Google

Wie Street View und Places SEO und SEM umkrempeln

Oberstaufen hat alles richtig gemacht bei Google. Heute feiert der IT-Riese seine deutsche Street-View-Premiere im Allgäu. Die lokale Suche trägt dazu bei, dass Neugierige bei den Oberstaufener Hotels hängen bleiben. Das hat Konsequenzen, auch für SEO und SEM.

von Dirk Rogl, 02.11.2010, 13:53 Uhr

Glückwunsch nach Oberstaufen. Es ist schon kurios, dass Google seinen prominenten Web-Dienst Street View ausgerechnet im Allgäu freischaltet. Bis – dem Vernehmen nach in der kommenden Woche – auch die Straßenzüge 20 deutscher Großstädte in Google virtuell erfahrbar sind, werden die Massen in Oberstaufen die Potenziale des neuen Info-Angebots erkunden. Ob jemals bekannt wird, wie viele IT-Profis aber auch passionierte Street-View-Gegner in diesen Tagen über das Oberstaufener Hotelangebot stolpern und vielleicht sogar einen Urlaub dort buchen?

Street View ist heute so ein großes Thema, weil es die Nation spaltet. Datenschützer haben massive Bedenken. Touristiker hingegen können und müssen froh sein über das neue Info-Angebot. Es gibt völlig neue Einblicke in Urlaubsdestinationen. Und das beste daran: Die Technik ist frei nutzbar und kann beliebig in Buchungs- und Preisvergleichssysteme integriert werden. Genauer gesagt, es ist schon integriert. Selbst etablierte Traveltech-Anbieter wie Traveltainment zapfen den Kartendienst Google Maps bereits an. Dort ist der Modus "Street View" nur eine Zusatzfunktion, die ganz ohne zusätzliche Software auskommt. Street View ist ebenso wie Landkarten, Satelittenbilder oder die dreidimensionale Ansicht von Google Earth per Mausklick anwählbar.

Der Kartendienst ist wiederum nur ein Teil von Google Places. Ein anderer Teil sind Zusatzinformationen, die Google derzeit für Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants einsammelt. Über Sinn und Nutzen dieser Place Pages haben wir hier schon ausführlich diskutiert. Google Places ist in der universellen Standard-Suche von Google in der vergangenen Woche enorm geadelt worden. Die überarbeiteten Ergebnislisten der Google-Suche drängen für touristisch relevante Key-Word-Kombinationen die Infos aus Google Places rigoros in den Vordergrund. Wer etwa "Hotel Berlin" eingibt, der sieht künftig ganz oben lokale Ergebnisse aus Google Maps und nicht etwa die Web-Sites von Hotels, die im streng geheimen Google-Index gut bewertet sind.

All das, was in Google bislang ganz oben stand, rückt dafür nun nach unten. Das sind zum einen die Einträge aus der Universal Search, für deren gute Platzierung sich die Zunft der Suchmaschinenoptimierer bislang so stark ins Zeug legt. Doch damit nicht genug: Auch viele Adwords-Anzeigen, aus denen Google bekanntlich das Gros der Einnahmen generiert, fallen für lokale Suchanfragen aus der ersten Bildschirmhälfte heraus. Ganz oben in der rechten Spalte steht neuerdings keine Werbung mehr, sondern eine stark vergrößerte Landkarte mit Hinweis auf dort verzeichnete Hotels und Sehenswürdigkeiten.

All das hat enorme Konsequenzen für Suchmaschinen-Optimierung (SEO) und Marketing (SEM). Ich bin überzeugt, eine ganze Schar von Agenturen wird sich nun darauf stürzen, die Präsenz ihrer Kunden in Google Places zu optimieren. Das ist übrigens kein Zauberwerk. Wer Google viele eigene Daten zur Verfügung stellt, wird prominent gelistet. Das wiederum macht Google immer unentbehrlicher für die Urlaubsplanung. Und es sorgt dafür, dass Google immer mehr Content aufbaut. Ob das gut oder schlecht für das eigene Geschäft ist, möge jeder selbst entscheiden. Wichtig ist, dass die Anbieter im Web zeitnah eine Strategie für Google Places entwickeln. Street View ist nur ein kleiner Teil davon. Und in dieser Disziplin ist Oberstaufen heute ein echer Coup gelungen.

Kommentare

von Uwe Frers, 02.11.10, 15:02
Zuerst mal Gratulation an Benjamin Buhl und Bianca Keybach aus Oberstaufen, die das Thema für Oberstaufen verantworten. Großes PR-Kino. Aber auch an die regionale Politik, die das Experiment mitgemacht hat. Der PR-Wert ist mit Geld nicht zu bezahlen. Die Einführung von Google Streetview ist für alle Player im Tourismus nur von Vorteil, egal ob Kunde, Hotel, Intermediär oder Reisebüro. Anders sieht das bei Google Local Search aus. Gewinner sind zuerst Hotels, denn sie werden jetzt vermehrt oben gelistet. Gewinnen werden auch Anbieter, die User generated Content (Hotelbewertungen) über die API an Google liefern, wie z.B. Holidaycheck oder TripsByTips. Das größte Nachsehen haben momentan Intermediäre ohne textuelle Hotelbewertungen. Für sie gibt es nur eine Chance, auf Seite 1 zu kommen: AdWords. Und das dürfte zu einer Verschärfung des Wettbewerbs bei AdWords und einer damit verbundenen Preissteigerung führen. Ein Schelm der denkt, Google hätte das so geplant.

von Roland Fricke, 02.11.10, 15:43
Googles Änderungen in der Regional Search mischen die Karten neu. Wer schon immer auf Region und auf Content gesetzt hat, der hat im Moment Grund sich zu freuen. Aber, das ist noch nicht das Ende. Aktuell sind Hotels die Gewinner, werden sie doch bei lokalen Suchergebnissen weit vorne einsortiert. Zusammen werden diese Google Places Ergebnisse mit Hotelbewertungen ausgegeben. Konsequent weiter gedacht, wird es wahrscheinlich nicht nur bei Bewertungen bleiben. Und wo landet der Kunde dann wieder? Nicht auf den Seiten der Hotels, außer vielleicht bei den Hotel-Ketten. Optimieren wird sich das nicht mehr lassen. SEM gewinnt daher eine ganz neue Bedeutung. Und dann geht es wahrscheinlich wieder danach: Wer hat die größten Budgets.

von Mark Heimbacher, 02.11.10, 17:31
Ja, man fragt sich schon warum Google seine potentesten Geldgeber - allen voran die Hotelagenturen - aus dem Focus der ersten Seite zieht, und augenblicklich "nichtzahlende" Klientel (Hotels) bevorzugt. Ich stimme meinem Vorposter zu, daß es über kurz-oder-lang nicht nur bei den Hotelbewertungen bei den Google Places bleiben wird und sich - die Gerüchte halten sich ja schon verdammt lange - Google selbst ein dickes "Speckscheibchen" abschneiden möchte, sprich in den Tourismusmarkt einsteigen möchte. Schaun mer mal.

von Skeptiker, 03.11.10, 13:03
Ein Dorf im Allgäu ist ein Dorf im Allgäu. Jetzt auch gratis, zusammenhängend und detailliert im Internet anzuschauen. Warum soll ich da noch hinfahren? Zudem die "Verpixelung" der Häuser wohl eher ein Witz ist, oder? Es bleibt doch dabei, und bei den "verpixelten" Häusern erst recht, dass jemand ungefragt mein Eigentum fotografiert, um damit Geld zu verdienen, ohne mich daran zu beteiligen. Ein wenig besprochener Aspekt bei der Sache.

von Martina, 14.11.10, 05:06
Wenn ich nicht mein Hab und Gut zur Schau freistellen will, bin ich gezwungen zu widersprechen und muss bei google die "Unkenntlichmachung BEANTRAGEN". Dabei soll ich meine ganzen Daten und sogar noch Farbe, Größe oder sonstige Besonderheiten angeben. Ich bin also genötigt (!) worden meine Daten herauszugeben. Solches Verhalten kannte ich bisher nur von Regierungsseite (Volksquälung-Mikrozensus). Dass die angebliche Unkenntlichmachung aber genauso kenntlich ist wie eine nackte Frau hinter einer Milchglasscheibe entlarvt das ganze System. Wenn möglichst viele Privatleute ihre Grundstücke, Häuser, Wohnungen, sowie Fahrzeuge und Personen verpixeln lassen, dann wird für google - die in Deutschland schon alle Aufnahmen in 2008 gemacht haben (!) - ein teurer Schuh draus. Kick it like Beckham!

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten