Google

Googles Eintopf wird noch deftiger

Die Suchmaschine verfeinert ihr Erfolgsrezept weiter und hat in den USA den lokalen Bewertungsdienst „Hotpot“ gestartet. Außerdem hat die Suchmaschine angeblich Interesse an der Schnäppchen-Plattform Groupon. Da köchelt was zusammen ...

von Arndt Aschenbeck, 24.11.2010, 09:16 Uhr

Google hat sich wieder einmal sein Schürzchen umgebunden und köchelt in seiner Experimentier-Küche vor sich hin. Und da geht die Schwingtür schon auf, und der Ober kommt mit einem neuen, schmackhaften Gericht an die Tische der Internetsurfer. „Hotpot“ (Eintopf) heißt der neue Dienst, mit dem Google die lokale Suche noch schmackhafter machen will. Die Funktion lässt sich auch schon in Deutschland nutzen. Die Menüführung ist allerdings noch in englischer Sprache.

Auf den ersten Blick bietet der Eintopf nicht viel Neues. Auf den zweiten Blick sieht man allerdings, dass die Usability komplett neu ist, und es sind einige „Social“-Features integriert. Und wenn man dann seine Geschmackknospen justiert und sich den Hotpot auf der Zunge zergehen lässt, wird einem klar, dass sich da etwas ziemlich Bahnbrechendes ankündigen könnte.

Man kann Hotpot testen, indem man die Seite Hotpot.google.com aufruft. Dann muss man sich mit seinen Zugangsdaten bei Google einloggen. Wenn man jetzt beispielsweise Hotels Hamburg eingibt, bekommt man eine Seite mit 20 Häusern angezeigt, die alle in jeweils einer Box mit Foto angeordnet sind. Sehr interessant ist der Aufbau der Kästchen. Oben kann man direkt entscheiden, ob man ein Restaurant für später speichern will oder ob es einen gar nicht interessiert. So sammelt Google schon mal Daten, was den Leuten gefällt (die Like-Funktion von Facebook lässt grüßen). Ganz unten kann man sofort das Restaurant mit einem Klick von 1 bis 5 Sternen bewerten. Klickt man auf eine Bewertung, öffnet sich ein Feld, wo man noch einen Kommentar dazu schreiben kann.

Das habe ich spaßeshalber mal für ein Hotel getan. Und postwendend bekam ich bei der nächsten Suche nach einem Restaurant ganz vorn zunächst ausschließlich Restaurants in Hotels angezeigt. Verbunden mit dem jeweiligen Hinweis „Empfohlen, weil Sie Hotel XY mit X Sternen bewertet haben“. Also, Hotpot lernt schnell dazu, was mir gefällt und stellt sich darauf ein. Klickt man dann auf den Link unter dem Hotelnamen, öffnet sich die bekannte Place-Page des Hotels.

Ganz unten wird’s dann noch mal interessant. Dort verspricht mir der Google-Chefkoch, dass ein Eintopf doch mit Freunden viel besser schmeckt. Und fordert mich auf, meine Freunde hinzuzufügen. Mit einem Klick auf „Add Friends“ öffnet sich mein Google-Adressbuch und ich könnte lustig all meine Kontakt zum Essen einladen (auch hier lässt Facebook grüßen).

Das Ganze sieht stark danach aus, als koche Google gerade an einem Fünf-Gänge-Menü in

Sachen Lokaler Suche. Und Hotpot könnte auch locker als Trojanisches Pferd daherkommen, um ein Soziales Netzwerk durch die kalte Küche zu etablieren. Vorne rum hat’s mit Buzz ja nicht geklappt. Aber mit dem Vehikel Hotpot / Places könnte das anders aussehen. Ist der Social Graph erst mal in Places etabliert und integriert, könnte Google ihn auch überall anders in seinen Suchfunktionen einbauen.

Dass Google den Dienst gerade jetzt startet, hat sicherlich auch mit den Deals auf Facebook Places zu tun, die das Netzwerk kürzlich gestartet hat. Ob das reicht, um Facebook oder Foursquare vom Sockel der Location Based Suche zu schubsen, wird man sehen. Dafür bräuchte Google sicher erst mal eine vernünftige Smartphone-App. Wer sich auf jeden Fall warm anziehen muss, ist Qype. Denn eine solche Plattform wird überflüssig, wenn alle lokalen Empfehlungen schon in Google integriert sind.

Genau in dieses Fahrwasser passt auch das Gerücht, dass Google angeblich Interesse an einer Übernahme von Groupon hat. Das ist ein Schnäppchen-Dienst für lokale Angebote, der auch regelmäßig Touristik-Deals im Portfolio hat (die fvw berichtete). Insidern zufolge verhandeln die beiden Unternehmen bereits miteinander. Der Kaufpreis soll sich irgendwo zwischen zwei und vier Mrd. US-Dollar bewegen. Bisher haben aber weder Google noch Groupon die Spekulationen kommentiert. Sollte die Übernahme zustande kommen, könnte das Googles teuerste Akquisition werden – bisher ist das der Kauf des Internet-Werbers Doubleclickder, der 3,2 Mrd. Dollar verschlang.

Groupon würde gut in Googles Strategie passen. Denn die Ausrichtung der Schnäppchen-Plattform ist in erster Linie lokal. Zwar gibt es dort zunehmend auch bundesweite Deals, aber die Mehrzahl der Angebote ist städtebezogen. Was läge da näher, als Groupon mit Places / Hotpot zu verknüpfen? Dann hätte man alle Infos zu einem lokalen Unternehmen an einem Ort und könnte dort noch aktuelle Schnäppchen integrieren – die man dann auch seinen Freunden empfehlen kann.

Und was denken Sie, hat Googles lokaler Eintopf schon die richtige Würze, oder fehlt noch was? Und vor allem: Schmeckt er Ihnen, oder liegt er Ihnen vielleicht so schwer im Magen, dass Sie hinterher einen Magenbitter brauchen?

Kommentare

von Uwe Frers, 24.11.10, 09:45
Mit Hotpot unternimmt Google einen weiteren Versuch, "Social" zu werden. Aus meiner Sicht wird auch dieser Misslingen, weil Google in der Wahrnehmung der User ein Tool ist, mit dem man Informationen aufnimmt, aber nicht veröffentlicht. Hotpot ist nicht so witzig wie Foursquare, nicht so persönlich wie Facebook, nicht so lokal wie Qype, nicht so branchenspezifisch wie TripsByTips - kurzum fehlt es Hotspot an uniqueness. Der Groupon-Deal hat für Google aus meiner Sicht nur einen Nutzen: noch tiefer ins lokale Werbegeschäft vorzudringen. Google hat keinen lokalen Außendienst, der für die Akquise von local deals dringend notwendig ist. das könnte sich mit Groupon ändern.

von Arndt Aschenbeck, 24.11.10, 10:26
@Uwe: Treffende Analyse. Was das "Social" angeht, bin ich allerdings optimistischer. Ich kann mir vorstellen, dass es funktioniert. Vor allem, weil es so einfach ist. Jeder, der ein Google-Konto hat, kann mit zwei Klicks eine Bewertung abgeben. Kinderleicht und deshalb vielleicht auch erfolgreicher als Buzz. Vielleicht ist die Strategie, kein direkt sichtbares Netzwerk zu etablieren, sondern ein eher "unsichtbares" im Hintergrund nicht die schlechteste. Der Groupon-Deal macht aus meiner Sicht noch aus einem anderen Grund Sinn, den ich mal das Bayern-München-Phänomen nennen würde. Die haben in den 70er, 80ern und 90ern immer die besten Spieler der unmittelbaren Konkurrenz aufgekauft. Und das nicht, weil sie sie unbedingt gebraucht hätten, sondern weil sie ihre Gegner schwächen wollten. Dasselbe gilt für Google. Google muss aufpassen, dass die Portale in den einzelnen Verticals nicht zu groß und zu bekannt werden. Denn wenn sich in allen Segmenten ein oder zwei Portale im Hirn des Nutzers festegesetzt haben, muss er in diesem Bereich nicht mehr auf Google suchen. Das beste Beispiel ist Amazon. Das ist für viele die erste Online-Anlaufstelle für Bücher - da muss man nicht mehr auf Google gehen. Und das kann natürlich nicht im Interesse der Suchmaschine sein. Auch das könnte neben den thematischen Verknüpfungen und der Akquise-Kompetenz, die Uwe anspricht, ein Grund für das Interesse an Groupon sein.

von ToM80, 24.11.10, 11:19
Ich denke gerade in Verbindung mit Street-View könnte HotPot sehrwohl potential haben. Wenn ich mir vorstelle, dass ich über Maps od. Earth eine Stadt anschaue, dann in Streetview die Straße entlang flaniere und dazu dann noch Tipps bekomme wo ich gut essen oder günstig shoppen kann hat das sicher seinen Reiz. Die Technik wird sicherlich noch reifen müssen, aber die Möglichkeiten sind groß, nicht zuletzt für Urlaubsdestinationen.

von f_wenz, 26.11.10, 08:48
Google hat das lokale und mobile Geschäft ins Zentrum seiner Bemühungen gestellt. Hotpot ist ein weiteres Mosaiksteinchen, um die komplexe Werbevermarktung auf dem Rücken werthaltiger Inhalte in diesem Segment zu stärken. Ob der soziale Aspekt dabei greift, wage ich wie Uwe zu bezweifeln, da Google zwar von der Mehrheit der Surfer für die Suche genutzt wird, aber eine Minderheit ein Google-Konto besitzt und nicht zwingend aktiv nutzt. Ease of use ist zwar ein Aspekt, aber eben nicht alles. Strategisch geht es dabei auch nicht nur um Social, sondern um UGC. Wie von Arndt richtig beschrieben ist G auf die Yelps, Qypes und GoLocals und andere Verticals dieser Welt angewiesen. Sollte Hotpot genügend fundierten eigenen UGC bereitstellen, kann man diese Assets im Index weiter zurückdrängen. Selbiges konnte man ja auch im Bereich Preisvergleich beobachten. Bon appetit!

von C. Schreiber, 06.01.11, 11:09
Ich sehe das optimistischer, es geht wirklich nicht nur um social. Google erweitert seine Maps Offerte mit Hotpot. Fast jeder Internet-Nutzer mit mobiler und ständiger Anbindung nutzt ein GoogleMail Konto. Die Bewertungen von Yelp, Qype oder wie auch immer, sind bereits bei Maps eingepflegt, nun wird es auch möglich ohne Nutzung der Endportale seine Bewertung preiszugeben, hierbei geht es nicht um den Grundgedanken, dass die Bewertung von jemanden stammt, den man kennt. Es geht nur um die Fülle von Reviews und Bewertungen. Google steigt sehr spät ein in diese Erweiterung, aber es könnte dennoch gelingen. Das Vertrauen in die besonders benutzerfreundliche Google-Oberfläche könnte den Gebrauch von Maps und Streetview somit noch weiter vorantreiben und sämtliche Substitute konkurrenzunfähig machen.

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