage. Der Reise-Verband wolle die Veranstalter-Reise stärken und stellt Verkaufsunterstützung bereit. Motto: "Reisen macht reich."

Beflissentlich verzichtet der DRV in seiner Pressemeldung auf das Wort "Kampagne" und nennt auch nicht den Etat, der Gerüchten zu Folge höchstens ein Prozent der letzten Image-Kampagne ausmachen dürfte. Dafür gibt es auch keine langen Vorlaufzeiten mehr. Die Reisebüros erhalten einen einprägsamen Slogan, Werbevorlagen, Textbausteine für Mailings und Argumentationshilfen für Verkaufsgespräche und können damit nach eigenem Gusto glücklich werden.

Der Zeitpunkt ist günstig und der Slogan wunderbar doppeldeutig. Denn in den Wirren des Vulkanausbruchs waren es eindeutig die Veranstalter-Kunden, die häufig ohne orbitante Mehrkosten ihren Urlaub verlängern oder auf sicherem Weg in die Heimat fliegen konnten. "Wir wollten diesen Imagegewinn für die Pauschalreise nachhaltig nutzen", sagt DRV-Vizepräsident Ralph Osken, der die Spontan-Aktion des Koordinations Gremiums Vertrieb (KGV) im DRV mit organisiert hat.

Keine Frage: Der KGV kümmert sich. Und er tut es herzerfrischend spontan. Für mich ist allein das schon ein echter Imagegewinn. Aber kann dies das Image des Reisevertriebs und der Veranstalterreise nachhaltig beflügeln? Ich freue mich auf Ihre Meinung.

Kommentare

von CaptainJarek, 18.08.10, 15:29
Nein, kann es ( leider ) nicht. Dafür sind weder die Texte ( den Slogan vielleicht noch ausgenommen ) noch Fotos einprägsam und frisch genug. Das ganze wird - wie beim Altherren-Club DRV in den letzten Jahren leider in schönster Regelmäßigkeit vorgeführt - wieder ein klassischer Rohrkrepierer werden. Getreu dem Motto: Gewollt ... aber nicht gekonnt.

von Frank Dost, 18.08.10, 16:26
Vom Ansatz zu begrüßen, aber doch nicht mit diesen Bildern! Ein Mensch (Vater?) der sich gefühlsmäßig konträr zur Stimmung des Kindes (Tochter?) darstellt. Und zwei Senioren, fiel mir spontan beim anderen Bild ein, die dem, sicherlich verdienten, Lebensabend entgegensehen. Toll, welches Gremium hat bloß diese Bilder ausgesucht?

von Wolfgang Hoffmann, 18.08.10, 18:02
Institutionen stören da nur. Den größten Erfolg für die echten, für die stationären Reisebüros und nebenbei auch für die Veranstalterreisen hatten die Reisebüros, die sich auf kurzem Wege verständigt haben, kurz diskutiert haben, was sie den Lokalredakteuren sagen sollen, die nahezu alle zur Zeit der Vulkanaschewolke in den Reisebüros vor Ort herumgefragt hatten, ob man auch gestrandete Kunden irgendwo in der Welt habe. Das war effektive Vor-Ort-PR, wo sich die angeschlossenen, die vernetzten Reisebüros abgesprochen haben. Unbemerkt vom DRV war hier etatlos und below-the-line das angesprochen worden, was ausgesagt werden soll. Slogans haben die Redakteure dann werbewirksam selbst kreiiert. Bei uns stand z.B. auf Seite 2 der lokalen Samstagsausgabe: "Tag und Nacht für Urlauber da".

von Herbert, 19.08.10, 18:23
Dieses leidige Gemeckere über den DRV kann man bald nicht mehr hören. Der Verband kann doch nur so gut sein, wie ihn die Mitglieder haben wollen. Wenn aber die Mehrzahl der Branche nur Trittbrettfahrer spielt anstatt dem Verband beizutreten UND mitzumischen - ich vermute wohl zurecht, dass die meisten Meckerer KEIN Mitglied sind - dann verspielen sie ihr Recht, sich über die Aktivitäten des Verbands aufzuregen. Vom ASR ist hier ja nie die Rede - der spielt ja auch unter Ausschluss der Branchenöffentlichkeit. Und "Altherren-Club"? Warum stellen selbst die Mitglieder keine, bzw. zu wenig junge Akteure in den Dienst des Verbandes? Jetzt stehen wieder Vorstandswahlen an; aber wo sind die jungen Kandidaten? Kein Branchenverband wird es ALLEN rechtmachen können, das können höchsten Nischenverbände, die aber kaum irgendwo Gehör finden (z. B. der Busch-ASR). Der BTW ist erst recht keine Alternative; er findet schließlich nur als ziemlich substanzloses Schaulaufen der Branche ohne jemals erkennbare Nachwirkung auf dem jährlichen Tourismusgipfel statt. Aber ganz ohne Lobby geht es nicht. Da müsste der DRV vielleicht mal eine Aufklärungskampagne starten, damit seine tatsächlichen Leistungen (jawohl, die gibt es reichlich!) überhaupt mal aktiv registriert und nicht nur passiv als Selbstverständlichkeit angenommen werden. Und um Mißverständnissen vorzubeugen: ich bin weder Vorstandsmitglied noch Mitarbeiter des DRV!

von CaptainJarek, 19.08.10, 18:41
Stimmt. Ich bin - gottlob - kein Mitglied im DRV. Wenn ich´s wäre, dann würde ich mich noch viel mehr aufregen und ärgern über die Jungs und Mädels am Ruder. Es hat auch nach meinem Dafürhalten keinerlei Sinn dort a) Mitglied zu sein und b) auch noch bei den Wahlen zu kandidieren. Dafür ist der Verband über die Jahre viel zu unflexibel und steif geworden, geradezu verkrustet. Das ist nicht ( mehr ) zu ändern, ist nicht mehr wirklich im Sinne des Vertriebes reparabel. Mittelfristig kann es für den Vertrieb nur den Weg geben einen anderen Verband ( ggf. gar einen gänzlich neuen ) zu unterstützen und mitzuprägen. Der DRV ist in seiner aktuellen Säulenarchitektur zum Scheitern verurteilt und wird schon in den nächsten Jahren den Weg allen Lebens nehmen. Ich für meinen Teil werde ihm keine Tränen nachweinen.

von Herbert, 19.08.10, 19:48
@CaptainJarek: Im Sinne "des Vertriebs"? Ja, von welchem denn? Es gibt nun mal längst mehrere Vertriebe, die letztendlich das gleiche machen wollen: Reisen verkaufen - in gegenseitiger Konkurrenz natürlich, so ist nun mal unsere Wirtschaftsordnung. Nun kann sich ja jede Vertriebsart ihren eigenen Verband stricken , aber glauben Sie ernsthaft, dass die Politik und die dominierenden Leistungsträger bereit sind, sich mit jedem einzelnen Verband individuell auseinanderzusetzen? Der ASR ist dafür ein gutes Beispiel: wer nimmt denn den wahr, geschweige denn ernst? Klar, auch der DRV kann keine Maximal-Wunsch-Rahmenbedingungen der Branche durchsetzen, aber er nimmt hinter den Kulissen Einfluss darauf, auch wenn die Ergebnisse niemals jeden der von unterschiedlichen Interessen geleiteten Akteure zufriedenstellen kann. Und abgesehen davon: die Problematik setzt sich bei der EU in Brüssel fort, denn von dort werden ja bereits 80% der nationalen Regelungen vorgegeben, und auch dort ist der DRV präsent. Was glauben Sie, was in der Branche los wäre, wenn sie überhaupt keine Lobby-Arbeit mehr betreiben würde? Sie, sehr geehrter Captain, profitieren - auch wenn Sie's weder zugeben noch merken werden - von dieser Lobbyarbeit, und wenn Sie darunter zu leiden glauben, dann rate ich Ihnen, sich mal sachlich statt polemisch mit den Realitäten beschäftigen. Merke: Nicht von jedem Lobby-Arbeitserfolg profitieren die Begünstigten so "öffentlichkeitswirksam" wie die Hoteliers von deren Lobbyisten - die mit ihrem Druck bei den Koalitionsverhandlungen allerdings sogar ihre Hauspartei FDP fast an den Rand des politischen Abgrunds brachte.

von CaptainJarek, 19.08.10, 20:10
Ach Herbert, im Grunde hätten Sie ja mit Ihrem Beitrag an vielen Stellen nicht unrecht, wenn ... ja wenn der DRV nicht so unsäglich schlechte Arbeit leisten würde! Ich glaube wir sind uns beide einig, dass ein Verband dieser Größe - stellvertretend für einen derart hohen Anteil an volkswirtschaftlichen Faktoren unserer Wirtschaft stehend - pro Jahr bestimmt ein halbes Dutzend richtig "heiße" Eisen anfassen und öffentlichkeitswirksam in seiner Lobbyarbeit abarbeiten sollte, oder? Und jetzt nennen sie mir spontan einfach mal ... sagen wir mal ... drei (!) Themen bei welchen Sie den DRV im Jahr 2010 außerhalb der erlesenen Touristikerkreise wirklich in der Öffentlichkeit wahrgenommen haben. Nur läppische drei Stück! ... ist schwierig, gell? Selbst eine solche Steilvorlage wie der Aschewolke im Frühjahr wurde nicht eingenetzt und kläglich vergeben. Oder haben Sie tagein, tagaus Sprecher und Vertreter des DRV in den Fernsehnachrichten, den Zeitungsberichten oder Talkshow in Funk und Fernsehen gesehen? Ich nicht! Bei Schweinegrippe und Co. äußert sich selbst der Apothekerverband Kleinbirnbachs und ähnliche "Experten" rund um die Uhr überall. Nur in der Touristik ist es nicht möglich, obwohl zehntausende Deutsche betroffen waren und das Thema tagelang in aller Munde war. Jedes Reisebüro, jeder halbwegs gescheite Veranstalter etc. haben ihre PR in dieser Zeit selbst in die Hand genommen. Oft in kleinerem Rahmen, aber für´s Image häufig überaus erfolgreich. Der DRV war da weder seinen Mitgliedern noch dem Rest der Branche eine Hilfe. Und jetzt sagen Sie mir bitte noch einmal, dass der DRV in seiner aktuellen Besetzung und Struktur wünschenswert und vor allem unterstützungswert ist ...

von Herbert, 19.08.10, 20:41
@CaptainJarek: Gute Fragen, aber ich ja nicht die PR-Abteilung des DRV. Ich gehe mal davon aus, dass der DRV - wer auch immer dort - diesen Blog ebenfalls liest oder dass evtl. Dirk den DRV auf diese blog-conversatuion aufmerksam macht und ihrerseits um Antworten bittet. Gerade vor dem anstehenden DRV-Jahrestagung mit Wahlen sollte der DRV dazu Stellung beziehen. Das wäre dann sicher in unser beider Sinne, nicht wahr? Vielleicht haben wir ja eine fruchtbare, hoffentlich aufklärende Diskussion angestossen.

von Hans-Gustav Koch, 20.08.10, 11:12
Lieber Captain Jarek, ich lade Sie herzlich ein, einen Tag in der Geschäftsstelle des Deutschen ReiseVerbands zu verbringen, damit Sie sich ein Bild davon machen können, was der DRV tagtäglich alles für seine Mitglieder und die Branche tut und was er so alles erreicht. Einiges von dem, was hier geleistet wird, ist vergleichbar mit der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. Vordergründig scheint es für den Anwender keinen direkten Nutzen zu bringen. Würde diese Grundlagenforschung jedoch nicht betrieben werden, so gäbe es auf lange Sicht keine Entwicklung. Dass heißt, wir als Verband sehen eine unserer Aufgaben darin, den Boden zu bereiten, damit Sie Ihr Geschäft weiter erfolgreich tätigen können. Eine weitere Aufgabe des Verbands besteht darin, negative Auswirkungen für die Branche zu vermeiden. Dadurch dass aufgrund der Lobbyarbeit des DRV manche gesetzlichen Vorhaben verhindert werden können, trägt der Verband dazu bei, dass die Rahmenbedingungen sich nicht grundlegend ändern, so dass Sie Ihr Geschäft auch in Zukunft weiter betreiben können. Sie sind herzlich eingeladen, Ihre Ideen in die Verbandsarbeit einzubringen. Ihre Anregungen, Ihre konstruktive Kritik und Ihre Erfahrungen können uns bei unserer täglichen hilfreiche Unterstützung leisten. Hans-Gustav Koch Hausptgeschäftsführer Deutscher ReiseVerband

von Wolfgang Hoffmann, 20.08.10, 13:10
Hallo Herr Koch, Sie wiederholen allerdings auch nur, wofür ein Verband stehen sollte, der die Touristik gegenüber wem auch immer vertritt. Einzelbeispiele sollen wir uns jetzt irgendwo vor Ort selbst besorgen. Warum ballern Sie uns denn jetzt nicht mit Beispielen zu, die alle die "Meckerer" (unmögliche Beleidigung!) für immer und ewig verstummen lassen? Liegt es vielleicht daran, dass es nichts spektakuläres gibt, wo der Vertrieb mal auf die Knie fallen könnte vor dem DRV? Oder liegt es daran, dass sich der DRV selbst ausbremst, dass man hauptsächlich damit beschäftigt ist, dass die Säulen immer gut aufgestellt sind? Mir fallen ein paar Namen ein, die ab und an auftauchen, wo ich denke hui, das klingt engagiert (ja, mitunter auch Herr Laepple), aber insgesamt ist es zu wenig, was uns da an Erfolgsmeldungen erreicht. Das Engagement von Frau Hieke, die gefühlte 2 Jahrhunderte jeden Tag vom Podium heruntergewettert hat, dass der TUI-Malus weg müsse, - hat Ihr Engagement es erreicht? Nein, unsere Sturheit, unser fast aufrührerischer Protest hat es geschafft, dass man sich in Hannover mal zurückbesonnen hat. Oder Frau Hummels Engagement gegen Rabatte in der Touristik? Nicht einmal Payback hat sie verhindern können! Und von dem neuen Mantra, dass Online & Offline "zusammengehören", da möchte ich überhaupt nicht anfangen, sonst passt mein Hals nicht mehr hier in den Blog! Alles, was unserer Reisebüroseite aus den DRV betrifft, das wird nebenberuflich, neben der Führung eigener Reisebüros von den Mitgleidern-in-Funktion geleistet. Bei den anderen Säulen, den Veranstaltern und Leistungsträgern gehört doch das Verbandsengagement zum Berufsbild der jeweiligen Führungskräfte und Manager. Es ist Teil ihres Jobs, sich im DRV zu engagieren. Und da liegt die Crux. Der "Reise"-Verband war noch nie ein Reisebüroverband, er war immer der Kompromiss von teilweise entgegengesetzten Interessen. So langsam nivelliert sich das zwischen den Handelsherren und den Reisebüros wieder etwas. Gespräche scheinen möglich, um eine gemeinsame Zukunft zu gestalten. Vielleicht gibt es ja demnächst mehr Treffen unter den Säulen. Aber lassen Sie es sich sagen, es gibt seit etlichen Jahren schon eine richtige Interessenarbeit, die bei den einzelnen Reisebüros liegt. Es haben sich Netzwerke gebildet, die selber spindoctorn, die selber Lobby sind, die wissen, wie sie sich in die Öffentlichkeit bringen. Und mitunter solles sogar Kopperationen geben, die dieses Engament der Basis fördern. Wenn den DRV das interessiert, ich lade Sie gerne ein, sich das mal einen Tag lang anzuschauen.

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