Hamburg

Trocken zum Terminal

Kein Alkohol mehr im Nahverkehr, kein Körper-Scanner, nicht einmal mehr Warnstreiks der Lokführer. Bei uns in Hamburg ist jetzt Schluss mit lustig. Sind wir nun Vorreiter oder Spielverderber?

von Dirk Rogl, 01.09.2011, 09:20 Uhr

Seit heute ist alles anders bei uns in Hamburg. Die Körper-Scanner am Hamburger Flughafen wandern ins Museum. Nicht etwa intime Illustrationen auf den Kontrollgeräten haben die Innovation gestoppt sondern Schweißflecken und Taschentücher. Weil die so häufig Fehlalarme auslösen, hat der Bundesverkehrsminister nun auch Pläne für einen bundesweiten Test auf Eis gelegt.

Und noch etwas könnte bundesweite Folgen haben. Seit dem heutigen Tag ist im Nahverkehr der Hansestadt Alkohol verboten. Und wieder sind wir Vorreiter. Der Städte- und Gemeindebund möchte das Modell gern bundesweit exportieren.

Ich bin gespannt, ob sich die doppelte Spaßbremse aus dem Norden tatsächlich durchsetzt. Mir war die Nutzung der Hamburger Körper-Scanner stets eine Freude. Keine lange Warteschlangen, exklusiv ausgesuchtes Personal und die prickelnde Spannung, wenn ein Körperscanner-Debütant vor einem in die Kontrollkabine stieg und den beruhigenden Worten der Sicherheits-Mitarbeiter lauschte: "Beine auseinander, (benutztes) Taschentuch in die Plastikschale legen, Hände nach vorn..." Mit ihrer norddeutschen Herzlichkeit haben wohl auch die Mitarbeiter des Flughafens dazu beigetragen, dass uns diese Innovation vorerst erspart bleibt. Vielen Dank!

Eine weitaus längere Tradition ist seit heute ebenfalls Geschichte. Das Feierabendbier in U- und S-Bahn hat an der Elbe eine ebenso lange Tradition wie die volltrunkene Heimfahrt im ÖPNV von Reeperbahn & Co. Seit heute greift das Alkoholverbot. Und jugendliche Rüpel werden sich gewiss verständnisvoll an diese Regel halten, wenn in Hamburgs Kneipen früh morgens der Zapfhahn hoch gedreht wird. Ein Hoch auf die Sicherheit.

Noch etwas: Bei den Privatbahnen AKN und Schleswig-Holstein-Bahn wird heute ausnahmsweise mal nicht gestreikt. Nach monatelangen Zugausfällen hat gestern die Schlichtung begonnen. Ich befürchte, die werden wir auch bei den Themen Körper-Scanner und Alkoholverbot benötigen. Wie ist Ihre Meinung: Ist der Hamburger Weg (kein Alkohol im Nahverkehr und kein Körper-Scanner) der Richtige?

Kommentare

von Ralf Hieke, 01.09.11, 10:42
"Das Feierabendbier in U- und S-Bahn hat an der Elbe eine ebenso lange Tradition wie die volltrunkene Heimfahrt im ÖPNV von Reeperbahn & Co." Eine schöne Vorstellung, wie Dirk und Klaus sich nach Redaktionsschluss in der U2 mit einem Astra zuprosten und die Heimfahrt antreten. Vom zweiten Teil des Satzes mal ganz zu schweigen...

von Andreas Schulte, 01.09.11, 12:05
Ja Ihr armen Nordlichter - dann trinkt man erst mal einen auf diese Neuerungen - Prost.

von Burckhard, 01.09.11, 12:28
Wohlgemerkt Dirk, es geht um die Unterlassung des Konsums im ÖPNV, nicht um die Mithahme des bereits konsumierten Alkohols. Somit für die meisten Bahnfahrer keine Einschränkungen erkennbar.... :-)

von Walter Krombach, 01.09.11, 12:29
Ja, ja, die norddeutsche Art von Humor ist uns Süddeutschen schon immer etwas schwer verständlich gewesen. Vorschlag an die fvw: Verlegt doch die Redaktion ganz einfach in lustigere deutsche Gefilde - wobei ich nicht verkenne, dass eine entsprechende Ortsbestimmung mentalitätsbedingt sehr unterschiedlich ausfallen dürfte.

von Oliver Schulze, 01.09.11, 12:48
...und eine spannende Frage ist, ob die geplanten "Schnüffelkontrollen" der HVV-Security dafür sorgen, dass Angetrunkene in Zukunft wieder ins Auto steigen und selbst fahren.

von Klaus Hildebrandt, 01.09.11, 13:18
@Ralf Hieke: Teil eins des Satzes ist doch eine nette Vorstellung, nicht umsonst wirbt Astra mit dem Spruch "Was dagegen?" Teil zwei überlasse ich den jüngeren Hamburgern. Oder, lieber Ralf, höre ich da Neid heraus, weil es in Ibbenbüren keine U-Bahn gibt :-)

von Andreas Schulte, 01.09.11, 13:27
@Klaus - was ist schon ne U-Bahn, die zu dem noch sehr oft oberirdisch oder sogar auf aufgetelzt fährt - über so was schmunzeln die in Ibbenbühren, denn dort hat man als Highlight schließlich eine Sommerrodelbahn.

von Ralf Hieke, 01.09.11, 13:56
Kein Neid, Klaus, mein Leben in der Pampa ist ja selbst gewählt... Und da wir keine U-Bahn haben und Ihr nicht mehr drin trinken dürft, lade ich Dich in Köln gerne auf ein Kölsch in der 9 ein :-)

von Markus Luthe, 01.09.11, 14:05
Neben den Deo-Scannern und dem Astra-U-Bahn-Bann hätte auch noch die von den Hamburger Hoteliers freiwillig eingeforderte "Kulturtaxe" als Beleg trockenen hanseatischen Humors dienen können.

von Marius, 02.09.11, 10:01
Kleine Korrektur, lieber Kollege Dirk: Hamburg ist - wie so oft - nicht Vorreiter, sondern Nachzügler. In Stuttgart gibt es das Alkoholverbot seit 2008 und in München seit 2009 (siehe faz.net von heute).

von Martin Pundt, 02.09.11, 13:13
Mensch Marius, musste das jetzt sein? :-) Klar, es war auffällig, dass keiner der vielen Münchner Touristiker mitlästerte - aber mussten die bitteren Hintergründe unseres traurigen Schweigens so schonungslos aufgedeckt werden? Da Edmund Stoiber es eben leider nicht geschafft hat, dass man "vom Hauptbahnhof in nur 10 Minuten usw...", muss auch er, wenn er mit der S-Bahn zum Brüssel-Flug anreist, aus Wolfratshausen wohl oder übel 90 trockene S-Bahn-Minuten über sich ergehen lassen. Und das, obwohl da eine frisch gezapfte Maß sicher willkommen wäre. Insofern bleibt nur zu wünschen, dass Michael O' Leary bald das Zepter im Hamburger Rathaus (und auch in München!) übernimmt, denn dann werden junge Damen und Herren aus allen Ländern der Welt kosmopolitisches Flair in die U- und S-Bahnen bringen, wenn sie Tütenwhisky aus dem Bordtrolley für £4.50 anbieten...

von Dirk Rogl, 02.09.11, 13:20
Ich bin immer wieder erfreut und erstaunt, mit welcher Detailschärfe, Kompetenz und Akribie sich unsere Leserschaft in diesem Blog mit wichtigen Branchenthemen auseinandersetzt und diese somit weiterentwickelt. Herzlichen Dank für alle geistreichen Kommentare zu den Hamburger Verhältnissen bislang, auch im Namen der gesamten Reiseindustrie ;-) Und jawoll, ich trinke heute abend einen auf Sie und Euch. Daheim. Don´t drink and drive. Ein schönes Wochenende.

von Sven Dietrich, 05.09.11, 09:08
Das Alkoholverbot in Hamburger Bahnen wird höchstwahrscheinlich ähnlich funktionieren wie das bereits bestehende Alkoholverbot in Berliner Bahnen. Gar nicht. (wer am Wochenende einmal mit einer UBahn in Berlin unterwegs war, geht nicht davon aus, dass es dort ein Alkoholverbot gibt)

von Entwickler, 22.09.11, 23:39
Toller Beitrag. Ich habe auch Einen. Du musst ihn nur verstehen.Ich habe etwas Einmaliges entwickelt und hoffe, das der Markt es nicht ablehnt. Mein Name ist Programm. Danke

von Entwickler, 23.09.11, 00:48
Toller Beitrag. Ich habe auch Einen. Du musst ihn nur verstehen.Ich habe etwas Einmaliges entwickelt und hoffe, das der Markt es nicht ablehnt. Mein Name ist Programm. Danke

von weltneuheit, 01.10.11, 09:05
Toller Beitrag Am 02.10.2011 um 18h geht es los!

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