Griechenland

Zittern vor der Griechenland-Wahl

Nicht nur Politiker und Finanzexperten schauen gebannt auf die griechische Parlamentswahl. Auch für die Hoteliers und deutschen Veranstalter hängt viel davon ab. Kehrt die Krise zurück?

von Klaus Hildebrandt, 05.01.2015, 15:08 Uhr

2014 war für Griechenland ein Rekordjahr. Rund 23 Mill. Gäste kamen nach einer Hochrechnung der privaten Initiative Marketing Greece aus dem Ausland, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Nun kehrt das Gespenst der Euro-Krise zurück. Bei den Prognosen für die vorgezogene Parlamentswahl am 25. Januar liegt das linke Bündnis Syrizia vorn. Deren Chef Alexis Tsipras will die radikale Sparpolitik beenden und einen weiteren Schuldenschnitt. So verständlich das angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der Not vieler Menschen ist, für den Tourismus wäre ein Syrizia-Wahlsieg verheerend. Ich erinnere mich noch gut an die Boulevard-Schlagzeilen von den "Pleite-Griechen" und die Spannungen im Verhältnis der beiden Länder, die 2011 und 2012 zu einem starken Einbruch im Tourismus führten. Unvergessen ist mir der fvw Workshop in Athen, auf dem Veranstalter, Hoteliers und Reisebüros im Mai 2012 unglaublich engagiert und sehr solidarisch versuchten, einen Weg aus der Krise zu finden.

Seit 2013 erlebt das Reiseland ein starkes Comeback. Auch die ersten Vorausbuchungen deutscher Veranstalter für den Sommer 2015 sind gut, ist von Hoteliers zu hören. Die Ferienflieger haben ihre Kapazitäten in Erwartung einer starken Saison für Kreta, Rhodos, Kos & Co aufgestockt. Eine erneute Griechenland-Krise würde die Hoteliers, die endlich wieder die Mittel für Investitionen haben, zurückwerfen. Zumal der russische Markt wegen der Rubel-Abwertung 2015 große Probleme bereiten dürfte.

Doch selbst wenn der Worst Case mit Tsipras-Wahlsieg und Euro-Austritt eintreten sollte, gibt es zwei Hoffnungsschimmer: Erstens hat sich das Verhältnis beider Länder normalisiert. Mlllionen deutsche Urlauber haben sich in den vergangenen Jahren selbst davon überzeugt, dass Griechenland ein sehr gastfreundliches Land ist. Zweitens halten Ökonomen heute einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, anders als noch vor drei Jahren, für verkraftbar. Die TUI hat in ihren Hotelverträgen schon seit 2011 einen Passus für einen möglichen "Grexit" aufgenommen. Eine Rückkehr zur Drachme würde kurzfristig für erhebliche wirtschaftliche Turbulenzen sorgen, eine Abwertung gegenüber dem Euro würde aber die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Doch auf dieses währungspolitische Experiment könnten deutsche und griechische Touristiker wohl gerne verzichten.

Kommentare

von Dietmar, 07.01.15, 14:31
Falls es in Griechenland wieder zu Dauer-Sreiks kommen sollte, werden die Urlauber sehr schnell auf andere Länder umdisponieren. Weil 2015 wohl weniger Russen ins Ausland reisen werden, gibt es in der Türkei, Ägypten usw. dieses Jahr ein erhebliches Betten-Überangebot.

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