Holidaycheck

Achtung, diese Meldung könnte gefälscht sein!

Jede dritte Hotelbewertung im Internet ist gefälscht, sagt das ZDF. Dies ist keine Hotelbewertung, sondern mein dritter E-Blog seit Juni. Bleiben wir lieber bei der Wahrheit.

von Dirk Rogl, 05.07.2013, 15:45 Uhr

Sommerzeit ist Reisezeit. Wenn die Posteingänge und Terminkalender in den Publikumsmedien auf Minimalgröße schrumpfen ist die große Zeit für Reisethemen. Das gilt auch für renommierte Medien wie das "heute-journal" im ZDF. Viele Hotelbewertungen seien gefälscht, ließen die Mainzelmännchen gestern zur Primetime wissen. Noch deutlicher die Zusammenfassung im Internet: "Jede dritte Hotelbewertung ist gefälscht", heißt es dort. Alarm!

Manipulierte Hotelbewertungen sind immer wieder ein sensibles Thema. In der fvw und in diesem Blog haben wir über die Segnungen von "Student Generated Content" berichtet, allerdings auch über die intensiven Bemühungen von Holidaycheck & Co, mittels ausgeklügelter Technik und aufwändiger Nachlese den Reputationsbetrug in engen Grenzen gehalten. Meine klare Meinung: Auf relevanten Meinungs-Portalen ist die Zahl der gefälschten Bewertungen deutlich einstellig, größtenteils sogar sehr deutlich.

Viel genauer weiß das wohl niemand. Auch nicht der, der beim ZDF Pate für die sichtlich zugespitze Aussage stehen musste. Prof. Dr. Roland Conrady, einer der renommiertesten Akademiker im deutschen Travel Commerce, glaubt nämlich selbst nicht, dass ein Drittel der Hotelbewertungen gefälscht sind. Gegenüber der fvw betont er noch einmal das, was er auch dem ZDF in die Kamera gesagt hat. "Bis zu einem Drittel der Bewertungen können irreführend oder einseitig dargestellt sein", sagt er. Fake ist davon jedoch nur ein Bruchteil.

Viel häufiger gehe es um Bewertungen, die allein einen zumeist emotionalen Teil eines Hotelangebots betrachten, ohne damit ein Gesamturteil über den Hotelaufenthalt zu geben. Hübsche Beispiele sind Meckereien über schlechtes Essen oder ein Sonderlob für den charmanten Barkeeper. Die Wissenschaft hat sogar einen Namen hierfür: Attribut-Dominanz-Effekte, der mit häufig nur einem Merkmal alle anderen Indikatoren überlagert und eben nicht den Gesamteindruck eines Kunden wiederspiegelt, obwohl exakt danach gefragt ist.

Die gestern vom ZDF zitierte Studie ist übrigens im März 2012 veröffentlicht worden. Die Frage nach der Anzahl der Fakes wird dort überhaupt nicht behandelt. Es geht allein um die Erfahrungen der Hotels mit Hotelbewertungen. 54,6 Prozent hätten noch nie Probleme mit Fakes gehabt, heißt es dort. Immerhin 26,4 Prozent geben an, dass sie ihre Konkurrenz dem Schreibungen falscher Bewertungen bezichtigen. Wie viele Fälschungen sich tatsächlich in Holidaycheck, Tripadvisor & Co eingeschlichen haben, wirssen wir vielleicht in 2014. Mit einer neuen Studie will Roland Conrady Licht ins Dunkel bringen. Mit Studenten feilt er derzeit an einer schlüssigen Methodik. Keine leichte Aufgabe, aber die Zeit ist reif.

Kommentare

von Dominik | onmari.com, 05.07.13, 16:13
Die Zeit ist reif, fürwahr. Es schwirren einfach zu viele gefühlte-gewünschte-dramatisierte-erhoffte Zahlen über die Zahl von "Fakes" - also nicht von Hotelgästen geschriebene Bewertungen durch den Raum. Meine Erfahrung seit mehreren Jahren: alles halb so heiß wie es gekocht wird. Aber dieser Eindruck ist genauso subjektiv wie die irreführenden Meinungen, die dem Attribut-Dominanz-Effekt erliegen (das wiederum habe ich auch schon häufiger gesehen). Also: zeit für valide Daten - ich bin gespannt!

von Roland Delion, 05.07.13, 17:02
Was ist denn das eigentlich für eine Meldung? Eine Studie aus dem Jahr 2012 im Juli 2013 zu zitieren. Brauchen die vielen Mitarbeiter des ZDF so lange, um eine Studie zu einer Meldung zu verarbeiten. Darüber hinaus frage ich mich, wer neben mir auch der Meinung ist, dass Meldungen die der Branche schaden, etwas entgegen zu setzen ist. Um echte Bewertungen wahrzunehmen, empfehlen wir Social Media Monitoring zu betreiben.

von Dietmar, 05.07.13, 17:17
Im Sommer werden nicht nur die Filme zum dritten Mal wiederholt, sondern auch die Beiträge in den Magazinen. Durch Zufall habe ich die Sendung gesehen. Ausser im Sendungstitel kam nichts mehr zu dem Thema, nicht einmal eine gefälschte Statistik.

von Michael Buller, 05.07.13, 18:01
Wenn 1/3 gefälscht wäre.....aller Bewertungen....dann wäre auch 1/3 der Buchungen gefälscht?....denn die meisten sichtbaren Bewertungen auf den OTA komme nur zu stande wenn eine Buchung statt gefunden hat (Traveltainment). Sommerloch oh Sommerloch!

von Wolfram Schneppe, 06.07.13, 11:34
Komme gerade von mehreren kleinen Reisen aus Mittelmeerdestinationen zurück. Viele Hoteliers brüsten sich unter vier Augen damit, dass sie tagtäglich ihr Hotel schönschreiben. Und das Nachbarhotel schlecht. Soviel dazu.

von Skeptiker, 08.07.13, 09:27
Ihr Beitrag ist keine Kollegenschelte, Herr Rogl, aber offenbar sehr begründete Kollegenkritik! Ist aber bestimmt kein Einzelfall in der Publikumsmedienlandschaft, sich die Nachrichten so hinzuformen, wie man's gerade braucht. Die Meldung und das Conrady-Statement betreffen übrigens sozusagen die Anbieterseite. Interessehalber: Wurde auch die Nachfrageseite mal entsprechend untersucht? Ist es tatsächlich so, dass es im Volk verbreitete Zweifel an Hotelbewertungen gibt? Wenn nein, wäre das ja auch schlimm, oder? Und wenn ja: Beruht diese Zweifel auf diffusen Vorurteilen oder ist das gelebte Medienkompetenz? Immerhin lesen die Leute ja nicht nur Bewertungen, sondern schreiben auch selbst welche. Das Zitat, bei dem Prof. Conrady dem Anschein nach Wert darauf legt, dass es als sein Originalzitat bekannt ist, ist bei näherer Betrachtung natürlich eine Nullaussage: "Bis zu einem Drittel der Bewertungen können irreführend sein!" Keine prüfbare Aussage, nichts, durch das "bis" und den Konjunktiv ein völlig leerer Satz. Mit jedem anderen Zahlenwert statt 1/3 würde das genauso "stimmen". Und auch das Gegenteil ("Mindestens 2/3 können nicht irreführend oder einseitig sein" oder, wahlweise "sind nicht") würde nur dann eine gültige Aussage sein, wenn man (bei "sind nicht") eine hinreichend große Stichprobe mit der Realität in den Hotels verglichen oder (bei "können nicht") die Methodik der Portalbetreiber detailliert untersucht hätte. Wenn das so gemacht wurde, ist es ja gut, andernfalls ist die Meldung sogar doppelter Mist: Die unzulässige Zusammenfassung einer leeren Aussage. Ich nehme aber an, dass Herr Conrady dabei gelernt hat, dass man der Presse die Schlagzeilen und Abstracts selbst vorformulieren muss, wenn man auf inhaltlich richtige Wiedergabe Wert legt. Sonst passiert halt sowas wie das hier. p.s. @Herr Schneppe: "Viele" Hoteliers heißt sicher "viele unter denjenigen", die Sie gesprochen haben. Und, wieder interessehalber: Haben die das auch von den deutschsprachigen Sites gesagt? Und haben Sie mit diesem Insiderwissen die Bewertungen dieser Hotels dann mal stichprobenartig auf Auffälligkeiten überprüft?

von Svea, 08.07.13, 17:53
Ein wirklich spannendes Thema! Valide Zahlen würde auch ich mit großem Interesse lesen, fürchte aber, bis es welche gibt, wird noch viel Zeit ins Land gehen. Zufällig haben meine Kollegen und ich uns vor wenigen Wochen auch mit der Thematik beschäftigt und eine Checkliste angefertigt, die bis dahin dabei helfen kann, gefälschte Bewertungen zu erkennen. Es ist zum Beispiel interessant zu wissen, ob nicht registrierte Nutzer auf einem Portal bewerten dürfen. Bei Interesse findet ihr weitere Merkmale falscher Bewertungen hier: http://www.sparwelt.de/shopping/ratgeber/sterne-richtig-deuten-achtung-bei-gefalschten-bewertungen-im-netz

von Auch ein SEO, 19.07.13, 00:31
@ Roland Delion: Bewertungen bei Holidaycheck oder Tripadvisor haben mal so rein gar NICHTS mit Social Media Monitoring zu tun, aber mal gar NICHTS. Plumper Versuch, über niedrigstes Bullsh..t-Bingo hier seine fragwürdigen Dienstleistungen anzupreisen. Zum Thema: Kurz und knackig - Es ist NICHT möglich, gefälschte Bewertungen sicher auszuschliessen. Wird es NIE sein. Aus eigener Erfahrung von der "anderen Seite" sei sogar obendrauf gesagt: Bei Testläufen wurden von unbeteiligten Personen eher noch die echten Kundenwertungen für Fakes gehalten, als die tatsächlich Gefälschten! Die Methoden werden immer ausgefeilter - und gleichen dem Verhalten echter Bewerter nahezu 100%.

von Roland Delion, 19.07.13, 08:41
@ Auch ein SEO: Sie scheinen eher zu der Sorte Menschen zu gehören, die lieber aus der letzten Reihe zwischen zurufen. Menschlich eher zweifelhaft ist die Tatsache, dass Sie hier Anfeindungen machen, ohne sich namentlich erkennen zu geben. Darüber hinaus ist die Diskussion hier seit einer Woche gelaufen.

von Uwe, 15.06.15, 10:43
Hatte mal so ein ähnliches Problem. Hab mir Kundenbewertngen angeguckt und es waren überwiegend gute da. Aber als ICH dort ankam war ich eher geschockt. Das Hotelzimmer war echt für diesen Preis nicht zumutbar. Seitdemglaube ich kaum noch Kundenbewertungen oder bin um einiges Vorsichtiger

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