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Neues aus der Bananenbucht

Was haben Erotikversandhäuser, was Leiterplattenanbieter nicht haben? Und warum ist das auch für die Touristik relevant?

von Dirk Rogl, 23.01.2009, 11:30 Uhr

Um den Leiterplattenanbieter Beta Layout kommen Leser der Wirtschaftspresse heute kaum vorbei. Der Hardwarespezialist ist gleich mit zwei Klagen vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Nun dürfen auch wieder andere Unternehmen diesen Firmennamen sowie die Marke "PCB" als Suchbegriffe für Adwords-Werbung in der Suchmaschine Google verwenden. "PCB" steht übrigens für "printed circuit board", zu Deutsch Leiterplatten, und soll unter Elektronikern ähnlich etabliert sein wie "TUI" in der Touristik. Und da wären wir beim Thema. Die Urteile des BGH sind auch für unsere Branche wegweisend - oder auch nicht. Mit "Beta Layout" und "PCB" dürfen externe Unternehmen künftig nur werben, weil sich beide Marken nicht eindeutig sichern lassen. Das ist schlecht für Beta Layout, denn künftig stehen deren Google-Anzeigen zum Thema "PCB" im munteren Wettbewerb mit vielen anderen Hardware-Anbietern. Wer Google am meisten bietet pro Klick, steht oben. TUI hingegen steht in den Anzeigenspalten von Google nach wie vor alleine da. Wie jedes andere Markeninhaber darf nur der Veranstalter selbst diesen Begriff als Stichwort nutzen. Und wo keine Wettbewerber um die Klicks mitbieten, bleiben die Adwords-Preise auf Minimalniveau und die eigene Google-Anzeige ganz oben. Ob das so bleibt? Spannender für die Touristik wird da wohl der Fall des Erotikanbieters "Bananabay", unter dessen Marke ein Mitbewerber in Google Online-Kunden anlockte. Ob das rechtens ist, entscheidet nun der Europäische Gerichtshof in Luxemburg. Denn Basis der Entscheidung sei laut BGH europaweites Markenrecht. Nun schaut also die gesamte Internet-Wirtschaft auf die rötlich gefärbte Bananenbucht und nach Luxemburg. Denn die Frage, ob Adwords-Anzeigen zur eigenen Marke nur einige Cent oder volle Euros kosten, ist in Summe ein Millionen-Spiel. Mit diesem Thema wird sich übrigens auch die fvw auf ihrem Online Marketing Day 2009 im Steigenberger Airport Hotel beschäftigen. Heute haben wir auf fvw.de eine erste Version des Programms vorgestellt. Wenn sie direkt

klicken, ersparen sie uns jede Menge Google-Werbung. Vielen Dank im Voraus.

Kommentare

von MV, 24.01.09, 19:51
"Wie jedes andere Markeninhaber" sollte wohl "der Veranstalter" betreffen. Daß die Touristik noch nicht zu den Methoden eines Erotikanbieters gegriffen hat - wird das hier ernsthaft beklagt? Dann empfehle ich den Roman 'Platform' von Michel Houllebecque. "Bananabay" könnte dessen Szenario wahr machen. Was für ein ominöser "Mitbewerber" soll das eigentlich sein? Liebe FVW, für euch gilt das Gleiche wie für alle Sensationsgeilen - seien sie nun Google Online-Kunden oder nicht. "Ob das rechtens ist, entscheidet nun der Europäische Gerichtshof in Luxemburg." Gottseidank, denn dann sind wir mit unserer moralischen Verantwortung aus dem Schneider. Nun schaut also die gesamte Internet-Wirtschaft auf die rötlich gefärbte Bananenbucht und nach Luxemburg. Denn die Frage, ob Adwords-Anzeigen zur eigenen Marke nur einige Cent oder volle Euros kosten, ist in Summe ein Millionen-Spiel.

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