Google

Mehr Weitblick, bitte

Im Prinzip ist es ziemlich egal, ob das Eigenheim in München und die Mietwohnung in Berlin via Google Streetview zu sehen sind. Viel wichtiger für die Touristik: Wann folgen die Hotels an der Nordsee und die Strände am Mittelmeer? Die Touristik kann davon nur profitieren.

von Dirk Rogl, 17.08.2010, 09:37 Uhr

Seit heute morgen ist es online – Googles neues Wundertool, auf das die Deutschen so lange gewartet haben. Die Rede ist leider nicht von Google Streetview, sondern von der Web-Site, auf der Eigentümer und Mieter die Unkenntlichmachung ihrer Immobilie auch via Internet beantragen können. Die Site ist ein hübsches Tribut an deutsche Empfindlichkeiten, die ich durchaus ernst nehme. Es mag Gründe geben, weshalb ein Grundstück nicht via Google sichtbar sein sollte. Mit den generellen Plattitüden des Datenschutzes, der Privatsphäre und der Gefahrenabwehr ist es hier aber nicht getan.

Aus Sicht der Touristik ist Google Streetview lediglich ein weiteres Feature in seinem georeferenzierten Planungstool Google Maps. An Landkarten und Satellitenfotos haben wir uns hier längst gewöhnt, an die dreidimensionale Darstellung von Google Earth und die immer massivere Werbung innerhalb Google Maps gewöhnen wir uns gerade. Weitere Features wie Verkehrsinfos und detaillierte Ortsinfos (wie etwas Hotelpreise) sind gerade im Aufbau.

Wer sich die Summe an Services in Googles Maps vor Augen führt, der ahnt: Google Maps ist wie gemacht für die Reiseplanung. So sieht es übrigens offenbar auch Google. In der vergangenen Wochen räumte Google in großflächigen (Print-)Anzeigen mit gängigen Vorurteilen gegen Google Streetview auf. Und siehe da: Die Suchmaschine gibt mehrheitlich touristische Argumente. Streetview diene "der Planung des nächten Urlaubs oder Geschäftsreise", heißt es da. Und der Service rechne sich nicht etwa durch den Verkauf von persönlichen Daten sondern durch "zu den Suchanfragen passende Anzeigen von Hotels, Flug- oder Städtereisenanbietern", so Google.

So heiß die Debatte um Datenschutz verlängerte Einspruchfristen derzeit läuft, zu stoppen ist der Service gewiss nicht mehr. Schon jetzt nutzen immer mehr touristische Communities und Hotelportale den in der Basisversion kostenfreien Zugang zu Google Maps. Ich bin überzeugt, Streetview wird den touristischen Vertrieb nachhaltig beeinflussen. Die Unkenntlichmachung von deutschen Immobilien interessiert mich da nur am Rande. Viel wichtiger: Wann sind auch klassische Urlaubsgebiete und nicht nur große Städte via Streetview erkundbar?

Soweit ich weiß, hat Google weder in deutschen Urlaubsregionen noch an den Stränden des Mittelmeers flächendeckend mit seinen Filmaufnahmen begonnen. Wann wird es soweit sein? Und wie kann die Touristik davon profitieren? Ich bin gespannt auf innovative Lösungsansätze und auf neue Impulse von Google, zum Beispiel auf der Key-Note-Session auf dem fvw-Kongress am 14. September, wo Googles Deutschland-Chef Stefan Tweraser die Key Note Rede halten wird. Auch das dürfte den Weitblick in Sachen Google Streetview nachhaltig steigern.

Kommentare

von Wolfgang Hoffmann, 17.08.10, 10:40
abgesehen davon, dass es massenweise individuelle Befindlichkeiten gibt, sehe ich, dass Google hier eine weltweite Monopolstellung einnimmt. Big-Brother ist nicht deshalb big, weil er watcht, sondern, weil er der einzige ist, der watcht.

von Fred, 17.08.10, 10:42
Wenn Google Street View einen Nutzen hat, dann für die Touristik. Frankreich hat es bereits vorgemacht und gezeigt, wie Urlaubsregionen das Programm als Guide für Besichtigungen, Übernachtungen oder Sonderaktionen nutzen. Ich bin also gespannt, wann Garmisch oder Timmendorf mit der ersten Google Street-View-App aufwartet.

von Thomas, 17.08.10, 12:55
Jeder, der schon mal mit Street View die Umgebung seines Wunschhotels in New York City erkundet hat, weiß diesen Dienst sehr zu schätzen! Unsere Kunden können sich damit ein noch besseres Bild ihres Hotels und der Umgebung machen, was zu weniger Fehlbuchungen und somit zu mehr Zufriedenheit führt. Im Reisebüro lässt sich dies nutzen, in dem man dem Kunden gleich bei der Beratung den Weg zur Metrostation, dem nächsten Starbucks oder was auch immer zeigen kann.

von Netzreisender, 17.08.10, 16:26
Dirk - ich kann dir nur zustimmen und verweise auf eine Aktion der Oberstaufener: Sonntagabend taucht im Netz ein Foto einer Torte auf, auf der mit Zuckerguss „Street View – Willkommen in Oberstaufen“ geschrieben steht... (hier der facebook-Link (Bildbeschreibung beachten): http://ht.ly/2qBrp). Diese Einstellung sollten alle Touristiker haben!

von Christa Hebestreit, 17.08.10, 16:36
Google Street View wird aber auch dazuführen, daß der Kunde noch mehr glaubt, auf die Dienste eines Reisebüros verzichten zu können. Er hat ja alle Infos "viel besser im Netz", glaubt er. Und mit den vielen Hotel-Checkern glaubt er auch, sich ein besseres Bild über die Angebote verschaffen zu können. Überleben werden das nur die Reisebüros, die mit den neuen Angeboten umgehen und sich vielleicht sogar zunutze machen. Ich setze Google maps bereits seit 2007 ! ein: http://www.hebestreit-reisebuero.de/grecotel/kreta-creta-palace/, mit gutem Erfolg. Langjährige Erfahrung kann auch Google Maps bzw. Google Street View nicht ersetzen.

von Michael Buller, 17.08.10, 16:45
...es wird auch nicht den Verkauf ersetzen sondern ihn Unterstützen!

von Christa Hebestreit, 17.08.10, 17:05
@Michael Buller: Ich befürchte, die Mehrzahl der Kollegen sieht das wieder etwas "anders". Und die Internet-Furcht bricht sich wieder Bahn.

von Michael Buller, 17.08.10, 17:12
könnte passieren!

von Sven Maletzki, 17.08.10, 23:56
Ich bin gerade auf Mallorca in Paguera. Zwar kannte ich schon Paguera recht gut, aber auf Street View habe ich vor der Reise noch einmal geschaut wie es aktuell aussieht. Ich finde Street View auch gut. Wenn hier jetzt wieder der "Online-Offline-Kampf" ausbricht, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Ewiggestrigen haben ein Problem mit sich selbst und nicht mit den neuen Medien. Wie heißt es so schön: "Stillstand = Rückschritt". Wer geschickt Google nutzt (z.B. dauerhaft geöffnetes Browser-Fenster mit Google-Maps und abgespeicherte Favoriten der beliebtesten Urlaubsregionen), wird es auch gewinnbringend anwenden können. Übrigens vermisse ich schon seit geraumer Zeit in den Reisebüro-Tools (Bistro, merlin Shop, usw.) direkte Verlinkungen zum Hotelnamen und nun auch zu Google-Maps. Dann hätte der Expedient auch sofort mit einem Klick die nötigen Informationen für den Kunden parat.

von Gabriele Schulze, 18.08.10, 09:18
Ich kann Herrn Rogl nur zustimmen. Wieso bekommen immer die negativen Meinungen und die Leute, die einfach nicht genügend über diese Themen wissen, die Story in den Abendnachrichten? Was jetzt angesagt ist, ist Aufklärung, konstruktives Planen, wie können wir diese Services nutzen und ein deutlich sachlicherer Umgang in Politik und Medien. Der nicht webaffine Kosument wird verängstigt und bekommt -wie so oft - nur die eine Seite der Medaille präsentiert. Vielleicht sollten auch die Destinationen und Touristikvermarkter fragen, wie sie Google unterstützen können, damit auch Deutschland flächendeckend für Reisende (oder Planer für Wirtschaftsansiedlung) sichtbar wird. Datenschutz ist wichtig, aber eine Blokade und Verhinderung schafft Nachteile und verhindert die Entwicklung, wie auch ein Ziel bleiben muß.

von G. Wissen, 18.08.10, 09:22
Es ist schon sehr interessant. Früher oder später geht jeder blog in die Online / Offline - Diskussion über, die Angst bei den Stationären muss also verdammt groß sein. Am Ende wird wieder gefragt, wer welche Pillen nimmt und zu guter Letzt entscheidet doch der Verbraucher... @Herr Maletzki stimme da mit Ihnen überein, in der Beratung kann das Netz sehr hilfreich sein. Über maps, earth und streetview könnte dem potenziellen Kunden alles noch besser und transparenter gezeigt werden und somit die Beratungsleistung steigen (die bewegt sich ja in zahlreichen Büros des öfteren auf Niveau heutiger Marketing-Manager Ideen...). Einige Reisebüros machen es ja bereits vor, dass sich diese "trends" in die Beratung integrieren lassen, also unterstützend wirken. Vielleicht können diese berichten, ob man dann die Ausgangstür vernageln muss, weil man den Kunden ja die "Online-Möglichkeiten" gezeigt hat und er deswegen nie mehr wiederkehrt bzw. bucht - würde mich wirklich interessieren. So, und jetzt muss ich erst einmal auf die aktuell nicht erreichbare Einspruchseite bei google gehen und meine Hausfotografien löschen lassen...;-)

von Netzreisender, 18.08.10, 09:53
@G. Wissen: machen Sie das bloß nicht - bestimmt kommt dann Ihre Adresse auf ne Blacklist beim Google-Maps-Routenplaner; und wenn die Adresse dann als Startpunkt einer Reise eingegeben wird brauchen Sie mindestens ne halbe Stunde länger ;-))

von G. Wissen, 18.08.10, 10:00
@Netzreisender Richtig, ich vergesse manchmal dass google ja schon alle Daten griffbereit hat... Routenplaner kann ich dann vergessen, Palma de Mallorca wird in der Nähe Kandahars angezeigt und meine googlemails kommen nur noch als "nicht zustellbar" zurück - aber erst nach einem gründlichen scan des Inhalts! ;-) Am Ende muss ich ins Reisebüro gehen um in den Urlaub zu kommen...

von S. Schuster, 18.08.10, 11:45
Klar hat Google Street View den Vorteil sich vorab ein exaktes (je nach Aktualität) Bild über sein Hotel und dessen Umfeld machen zu können. So lange es sich um gewerbliche Objekte handelt , klasse. Jedoch haben private Hinterhöfe hier nun wirklich nichts zu suchen. Sind wir wirklich mittlerweile so abgefuckt (internetgeschädigt) , dass wir hier diesen Eingriff in die Privatsphäre einfach so hinnehmen. Unfassbar

von Karen Liller, 18.08.10, 12:45
Sehr lesenswerter Blogpost, vielen Dank! Ich bin PRO Google Street View und denke, dass es sich positiv auf die Tourismusbranche auswirken wird - wenn Reiseunternehmen, Hotels, Urlaubsregionen etc. lernen, es optimal einzusetzen und die neuen Möglichkeiten zu nutzen! Außerdem bin mir sicher, dass unsere webaffinen Kunden die 360°-Ergänzung zu Google Maps als großen Mehrwert bei der Urlaubsplanung empfinden (werden). Trotzdem habe ich mal meine Fantasie schweifen lassen und über mögliche Schwierigkeiten für die Touristik nachgedacht. Mehr dazu in meinem Blogpost http://blog.statravel.de/google-street-view-fluch-oder-segen-fuer-die-touristik/

von Sven Maletzki, 18.08.10, 21:09
Es scheint ja enorme Wissenslücken bei denjenigen zu geben, die hier gegen Street View posten. @S. Schuster: wenn es ein HINTERhof ist, dann kann man ihn von der Strassenseite nicht sehen - auch nicht das Auto von Google. Und welche Privatspäre meinen Sie in diesem Zusammenhang? Wenn ich durch die Strassen gehe oder fahre, sehe ich auch alle privaten Häuser, nicht nur die Gewerblichen. Und sicherlich erhasche ich dabei auch das ein oder andere mal Szenen, die jemand nicht gerne öffentlich bekannt wissen möchte. Also das Problem ist doch kein Google-Problem!!! Einzige Ausnahme, die ich wirklich sehe, sind Bilder über Mauern und Hecken hinweg (weil die Kamera rund 2m über dem Auto-Dach "schwebt"), die sonst für Passanten nicht einsehbar wären. Hier kann aber doch jeder Betroffene Einspruch einlegen.

von Dirk Föste, 18.08.10, 22:00
Streetview ist ein SEGEN für die Touristik. Es wird neben der Unterstützung der Beratung im Reisebüro vor allem die Reiselust wecken. Es generiert langfristig neue Kunden für Veranstalter und Reisebüros. Wer wagt es, sich da zu beschweren? Bevor "Klein-Paris" in Las Vegas nachbaut wurde bestand die latente Angst in Frankreich, niemand würde mehr ins echte Paris fahren, der das Imitat gesehen hat. Genau das Gegenteil trat ein. Die Anzahl von US-Touristen in Paris stieg spürbar und nachhaltig an. Streetview wird Neukunden generieren. Ein Segen für die Branche. In Kombination mit Technologien wie Augmented Reality wird der Dienst das Informationsverhalten vor der Buchung nachhaltig verändern. Zumindest zeigt meine Glaskugel das so. Viele Grüße Dirk

von mifaber, 19.08.10, 08:37
Vorab ein nicht ganz so ernst gemeinter Beitrag: "Durch Google Street View werden alle reale Reisen überflüssig, da man ja virtuell verreisen kann", könnte man die Diskussion um GSV überspitzen ;-) Vielleicht gibt Google ja demnächst auch Zuschüße für die Fassadenrenovierung von Gebäuden für eine schönere Welt ;-) Klar ist aber: ...der Gewinner ist der Kunde, aber auch diese Unternehmen, die es wissen die Informationen im Netz zu aggregieren und dem Kunden als Mehrwert bei Beratung oder Verkauf geschickt anzubieten! Ich liebe das strahlende Gesicht von Kunden, die sich vorab über eine Webcam der Destination auf den Strand etc. freuen. Trotzdem ist doch ein kleiner Funke Wahrheit dran: Der Urlaub/die Reise wird vorab erlebarer für den User und Google Street View bietet einen weiteren Qualitätsfaktor für die Reiseentscheidung und die Vorfreude, obgleich die Aktualität zu wünschen lassen wird.

von S. Schuster, 19.08.10, 10:42
@Sven Maletzki: Zunächst möchte ich mich einmal für Ihre Intention bedanken, etwaige Wissenslücken auf meiner Seite füllen zu wollen (Vorsicht Ironie !). Da Sie meine Äusserung wohl nicht verstanden haben, möchte ich hier noch etwas deutlicher werden: Mit den "Hinterhöfen" sind natürlich alle Einblicke in unser privates Umfeld gemeint, was ausser der individuellen Person niemand Anderes etwas angeht. Wie absurd ist die Aussage zur Legitimation einer weltweiten Verbreitung von Informationen, dass man diese auch selbständig, z. Bsp. durch Erhaschen privater Einblicke, erhalten kann. Warum dann Datenschutz ? Irgendwie kommt jeder irgendwo an die gewünschten Informationen, wenn er es darauf anlegt (leider). Also daher gleich ganz weg mit dem Datenschutz ... Absurd @all: Im Übrigen möchte ich Ihnen, sowie beschämender Weise eigentlich allen bisher hier aufgeführten Postern, nahelegen, die Google Street View Diskussion als ein universelleres Toppic zu betrachten und nicht nur als ein neues touristisches Werkzeug zu behandeln. Aber auch hier kann es darüber hinaus heikel werden. Nur ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, ein renommiertes Hotel hat gerade zum Zeitpunkt der Google Street View Aufnahme Renovierungsarbeiten vollzogen und jetzt hat jeder Urlauber, der auf der Suche nach seinem nächsten Feriendomizil ist, unschöne Bilder von Gerüsten, Arbeitern oder whatever vor sich. Ausserordentlich geschäftsschädigend ... Was tun ? Bleibt nur so schnell wie möglich, die Löschung oder Unkenntlichmachung bei Google zu beantragen. Aber auch hierbei bleibt ein fader Nachgeschmack, wenn die Konkurrenz nebenan weiterhin in hellem Licht erstrahlt. Ich appeliere hier nun wirklich um eine etwas verantwortungsvollere Umgangsweise mit dem bezogenen Thema.

von Volker Blum, 19.08.10, 11:15
Wie kann denn ein öffentlich zugänglicher Strassenzug nun plötzlich aus schützenswerten Daten bestehen? Wer sich mal street-view für die USA anschaut, wird feststellen, daß die intimen Details sich aber doch sehr in Grenzen halten, mehr als die Balkonbeplanzung ist da nicht zu erhaschen. Und das besagte Hotel wird sicherlich aktuelle Fotos verlinken, die das Haus in strahlend neuem Glanze erscheinen lassen, denn jeder Street-view User weiß ja auch, daß die Bilder, wie bei Google Earth nicht live sind. Bei manchen Themen bricht in manchen Ländern immer gleich eine Hysterie aus, die ich perösnlich nicht mit dem Anspruch an "verantwortungsbewußten Umgang" im Zusammenhang bringe.

von Wolfgang Hoffmann, 19.08.10, 14:44
gestern habe ich den Antrag ausgefüllt, - heute Morgen kamen schon die Arbeiter und haben die schwarze Folie an die Hausfassade getackert.

von Volker Schulz, 19.08.10, 16:20
Vor wem oder was haben wir Deutschen eigentlich Angst ? Warum haben viele Innovationen viele Gegner ? Ja, wir wollen die anderen, sprich Hotels, Urlaubsgebiete etc. sehen aber das Foto unseres Hauses ist Tabu. Eine schöne Karrikatur des "deutschen Michl" gab es vorgestern in meiner Tageszeitung. Eine entblößte Person von hinten mit dem Mantel gezeigt mit dem Aufdruck facebook und studivz, ein Plakat hochhaltend auf den vorbeifahrenden "Googlefotografen" gerichtet auf dem zu lesen war: "mein Haus nicht!"

von Wolfgang Hoffmann, 20.08.10, 13:21
Befürworter von Streetview führen an, dass sie sich so informieren können, wo das Haus liegt, was sie kaufen möchten... Himmel, mein Haus steht nicht zum Verkauf! Befürworter von Streetview führen an, dass sie sich so informieren können, in welcher Umgebung ihr Hotel denn liegt, wo sie den Urlaub buchen wollen... Ich vermiete keine Doppelzimmer! Und das nächste Hotel ist Luftlinie 5 km entfernt! Welchen Sinn macht es für die Touristik, dass mein Haus, mein Garten, mein Auto... für einen Chinesen in Shanghai jederzeit zu beglotzen ist? Es wird behauptet, dass es kein Gesetz gibt, was das eigene Haus, die eigene Wohnung zur Privatsphäre eines Bewohners zählt... Ja, GotT, dann iste eben eine neue Faktenlage entstanden, die notfals neue Gesetze erforderlich macht. Die weltweite, kommerzielle Verwertung einer Hausfassade, deren Verklinkerung ich bezahlt habe, die gibt es doch jetzt erst. Und jetzt erst weigere ich mich, dass ein Multikonzern, der alles in eine gigantische Kartei reinsammelt, mit meinem Eigentum Geld macht. Ist das denn so schwer zu verstehen? Und wenn Menschen vor diesem egoistsichen Gigantismus von Google Angst bekommen, dann ist das eine völlig normale Schutzreaktion.

von Armin, 21.08.10, 19:23
Das ist typisch deutsch! In keinem anderen Land der Welt gibt es diese Diskussion. Nirgendwo sonst sind Hausbesitzer empört, weil man ihr Haus im Internet ansehen kann. Dabei läßt sich noch nicht einmal der Name des Besitzers feststellen. Es gibt sogar eine Widerspruchsmöglichkeit gegen die Veröffentlichung, aber damit sind die Gegner immer noch nicht zufrieden. Haben wir wirklich keine größeren Probleme? Warum sind wir nur so paranoid???

von Wolfgang Hoffmann, 22.08.10, 17:19
@Armin, ich kann schwer nachvollziehen, wie paranoid Sie sind, schließlich kann ich aus Ihrer Unterwschrift nicht ersehen, ob Sie eventuell Insasse einer Psychiatrie sind, allerdings darf ich den Vorwurf, paranoid zu sein für mich entschieden zurückweisen, - obwohl ich für die Touristik arbeite, was bei manchen Gutachten schon fast als Nachweis gilt ;-) Nur, haben Sie sich mal die Frage gestellt, warum Guggel nicht von Vornherein hingegangen ist und hat die Ablichtung individuell den einzelenen Hausbesitzern angeboten? Ich kann mir vorstellen, dass sich Betrieber von Hotels überall in der Welt gefreut hätten. Nein, Guggel nimmt für sich das Recht in Anspruch, die gesamte Welt zu kartographieren und in einen ihm nur eigens bekannten Kontext zu stellen, der nur Guggel nutzt. Dass da Misstrauen, gerade auch bei uns Deustchen mit den uns nur eigenen Getapo und Stasierfahrungen aufkeimt, das sollten Sie einfach mal akzeptieren und das nicht als pathologischen Ausdruck darstellen. Dass der Widerstand gegen Guggels Spannerorgie nur in Deutschland so groß ist und nirgendwo im Ausland stattfindet, das ist darüber hinaus lediglich ein hartnäckiges Gerücht. Man sollte Deutschland auch keinen Vorwurf daraus machen, dass hier eine sehr wachsame Presse sehr aufmerksam und unabhängig jegliche Veränderungen in den Gesellschaftsstrukturen registriert und verbreitet,- im Gegegensatz z.B. von Italien - und man sollte den Deutschen auch keinen Vorwurf daraus machen, dass sie mit den Erfahrungen ihrer Vergangenheit ebenfalls eine gesunde Wachsamkeit ausüben. Nicht die Bürger müssen sich den Egoismen der Wirtschaft und Politik anpassen, sondern anders herum. Und, das Guggel beizubringen, tja, wer wäre dafür prädestinierter, als wir Deutschen?!

von Volker Schulz, 23.08.10, 12:09
Wie spannend muss es wohl sein ein verpixeltes Haus aufzuspüren, um diesem seine Geheimnisse zu entlocken ? Das führt bestimmt zu einer neuen Art des Tourismus. Ich betreibe nebenbei Geocaching. Diese verpixelten Häuser sehe ich Übermorgen bestimmt auf der Geocaching-Karte und somit gründet man dann auch eine neue Art von Tourismus, nennen wir ihn dann "Pixeltourismus" ? Und der Eintrag im Internet (Log) lautet: Geheimnis entdeckt oder so ähnlich. Und dann sind alle Hausbesitzer sicher hochzufrieden, oder ?

von Wolfgang Hoffmann, 23.08.10, 12:22
@Volker Schulz, so gesehen könnte man Guggel als Retter der Touristik betrachten..., wenn Guggel mit diesem Produkt Street View nicht in erster Linie sein eigenes Touristikgeschäft featuren würde. Angekündigt hatte Guggel es ja bereits!

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