Hochschulen

Sind Sie studierter Touristiker?

Lohnt sich ein Touristik-Studium überhaupt? Werden die jungen Absolventen in der Branche gebraucht? Fragen, die längst nicht nur für die Hochschulen interessant sind.

von Klaus Hildebrandt, 05.02.2013, 11:39 Uhr

Es ist ein Phänomen: Die Tourismus-Studiengänge erfreuen sich großen Andrangs, immer noch sprießen neue Studiengänge an staatlichen und privatlichen Hochschulen und Instituten aus dem Boden. Doch ob sich ein derartiges Studium lohnt, weiß niemand so genau, Daten über die Absolventen gibt es nicht. Auch über den Bedarf gibt es unterschiedliche Meinungen: Einerseits wird in Touristik und Business Travel über Fachkräftemangel geklagt (weswegen die fvw dazu gerade eine Serie aufgelegt hat), andererseits sagen zumindest die großen Unternehmen, es gebe bei Bewerbungen etwa um Trainee-Stellen keinen Mangel. Die Touristik gilt trotz ihrer dünnen Margen und niedrigen Einstiegsgehälter offenbar immer noch als attraktiv.

Um endlich Fakten zu bekommen, hat die Deutsche Gesellschaft für Tourismuswissenschaft (DGT), die Professoren, Dozenten und Wissenschaftler vereinigt, nun eine große Umfrage auf den Weg gebracht. Absolventen werden gebeten, sich zu ihrer Ausbildung und ihrem Werdegang zu äußern. Die Aktion ist eine große Chance, endlich mehr über die Hochschul-Ausbildung zu erfahren, für die Profs, die Studenten, aber auch die Unternehmen. Und für die politische Debatte: Nur noch an drei Universitäten (Eichstätt, Dresden und Lüneburg) kann man touristische Studiengänge belegen. Ohne Unis gibt es aber keine Grundlagenforschung, keine Promotionen und dann auch kaum Lehrkräfte-Nachwuchs für die praxisnäheren Fachhochschulen.

Die Umfrage ist also aus vielerlei Sicht spannend. Deshalb ist die fvw auch gerne Medienpartner der DGT bei dieser Aktion und auch ich möchte Sie als Absolvent gerne bitten, einige Minuten ihrer Zeit dafür zu opfern.(Hier geht es zur Umfrage). Studenten und junge Absolventen sind nicht nur die Zukunft der Branche, sondern auch jetzt schon unsere Leser.

Kommentare

von Skeptiker, 05.02.13, 13:05
Um meinem Nickname mal Ehre zu machen und auf die Gefahr hin, hier vielen Lesern auf die Füße zu treten, und mit viel Verlaub: Touristik ist ja nicht so eine Wissenschaft wie etwa Physik oder Soziologie (soviel zum Thema "Promotion/Habilitation"), und wird/wurde überwiegend an FHs gelehrt, wo keine Grundlagenforschung(?) betrieben, sondern Anwendung gelehrt wird. Ein gewichtiger (gewiss nicht der einzige) Unterschied zwischen betrieblicher und akademischer Ausbildung ist doch, ob sie vom Staat bzw. vom Azu... pardon, Studierenden selbst bezahlt wird oder von der Wirtschaft. Das hat eine Menge Aspekte zur Folge. Ich persönlich finde, dass die Touristik eins von vielen Berufsfeldern ist, das in einer (ggf. hier und da aufzuwertenden) betrieblichen Ausbildung besser und bedarfsgerechter vermittelt werden kann als an einer (Fach-)Hochschule, und dass das Wehklagen der Wirtschaft über den angeblichen Fachkräftemangel da auch ein Element von Heuchelei hat.

von touri, 05.02.13, 14:10
Hallo Skeptiker, was Ihren Kommentar angeht, so möchte ich da -wie sie bereits- erwartet haben ein wenig widersprechen. Zwar stimme ich Ihnen zu, dass die Touristik und damit verbundene Forschung neben "Schwergewichten" wie Physik oder Soziologie blass aussehen mag, dennoch halte ich eine betriebswirtschaftliche und akademische Ausbildung für die Tourismusbranche als wichtig oder gar unumgänglich. Grund: Die Tourismusbranche z.B. mit ihren Airlines, Tour Operators etc. birgt eine unglaubliche Komplexität, welcher Sie besser gewappnet gegenübertreten können wenn Sie betriebswirtschaftliche Grundlagen und das "Eco-System" Tourismus verstehen. Dass sie sich mit einer Ausbildung und dann "on-the-job" ebenso entwickeln können ist möglich, aber gleiches mag in vielen anderen Branchen gelten. (Elemente wie z.B. Buchungssystemwissen, Arbeit am Kunden wird hier vielleicht sogar besser vermittelt als die Theorie im Studium) Die fehlende Lobby der Touristik -z.B. kein Tourismusminister in DE- als akademisches Fach, eine fehlende Forschung und die in der Vergangenheit zu beobachtende Schließung oder Verkleinerung von Tourismuslehrstühlen sind klar zu benennende Probleme. Mit mehr als einer Milliarde Reisender pro Jahr und als Wachstumstreiber vieler Regionen, eigentlich ein Unding. Hallo Herr Hildebrandt, zu allererst ist es toll und sinnvoll eine solche Studie aufzulegen und ich bin gespannt auf die Ergebnisse. Aus ganz persönlicher Sicht -als Absolvent eines Tourismusstudienganges- verfolge ich die Debatte um den "Fachkräftemangel" gespannt. Ich selbst erlebe wie viele meiner ehemaligen Kommilitonen, nach Abschluss die Branche wechseln, da Sie dort bessere Vergütung, besser Entwicklungsmöglichkeiten usw. antreffen. Zum einen stellt sich mir da oft die Frage, wo dieser Fachkräftemangel herrscht, im Anbetracht der Anzahl ausgeschriebener Stellen und zum Anderen müssen sich Unternehmen in der Touristik noch stärker als attraktive Arbeitgeber positionieren, Stichwort Employer Branding. Mit 18-monatigen Traineestellen für 1300 brutto locken Sie vermutlich heute keinen Akademiker mehr aus der Reserve. Gleichzeitig scheint die akademische Touristik Ausbildung in Sachen Reputation etc. nicht mithalten zu können im Vergleich mit Top-Unis in BWL etc. und so erleben Sie wiederum, dass gerade große (DAX notierten) Unternehmen, auf dieser bzw. zurück greifen.

von Horst, 05.02.13, 14:31
Die Frage die sich stellt sollte vielleicht lauten, wie ich das Berufsfeld "Touristiker" definiere. booking-engines prozessual zu entwickeln etc. ist eine IT-Aufgabe, da sind selten Kollegen dabei, die Reisen verkaufen. Dieses Feld, und gerade eCommerce, wachsen aus IT-Strukturen erfolgreich, nicht aus 30 Jahren touristischen Wissen. Betriebliche Grundlagen lassen sich auch über eine Ausbildung weitergeben. Das hier beschriebene Eco-System der Touristik, sorry, ist nun wahrlich kein Hexenwerk. Und die Bedienung von Systemen (ob Buchung- oder andere...) ist ein Schulungsprozess, kein Studium. Im Reisebüro sollte man ein guter Verkäufer sein und sich in Zielgebieten auskennen, ein Studium ist dafür nicht nötig. Und ich denke das spiegelt auch der Durchschnitt an den Reiseverkehrskaufleuten wider... Die Tour Operator vertrauen ja selbst nicht auf touristisch ausgebildete Fachkräfte in Schlüsselpositionen. Bei blau/gelb setzt man doch schon seit Jahren auf Unternehmensberater, die ggfs. einen touristischen Schwerpunkt haben oder hatten, das Studium aber weit entfernt von Touristik war... Vielleicht liegt es auch daran, dass die Gehälter für die Unternehmensberater, die sie nunmal gewöhnt sind, auch bezahlt werden müssen - dann bleiben eben noch 1.300€ brutto für andere...

von touri, 05.02.13, 14:38
Hallo Horst, ganz richtig. Und damit ist doch genau der Knackpunkt der Sache angesprochen. Lohnt sich das betriebswirtschaftliche, touristische Studium, wenn doch am Ende für die Reiseverkehrskaufleute und deren Tätigkeitsprofil eine Ausbildung reicht und die Schlüssel- und Führungspositionen in der Tourismusindustrie von ehem. Beratern usw. besetzt werden. Was fehlt denn dann einem Tourismusabsolvent, oder wird Ihm zu selten eine Chance gegeben oder Sie sagen "vertraut" ? Sollt man doch lieber BWL oder Informatik studieren und dann einen Quereinstieg in die Touristik machen ?

von Bernd Hellmuth, 05.02.13, 15:20
Ich habe es in 15 Jahren Tourismus immer wieder erlebt, dass auch Quereinsteiger tolle Touristiker sind. Gerade bei den Onlinern ist es heute viel wichtiger die Technik zu beherrschen als zu wissen wie guter Kundenservice funktioniert. M.E.dürfte es auch schwierig sein in einem Studium die doch sehr "menschliche und emotionelle" Seite der Touristik zu vermitteln. Daher haben die felderprobten Reiseverkehrskaufleute manchmal die Nase vorn.

von Skeptiker, 05.02.13, 15:29
Da ich selbst ein betrieblich und kein akademisch Ausgebildeter bin, mit inzwischen auch einiger Lebens- und Berufserfahrung, wird es nicht überraschen, dass ich zu Horsts Argumenten tendiere. Wobei: Touri hat mir ja in Summe nur wenig widersprochen. Ein wichtiger Punkt bei Horst war übrigens (im Blogartikel nicht angesprochen), für was genau die Qualifikation genügen soll, also fachlich wie auch hierarchisch, und inwieweit "Talent" neben "formaler Qualifikation" in den Unternehmen angemessen ermittelt und berücksichtigt wird. Ein Punkt, den ich nicht so gut beurteilen kann, ist, inwieweit die Einstiegs- und die Durchschnittsgehälter in der Touristik (hier gemeint: Veranstalter, Vertrieb, Vermarkter, Agenturen) für Adademiker überhaupt interessant sind im Vergleich zu anderen Branchen - also wenn man mehr Zeit und Geld als ein Azubi investieren musste, bis der "return on investment" eintritt.

von Horst, 05.02.13, 16:17
@Herr Hellmuth Ihr zweiter Punkt "menschliche und emotinale Seite" begegnet mir noch oft, spielt aber m. E. nur in zwei Zielgruppen eine echte Rolle: 1. dem Endverbraucher = er möchte im Urlaub natürlich emotional und menschlich abgeholt, behandelt und betreut werden. Der Preis hingegen ist wenig emotional, jedoch ein wichtiger Baustein im Gesamtzusammenhang der Entscheidung. 2. "Ältere" Touristiker, die gerne zurückblicken und die Zeit mit Reisebüros, wenigen großen Veranstaltern und eher langfristigen Verträgen als deutlich unaufgeregter, langsamer und auch "einfacher" beurteilen. Punkt 2 wird mehr und mehr abgelöst von "Margen, Profit Centern, G&V, Innovationen und eCommerce - Denken", da bleibt sicher viel auf der Strecke - gemanagt wird dieser Prozess eben selten bis überhaupt nicht von "gelernten" Touristikern, sondern von BWL'ern, Juristen etc. Ja, ich weiß, ich polarisiere jetzt bestimmt wieder und das heißt auch nicht: Touristiker doof, alle anderen schlau. Aber eine Harriet Green hat keinen touristischen background, oder? Fritz Joussen? Peter Fankhauser?

von Rainer Nuyken, 05.02.13, 16:40
Ich bin Absolvent einer Touristik-Fachhochschule und heute Arbeitgeber. Ich möchte zu bedenken geben, das das meiste, was wir über den Bedarf an akademisch ausgebildeten Touristikern hören und lesen, von den Hochschulen selbst und von deren Professoren verbreitet wird. Wer legt denn fest, wie hoch der Anteil der Akademiker in einer Branche sein sollte? Und wenn ich dann in der Touristik jeden Kellner und Taxifahrer dazu zähle - ja, dann habe wir eine vergleichsweise niedrige Akademiker-Quote. Anders ausgedrückt: für unsere Branche wird völlig am Bedarf vorbei akademisch ausgebildet! Aber die Hochschulen wären schlecht beraten, wenn sie das zugeben würden, denn auch die Professoren arbeiten gerne in unserer Branche und weniger Studienplatzbewerber bedeutet für die Hochschulen auch weniger Geld vom Staat. Jeder Professor möchte natürlich auch gerne künftige Spitzenverdiener ausbilden - ich sehe das als wesentliche Ursache dafür, dass viele Absolventen mit völlig utopischen Gehaltsvorstellungen in der harten Realität unserer Branche ankommen. Da wird überlegt: "wenn ich vier Jahre in meine Ausbildung investiert habe, dann muss ich auch mehr Geld bekommen". Aber hat denen denn niemand im Studium erklärt, dass Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen? Wenn es zu viele Akademiker gibt, dann sinkt der Preis. Und außerdem: die Dauer der Ausbildung sagt nichts aus über die Qualifikation für einen bestimmten Arbeitsplatz aus. Ich habe letzthin ein interessantes Experiment gemacht: wir hatten einen jungen Absolventen eingestellt, für den wir eigentlich keinen Aufgabenbereich und kein Budget hatten. Er sollte sich überlegen, mit welchem neuen Produkt/Aufgabenbereich er für die Firma produktiv sein könnte. Er kalkulierte seinen Aufgabenbereich selbst durch und durfte sich ein vertretbares Gehalt selbst bestimmen. In seiner Budgetplanung kalkulierrte er für sich ein Gehalt von 1600 EUR. Nach zwei Jahren läuft sein Produkt sehr erfolgreich und heute verdient er deutlich mehr. Aber mal ehrlich: wie viele Absolventen sind zu einer solchen Investition bereit? Wie viele Absolventen denken so unternehmerisch, dass sie ihre eigene Arbeitskraft als Produkt betrachten, die es gewinnbringend zu vermarkten gilt? Wer das für sich erkennt wird auch wissen, dass man als Unternehmer zuerst einmal investieren muss. Aber das wird an den Hochschulen leider nicht vermittelt. Als Unternehmer muss ich auch auf die Nachhaltigkeit meiner Investition (=Gehalt) in einen neuen Mitarbeiter achten. Mal abgesehen davon, ob ein "frischer" Absolvent ein höheres Gehalt bekommt, als jemand mit "normaler" Lehre, so muss der Arbeitgeber auch darauf achten, ob sich die Investition in einen neuen Mitarbeiter amortisieren kann. Aus dieser Perspektive haben Akademiker schlechtere Karten: nach Abschluss des Studiums möchte man sich - und das ist nur verständlich - erst einmal in der Branche umschauen. Den ersten Job macht man max. zwei bis drei Jahre, dann wird gewechselt. Was heißt das aber für den Arbeitgeber? Ich investiere zunächst einmal ein volles Jahresgehalt. Im zweiten Jahr bringt der Mitarbeiter erste Ergebnisse, deckt aber vermutlich noch nicht seine Kosten. Im dritten Jahr deckt er die laufenden Kosten und ein viertes und fünftes werden benötigt, die Investition auszugleichen. Erst ab dem sechsten Jahr ist der Mitarbeiter dann für die Firma produktiv. Auch das gehört zur Kalkulation eines angemessenen Gehaltes. Konsequenz: wir bilden für unseren eigenen Bedarf aus - und auf Dauer können meine Mitarbeiter gut verdienen, ganz egal ob mit oder ohne Studium.

von Benjamin Roolfs, 05.02.13, 17:03
Als studierter Touristiker (allein dass word das Wort "Touristiker" rot unterstreicht spricht ja schon Bände) hier meine Meinung: Liebe fvw wo ist der Deutschland-Tourismus in ihrer Zeitung denn geblieben? Die meisten Deutschen verbringen nach wie vor ihren Urlaub in Deutschland und ich lese immer über große Konzerne und Outbound-Tourismus, etc. Wie (unprofessionell) sieht denn die deutsche Tourismuslandschaft aus. Mit TVöD 9 werden die Regionen wohl auch zukünftig keine Studienabgänger lange halten können. Ich kann ein Touristikstudium nicht empfehlen: schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten und keine Wertschätzung für den größten Arbeitgeber in Deutschland sind doch die Realität. Wo sind die Lobbyisten und Gewerkschaften, wenn es um das Thema Tourismus geht? Keiner mehr da! Im Deutschlandtourismus werden harte Zeiten anbrechen: kein Geld der öffentliche Hand, kaum private Investitionen und zu schlecht bezahlte Arbeitsplätze im Hotel- und Gaststättengewerbe. Wir Deuschlandtouristiker kämpfen einen harten Kampf, um das Thema Tourismus mit Wertschätzung zu füllen.

von Bernhard, 05.02.13, 18:33
Ende der 60er Jahre konnte man noch im zarten Alter von 16 nach Abschluss der Mittleren Reife in den Beruf hineinkommen. Die Bezahlung war im Gegensatz zu Schulkameraden, die zu Banken und Versicherungen gingen, extrem niedrig - auch nach der 3-jährigen Berufsausbildung. Hat man nachgerechnet, was man durch die tägliche Arbeit erwirtschaftete, konnte ma sehr schnell erkennen, das höhere Gehälter kaum möglich waren. Mich trieb es dann (auch durch glücklichen Zufall) vom Reisebüro zum Veranstalter und kurz danach zum Bereich der Gruppenreisen. Die Einkommenssituation konnte selbst bestimmt werden; das Wechseln des Arbeitgebers war (oft durch Abwerbung) führte zu einer Verbesserung, aber nicht zu Höchstgehältern. Das Kennenlernen vieler Teile unserer Welt (für mich berufsbedingt) konnten (oder wollten) sich meine früheren Schulkameraden kaum leisten. Diesen "ideellen" Wert habe ich für mich immer sehr hoch bewertet und die Freude am Beruf erhalten. Einen Gedanken an ein Tourismus-Studium habe ich nie "verschwendet". Auch meinem Sohn mochte ich nicht dazu raten. Wer ein Studium absolviert und damit mehr Zeit (und Geld) investiert, möchte verständlicherweise danach einen "besser" bezahlten Job haben. Die aber sind offenbar nicht vorhanden. Und schauen wir uns in der Branche um, geleitet wird sie doch kaum noch von "Touristikern", sondern von durchaus erfolgreichen "Quereinsteigern" (das soll nicht abwertend sein, sondern eher aufzeigen wie sich die Branche verändert hat). Wir "alten Hasen" und Vollblut-Touristiker müssen dies einfach akzeptieren. Die Ausführungen von Skeptiker, touri, Horst, Bernd Hellmuth treffen so ziemlich meine Ansicht zum Thema. Rainer Nuykens Bericht finde ich ebenfalls gut. Zu Benjamin Roolfs: Das Geld haben wir früher mit "outgoing" verdient; wer hat im Inland Provisionen gezahlt? Seit an Flügen kaum noch etwas zu verdienen ist, hat sich sicher auch in den Reisebüros ein Wandel vollzogen - es gibt ein großes Angebot an Inlandsurlaub. Aber gehen nicht noch immer viele Kunden am Reisebüro vorbei. Seien wir `mal ehrlich - viele Vollblut-Tourisker sind keine wirklichen Kaufleute und sind nicht so übermäßig besorgt (gewesen?) um den "yield". Da wir aber von der Leidenschaft alleine nicht leben können, brauchen wir "Studierte" - aber aus welcher Fachrichtung?

von Bernhard, 05.02.13, 19:44
...nochmals von Bernhard Ich frage mich oft (bin aber absolut nicht up-to-date), ob wir nicht auch heutzutage die klassische Lehre insgesamt infrage stellen müssen. Ohne all die technischen Schulungen zur Beherrschung der Systeme kommt man nicht mehr aus. Im Verkauf ist sicherlich die Destinationskenntnis von allergrößtem Wert. Aber wie bekommt eine junge Nachwuchskraft diese heute? Als Teneriffa noch eine Fernreise darstellte, war dies ja noch leicht. Aber bei der heutigen Vielfalt? Ich denke, das Tourismusstudium ändert an diesem Fakt auch wenig, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.

von Tom Bauser, 06.02.13, 09:35
Ein Touristikstudium kann Sinn machen. Es ist sehr umfangreich und besteht zumeist aus den Komponenten Hotelmanagement, Management Reiseveranstalter und -mittler, Incoming-Tourismus, touristische Beförderungsformen (Aviation, Civil Navy, Autovermietungen, Bahn), Allg. Tourismuslehre, BWL, VWL, Controlling und Marketing. Das Studium ist zumeist Marketingorientiert. Denn es geht prinzipiell innerhalb der Touristik um die Frage der Auslastung und die preisliche Gestaltung der Dienstleistungen/Yield-Management. Der Touristiker sollte über strategisches Denkvermögen verfügen, Flexibilität und Improvisationstalent. Da weitergehende Fachliteratur zumeist nur in englischer Sprache zur Verfügung steht, sind Fremdsprachen eine zwingende Vorraussetzung. Idealer Weise verfügt man auch über eine exotische Sprache (Mandarin, Japanisch oder Arabisch) um auf dem Markt bestehen zu können. BWL und VWL werden allgemein gehalten unterrichtet und können für alle Bereiche angewendet werden. VWL sollte nicht vernachläßigt werden, da hier das Handwerkszeug gerade für empirische Untersuchungen beigebracht wird, sowie der Umgang mit volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Modellen. Leider wird bis dato keines der üblichen CRS (Computer Reservation Systems) unterrichtet, weder SABRE, noch AMADEUS. Diese sollte man sich in einem gesonderten Kurs aneignen. Generell ist die spätere Beschäftigung sehr breit angelegt und reicht vom Management eines Hotels, bis hin zum Management von Internationalen Airlines oder der Beschäftigung innerhalb von Reiseveranstaltern. Auch das Thema Einkauf von touristischen Leistungen (Hoteleinkäufer) kann aus monetärer Sicht, durchaus der richtige Weg sein. Für die Fachleute der Branche, ist dieses Studium bestimmt interessant. Es wird auch in Zukunft von Bestand sein, schon dadurch, dass die Touristik sich generell von anderen betriebswirtschaftlichen Zweigen unterscheidet und anderen Regeln unterworfen ist, - antizyklisches Marktverhalten. Die statistischen Erhebungen des DTV (Deutscher Tourismusverband e.V.), hier publiziert und zitiert von der IHK Hannover, sprechen eine eindeutige Sprache und zeigen auch direkt die Wichtigkeit der Touristik für das Umfeld der touristischen Unternehmen auf: Der Gesamtbruttoumsatz von 232,6 Mrd. Euro teilt sich auf in 163 Mrd. Euro Umsatz aus Tagestourismus und 69,6 Mrd. Euro Umsatz aus dem Übernachtungstourismus. Von den Umsätzen am Aufenthaltsort profitiert bei den Tagesgästen vor allem der Einzelhandel (54 %) vor dem Gastgewerbe (32 %), während bei den Übernachtungsgästen das Gastgewerbe (Unterkunft, Verpflegung) den Löwenanteil (62 %) kassiert und der Einzelhandel (18 %) sogar hinter den Dienstleistungen (Unterhaltung, Freizeit, Sport, lokale Transportmittel, sonstige Dienstleistungen wie Stadtführungen; 20 %) nur den dritten Rang einnimmt.

von Tom Bauser, 06.02.13, 18:10
@Bernhard Ich kann vieles von dem, was Sie schreiben, nachvollziehen. Es ist natürlich immer generell die Frage, was möchte ich mit meinem Unternehmen erreichen? Möchte ich ein Preisführer sein, also im Low Cost-Bereich mitspielen oder doch lieber ein Markenführer und die Chance nutzen, mit einem ausgesuchtem Zielpublikum hochwertige Dienstleistungen zu verkaufen, z.B. im Luxussegment. Soll das Unternehmen auch noch für spätere Generationen von Bestand sein oder "fahre" ich das Unternehmen, bis mir das Geld genügt und ich es nicht mehr benötige. Natürlich ist eine gute Ausbildung unumgänglich. Auch ein Studium ist sinnvoll. Gerade das Touristik-Studium ist sehr umfangreich und arbeitsintensiv, - auch kostenintensiv, je nach Fakultät. Es sind Spezialisten. Zumeist auch Absolventen mit einem Gespür für Trends. Gerade die Touristik ist absolut trendsensibel und verändert sich rasant schnell. Nicht nur durch Medien, die neue und alte Destinationen für "In" oder "Out" erklären, Nein, auch die globale, politische Veränderung der Welt (arabischer Frühling) bringt vieles in Bewegung. Ägypten, früher viel gepriesen, kann aktuell mit ruhigem Gewissen keiner Familie mit Kindern mehr angeboten werden. Zu groß ist doch die Möglichkeit und die Gefahr eines Anschlags, gerade in den von Schiiten geprägten Gebieten um Hurghada. Wir erkennen alle den großen Trend, hin zu den Kreuzfahrten und dem berühmten Island-Jumping. In Zukunft wird der Markt sich noch viel stärker verändern und Gewohntes auf den Kopf stellen. Man wird jene Spezialisten benötigen, die auch fit im Umgang mit den "Neuen Medien" sind. Die klassische Buchung, wo alles pauschal über einen Reiseveranstalter und Reisemittler vor Ort gebucht wurde, sehe ich persönlich als überholt. Es wird kein Zukunfstsmodell sein. Schon heute ist der Trend eindeutig in Richtung, Buchung einzelner Komponenten: das Hotel über einen finnischen Anbieter, den Flug über Großbritannien. Diejeneigen, die verbleiben werden, sind dann Spezialisten. Golfreisen, Activity-Urlaube (MTB, Trekking und Co.), Segelurlaube mit Yachten und Hochseeangeln (Marlin und Haie). Diese Klientel kann dann in Zukunft auch nicht mit Quereinsteigern überzeugt werden. Hier muss das Kundengespräch auf Augenhöhe stattfinden. Selbstverständlich ist die Destinationskenntniss von größter Bedeutung, man sollte auch im Groben seinen Timatic im Kopf haben und die wichtigsten Vorschriften des Landes ad hoc kennen. Hierfür verlangt es aber Bildung und gute Ausbildung, die bekommt man auch nicht gerade mal so als Quereinsteiger. Es gibt natürlich gute Quereinsteiger. Sie sind kostengünstig und dürften auch recht weniger häufig das Unternehmen wechseln. Aber in entscheidenten Fragen Ihrer Gewinnmaximierung werden sie Ihnen nicht helfen können. sie werden Ihnen keine neuen VK-Gebiete erschließen, keinen Marketingplan erstellen können und Verhandlungen führen können, mit den Anbietern Ihrer bezogenen Dienstleistungen. Auch alternative Angebote und Lösungenwege wird Ihnen der Quereinsteiger kaum aufzeigen können. Aber er ist kostengünstig... Anmerkung zum Thema Low-Production: Das führende Unternehmen des NASDAQ Stock Market, Apple Inc. hat erkannt, dass kostengünstige Produktion nicht das alleinige Allheilmittel ist und holt seine Produktionen aus China zurück in die Vereinigten Staaten. Man möchte mehr auf Qualität setzen, unter Berücksichtigung des unternehmensumfeldes und der Sozialen Kompetenz des Unternehmens (Statement des CEO Tim Cooks, NBC-Sendung). Es wäre schön zu sehen, wenn unsere Branche diesen Weg auch bald beschreiten würde. Vieleicht wird dieser Weg auch ein zukünftiger, neuer, genereller Trend der Wirtschaft. ;-) Natürlich bekommen Sie keine jungen Mitarbeiter, mit so einem umfassenden Know-how. Greifen Sie doch auch mal zu einem älteren Mitarbeiter. Selbstverständlich hat ein studierter Touristiker auch die gängigen CRS und Office-Programme, sowie Systemprogramme im Portfolio. Ich hoffe, ich konnte einiges aufzeigen. auch Entwicklungsrichtungen. Kritische Bemerkungen konnte ich mir nicht ganz verkneifen. ;-)

von Andreas Schulte, 06.02.13, 19:34
Wozu braucht man "Grundlagenforschung" im Tourismus ? Der Tourismus konnte sich gänzlich ohne Grundlagenforschung entwickeln. Was will man da also heute noch grundsätzliches erforschen ? Und schauen wir uns doch mal die aktuellen Leitungsebenen namhafter Touristik-Unternehmen an. Da findet man Juristen, Betriebswirte, Wirtschaftsingenieure, Physiker, Mathematiker, Chemiker, eine Harriet Green, die Mediaval History studiert hat, oder z.B. einen Peter Fankhauser mit einem Studium "Internationale Beziehungen". Man findet dort allerdings keinen, der Touristik studiert hat. Offensichtlich besteht mehr Bedarf an Quereinsteigern, als an "studierten Touristikern". Das führt zu dem Schluss, dass die vielen Tourismuslehrstühle in diesem Land offensichtlich in weiten Teilen entbehrlich sind. Nur als Arbeitsbeschaffungsmassnahme für die ganzen Lehrstuhlinhaber sind sie zu teuer.

von Skeptiker, 07.02.13, 11:33
Da hatte ich ja doch keine Minderheitsmeinung. Zumindest hier im Forum dominieren wohl die Pragmatiker. Ein Punkt noch, der mir besonders auffiel - es ist in der Tat so, wie schon festgestellt, dass die "akademische" Ausbildung vom Steuerzahler und vom Studenten selbst bezahlt wird, und die beiden tragen auch die Risiken, während die betriebliche Ausbildung überwiegend von der Wirtschaft finanziert wird. Wenn man das jetzt rein aus ökonomischer Sicht betrachtet, ist es doch bemerkenswert, dass sich die angeblich höherwertige akademische Ausbildung weder für die Studenten noch für die Wirtschaft recht zu rechnen scheint (sagen Arbeitgeber, die hier gepostet haben), obwohl sie die direkten Kosten gar nicht tragen muss. Und nochwas: Die Ausbildung ist nicht alles. Jeder muss auf seinem Job permanent dazulernen, auch Harriet (stv für alle Topmanager) muss das, egal wie gut ihre Leute sind. Jeder hier muss das, um auf seinen Job zu passen. Ich finde es seltsam, wenn Firmen mit detaillierten Ausschreibungen passgenau extern vorgebildete Leute suchen, daher oft nicht finden und dann vom Fachkräftemangel schwadronieren. Wie heißt es richtig? Wegen der fachlichen Fähigkeiten wird man eingestellt und wegen der Persönlichkeit gefeuert. Ich würde da ein bisschen mehr "Junger Mann zum Mitreisen gesucht" empfehlen, zumal die eigenen Azubis vielfach besser ins Unternehmen passen (weil dort geformt), loyaler sind und nicht immer "Markt"-Gehälter bekommen. Und was spricht denn dagegen, die betriebliche Ausbildung so aufzuwerten, dass man auch unter den eigenen Azubis die Potentialträger identifiziert und entsprechend fördert? Man *muss* doch nicht bei Roland McBoston gewesen sein, um etwas zu sein oder etwas (lernen) zu können. Und wo ich gerade dabei bin, das Thema "IT" kam ja schon vor. Wir alle hier wissen, wieviel Technik heute schon in der Touristik steckt, auch bei uns gibt es ja längst schon einige "Direktbanken". Dennoch hat die IT in der Gesellschaft, in vielen Ausbildungsgängen und vielen Managementetagen auch heute noch den Antinimbus wie typischerweise die Mathematik: Man kann auf Parties schön damit kokettieren, dass man davon nichts versteht, und man erntet hochgezogene Augenbrauen (Nerdverdacht), wenn man Kenntnisse und Interesse zugibt, womöglich sogar eine technische Vergangenheit. Wobei von den Ignorierern kaum jemand weiß, was IT heutzutage wirklich ist. Das "T" führt da doch ziemlich in die Irre. So kommt es, dass es in vielen Firmen, nicht nur unserer Branche, die Informatiker sind, die sich die Fach- und Branchenkenntnisse aneignen, um arbeiten zu können, statt umgekehrt z.B. die Touristiker die Kenntnisse und Fähigkeiten, die man zur Gestaltung von IT-Lösungen braucht (und, ja, mir ist klar: "Wissen" heißt nicht "tun können").

von Tom Bauser, 07.02.13, 18:58
...genau dies sind die Punkte, die die Branche dann auch in ein schlechtes Licht rücken. Korrektur: nein, der Steuerzahler muss nicht das Studium finanzieren, auch nicht hinten herum. Das müssen sie als Studierender schon alleine tragen und komplett alleine bezahlen. - Ist schlicht und ergreifend eine Falschaussage. Natürlich können Sie Ihren Betreib so fahren, wie Sie es für richtig halten. Selbstverständlich benötigen Sie kein Fachpersonal. Dass dann Buchungen oftmals daneben gehen kann man dann ja dem Server zuschreiben. ;-) Ich verstehe die Standpunkte schon. Es soll ganz im aktuellen Sinne der aktuellen Gina Lisa Lohfink-Werbung billig sein. Dannaht man natürlich auch Produkte an der Hand, wo Kinder im Schwimmbecken eines Hotels von Wasserpumpen angesaugt werden und sterben. Balkongeländer diverser Hotelanlagen, die dann einfach beim Anfassen herunterfallen. Fehlbuchungen in Massen, die dann oftmals nur mühsam von den Airlines aufgefangen werden können, sind die kleinsten Übel. Einreisevorschriften und die jeweiligen Bestimmungen der Länder sind auch unbekannt, auch wird der Kunde alleine gelassen. Nein, Fachpersonal brauchen sie wirklich nicht. Ich darf Ihnen etwas verraten: wenn Sie jemanden lange genug an einem Microsoft-Filmsimulator setzen, kann der auch ne Maschine fliegen. Frage: würden Sie sich dann trotzdem reinsetzen? Natürlich wird eine Grundlagenforschung benötigt. sonst wüßten sie garnicht, dass ein Bedarf, ergo eine Nachfrage für touristische Leistungen benötigt werden würde? Dass man Unternehmensspitzen mit Juristen besetzt hat innerhalb der deutschen Wirstschaft und Politik Tradition. Die Ergebnisse dürfen wir jeden Tag bewunder, - siehe Berlin Brandenburg International Airport!

von Andreas Schulte, 07.02.13, 21:35
Der Witz ist gut - "Natürlich wird eine Grundlagenforschung benötigt. sonst wüßten sie garnicht, dass ein Bedarf, ergo eine Nachfrage für touristische Leistungen benötigt werden würde?" Der alte Josef Neckermann z.B. - Gott hab ihn seelig, wartet immer noch auf Grundlagenforschung zum Thema touristischer Bedarf, damit er dann endlich seinen Veranstalter gründen kann.

von Skeptiker, 08.02.13, 08:48
Hallo Herr Bauser. Bin nicht ganz sicher, wem ihr Rant gegolten hat. Unter den Kommentatoren hier teilen doch die meisten, mich eingeschlossen, ihre Zweifel an der universitären Touristikerausbildung und dem fehlenden Fachwissen von Quereinsteigern, und wollen eher die Praxis stärken - um gerade auch die Punkte anzugehen (Fehlbuchungen, Fehlberatung. Sicherheitsmängel usw.), die Sie anführen. Oder um die IT-Kompetenz der Touristiker zu verbessern, damit da vernünftige Lösungen bei rauskommen. Oder les ich das ganz falsch? Ganz unbenommen: Wünsche schöne Karnevalstage! p.s. Dass die akademische Ausbildung in Deutschland von den Studierenden bezahlt würde, war mir neu, Studiengebühr und die paar Privatschulen hin oder her. Den Lebensunterhalt und das Material vielleicht noch, aber es gibt ja auch auch Bafög zur Abmilderung. Jedoch die Unis? Die Profs? Die ganze Infrastruktur?

von Tom Bauser, 08.02.13, 12:00
Auch ein Josef Neckermann betrieb Grundlagenforschung, gerade für Zielgebietserschließung und Zielpublikum. Er war mit Sicherheit ein Kapitän der "alten Schule" und als Sportler, ein verbissener Stratege dazu. (Leistungssportler gehen Probleme anders an und haben ein komplett anderes Lebensmodell. Neckermanns Stab hatte wirklich sehr viel zu tun ;-) ...) Generell können Sie kein Unternehmen ohne betriebswirtschaftliche Fähigkeiten führen. Das ist einfach Fakt. Es ärgern sich die meisten Mittler darüber, dass gerade die UNISTER Gruppe den Markt jetzt aufräumt und vielen das Wasser abgräbt. Dies SIND erfolgreiche Ergebnisse von Grundlagenforschung, empirischen Untersuchungen und dem Gespür für den Trend der Zeit, verbunden mit der Ausrichtung am Bedarf, gerade des zukünftigen Kunden. Hier werden alle Punkte beachtet und alle Bereiche bestmöglich abgedeckt. Sogar die passende App wird entwickelt. Nein, dass muss nicht ein Vermögen kosten. Gerade Direktmailing (Neukundengewinnung) kann recht kostengünstig über Büros (Fullfilment) in Bangalore (yourmaninindia.com oder b2kcorp.com). Der Vorteil: die Zeitverschiebung, während Sie schlafen, ist Ihr Unternehmen produktiv. Das solche Komplettlösungen nicht ohne fundiertes, fachliches Wissen möglich sind, ist selbstredend. Dies begründest dann auch den Erfolg. Ein BaföG ist kein geschenktes Geld! Absoluter Unsinn. Es ist ein Kredit, der muss natürlich zurückgezahlt werden. Auch eine Uni versteht sich als Profitcenter. Sie erwirtschaftet. Die Gebühren fallen pro Semster an und liegen in der Regel nicht unter 500,00 Eur. Sonderseminare und Gastredner, wie z.B. Malik, bezahlt man extra.

von Andreas Schulte, 08.02.13, 13:11
Mir scheint, wir sind hier inzwischen ein gutes Stück weit neben dem ursprünglichen Thema. Das hieß "Studierte Toursitiker". Das man, um ein Buisness zu betreiben, Wissen und Erfahrung braucht, steht ausser jeder Diskussion. Die Frage ist dabei, ob derjenige, der das nötigte Wissen hat, sich dieses zwangsläufig in einem Studium angeeignet hat oder aneignen musste. Und wenn man in die Historie geht und sich anschaut, wie sich die Dinge grundsätzlich entwickelt haben, wird man feststellen, dass am Anfang in aller Regel die Praktiker aktiv waren - egal in welchem Bereich. Erst wenn die was vorzuzeigen hatten, kamen die Theoretiker / Studierten und taten so, als wäre sie die wahren Väter des Erreichten gewesen. Darum sollte man sich bei Diskussionen zu Themen wie diesem immer an die Erkenntnis von Arthur Schopenhauer erinnern: "Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." Und das die Tätigkeit von Unister auf Grundlagenforschung im klassischen Sinne basiert, möchte ich dann doch sehr stark bezweifeln. Dort agiert man doch eher im Stile Jugendlicher, die mit bereits bekannten Dingen spielen und dabei ihre Grenzen so lange und so intensiv austesten, bis sie was auf die Finger bekommen.

von Tom Bauser, 08.02.13, 14:13
Sie glauben das wirklich, dass die UNISTER Gruppe mit kindlichem Spieltrieb an die Sache herangeht? Stimmts? Wenn dem so ist, müssten das Umlaufvermögen des Unternehmens und die Reserven in ungeahnter Höhe sein, um im "Stil von Jugendlichen" zu testen. Ist natürlich Quatsch, da wird zielgerichtet eingekauft und die Verträge sind auch zumeist direkt geschlossen mit LVGs und Hotelketten. Aber ein Gedanke stimmt dabei schon von Ihnen: Ihr zukünftiges Zielpublikum ist komplett anders vom Verhalten. Neue Medien sind der zukünftige Bestandteil des Mittlers. Man kann sich dagegen verschließen und in der Vergessenheit versinken oder man öffnet sich und geht nach vorne. Natürlich müssen Sie sich Wissen aneignen, praktisches und theoretisches. Ergo, man wird als studierter Toursitiker auch praktisches Fachwissen mitbringen. Nur am Rande: da die BWL neutral unterrichtet wird, bitte nicht wundern, kennt Ihr zukünftiger Mitarbeiter sogar ein Kanban-System. ;-) Das Bild vom reinen Theoretiker sollten Sie mal revidieren. Hands-on ist auch innerhalb der BWL heute gefordert. Entwicklungshistorisch gesehen haben Sie Recht. Streitet auch niemand ab, nur die Verfeinerung, Verbesserung und Weiterentwicklung liegt heute bestimmt in anderen Händen. Wie gesagt, man muss nicht über Fachpersonal verfügen. Training-on-the-job geht auch. Ich wäre gerne dabei, wenn Ihr Quereinsteiger die GuV auswertet oder die Vertragsverhandlungen, ohne Fremdsprachenkenntinisse und ohne juristische Kenntnisse, auf den Canaren vor Ort mit einer Hotelgruppe ausführt, weil Sie z.B. eine eigene Produktlinie entwickeln wollen. ;-))) ...bestimmt spannend zu sehen...

von Tom Bauser, 08.02.13, 14:45
Es ist auffallend, dass man studierte Touristiker nur auf die Touristik beschränkt. Vielleicht sollte man generell an dieser Stelle klären, was ein studierter Touristiker ist oder beinhaltet: Es ist ein Betriebswirt, durch und durch. Meist mit starker Marketingausrichtung. Marketing als strategisches Führungsinstrument! Als spezialisierung bringt er noch zusätzlich touristisches Fachwissen mit. Hotelmangament, Management bei Reiseveranstaltern und -mittlern, etc. Man hätte auch Controlling, Personalwesen oder anderes anhängen können. Da die weiterführende Fachliteratur zumeist nur in englischer Sprache vorrätig ist, kann man auch von mehreren Fremdsprachen ausgehen, die vorhanden sein sollten. Juristisches Grundwissen ist ebenso vorhanden, auch die Anwendung, wie z.B. gängiges Vertagsrecht. Die meisten Betriebswirte mit Touristik dürfte man bei internationealen Airlines finden, im Management von Reiseveranstaltern und im Einkauf. Prinzipiell kann man mit diesem Abschluss aber auch bei anderen Unternehmen arbeiten, da die betriebswirtschaftlichen Grundlagen überall gleich sind.- Fachbereich Toursitik ist nur eine Erweiterung des Studiums.

von Walter Krombach, 10.02.13, 11:52
Interessanter Artikel zum Thema, nicht direkt aber auch für unsere Branche gültig:http://www.rheinmainmarkt.de/Singlenews.im_blickpunkt_news.0.html?&cHash=0a890fc93191f066a4153af32d9296fc&tx_ttnews[tt_news]=6770&PHPSESSID=209fce90935ec33643678492ab6169ba

von Tom Bauser, 11.02.13, 12:25
Es sind Einstellungen, die uns zu denken geben sollten. Nicht umsonst ist die gesamte Branche der Touristik seit Jahren in ein schiefes Licht geraten. Zustände, wie diese dürften heutzutage eher als trauriger Standard verstanden werden: http://www.voxnow.de/hilfe-mein-urlaub-geht-baden/folge-1-tuerkei.php?container_id=114443&player=1&season=3 Man kann hier dem Journalisten und Touristiktester Mikka Bender nur Recht geben. Es sind Auswirkungen, die dadurch entstehen, dass man sein Unternehmen nur noch mit Quereinsteigern und Praktikanten führt. Reiseveranstalter und auch nationale Carrier scheinen ihr gesamtes Unternehmen zumeist nur noch mit Praktikanten zu versehen, wenn wir uns z.B. die firmeninternen Jobausschreibungen ansehen. Hier dürfte, nach meiner Ansicht kein Sinn liegen! Gewinnmaximierung auf Kosten von Kunden und Gästen, sollte kein Marketingziel sein, eher die Arbeit am Gast und Kunden und Spass an Dienstleistung und Service. ...zum Nachdenken...

von F. Kobo, 22.03.13, 15:42
Guten Tag, als Tourismus Student an einer Staatlichen Hochschule im Bachelor Hauptstudium habe ich die Komentare mit großem interesse gelesen. Leider muss ich nach dem lesen ihrer Beiträge vermuten dass relativ wenig Wissen über die Inhalte eines Tourismus Management Studiums vorhanden sind. Ich persönlich bin ausgebildeter Reseverkehrskaufmann aus Baden Württemberg und kann Ihnen versichern das die Qualität der vermittelten Inhalte innerhalb einer Betrieblichen Ausbildung ausgesprochen weit von der im Studium entfernt liegt. Natürlich lernt man den Umgang mit Kunden und Systemen sowie die Besonderheiten der Branche am besten in einer Praktischen ausbildung kennen, und würde eine solche auch jedem Studenten vor Antritt des Studiums empfehlen. Jedoch darf man hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Ein Tourismus Management Studium vermittelt umfassende Kenntnisse im Bereich Betriebswirtschaft mit all seinen Fassetten (Marketing, Controlling, Finance usw.) welche nur schwerlich in der Praxis erlernt werden können. Weiterhin fungieren Hochschulen als Orte der Krativität und Innovation, hier wird eine neue Generation von Touristikern ausgebildet welche durchaus die von gestandenen Touristikern oft vermisste Leidenschaft hegen aber eben auch ein breites theoretisches / akademisches Wissen mitbringen. Herzliche Grüße F.K.

von R. Müller, 22.03.13, 16:10
Offenbar kommt aber die Rechtschreibung im Studium (oder schon vorher) zu kurz ... für Tippfehler sind's einfach zu viele ...

von Klaus Hildebrandt, 25.03.13, 10:00
Hallo Herr Kobo, Ihre Argumentation wird auch von den Inhalten der Studie, die DGT-Vizepräsidentin Anita Zeher und ich auf der ITB vorgestellt haben, unterstützt. 80 Prozent der Absolventen haben nach drei Monaten einen Job, weitere 14 Prozent nach einem halben Jahr. Das spricht für die Qualität der Ausbildung. Die wichtigsten Ergebnisse lesen Sie in der fvw 6/13, Seite 96. Mit besten Grüßen Klaus Hildebrandt

von F. Kobo, 25.03.13, 17:34
Guten Tag Herr Müller, ich muss mich für die Rechtschreibung in meinem Kommentar entschuldigen, die Entstehung während einer S-Bahn Fahrt und das fehlende Korrekturlesen merkt man leider deutlich. Ich kann Sie jedoch beruhigen, die Rechtschreibung kommt an den Hochschulen nicht zu kurz. Dem Inhalt meines Kommentars tun die Fehler hoffentlich keinen Abbruch. Vielen Dank Herr Hildebrandt, ich habe die Studie mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und es freut mich sehr, dass die Branche sich mit dem Thema beschäftigt. Herzliche Grüße, F.K.

von Jürgen Barthel, 28.03.13, 12:51
Ein später Kommentar... Da gab es einen schönen Bilderwitz, wie sich Steve Jobs und Bill Gates unterhalten. Steve: Sie sagten mir, ich bräuchte einen Abschluss um es zu schaffen... Bill: Dir haben Sie das auch gesagt? (beide lachen sich an) Ich frage mich schon immer wieder, warum unser Ausbildungswesen dem Studium so viel schlechter gestellt wird. Drei Jahre Ausbildung, 10 oder 20 Jahre Berufserfahrung - leider "keine ausreichende Qualifikation"...?

von Matthias M., 26.04.13, 14:56
Die urspünglich gestellten Fragen sind: 1) Lohnt sich ein Touristik-Studium überhaupt? 2) Werden die jungen Absolventen in der Branche gebraucht? Ich bin selbst ausgebildeter Reiseverkehrskaufmann und seit Kurzem Absolvent eines Touristik Bachelor-Studiengangs. Die Diskussion hier habe ich mit großem Interesse mitverfolgt und die Themen im Laufe des Studiums immer wieder mit Kommilitonen diskutiert. An meiner Fachhochschule wird auch Steuerwesen gelehrt. Gerade im Gespräch mit diesen Studenten kommt es immer wieder zu hitzigen Diskussionen, ob sich unser "Urlaubs-Studium" wie das Meine überhaupt lohnt. Im Folgenden möchte ich Ihnen meine Eindrücke schildern. Ich denke, durch die vielen Gespräche wird hier zwar keine allgemeingültige Meinung der Absolventen wiedergespiegelt, aber eine, die umfassender ist, als nur meine Eigene. Wie bereits Vorredner aufzeigten, denke auch ich, dass ein umfassender Überblick in die Tourismuslandschaft notwendig ist, um in Führungspositionen nachhaltig wertvolle Entscheidungen treffen zu können. Die Studiengänge werden übrigens generell als BWL-Studiengang mit Schwerpunkt Touristik bezeichnet. Die meisten Studienanfänger wissen das selbst nicht und wachen erst bei den ersten Mathe-, Statistik- und Controllingklausuren auf. Das nur am Rande für diejenigen, die nur waage Vorstellungen von den Studiumsinhalten haben. Kommilitonen, die bereits vorher eine Ausbildung gemacht und Praxiserfahrung gesammelt haben, widersprachen bei der Frage häufig, ob sich ein Touristik-Studium lohnt. Sie meinten, dass sie während der Dauer des Studiums in einem Betrieb weit mehr speziefisches Wissen hätten aufbauen können und das bei vollem Gehalt. Die Kritik: Das Studium sei trotz Wahlmöglichkeiten immer noch zu allgemein. Nun muss man jedoch berücksichtigen, dass ca. die Hälfte aller Studenten direkt vom Gymnasium kommen und keine Vorkenntnisse haben. Insofern fand ich die Vermittlung allgemeiner Grundlagen zur Orientierung sehr passend. Auch ergänzend zu meiner Ausbildung. Im Gespräch mit Praxiserpobten Stundenten sind wir immer wieder am Thema "gläserne Decke " hängen geblieben. Ein ausgebildeter Hotelkaufmann kann sicher auch ohne Studium eine tolle Karriere hinlegen wenn er fleissig ist, aber vielleicht kommt es trotzdem der exzellenten praktischen Fähigkeiten zur Situation, dass ein studierter Kollege später die Führungsposition bekommt. Einfach durch die Tatsache, dass er ein Studium vorweisen kann. Ich denke, dieses Thema ist sehr wichtig für die Branche, da es sehr viele Tätigkeiten gibt, die ein Studium nicht zwingend erfordern. "Learning by doing" kann sogar wichtiger sein. Ich erinnere mich an einen Kollegen, der mir erzählte, dass er in den 80ern, als die großen Veranstalter Personalmangel hatten, als Schreiner ins Produktmanagement gewechselt ist.. Vielleicht haben sich die Zeiten des "laisse-faire"-Tourismus aber auch gewandelt. Diese vom Tellerwäscher zum Millionär-Karrieren sind sicher weniger geworden. Insofern vertrete ich persönlich die Meinung: Studium ja. Unbedingt. Schon alleine weil es Standart geworden ist und der allseits beschriebe Fachkräftemangel in der Brache noch von keinem meiner Kommilitonen bestätigt werden kann -ausser man lässt sich zu Konditionen einstellen, die man anderswo vielleicht sogar nur mit Abitur bekommen hätte! Die Branche befindet sich in einem Wandel. Prozessoptimierung spielt dabei eine große Rolle. Oder auch die Anpassung der Präsenz im Internet. Dafür braucht man gutes und modern ausgebildetes Fachpersonal. Wenn die Branche diese Zielgruppe ansprechen möchte, müssen die Gehälter angepasst werden und/oder andere Vorzüge in den Vordergrund gestellt werden. Am Computer Excel-Tabellen basteln kann ich auch am Schreibtisch einer Bank. Da gibt's dann aber auch mehr Gehalt! Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal kurz auf die Frage eingehen, die -wenn ich mich recht erinnere- vor 3 Jahren im Carreer Center der ITB u.A. mit Thomas-Cook-Arbeitsdirektorin Kristin Neumann besprochen wurde: Lohnt sich der Tourismus Master eigentlich? Neumanns Antwort war damals unsicher. Die Leistungsbewertung sei problematisch. Bachelor-Abschlüsse könne man mittlerweile einigermaßen einschätzen, Master nicht. Insofern würden häufig Master zu den gleichen Konditionen eingestellt. Ich denke hier ist wirklich noch viel Diskussionsbedarf. Auf dieser Grundlage studiere ich jedenfalls keinen Touristik Master. Aber vielleicht einen anderen. Das kommt auf die persönlichen Karrierevorstellungen an. Ich habe viele Jahre neben dem Studium bei einem großen Reiseveranstalter gearbeitet. Ein Blick auf die Hierachien verdeutlicht, Frauen sind meistens mit einfachen Dort habe ich festgestellt, dass die Anforderungen an Bewerber mittlerweile fast überall einen Studiumsabschluss einschliessen. Als wäre das eine Garantie, Kunden gut beraten zu können oder Katalogseiten zu basteln.

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