Google

Google unter Beobachtung

Die europäische Behörde nimmt den Suchmaschinen-Giganten unter die Lupe, nachdem sich drei große Online-Unternehmen beschwert haben, dass sie durch Google Beeinträchtigungen in ihrem Geschäft hinnehmen müssten.

von Arndt Aschenbeck, 24.02.2010, 09:58 Uhr

Es war nur eine Frage der Zeit, bis es passiert – jetzt ist es soweit: Die EU-Kommission hat eine Anti-Trust-Untersuchung gegen Google eingeleitet. Konkreter Anlass waren die Beschwerden des Bewertungsportals Ciao, von Foundem (eine britische Preisvergleichsseite) und Ejustice.f (eine französische Rechtsseite).

Foundem behauptet, dass Google die Seite durch eine Abstrafung in den Suchergebnissen massiv wirtschaftlich benachteiligt habe. In einem Blogpost des Webunternehmens heißt es: „Google hat immer verschiedene Abstrafungsfilter genutzt, um bestimmte Seiten komplett aus seinen Suchergebnissen zu entfernen oder sie so weit unten anzuzeigen, dass sie nicht mehr gefunden werden. Diese Abstrafungen treffen zunehmend nicht nur Spam- oder betrügerische Seiten, sondern auch solche, die rechtlich einwandfrei sind."

Und Foundem schickt gleich eine Vermutung hinterher, warum das so sei: „Es mag kein Zufall sein, dass diese Seiten eine aufkommende Bedrohung zu Googles Werbeeinnahmen sind." Der Hintergrund: Foundem ist eine Preissuchmaschine und vermutet daher, dass Google das Unternehmen als Konkurrenz sehen könnte. Ähnlich argumentiert Ejustice.

Google hat die Behauptungen naturgemäß zurückgewiesen. Mit der gebetsmühlenartigen Argumentation, dass der Suchalgorithmus allein das Ziel verfolge, den Surfern die besten Suchergebnisse zu liefern. Und dass man selbstverständlich keine Favoriten auswähle und herauspicke.

In einem Blogpost von heute Morgen legt der Suchmaschinen-Riese nach: „Wir haben nichts gegen vertikale Suchmaschinen – es gibt sogar einige von ihnen wie Moneysupermarket.com, Opodo oder Expedia, die in der Regel sehr hoch in unseren Suchergebnissen angezeigt werden."

Ciao, so Google weiter, sei ein langjähriger Adsense-Partner gewesen, mit dem man immer eine gute Beziehung gehabt habe. Nach der Übernahme durch Microsoft 2008 habe man aber zunehmend Beschwerden von Nutzern bekommen, dass Ciao die Google-Richtlinien nicht einhalte.

Die Beschwerden bekommen dadurch einen bitteren Beigeschmack. Ciao ist eine direkte Microsoft-Tochter, und Foundem gehört zur Lobbyisten-Vereinigung ICOMP, die finanziell von Microsoft unterstützt wird.

Trotzdem scheint die EU-Kommission die Beschwerden ernst zu nehmen. Wie der britische Telegraph berichtet, hat die Behörde Google eine Reihe von Fragen geschickt. Unter anderem darüber, wie die Suchfunktion arbeite und über die Art, wie Google die Adwords-Werbung verkauft.

Wie die Sache ausgeht, ist im Moment nicht absehbar. Bisher hat Google jegliche Kritik an seinem Suchalgorithmus oder seinen Werbepraktiken an sich abprallen lassen. Das mussten in den letzten Monaten auch viele kleine deutsche Online-Reisebüros erfahren (siehe fvw 17/09), die ohne erklärlichen Grund von der Adwords-Werbung ausgeschlossen wurden. Selbst die offensichtliche marktberrschende Stellung (über 90 Prozent Marktanteil in Deutschland und UK) weist das Unternehmen mit der Begründung zurück, diese sei bisher noch von keinem Gericht festgestellt worden.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie die EU-Kommission mit Google umgeht. In der letzten Zeit häufen sich mahnende Stimmen, die die Größe und die Machtstellung des Online-Giganten kritisieren. Von den Diskussionen um den Datenschutz einmal ganz abgesehen. Der Konzern kämpft zurzeit an den unterschiedlichsten Fronten gegen Zeitungsverleger, Datenschützer und Online-Konkurrenten.

Was denken Sie, wird es Zeit, Google mehr auf die Finger zu schauen? Was könnte und sollte die EU-Kommission tun oder unterlassen?

Kommentare

von Ulrich Roth, 24.02.10, 11:50
Ich bin selber ein sehr kritischer Nutzer und Beobachter von Google. Aber diese Beschwerden haben ein Gschmäckle wie der Schwabe sagt. Google hat Guidlines an die man sich halten sollte, wenn man diese verletzt dann gehts abwärts, selber schon erfahren. In diesem Punkt ist Google sehr demokratisch. Wäre jetzt ein Witz wenn man mit entsprechendem finanziellen Background und Microsoftunterstützung über die EU sich auf TOP-Positionen bei Google klagen kann. Ciao ist wirklich Müll. Da brauch man erst gar nicht drauf klicken. Deren Links sind eine Belästigung wenn man was sucht. Wie wäre es für die Klagenden es mal über Qualität zu versuchen, die Serps von Google zu erobern?

von Ole Potinius, 24.02.10, 11:58
@ Ulrich Roth: Dem kann ich so 100%ig zustimmen!

von Ralf Becker, 24.02.10, 12:30
Immer dieses Geheule um Google ... Google ist ein rational handelndes Wirtschaftsunternehmen und ist mit Abstand die wichtigste Plattform im Internet. Entsprechend sollte man sich auch an deren Regeln halten. Wenn Ciao und Co sich nicht an diese Regeln halten, ist das deren Problem ... Ich möchte allen Kritikern den derzeit wohl besten Beitrag zum Thema Google ans Herz legen. Der Autor Christoph Kappes geht das Thema Marktbeherrschung von Google endlich mal sachlich an und zeigt auf, was Google ist und warum Google so ist, wie es ist: http://carta.info/21775/google-bashing/

von Lawrence Nell, 24.02.10, 17:27
Google mag wichtig sein, aber warum müssen sich alle an Googles Regeln halten? Einer der Kommentatoren sieht die Macht und die Möglichkeiten ein bisschen zu unkritisch. Und was ist damit verkehrt, wenn ein Unternehmen klagt, das Microsoft gehört? Wer denn sonst? Die meisten kleineren Firmen können sich so etwas nicht leisten - nur deswegen bleibt ihnen nichts anderes übrig als nach Googles Regeln zu spielen, die aber nicht vollständig erklärt sind, solange der Algorithmus geheim bleibt. Sollte sich also Ciao vor Gericht durchsetzen, dann kann das allen nur recht sein, denn mit Sicherheit bedeutet das nicht, dass anschliessend Ciao immer ganz oben gelistet wird. Viele andere, die ebenfalls sauber arbeiten, kommen dann auch wieder zum Zug. Im Übrigen ist mir der Fall eines Kunden bekannt, der über Nacht 2/3 seines Traffic verlor, obwohl alles einwandfrei eingerichtet und regelkonform bereitgestellt war und im Vorfeld des Verlustes keinerlei Änderungen an der Website vorgenommen worden waren. 3 Monate später glaubte man endlich eine Ursache gefunden zu haben, aber noch bevor man sich ans Werk machte, sie zu beheben, hatte Google irgendwo in seinem Netz einen Schalter um gelegt und der Traffic war wieder da. Über Nacht. Wer will denn da schon glauben, daß sich Google immer an seine eigenen Regeln hält?

von Ole Potinius, 24.02.10, 17:59
> Google mag wichtig sein, aber warum müssen sich alle an Googles Regeln halten? Niemand muss sich an die Regeln halten, das ist völlig freigestellt....allerdings ist es wirtschaftlich sinnvoll! Ciao lieferte oftmals (genau wie suche.chip.de oder suche.netzwelt.de) keinen Unique Content, sondern eigene Serps, die dann in den google Serps gelistet wurden. Das Resultat waren Serps in Serps, - etwas, was kein User sehen möchte. Die Richtlinien sind dazu gedacht, die Qualität der Serps zu verbessern, im Falle von Ciao (oder auch suche.chip.de und suche.netzwelt.de) hat das geklappt.

von Lawrence Nell, 24.02.10, 18:34
Ich stimme Ihnen zu. SERPs in SERPs sind nicht gerade toll. Aber ich habe erstens immer wieder gesehen, daß das eigene Nutzungsverhalten und die eigene Wahrnehmung weit von dem/der anderer Leute abweicht. Wichtiger aber ist mir, daß hier die Chance zu einer Klärung besteht. Wo Ciao hinterher bleibt, ist mir kurz gesagt egal.

von Yurtlu, 25.02.10, 02:53
Unister ist ja jetzt Suchpartner von Google und sorgt für jede menge Impressionen und klicks für Google. Sogar mehr als Google selber. Dank spam mails an gekaufte mail adressen kann man so viele klicks produzieren. Google lässt so manches seinen Suchpartnern machen und macht sich selbst nicht die Finger schmutzig. Ohne zahlende Kunden gebe es kein Google. Daher sollte Google seine Kunden nicht abzocken.

von Ralf Becker, 25.02.10, 09:57
@Lawrence Nell: Wurde denn bei dem Kunden mal recherchiert, warum der Traffic verloren gegangen ist? Ist denn wirklich klar, dass es an Google selbst lag? Manchmal sind es auch einfach nur "kleine" Änderungen an der eigenen Seite, die diesen Effekt mit sich bringt. Google ist eine Maschine, da sitzen keine kleine Männchen, die Seiten bestraft, weil diese nicht brav Sitz gemacht haben. Daher sollte man - bevor man die Behauptung aufstellt, Google sei böse - erst einmal Ursachenforschung betreiben. Hierfür bietet Google allein schon mit dem Webmaster-Tools und weiteren kostenlosen Tools wichtige Informationen. Wir hatten mit einer unserer sehr gut gelisteten Domain mal ein ähnliches Problem und waren von Heute auf Morgen extrem zurückgefallen. Als wir uns auf die Suche nach dem Grund machten, stellten wir fest, dass durch eine kleine Änderung an generierten Seiten Google auf einmal zig Tausend (überflüssige) Seiten zum indexieren serviert bekommen hat. Da wir dadurch gegen die Richtlinien verstoßen haben, wurden wir mit einer Penalty-Strafe belegt. Nachdem wir die Seiten so umgebaut haben, dass wir Google nicht mit überflüssigen Ballast füttern, waren wir innerhalb weniger Tage wieder normal gelistet. Und ja, Google hatte Recht mit der Bestrafung! wenn Google das nicht so rigide bestrafen würde, könnten wir statt Flügen, Reisen oder Mietwagen wohl nur noch Potenzmittel kaufen. Nochmal zurück zu Ihrem Beispiel: Sollten diese Schwankungen wirklich(!!) ohne ersichtlichen Grund entstanden sein, kann es dafür noch weitere mögliche Gründe geben: - die Seite ist in der Sandbox (siehe hierzu http://www.seo-united.de/google/sandbox.html) gelandet. - Google hat seinen Algorithmus geändert. Das kam in den letzten Jahren zwar nicht sehr oft vor bzw. nicht in einem Umfang, der die Suchergebnisse extrem durcheinander würfelte, aber Google Änderungen in den SERPs sind da normal. - Bei kurzzeitigen Veränderungen kann der Grund auch auf einen Index-Update (auch bekannt als "Google-Dance") zurückzuführen sein. Allerdings ist das max. ein paar Tage zu spüren und nicht über Monate. Alle erwarten von Google ein perfektes Suchergebnis und m.E. kommt Google unter Betrachtung der Datenmenge schon sehr nah an diesen Wunsch heran. Allerdings kann eine Suchmaschine diese Qualität nur halten, wenn zum einen der Algorithmus geheim gehalten wird und zum anderen daran auch immer etwas geändert wird. Stillstand würde für Google den Tod bedeuten, da innerhalb kürzester Zeit die SERPs von Spamseiten zugemüllt wären.

von Lawrence Nell, 25.02.10, 10:29
Herr Becker wir können uns dafür verbürgen, daß im Vorfeld NICHTS geändert wurde. und wiederum OHNE weitere Änderungen kam der Traffic zurück. Das kommt mir ziemlich willkürlich vor, egal ob ein Mensch oder der Algorithmus dahinter stand. Aber danke für die Tipps

von Ulrich Roth, 25.02.10, 10:50
Na Herr Hell, mit dem verbürgen wäre ich doch sehr vorsichtig. Mal davon ausgehend, dass wirklich nichts geändert wurde, kann es noch weitere mögliche Gründe von so einem Phänomen geben. Das man ziemlich grenzwertig schon ist und bei der Algo Veränderung somit in den Penalty-Filter gerutscht ist. Allerdings Google nach einer Weile diese Algo-Veränderung etwas entschärft hat. Wo man aber dann bei den betroffenen Webseiten davon ausgehen kann, dass sie weiterhin immer einer gewissen Gefahr ausgesetzt sind. Sollte man vielleicht alles auf den Prüfstand stellen und die eine oder andere grenzwertige Optimierung etwas entschärfen, damit man wieder "midle o the road" ist. Das ist Tagesgeschäft eines SEO`s. Wer das unterlässt und dann rum jammert wie böse Google ist, hat auf dem Posten eines SEO`s, egal ob inhouse oder externer Berater nichts zu suchen. Darüber mal nachgedacht?

von sevenseos, 25.02.10, 21:17
@ Ralf Becker Wenn Sie sich so gut mit Penaltys auskennen, dann probieren Sie doch mal Folgendes: Sie pushen ein Stichwort, mit dem Sie bislang gut gelistet sind, sagen wir beispielsweise Mallorca oder irgend ein anderes. Sie sind ein bisschen zu eifrig dabei und optimieren ihre Seiten nur ein bisschen zu stark ;-) Sie werden mit einer Penalty belegt. Sie revidieren alles wieder auf den Zustand davor. Sie kriegen diese Stichwortfamilie trotzdem nie mehr auf dieser Domain gebacken. Ist und bleibt mit einem Bann belegt. Da können Sie unique content produzieren, soviel Sie wollen. Das Stichwort ist verbrannt. Wenn Ihnen das passiert, ohne dass sie eine böse Absicht verfolgt haben, weil Sie einfach nicht genug Wissen und SEO-Kenntnisse haben, dann kann die Arbeit von Jahren kaputt sein. Und warum? Weil die Regeln von Google schwammig sind, weil sie niemals eine Antwort bekommen und last not least, Google eigene kommerzielle und materielle Interessen verfolgt. Exekutive, Legislative und Judikative in einer Person. Tja, Google-Geheule hin oder her: Die Probleme sind keine Ausnahme, sondern die Regel.

von Andre, 19.08.13, 10:24
Würde Google nur Suchergebnisse anzeigen und seine Werbeumsätze über Adwords generieren, wären die Klagen wohl unbegründet. Da Google aber immer mehr eigene Portale in Profitable bereich puscht, kann Google nach belieben auch starke Konkurenz nach belieben abwerten ohne das jemand Google auf die Finger schaut. Entweder Google bleibt eine reine Suchmaschine oder man sollte denen das Recht Konkurenten abwerten zu können, entziehen. Ohne die wichten Daten für einen Nachweis, die immer nur Google vorliegen, wird es nämlich schwer, denen etwas nachzuweisen.

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