Griechenland

Papandreou schockt auch die Touristiker

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat das Euro-Land mit seinem überraschenden Referendum in eine neue Krise gestürzt, die zunehmend auch die Touristiker nervös macht.

von Klaus Hildebrandt, 02.11.2011, 13:13 Uhr

Die EU-Einigung zum griechischen Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent hatte Druck aus dem Kessel genommen. Doch mit der angekündigten Volksbefragung zum Sparpaket entsteht neue Unsicherheit. Die Herbstferien im Oktober verliefen mit den Streiks und Flugverschiebungen schon für viele Urlauber unkomfortabel. Nun ist die Saison zwar zu Ende. Aber wenn Griechenland in den nächsten Wochen wieder für viele negative Schlagzeilen sorgt und erneut Bilder von gewalttätigen Demonstrationen in Athen um die Welt gehen sollten, könnte das die nun startenden Buchungen für die Sommersaison 2012 belasten.

Hinter vorgehaltener Hand gibt es bei den Veranstaltern noch eine weitere Sorge: Üblicherweise überweisen sie im Winter Vorauszahlungen an die Hoteliers, um sich so garantierte Bettenkontingente oder ganze Hotels exklusiv zu sichern. Sollten die Griechen in dem Referendum das Rettungspaket ablehnen, befürchten einige Experten bereits den Staatsbankrott. Umstritten ist, ob Griechenland dann auch aus dem Euro aussteigen müsste und zur Drachme zurückkehrt. Nur, was wären Euro-Vorauszahlungen dann noch wert?

Nicht nur aus währungspolitischer, sondern auch aus touristischer Sicht wäre es deshalb gut, wenn das Referendum durchgeht. Damit Griechenland als wunderschönes Reiseland im nächsten Jahr wie schon 2011 mehr deutsche Besucher empfangen kann. Das ist die beste Wirtschaftshilfe.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 02.11.11, 15:16
Gestern war der Termin abgelaufen gewesen... Haben wir doch alle bis zum Erbrechen in den Medien gehört. War ja für uns schon fasst, wie ein Quiz. Wenn nicht pünktlich auf den Buzzer gekloppt wird, ist die Zeit abgelaufen. Und die Polititk hat deswegen eine Marathonsitzung durchgezogen, bis zum K.O. von Sarkozy. Der Patient liegt akut im Sterben, die Klinik ist mit seinem Virus durchseucht, die Ärzte sind bereit, dem Sterbenden unentgeltlich zu helfen... und was macht der? Der will irgendwann mal seine inneren Organe befragen! Es gibt klare Ansagen von Kunden an uns, und es gibt ebenso klare Ansagen von uns an Kunden! Griechenlandurlaub? Oichi! Wenn unsere Handelsherren Geld verlieren wollen, nur zu! Aber nicht nachher angedackelt kommen und uns, den Vertrieb um Dispense und Verständnis anbetteln. Klare Ansage: OICHI! parakalo!

von barthel.eu, 02.11.11, 17:27
Nachdem auch unsere Medien relativ unisono berichten, dass vor allem wieder die Banken von dem EU-Rettungspaket profitieren, stellt sich die Frage, ob ein Land, welches Pleite geht nicht die bessere Lösung für Griechenland ist. Für die Euro-Zone stellt sich doch eher die Frage, ob es sinnvoll ist, eine Einheitswährung zu haben, ohne Kontrolle der Haushalte - wobei Deutschland bekanntermaßen auch keine rühmliche Rolle innehat. Erst die Stabilitätskriterien einfordern, dann selbst nicht einhalten... Die Staatspleite wurde von unseren (deutschen!!!) Politikern herausgezögert, gewonnen haben -nur- die Banken, die Zeche zahlt der Steuerzahler, also WIR. Ein Schelm, wer unseren Politikern hier "Allgemeinwohl" unterstellt. Ach ja - die Tourismuspolitik wollen wir da ruhig auch mal nennen, die passt in einen Topf mit Gesundheitskonzerne, Sozialkonzerne, Familien- und Atompolitik. Aussitzen, nur nicht anecken... Warum erinnert mich das an Reinhard Mey ("Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden")? Oder an das Unwort des Jahres 2010... Stimmt: "Alternativlos"... Eine gute Quelle: http://www.wdr.de/tv/monitor/dossiers/finanzkrise.php5 (wobei ich die Monitor Dossiers generell gut finde).

von Dietmar Pedersen, 02.11.11, 17:50
Wolfgang Hoffmann hat es auf den Punkt gebracht: Europa hilft kostenlos, und die Griechen wollen Bedingungen stellen. Wenn die Griechen unser Geld zu unseren Bedingungen nicht wollen, dann sollen sie es lassen. Sie haben ja mehrere Alternativen: Staatsbankrott, Kredite zu 10 Prozent Monatszinsen von Kredithaien etc. Wenn man in der Sch... sitzt, sollte man die rettende Hand greifen. Meist kommt nämlich keine zweite Hand, wenn man die erste verschmäht hat. Wer nach Griechenland auch nur einen Cent vorab überweist, ohne eine Bankbürgschaft einer richtigen (nichtgriechischen) Bank, gehört wegen Untreue eingesperrt. Ist schade für die griechische Tourismus-Industrie, aber wer will seinen Kunden ein Land verkaufen mit ständigen Streiks und Unruhen? Andere Länder haben auch schöne Strände und Hotels.

von Dietmar Rauter, 03.11.11, 12:40
Es wird Zeit, dass in allen beteiligten Ländern eine entsprechende Volksbefragung stattfindet. Dann kommt dabei raus , dass nicht diejenigen, die jetzt bis auf die Fussnägel geschröpft werden , die Schuld an der Krise tragen . Diejenigen, die sich von Siemens,der Werftindustrie der Deutschen Bahn und anderen bestechen liessen, um 'Geschäft' ins Euroland mit Staatsgarantie zu drücken , haben ihr Schäfchen längst in Trockene gebracht . Diejenigen , die eigentlich verpflichtet waren, in Griechenland Steuern zu zahlen, sitzen jetzt in London und in der Schweiz ! Nicht der einzelne Grieche hat über seine Verhält-nisse gelebt , sondern es waren auch EU-Projekte und -Regeln, die den Staat aufblähten , ohne zu prüfen, was verkraftbar ist. Insofern gilt meine Solidarität dem einfachen Griechen . Zum Glück haben viele Deutsche z.B. in Kreta in diesem Jahr wieder ihren Urlaub verbracht statt in Panik auszubrechen, wie die Leute, die beauftragt sind, freie Gelder überall in der Welt zwecks Vermehrung unterzubringen. Das beste, was wir tun können, ist diesem Land mit ihren so gastfreundlichen Menschen die Treue zu halten.

von Wolfgang Hoffmann, 03.11.11, 18:00
Dietmar Rauter, mit Ihrer Erlaubnis werde ich Ihren sehr geschätzten Kommentar verinnerlichen und im Sinne dessen mit unseren Kunden reden, um ihnen ihr zugegeben etwas einseitiges Bild von der Situation auzureden. Allerdings kenne ich die Menschen, zumindest glaube ich, dass ich weiß, was sie mir antworten werden: "Jein..., so gesehen..., aber ich möchte nicht nach Griechenland. Jetzt nicht!" Und es ist ihr gutes Recht! Und es ist nicht mein Job, Kunden die wahre Welt zu erklären. Der Kunde will solche Gedanken nicht!

von Heinrich Schöttner, 03.11.11, 18:24
Wir hatten 2011 schon Probleme, Griechenland überhaupt noch an den Kunden zu bringen. Treue Griechenland-Kunden haben plötzlich Spanien - und sogar Frankreich - gebucht. Keiner wollte bei etwaigen Streiks in Griechenland sein (öffentlicher Dienst, Busfahrer, Fluglotsen). Und auch die Demos in Athen haben unsere Kunden nicht gerade positiv beeinflusst. Außerdem wollte keiner unserer Kunden in Griechenland plötzlich "ohne Währung" dastehen! Die paar Reisen, die wir vermittelt haben, gingen deshalb lediglich "über den Preis", waren allesamt im Kurzfrist-Bereich - und ausnahmslos "All-Inclusive". Die Kunden gingen davon aus, bei einer plötzlichen Pleite hätten sie wenigstens noch was zu essen! Grecotel oder andere hochwertige Hotels - 2011 erstmals keine Chance. 2012 wird eher schlechter als besser werden!

von Michaela Jaster, 03.11.11, 19:21
Nachdem einige Griechenland-Kunden dieses Jahr wegen Streiks unfreiwillig länger Urlaub machen durften, nachdem erzählt wurde, wie sehr die Insel-Hoteliers auf die Regierung in Athen schimpfen, nachdem es in diesem Jahr definitiv nur die treuesten Griechenlandfans trotz überhöhter Preise als Frühbucher definiert in dieses Reiseland gezogen hat, nachdem sich Berichte mehrten, dass kaum Personal - auch in den gehobenen Kategorien - dort arbeitet, weil aufgrund der eingehenden Reservierungen ein grösserer Personalstand unrentabel sei, nach all dem haben in den letzten Tagen Katalogabholer die Frage, ob Griechenland 2012 in Frage kommt, sofort und strikt verneint. Und das ist erst der Anfang. Meiner Meinung nach sollten die Veranstalter keine Vorauszahlungen leisten, so traurig es für die Hoteliers ist, aber bevor keine akzeptable Lösung gefunden und beschlossen ist, wäre das Geldvernichtung par excellence.

von Robert, 03.11.11, 20:17
Die Griechenlandkataloge 2012 sind definitiv für die Tonne.

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