Holidaycheck

BND, übernehmen Sie!

Hotelbewertungen sind wieder ins Gerede geraten. Und jetzt sollen sogar die Geheimdienste ermitteln. Die fvw beschränkt sich da lieber auf das gute alte Gespräch und holt die Beteiligten an einen Tisch.

von Arndt Aschenbeck, 25.08.2011, 18:17 Uhr

Vorab ein Geständnis: Langsam gehen mir die Anekdoten und Bilder aus, wenn ich über das Thema Hotelbewertungen schreibe. Ich habe an dieser Stelle schon die Geschichte vom Bestattungsunternehmer erzählt, Don Quichotte und seine Windmühlen bemüht, den Sturm Wasserglas heraufbeschworen und wurde in einem Kommentar mit Shakespeare verglichen. Danach kann eigentlich nichts mehr kommen.

Und doch sehe ich mich gezwungen, wieder in die Tasten zu hauen. Schließlich läuft die Diskussion über die Hotelbewertungen gerade wieder zur Höchstform auf. So haben die Kollegen von Tophotel wieder einmal ein paar interessante Details über vermeintliche Fake-Bewertungen zusammen getragen und stellten die Bewertungsportale zum wiederholten Mal – und dieses Mal sogar in der Überschrift – an den Pranger. Kronzeuge ist das englische „Verbraucher“-Portal Kwikchex, das angeblich 3000 Fälle von manipulierten Kommentaren in den vergangenen zwölf Monaten nachgewiesen haben will. Was liegt da näher, als das FBI zu offiziellen Ermittlungen aufzufordern? Apropos: Hat eigentlich schon jemand beim BND angerufen, um Holidaycheck mal auf die Finger zu schauen? Oder wäre da nicht eher der Schweizer Geheimdienst zuständig, falls es so was dort überhaupt gibt. Schließlich sind die Eidgenossen ja neutral. Wer Lust hat, kann das ja mal googeln.

Unterstützung bekommt Kwikchex vom Recherchedienst Hotelpinnwand.de. Der hat vier putzige Bewertungsschreiber aufgetan. Der eine schrieb in sieben Jahren 32.000 Hotelkritiken, zwei anderen zusammen 56.000 in ein paar Jahren, ein Niederländer kam immerhin auf 23.400. Zugegeben, das kommt selbst mir spanisch vor. Aber wenn die halt sonst keine Hobbies haben? Kann doch sein. Der eine züchtet Orchideen, der nächste sammelt Briefmarken, und diese Menschen schreiben halt gerne Hotelbewertungen.

Dann hat HRS diese Woche noch den Start seiner Freitext-Bewertungen bekannt gegeben. Und die Hoteliers dürfen wie bei Holidaycheck kommentieren. Zusätzlich bietet HRS einen Ratgeber zum richtigen Umgang mit Gästebewertungen an und erläutert, wie Hoteliers den neuen Service am besten einsetzen können.

Da will Holidaycheck offenkundig nicht nachstehen. Heute landete eine Mitteilung in meiner Mailbox, dass die Schweizer es nicht bei einem schriftlichen Ratgeber belassen, sondern ein Live-Training anbieten, das von den „neutralen Fachleuten“ von der Tourismuspartner GmbH durchgeführt wird. Das Training ist in Basic und Advanced aufgeteilt und findet direkt in den unterschiedlichen Tourismusregionen statt.

Da passt es gut in die Zeit, dass es in der kommenden fvw-Ausgabe, die morgen erscheint, ein Streitgespräch zwischen Holidaycheck-CEO Jörg Trouvain und Oliver Winter von A&O Hotels gibt. Und ich verrate Ihnen jetzt schon mal ein Geheimnis: Der BND war bei dem Gespräch nicht dabei ...

Kommentare

von Knud Hanssen, 25.08.11, 21:20
Herr Aschenbeck, nehmen Sie es mir nicht uebel, aber ein Blog-Artikel sollte kein Werbeartikel sein, sondern informieren.

von Arndt Aschenbeck, 25.08.11, 23:15
Herr Hanssen, bei nochmaligem Durchlesen des letzten Absatzes muss ich gestehen: Ihr Einwand ist durchaus verständlich. Da habe ich den Cliffhanger zum Heft doch wohl ein wenig übertrieben. Deshalb habe ich ihn noch mal geändert. Was die Infos aus dem Streitgespräch angeht, muss ich dennoch aufs Heft verweisen.

von Horst, 26.08.11, 09:52
Etwas überrascht bin ich über die Player, die hier genannt werden. "Kwikchex", "Hotelpinnwand.de" - alles Unternehmen, die unterhalb des Radars fliegen und vielleicht etwas Aufmerksamkeit benötigen? Oder PR? ;-) Und wir alle glauben, dass ein Mensch 12,5 Hotelbewertungen über 7 Jahre JEDEN Tag geschrieben haben soll? Was ich in der Diskussion vermisse ist ein Verweiß auf Bewertungen, die wirklich nur von Reisenden abgegeben werden können, so wie es z. Bsp. Thomas Cook macht. Wer nicht dort war, kann gar nicht bewerten weil das Tracking über ID's läuft. Und 32.000 Buchungen und Abreisen in 7 Jahren sind definitiv nicht machbar ;-) Ansonsten ist das Thema langsam durch, holidaycheck gibt nach wie vor eine Orientierungshilfe bei Hotels (und ja, ich habe mich auch schon mal auf hc-Bewertungen verlassen und es war ein Reinfall), mehr eben auch nicht... Das hc gegen unister gerade kräftig abmahnt wäre mal genauer zu durchleuchten.

von Michael, 26.08.11, 10:53
Im Reigen der zweifelhaften Kundenbewertungen scheint sich holidaytest.de gerade etwas aus der 1. Reihe zurückzuziehen, hab sie zumindest in Google Adwords nicht gefunden. Aber schön ist doch immernoch die Hotelbewertung mit 5 von 5 Punkten in allen Kategorien außer Skilift, aber inkl. hochwertigem Strand!

von barthel.eu, 26.08.11, 11:30
"Der BND war bei dem Gespräch nicht dabei ..." Ja. Klar...

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