Hapag-Lloyd

Kann Frenzel nach Singapur verkaufen?

Hapag-Lloyd schlägt in Hamburg hohe Wellen. Heute endet die Angebotsfrist. Kann TUI-Chef Frenzel die Reederei wirklich nach Singapur verkaufen?

von Klaus Hildebrandt, 26.09.2008, 10:39 Uhr

Ich lebe schon über 20 Jahre in Hamburg und weiß: Die Hanseaten sind stolz auf ihre schöne Stadt (ich übrigens auch). Vielleicht auch deshalb ist der Verkauf von Hapag-Lloyd hier für viele eine Herzensangelegenheit: Der Ballindamm an der Binnenalster ohne die Hapag-Zentrale, das wäre wie München ohne BMW und Stuttgart ohne Daimler. Reedereien sind in der Hafenstadt Hamburg etwas besonderes, und die Reeder in der feinen hanseatischen Gesellschaft sowieso. Die lokale Presse feuert deshalb aus allen Rohren gegen einen Verkauf an NOL aus Singapur. Logistiker Klaus-Michael Kühne wird wie ein Retter vor bösen Piraten gefeiert, NOL-Chef Ronald Widdows bemüht sich in Interviews ziemlich vergeblich, nicht als übler Arbeitsplatzvernichter wahrgenommen zu werden. Sicher kann NOL mit dem Staatsfonds Temasek aus Singapur im Rücken mehr bieten als das Hamburger Konsortium um Kühne, schon alleine wegen der möglichen Kosteneinsparung bei der Zusammenlegung der Reedereien. Die TUI-Aktionäre wollen den besten Preis sehen – da dürften sich Touristiker wie Carmen Riu gar nicht von dem zuletzt auffällig ruhigen Rabatzmacher John Fredriksen unterscheiden. Und Michael Frenzel hat versprochen, allein im Interesse seiner Aktionäre zu handeln. Doch sein Image hat gelitten. Wenn er mal in den Ruhestand geht, werden in der öffentlichen Schlussbilanz sicher der zu teure Thomson-Kauf und der zu billige Salzgitter-Verkauf wieder aufgewärmt. Möchte er dann auch noch das Etikett des Hapag-Ausverkäufers nach Singapur angeheftet bekommen? In der besseren Hamburger Gesellschaft kann er sich dann jedenfalls kaum noch blicken lassen. In TUI-Kreisen heißt es, Frenzel gehe das Thema ganz unemotional an. Aber das Bild des unterkühlten Portfolio-Managers, das oft gezeichnet wird, stimmt nicht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Deshalb bin ich – wie viele Hamburger – gespannt, ob tatsächlich allein nach Heller und Pfennig entschieden wird.

Kommentare

von barthel.eu, 26.09.08, 11:32
Genau das ist es doch, worum es in allen Geschäften geht. "Ganz unemotional" gibt es nicht. Auch ein Herr Frenzel ist in einem Umfeld, welches aus allen möglichen Richtungen Druck ausübt und ihn unter Zwänge setzt. Kann man ihm verübeln, wenn er im Interesse des Standortes Hamburg das "zweitbeste" Angebot nimmt? Wer ist überhaupt "der Aktionär"? Ist der wirklich dafür, meistbietend, koste es was es wolle zu verkaufen? Oder wird hier nicht in "vorauseilendem Gehorsam" unterstellt, dass die Aktionäre alles geldgeile A****l***er sind? -- Emotionen sind ein oft unterschätzter Faktor. Genauso wie der Stolz und die Bereitschaft, dem eigenen Standort einen "virtuellen" Vorteil einzuräumen. -- Auch ich bin daher gespannt. Immerhin steht hier - wie angesprochen - Herr Frenzel persönlich für die Entscheidung. Sicherlich ein Faktor, der ihn zum Nachdenken zwingen sollte.

von Klaus, 30.09.08, 10:46
Überraschung heute: Angeblich bieten die Hamburger mehr als NOL. Das wäre wirlich ein Happy-End für alle Beteiligten: Hapag-Lloyd zum Bestpreis an Kühne & Co. Fast zu schön, um wahr zu sein.

von Klaus, 12.10.08, 20:14
Jetzt ist es amtlich. Hapag bleibt in Hamburg - am Ballindamm werden sicher am Montag einige Sektkorken knallen. Frenzel bleibt sogar Aufsichtsratsvorsitzender, obwohl Klaus-Michael Kühne seine Privatschatulle weit öffnen muss. Das muss man ihm lassen, das hat der alte Taktiker wieder geschickt eingefädelt.

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