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Wieso die Deutsche Bahn auf Google abfährt

Die Deutsche Bahn und Google kooperieren. Über Art und Umfang hüllen sich die Parteien in Schweigen. Und weil dem so ist, lässt sich vortrefflich spekulieren. Gewiss werden die DB-Fahrpläne bei Google Maps Einzug erhalten. Aber wo vielleicht außerdem?

von Dirk Rogl, 10.09.2012, 16:17 Uhr

Darüber wurde lange gemunkelt: Die Deutsche Bahn und Google stellen am 17. September ihre neue Kooperation vor. DB-Vorstand Ulrich Homburg und Googles Deutschland-Chef Stefan Tweraser persönlich erläutern die Details. Klar, dass bis nächste Woche absolute Funkstille ist. Vorher erscheint ja noch das neue iPhone5, vielleicht mit ganz neuen Funktionen für das Reisegeschäft, und danach gehört die Bühne Google und der Deutschen Bahn.

Es wäre mehr als verwunderlich, wenn die Fahrpläne der Deutschen Bahn künftig nicht flächendeckend auf dem interaktiven Routenplaner von Google Maps zu finden sind. Google Transit heißt der seit 2005 im Aufbau befindliche Service. Er läuft bereits in weiten Teilen dieser Welt. Laut aktuellem Google-Blog funktioniert die alternative ÖPNV-Planung zu Fuß- und Autostrecke zurzeit in 500 Städten mit mehr als einer Million Haltestellen. Während die intermodale Routenplanung via Google-Maps in Ländern wie Schweden und Südkorea längst auch für Fernstrecken Standard ist, klaffen in Zentraleuropa noch gravierende Lücken.

DB-Vorstand Ulrich Homburg ringt seit Jahren mit der Frage, wie er die Bahn prominenter als Alternative zu anderen Verkehrsmitteln darstellen kann. Der hauseigene Umweltmobilcheck auf Bahn.de. oder der von externen Anbietern wie Opodo etablierte Flug-Bahn-Vergleich sind schöne Beispiele, nur eben erreichen sie eher selten die breite Masse der Autofahrer. Das dürfte sich ändern, wenn die Fahrplandaten via Google gleichberechtigt auch in die mobilen Mapping-Dienste von Google einfließen, die seit geraumer Zeit auch Stauinformationen für geplagte Autofahrer mieten.

Es wäre doch verdammt reizvoll, selbst noch dem Stauopfer einen spontanen Umstieg in die hoffentlich pünktliche Bahn anbieten zu können, oder? Nun freilich bewegen wir uns völlig im Bereich der Spekulation. Denn das kann bislang auch Google Maps nicht. Schließlich ist die Suchmaschine bislang ein reiner Info-Dienst ohne Buchungsfunktion. Google betont immer wieder, selbst nicht zum Mittler werden zu wollen. Dass die Grenzen zum vollwertigen Reiseplaner immer fließender werden, zeigen wiederum Projekte wie Google-Flights oder Google-Hotelfinder, die wiederum in Deutschland auch lang nach ihrem Beta-Launch in Nordamerika noch immer nicht etabliert sind.

Was die Bahn via Google Maps leisten kann, zeigen allerdings das in aller Stille bereits im Winter entwickelte Zusatzprogramm "Bahn Mapplet", mit dem die Deutsche Bahn in Eigenregie den Google-Kartendienst und die eigenen Buchungsfunktionalitäten von Bahn.de kombiniert. Bislang war das Mapplet ein nur schwach beworbenes Insider-Tool. Doch das könnte sich bald ändern. Und dann ist da noch das von Google entwickelte Fahrplanformat GTFS, dass Leistungsträger mit vertretbarem Aufwand in die Lage versetzen soll, Verspätungen und Betriebsstörungen in Echtzeit an die Suchmaschine zu melden. So etwas soll ja vorkommen bei der Deutschen Bahn. Und so etwas würde vermutlich dankbar abgefragt werden auf einem erweiterten Google-Maps.

Was auch immer passiert am nächsten Montag, wir werden darüber berichten auf fvw.de und natürlich in unserer nächsten fvw 19/12 am 20. September. Und falls nötig gehen wir der Sache am 25. September noch einmal nach. Dann nämlich ist Google-Direktor Alastair Bruce zu Gast auf dem fvw-Kongress in Köln. "Mobil, lokal, universal - Wie sich das Reisegeschäft im Internet verändert" lautet der Titel seines Vortrags. So hatten wir das im Frühjahr abgemacht. Klingt irgendwie ganz schön aktuell, oder? Tickets für den fvw-Kongress gibt es übrigens garantiert nicht auf Google-Maps sondern ausschließlich hier.

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